Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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RLS: Futuring

Die RLS hat den Stand ihrer Transformationsforschung mal wieder zusammengefasst und ein Buch daraus gemacht, das im Volltext auch online zu haben ist. Ausgangspunkt ist ein Blick auf das, was das „Futuring der Herrschenden“ (S.8) genannt wird – der Zugriff auf Zukünfte als zentrales Element von Macht. Von links sei dieses „Futuring“ allerdings anders zu denken und zugleich zu überwinden. „Zeit“, so Marx, ist „Raum für menschliche Entwicklung“ (Marx 1865/1974, 144). Nicht die Verfügung über die Ungeborenen, nicht die vorwegnehmende Kontrolle über das denkbar Mögliche, sondern der heutige Beitrag dazu, dass Menschen in Zukunft gleicher und freier, selbstbestimmter und demokratischer, friedlicher vor allem leben können, dies ist gesellschaftsreformierende wie umstürzende, ist „revolutionäre Realpolitik“ (Luxemburg 1903/1972, 373) der Transformation.

Auf die ganz praxis- und empirieorientierte Suche nach dem Neuen im Alten begibt sich Lutz Brangsch unter dem Titel „Transformationsprozesse und ihre Politisierung in Einstiegsprojekten“ (S.368ff). Obwohl sich für mich die Begriffe „Einstiegsprojekte“ und „Keimformen“ fast sogar synonym lesen, kommt es aber nicht einmal bei Brangsch zu einer expliziten Auseinandersetzung mit der Keimform-Debatte. Schade, denn eine Linke, die nach Gegen-Hegemonie strebt, sollte sich nicht schon bei der Wahl ihrer Begriffe spalten, zumal diese – bis mir wer schlüssig das Gegenteil erklärt – vielleicht zwar nicht völlig deckungsgleich sind, aber als politische Begriffe dem gleichen Ziel dienen: Den Weg hinaus aus dem Alten und hinüber ins Neue, Freie zu finden.

Kategorien: Medientipp, Theorie

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20. September 2014, 06:52 Uhr   1 Kommentar

1 Christian Siefkes (22.09.2014, 22:28 Uhr)

@Markus: Danke für den Hinweis auf das Buch, ich werde es mir durchlesen.

Allerdings habe ich (ohne es bislang gelesen zu haben) gewisse Zweifel, ob „Einstiegsprojekte“ und „Keimformen“ wirklich so ähnlich gemeint sind. „Einstiegsprojekte“ klingt nach Projekten, die sich gezielt als „Einstieg in den Ausstieg“ aus dem Kapitalismus verstehen. Während „Keimformen“ in unserem Verständnis die neue Logik im Kleinen oder in gewissen Aspekten vorwegnehmen, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein. „Keimformen“ müssen also nicht explizit antikapitalistisch sein, „Einstiegsprojekte“ vermutlich schon.

Trotz dieses möglichen Unterschieds ist es natürlich schade, dass die Keimform-Debatte ignoriert wurde.

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