Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
Artikel drucken

Erziehung

Streifzuege 65[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

„Kinder brauchen Grenzen“, tönt es aus Erziehungsratgebern, sonst würden aus kleinen Menschen später maßlose Monster werden. Gerne werden die empfohlenen Grenzen mit moralischen Werten drapiert, die Heranwachsenden Orientierung bieten sollen. Erstaunlicherweise findet sich eine ähnliche Argumentation bei jenen Eltern, die emanzipatorische Ansprüche hegen. Selbstbestimmung für alle – mit Ausnahme von Kindern?

Selbstverständlich wird die repressive Erziehung kritisiert, strebe sie doch danach, aus wachen Menschlein angepasste Untertan*innen zu machen. Dennoch sei nicht das Grenzensetzen und die Werteerziehung das Problem, sondern ihr Inhalt: Es müsse um die richtigen Grenzen und die richtigen Werte gehen, die Kindern zu vermitteln seien. Was sei falsch daran, Kindern beizubringen, dass die Naturressourcen endlich seien und wir uns deshalb alle beschränken müssten? Was falsch daran, Kindern mit Werten wie Achtsamkeit, Solidarität und Emanzipation (oder was auch immer „Gutes“) auszustatten?

Erziehung ist ein verrückter Sonderfall zwischenmenschlicher Beziehungen. Hier fallen Menschen in zwei Klassen: Jene, die ziehen, und jene, die gezogen werden – Erziehende und Zöglinge. Erziehende wissen wos langgeht, Zöglinge nicht oder sehen es ganz anders. Erziehende wenden Maßnahmen an (Lob, Tadel, Belohnung, Überredung, Repression usw.) und Zöglinge empfangen diese, ob sie es wollen oder nicht. Erziehende setzen für die Durchsetzung ihrer Maßnahmen Macht ein, und Zöglinge setzen sich mehr oder weniger zur Wehr. Gibt es diese Sonderbeziehung noch anderswo? Vielleicht noch in Gefängnissen und Psychiatrien, doch erwachsene Menschen lassen sich normalerweise nicht so behandeln.

Nun muss Erziehung nicht immer harsche Formen annehmen, körperliche Züchtigungen sind nicht mehr angesagt. Doch auch weichere Formen von Erziehung ändern nichts am Sondercharakter, auf dem jene bestehen müssen, die ihre Ziele beim Zögling erreichen wollen. Dabei ist es unerheblich, ob die Ziele der Erziehenden vorgeblich im Interesse der Zöglinge sind, und es ist auch unerheblich, ob die Erziehungsziele sinnvoll sind. Dies lässt sich am Beispiel der Erziehung zur Selbstbestimmung verdeutlichen.

Selbstbestimmung wollen alle, warum nicht auch Kinder? Eben. Wollen sie es, ist Erziehung unnötig, wollen sie es nicht, ist es paradox, Kinder zur Selbstbestimmung zu „erziehen“. Erziehung ist eine machtdurchsetzte asymmetrische Beziehung zwischen Menschen. Zur Selbstbestimmung fremdbestimmt gebracht zu werden, ist ein Widerspruch in sich. Selbstbestimmung kann nur selbst errungen werden.

Erziehung basiert auf der unausgesprochenen Annahme, Menschen seien von Natur aus ungesellschaftlich – wie etwa in der Psychoanalyse theoretisch gefasst. Tatsächlich sind Menschen gesellschaftlich sui generis. Diese biotisch angelegte Gesellschaftlichkeit ist als Potenz zu Beginn noch nicht entfaltet. Leben bedeutet, die Potenz zur Geltung zu bringen und sich individuell zu vergesellschaften, also Verfügung über die je eigenen Lebensumstände zu gewinnen. Dieser Prozess ist unabschließbar. Er dauert ein Leben lang und stößt im Kapitalismus dort an Grenzen, wo wir nicht mehr über unsere Bedingungen verfügen können, sondern über uns verfügt wird.

Zugespitzt könnte man behaupten, dass uns das systemische Gesamt des Kapitalismus als Erziehungsmaschine gegenübertritt. Dabei sollen wir wollen, was wir in der warengesellschaftlichen Logik tun müssen, um unsere Existenz zu erhalten. Gleichzeitig sind wir diejenigen, die die Fremdverfügung organisieren und exekutieren, indem wir die Exklusionslogik des Kapitalismus produzieren und reproduzieren. Und das ganz selbstbestimmt. Dieses gesellschaftliche Verhältnis spiegelt sich dann auch im personalen Maßstab gegenüber Zöglingen wider: Sie sollen (=Erziehungsziel) am Ende wollen (=Selbstbestimmung), was sie tun müssen (=Fremdbestimmung), um im Kapitalismus zu funktionieren.

