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Hausprojekte als Organisationsformen des Prekariats

Streifzüge Nr. 60/2014[Alle »Keimformen«-Artikel in Streifzüge 60/2014]

Oder: Privateigentum, Kollektivhäuser und der Commonismus

Von Georg Merseburger

Der Text berichtet aus einer Leipziger Perspektive von Erfahrungen mit Hausprojekten. Er möchte aufzeigen, wie Hausprojekte zugleich Teil neoliberaler Stadtentwicklung und Bausteine einer commonistischen Perspektive sein können – und auch, wo die Bruchlinien verlaufen. Dazu blickt er auf eine mittelgroße, in letzter Zeit des Öfteren medial gehypte ostdeutsche Stadt: Leipzig.

Leipzig – Glanz und Elend der creative industries

Gießereien und Spinnereien, all jene großen Fabriken, die einst den Leipziger Westen prägten, sind lange geschlossen. Neue Fabriken haben sich am Rande der Stadt angesiedelt, Porsche und BMW produzieren lieber in der Nähe der Autobahn. Zurück blieben die leerstehenden Räume der alten Industrien. Doch sie blieben nur eine Zeit lang leer. Wo die Spinnerei war, sind Kunsträume entstanden; in alten Fabrikgebäuden haben sich Umsonstläden und selbstorganisierte Konzerträume festgesetzt; auf Industriebrachen sind Stadthäuser entstanden. Gerade das Durcheinander ist prägend für die creative city, die zu sein Leipzig gern behauptet. Wer diesem Hype nicht aufsitzen und sich nicht auf die Betrachtung der jetzt bunt gemalten Fassaden beschränken will, sieht dahinter eine widersprüchliche Gemengelage: Das kreative Leipzig ist Teil und Ausdruck neoliberaler Wirtschaftsweisen.

Die creative industries sind dabei von der seltsamen Gleichzeitigkeit zweier Extreme geprägt: Sie sind auf gewisse Weise zugleich enorm gemeinschaftlich und in höchstem Maße individualistisch. Diese Wirtschaftsweise ist sozial, weil ihre Produktion in Netzwerken stattfindet – ja sich unter Umständen allein auf die Produktion des Sozialen richtet, etwa in der Werbeindustrie, die auf die Schaffung von Kunden-Communities abzielt. Diese produktiven Netzwerke ziehen sich durch die Stadtteile des aufstrebenden Leipziger Westens. Sie sind zu finden als Galerienrundgänge, als Stadtteilfest, als Vernetzungstreffen und als Unternehmerinnenstammtisch. Sie sind eine Form kollektiver Organisierung, weil nur im Netzwerk und durch das Netzwerk die einzelne Prekäre ihre Verwertung umsetzen kann – und sie sind zugleich Ort extremer Konkurrenz, weil das Abschöpfen des Gewinns letzten Endes privat erfolgt. Im Kern der creative industries mit ihren Netzwerken sind zugleich die radikalsten Formen individualistischer Beschäftigungsverhältnisse zu finden: Jede Form der Individualität kann zum Bestandteil der Selbstvermarktung werden. Das, was die Einzelnen dabei verdienen, ist letztlich ihre Privatsache. Am Ende des Tages muss jede selbst ihre Miete bezahlen. Und wer neben dem Kreativjob nachts noch bei Amazon oder einem der anderen Logistikdienstleister jobben geht, tut das allein. Denn auch wenn viele formal selbständige Kleinunternehmer sind, sind sie doch in dem Sinne Proletarier, weil sie keine Produktionsmittel besitzen und damit darauf angewiesen sind, sich auf die Bedingungen des Marktes einzulassen.

Im Unterschied zum Proletariat hat das Prekariat keine allen gemeinsame Fabrik mehr. Die Fabriken waren für das Proletariat nicht nur ein Ort der Ausbeutung, sondern auch ein Ort der widerständigen Organisierung. Die Fabrik als Organisationsort des Proletariats ist weggefallen. Was bleibt, sind die Netzwerke, ist der Stadtteil als Lebenswelt, den die Prekären teilen. Wie das Proletariat die Fabriken als Organisationsform nutzte, indem es die erzwungene Gemeinsamkeit am Arbeitsplatz in eine oppositionelle wandelte, in demselben Sinn gilt es, die Selbstorganisationsprozesse im Stadtteil zu begreifen.