Die Crux liegt nun darin, dass dieses Verhältnis durch die Füllung mit positiven Inhalten nicht aufgehoben werden kann. Die Erziehung zu Achtsamkeit, Solidarität und Emanzipation bleibt Erziehung, also Aus- und Einübung von Fremdbestimmung. Damit ist nicht gesagt, das so Erzogene für sich subjektiv zu Achtsamkeit usw. gelangen, doch dies nicht wegen, sondern trotz Erziehung.

Aber wissen Erwachsene nicht dennoch besser, was für Kinder gut ist? Nein. Aus der Außensicht kann man nicht wissen, was für einen anderen Menschen gerade der subjektiv notwendige Schritt ist. Das gilt ganz generell und eben auch für Kinder. – Aber woher sollen Kinder wissen, was für sie gut ist? Sie werden es herausfinden. Gilt das nicht für alle Menschen, ein Leben lang? – Aber soll ich ein Kind nicht zurückhalten, wenn es auf die Straße rennt? Selbstverständlich, aber das würden wir doch immer tun, egal bei wem. Menschen zu schützen setzt kein Erziehungsverhältnis voraus.

Erziehung lässt sich aufheben in ein Verhältnis der Unterstützung. Es setzt die Einsicht voraus, dass wir einander immer brauchen und ohne wechselseitige Unterstützung nicht gut durch das Leben kommen. Dabei kann es sein, dass bestimmte Menschen – nicht nur abhängig vom Alter, sondern bedingt durch viele Umstände – mehr Unterstützung brauchen als andere. Unterstützung setzt gleiche Augenhöhe voraus, und dafür kann es notwendig sein, auch einmal in die Hocke zu gehen.

Grundlage solcher Unterstützungsverhältnisse sind Akzeptanz und Annahme der eigenen Bedürfnisse wie auch der von Anderen. Ich muss die Handlungen anderer nicht gut finden, aber ich kann eben dennoch nicht wissen, was für eine andere Person gut ist. Ich kann Vorschläge machen, doch wenn das Gegenüber sie nicht ablehnen kann – wie so oft in der Erziehung – dann kann ich auch gleich Befehle erteilen.

Denkt man die zwischenmenschliche Unterstützung konsequent weiter, gelangt man zu gesellschaftlichen Inklusionsverhältnissen allgemeiner Emanzipation, die eine strukturelle Einbettung und Unterstützung für alle bedeuten. Die Bedingungslosigkeit ist dabei zentral. Diese Erkenntnis lässt sich auch umkehren: Wer allgemeine Emanzipation und also den Commonismus will, muss aufhören zu erziehen.

Kategorien: Lernen, Theorie

Tags: , , , ,

3. Dezember 2015, 06:56 Uhr   16 Kommentare

1 Wolfram Pfreundschuh (03.12.2015, 10:10 Uhr)

Ein wichtiger Punkt scheint hier zu fehlen:P { margin-bottom: 0.21cm; }A:link { }

Erziehung will im Wesentlichen nicht schützen sondern bergen, das
„unbeholfene Kind“ in Geborgenheit vor Fremden wiegen, um
das eigene Leben in seiner Lebensburg, in seiner privaten Lebensform
des Wohnens und Fühlens zu festigen (siehe auch objektives Gefühl)
und es in ein zwischenmenschliches Verhältnis einzuüben, das Übung
verlangt, weil es sich nicht durch die Menschen selbst bestimmen
lässt, und das zur Gewohnheit werden muss, weil es nicht wirklich
frei für sich zu entwickeln ist, also jede Entwicklung und
Geschichte durch Verweise und Gebote bestimmen muss, die keiner
Erfahrung unmittelbar entsprechen können, weil sei einer fremden
Vermittlung entsprechen (siehe Entfremdung), deren Ziele und
Einbildungen verfolgen müssen, um die junge Generation für das
„zukunftsfähig“ zu machen, was nicht wirklich Zukunft für
sie sein kann.

Erziehung ist eine illusorische Beziehung, die Illusion der
Selbstlosigkeit, die Vorstellung, dass Menschen dahin zu „ziehen“
wären, etwas zu sein, was sie nicht durch sich selbst, durch ihr
eigenes Verhältnis zu anderen Menschen schon sein könnten, ganz
gleich, ob sie nun klein oder groß sind. In dieser Beziehung
betätigt sich die Idee, dass eine bestimmte Bewältigung des
Lebensnotwendigen durch Erziehung „eingeimpft“ werden
könne. Doch es ist die Injektion einer Ideologie der herrschenden
Verhältnisse, dass sie von den Menschen quasi eintrainiert werden
müssten, um fortbestehen zu können. Es ist die Ideologie der
herrschenden Institutionen, dass Menschen auf einen Weg gezogen und
mit einem Charakter bestückt werden müssten, der sie erst
lebensfähig machen würde. Das sei nötig, um den Gefahren des
Lebens begegnen zu können. Aber Wege kann man zeigen, vor Gefahren
kann man warnen und Charaktere bilden sich in den wirklich sinnlichen
Beziehungen des Leben selbst. Es liegt in den Menschen selbst, sich
das anzueigenen, was ihr Leben bereichert; es ist ihre Neugier, durch
die sie sich bilden.

Erziehung ist das Gegenteil von Aneignung, behindert sie geradezu
dadurch, dass sie durch erzieherische Beziehungen Gewohnheiten
notwendig erscheinen lässt, die nur ihren Verhältnissen in
Ermangelung wirklicher Bezogenheiten geschuldet sind. Erziehung ist
die Einverleibung solcher Gewohnheiten durch die Symbiose ihrer
Selbstbehauptung (siehe symbiotische Selbstbehauptung). Ein
Antipädagoge hat mal gesagt: „Was soll ich die Kinder erziehen?
Sie machen mir doch sowieso alles nach.“
(entnommen aus dem Kulturkritischen
Lexikon http://kulturkritik.net/begriffe/index.php?b=erziehung)

2 willi uebelherr (03.12.2015, 18:39 Uhr)

Hallo Freunde,

meinen grossen dank an Wolfram. Stehan hat noch deutliche probleme mit einer klaren sichtweise. Er schreibt:
„Erziehung ist ein verrückter Sonderfall zwischenmenschlicher Beziehungen.“
Bei Wolfram lesen wir etwas anderes. Es ist der normalfall in einer unfreien gesellschaft, die notwendig jedes „autonome Subjekt“ zerstoeren muss, um sklavische Objekte zu haben.

Ja, auf den standpunkt, den standort, kommt es an.

mit lieben gruessen, willi
Coro, Venezuela

3 Christian Siefkes (05.12.2015, 17:46 Uhr)

Sehr schöner Artikel!

Ich sehe auch keinen Widerspruch zwischen Stefans Artikel und Wolframs Kommentar, eher scheinen sich beide zu ergänzen.

4 Erziehung im Kapitalismus … | Initiative Wirtschaftsdemokratie (05.12.2015, 23:39 Uhr)

[…] in dem lesenwerten Artikel Erziehung Von Stefan Meretz /* […]

5 Martin Bartonitz (05.12.2015, 23:51 Uhr)

Danke für den sehr guten Artikel, aus dem ich gerade ein wichtiges Zitat hier gebracht habe: Erziehung im Kapitalismus
Was mit solcher Art erzogener Kinder passiert, die vermeintlich in Selbstbestimmung agieren, das zeigt dieser Artikel sehr gut auf:
Selbstausbeutung: das neue Leiden des 21. Jahrhunderts?
Dass gerade auch Lob zu Unselbständigkeit führen kann, zeigt dieser Artikel auf:
Eine Streitschrift: Verlieren wir Menschen unser Selbstvertrauen, wenn wir gelobt und getadelt werden?
Viele Grüße
Martin

6 Martin Bartonitz (06.12.2015, 00:04 Uhr)

Habe gerade noch ein tolles Zitat von Henry Miller gefunden:
“Der gegenwärtige Zustand des Irreseins legt die Vermutung nahe, dass sie eher ihre Kinder zusammen mit sich untergehen lassen würden, als dass sie es riskierten, sie zu furchtlosen, unabhängig denkenden, friedliebenden Menschen heranwachsen zu sehen. Dass Kinder einen besonderen Anspruch auf das Leben, ein Leben frei vom üblen Einfluss ihrer Vorgänger haben, ist noch immer undenkbar.”“