Ich möchte dabei auf die Hausprojekteszene blicken, die in den letzten Jahren eine recht stürmische Entwicklung im Leipziger Westen genommen hat. Mittlerweile sind es – je nach Zählung – durchaus 40 bis 50 Häuser, die sich als selbstverwaltet verstehen. Diese Szene bietet Ansätze, Gemeinsamkeiten in der Lebenswelt des Stadtteils zu schaffen, die für prekäre Lebensweisen Relevanz hat. Zugleich ist sie auch elementarer Bestandteil der oben beschriebenen Produktionsnetzwerke. Gerade, weil sie beides ist, kann sie sich so stürmisch entwickeln – und gerade deshalb zeigt sich ihre Relevanz als mögliche politische Organisationsform. Vielleicht sind diese existierenden Strukturen im Stadtteil (Häuser, Nachbarschaftsgärten, Netzwerke) einer der wenigen verbleibenden Orte, sich in der creative city zu organisieren.

Hausprojekte

Von Seiten der Hausprojekte gilt es zu begreifen, dass durch die Szene ein Riss verläuft. Der ist manchmal schwer zu sehen, da nach außen hin die Ähnlichkeiten überwiegen: Sowohl Kollektivhäuser, die auf Privateigentümer verzichten, als auch „Hausprojekte“, die auf gewinnbringende Vermietung abzielen, haben oft buntgesprühte Fassaden, unkonventionelle Wohnungsschnitte und experimentelle Architekturen.

Da wird eine Grenzziehung nötig, wie es ein Zusammenhang politischer Hausprojekte unlängst in einem Leserbrief an das lokale Stadtmagazin formulierte: „Es geht nicht darum, das Privileg preiswerten Wohnraums für uns oder eine kleine Gruppe ähnlich Gesinnter zu behalten – es geht darum, eine Stadt für alle anzustreben.“ Damit grenzen sich die Hausprojekte von Eigenheimen und Formen der Zwischennutzung ab. Als Grundsätze benennen sie (kollektivratleipzig.blogsport.de/texte/selbstverstaendnis-kollektivhaeuser):

  • Gleichberechtigung aller BewohnerInnen
  • gemeinschaftliches, kollektives Eigentum (an den Häusern)
  • eine Nutzung, die sich nicht am Geld orientiert, sondern Menschen mit geringen finanziellen Mitteln Zugang ermöglicht
  • Schaffung einer solidarischen Infrastruktur zwischen den Häusern und Unterstützung neuer Gruppen

Die kollektiv organisierten Hausprojekte grenzen sich damit zum einen von solchen Projekten ab, die sich als neue Form des Investments begreifen. Nun ist das nichts unbedingt Neues. Vor allem in Westeuropa gibt es eine ganze Tradition gemeinschaftlicher Wohnprojekte. Auch diese gehen von den Bedürfnissen der BewohnerInnen aus. Zumindest der erste und manchmal auch der zweite Punkt der obigen Forderungsliste wird schon lange in solchen gemeinschaftlichen Wohnprojekten verwirklicht. Damit lassen sich gemeinschaftliche Wohnprojekte als eine Form von Commons beschreiben. Die anderen Punkte sind hingegen selten verwirklicht. Wohnprojekte haben in der Regel eine klare Trennung zwischen der Wohngemeinschaft und dem Außen. Nur selten sind ihre Eigentumsformen darauf angelegt, Privateigentum bewusst zu vermeiden und die Selbstbestimmung über die Gründergeneration hinaus weiterzugeben. Nach außen ist die Idee gemeinschaftlichen Wohnens vielseitig anschlussfähig. Mancherorts wird Gemeinschaftswohnen staatlich gefördert im Rahmen von Programmen wie „Neues Wohnen – Beratung und Kooperation für mehr Lebensqualität im Alter“ (www.kompetenznetzwerk-wohnen.de), weil die Nebeneffekte des gemeinschaftlichen Wohnens (soziale Bindung, Pflegearbeit, Kinderbetreuung …) dabei helfen, Staatsausgaben zu sparen. In dieser Form ist die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens die zeitgemäße Fortentwicklung der Ehe. Auch die Ehe war schon zumindest von der Idee her ein kleiner Sektor solidarischer Kooperation inmitten einer kapitalistischen Ökonomie. Hier wie dort stehen die unterschiedlichen Funktionsprinzipien jedoch nicht im Gegensatz zueinander – sie ergänzen sich. Der solidarische Sektor ermöglicht erst das Funktionieren auf dem Markt oder federt seine Folgen ab. Das kann praktisch und hilfreich sein, hat aber noch nicht viel damit zu tun, als Keimform einer solidarischen Gesellschaft zu dienen. Was die obigen Hausprojekte (die sich darum oft gerade nicht Wohnprojekte nennen) von Wohnprojekten unterscheidet, ist, dass sie diese Komplementarität in Frage stellen. Zumindest in den obigen Forderungen überschreiten sie nicht nur ihre Rolle als Wohnraum, sondern auch die eigene Grenzziehung zwischen Innen und Außen.