7 Wolfram Pfreundschuh (07.12.2015, 09:52 Uhr)

@#6
Mich verwundert doch schon sehr, wie wirksam der bürgerliche Mainstream, der liberale Verältnisschwachsinn auch in dieser Liste ist. Sollen wir wirklich einfach nur mal „in die Hocke“ gehen, um die Selbstbestimmung der Kinder zu befördern?
Stefan: „Unterstützung setzt gleiche Augenhöhe voraus, und dafür kann es notwendig sein, auch einmal in die Hocke zu gehen.“
Das geht schon ziemlich an dem vorbei, was heute die Menschen bewegt, die Lebensangst, die aus der Hocke kommt, indem dort Selbstbestimmung zur allgemeinen Lebensbehauptung geworden, zur Ideologie verkommen ist.
Siehe auch http://kulturkritik.net/begriffe/index.php?lex=lebensangst

8 Stefan Meretz (07.12.2015, 11:50 Uhr)

@Wolfram: Der Text handelt von einer grundsätzlichen Kritik der Erziehung, nicht von Lebensangst. Nicht-Erziehung oder Unterstützung kann nur ein Peer-Verhältnis (gleiche Augenhöhe) sein. Das ist mit dem Bild, der Metapher des In-die-Hocke-gehens, gemeint gewesen. Dass du das Bild mit Lebensangst verbindest, erstaunt mich.

Spannender wäre es gewesen zu fragen, wie in einer strukturell asymmetrischen Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen dennoch Augenhöhe herstellbar ist, was das bedeuten kann und wie also das Bild in eine Lebenspraxis umsetzbar ist. Wenn du die „Augenhöhe“ für überflüssig hältst, würde mich eine Begründung interessieren, denn ich lese deine Textkopie eigentlich ebenfalls erziehungskritisch.

Im übrigen sollte es dir möglich sein, zwischen „der Liste“ (also dem Blog und seinen Beiträgen) und den Kommentaren zu unterscheiden.

9 Wolfram Pfreundschuh (07.12.2015, 13:53 Uhr)

@Stefan
So real die Tatsache ist, dass die Kinder kleiner sind als die Erwachsenen und Augenhöhe nur mit körperlichen und geistigen Prothesen erreichbar ist, so real ist auch der soziale Unterschied, in welchem sie im Verhältnis zu diesen leben. Das hat noch überhaupt nichts mit dem Kapitalismus zu tun, sondern zeigt ein Verhältnis der Generationen (http://kulturkritik.net/lexex.php?lex=generationen) an, das wesentlich davon bestimmt ist, dass die Älteren den Kindern zeigen müssen, wie man leben und wodurch man existieren kann. Aber es herrscht nicht erst seit dem Neoliberalismus die Ideologie, dass die substanziellen Verhältnisse gleichgültig sind und Gleichheit durch den rechten Willen (oder Vertrag) jederzeit herstellbar sei.

Es sind die wirklichen Verhältnisse, die Formbestimmungen der Familien, Schulen, Institutionen, usw., die objektive Formen der Zwischenmenschlichen
Verhältnisse (http://kulturkritik.net/lexex.php?lex=zwischenmenschlichesverhaeltnis), durch die unter den Lebensbedingungen des Kapitalismus überhaupt erst Erziehung entsteht.

„Wenn du die „Augenhöhe“ für überflüssig hältst, würde mich eine Begründung interessieren, denn ich lese deine Textkopie eigentlich ebenfalls
erziehungskritisch.“

Ja natürlich kritisiere ich jedwede erzieherische Beziehung, besonders Erziehung als maßgebliches Verhalten der erwachsenen Generation in dieser Gesellschaft, die sich nicht durch gute Absichten, durch psychische Vorkehrungen auflösen lassen, sondern durch subversive Organisation in erzieherischen Institutionen überhaupt, in denen Kinder auch jenseits der
erwachsenen Willenserklärungen zu ihrer Generation finden und in die
Lage kommen, sich auch wirklich mit ihresgleichen auseinanderzusetzen. Dies lässt sich durch politische Positionen in den Kommunen auch durchaus erreichen. Dazu kann man sich auch libaral gebärden, sollte aber dabei nicht selbst drauf reinfallen.

In München gab es in den 80gern schon mal eine solche Einrichtung, das „Kinderhaus“, das inzwischen aber schon weitgehend durch liberalistische Einstellungen in seinem Anliegen entkräftet und den Tagesroutinen der Familien überantwortet wurde.

10 Rolf Todesco (10.12.2015, 22:36 Uhr)

Subjektwissenschaftlich frage ich mich, was ich als Erziehung bezeichne und wann ich wie in solche Verhältnisse einbezogen bin. Alles andere sind Drittperspektiven.
Ich unterscheide Sozialisation und Erziehung, wobei ich als Sozialisation  ich das bezeichne, was in einem sozialen Verhältnis ohnehin oder naturwüchsig passiert. Als Erziehung bezeichne eine bewusste Einflussnahme auf die Sozialisation.
Wann und unter welchen Umständen würde ich also erziehen? Das hat mit „Kind“ nichts zu tun, sondern damit, dass ich bei jedem Erziehen den Zögling – unabhängig von seinem Alter oder seinen Fähigkeiten – als kindisch beurteile – was mir AUCH bei Kindern oft sinnvoll scheint.

Ich bin bei sehr vielen kollaborativen Verhältnissen darauf angewiesen, dass sich die andern in einer bestimmten Weise verhalten. Ich werde also vernünftigerweise versuchen, sie zu diesen Verhalten zu veranlassen, indem ich ihnen diedamit verbundenen Vorteile schildere oder die Gefahren aufzähle, die ander Verhaltensweisen mitsich bringen. Das bezeichne ich als erziehen (oder als Versuch zu erziehen).
Dabei verfolge ich mitnichten das Wohl eines Zöglings – wie oder wieso auch. Ich verfolge damit eine mir sinnvoll scheinende Kollaboration.Die Geschwätzigkeit von Selbstbestimmung moniert bügerliche Freiheit, vor allem die Freiheit den je eigenen Beitrag nicht zu leisten.

11 Andrea (11.12.2015, 12:50 Uhr)

Hey, schaut euch dazu doch mal die aktuellste Ausgabe der Zeitschrift „Unerzogen“ an, zum Thema „40 Jahre Antipädagogik“:
http://www.unerzogen-magazin.de

Kleine Anmerkung noch zu „Grenzen brauchen“: Grenzen ergeben sich im Alltag des Zusammenlebens zwischen Menschen (kleinen oder großen) ja ohnehin täglich hundertfach – die Grenze dessen, was mir erträglich ist, ist deine Grenze. Diese ganzen Grenzen anderer Menschen kennenzulernen ist für Kinder ohenhin schon eine tägliche Herausforderung (und für Erwachsene ja auch oft noch 😉

12 Timo Ollech (21.12.2015, 17:16 Uhr)

Ich sehe auch keinen grundlegenden Unterschied zwischen Stefans und Wolframs Position. Der Satz „Erziehung ist ein verrückter Sonderfall zwischenmenschlicher Beziehungen.“ lässt sich ausweiten zu „Die kapitalistische Gesellschaft ist ein verrückter Sonderfall zwischenmenschlicher Beziehungen.“
Über das Grenzen setzen habe ich letztens auch gebloggt: http://www.iromeister.de/grenzen-setzen

13 Andrea Exner (25.12.2015, 20:35 Uhr)

Sehr schön. Danke!

14 Erzieher (14.01.2016, 11:22 Uhr)

Die Erziehung ist doch zwangsläufig immer ein Aufoktroyieren der Werte der Eltern und Gesellschaft in die das Kind hineinwächst, aber was soll man denn anders machen? Das Kind braucht schließlich einen Halt und Grundgerüst an das es sich halten muss.

15 Benni Bärmann (14.01.2016, 13:40 Uhr)

@Erzieher: Kinder lernen auch ohne Erziehung weil es in ihrer Natur liegt. Vieles was umgangssprachlich oft unter „Erziehung“ gefasst wird, ist gar keine: Z.B. einem Kind etwas erklären, ein Kind bei den eigenen Lernwünschen unterstützen, deutlich machen, wo Bedürfnisse anderer verletzt werden, usw. das alles ist noch keine Erziehung.

Erziehung fängt da an, wo man seine Machtposition in der asymmetrischen Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ausnutzt um Kinder zu bestimmten Verhalten zu zwingen oder zu manipulieren.

16 Erziehung Im Kapitalismus | Initiative Wirtschaftsdemokratie (02.03.2016, 19:10 Uhr)

[…] in dem lesenswerten Artikel Erziehung von Stefan […]

Schreibe einen Kommentar