Damit ein solches Selbstverständnis, jenseits einfacher Rechtsformenänderungen, mit Leben gefüllt werden kann, wäre ein Ansetzen auf vielen Ebenen nötig. Für Hausprojekte könnte das heißen:

(1) Die Gruppe nach außen zu öffnen. Ein Hausprojekt wird dann zur Spielwiese für Privilegierte, wenn der Einstieg mit hohen finanziellen Hürden verbunden ist. Der Zustieg muss finanziell für alle möglich sein, insbesondere auch ALG2-EmpfängerInnen. Teure Genossenschaftsanteile stehen dem entgegen. Privateigentum am Haus oder an einzelnen Wohnungen schafft zwangsläufig neue Hierarchien, weil Menschen, die im Nachhinein als UntermieterInnen zusteigen, im Zweifelsfall die gestiegene Durchschnittsmiete des Viertels mitbezahlen. Gentrifizierung light. Ein erprobtes Modell, diese Hierarchien zu verhindern, hat das „Mietshäuser-Syndikat“ entwickelt, dem mittlerweile auch in Leipzig einige Hausgruppen angehören.

(2) Natürlich kann eine HausbewohnerInnengruppe nicht beliebig groß werden, schlicht, weil die Zahl der Räume beschränkt ist. Irgendwo wird sich jede Gruppe abschließen müssen. Das fertige Haus muss daher in irgendeiner Weise den gemeinsam geschaffenen Reichtum nach außen zugänglich machen. Das kann in Form eines finanziellen Solidartransfers geschehen, wie ihn das Mietshäuser-Syndikat eingeführt hat, mit dem neue Hausinitiativen unterstützt werden. Das kann etwa in Form öffentlicher Räume passieren, wie sie erfreulicherweise im Erdgeschoss einer ganzen Reihe von Leipziger Hausprojekten zu finden sind. Wenn diese Räume nicht als Einnahmequelle dienen, sondern der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, ist damit eine weitere Ebene der Vergesellschaftung beschrieben.

(3) Schließlich gilt es – und das ist wohl der schwierigste und zugleich spannendste Ansatz – die Hausprojekte selbst nach innen für soziale Fragen zu öffnen, als Ausgangspunkt für Selbstorganisation. Das bezieht Formen der Alltagssolidarität wie finanzielle Unterstützung im Alltag und gegenseitige Kinderbetreuung ein. Genau in solchen Alltagsstrukturen wäre Raum, der wirtschaftlichen Vereinzelung im Prekariat entgegenzutreten. „Keiner geht allein zum Amt“ ist seit einiger Zeit ein beliebter Slogan. Hausprojekte bieten die Voraussetzung dafür, dass wirklich niemand allein dorthin muss – einfach, weil recht kurzfristig immer jemand ansprechbar ist, der mitkommen kann. Hier wäre auch der Raum, um die sehr individuellen Schikanen der Jobcenter oder lokaler Arbeitgeber zu thematisieren und ihnen eine passgenaue Antwort zu geben. Diese Art individualistisch-kollektiver Organisationsformen ist für klassische Gewerkschaften viel zu kleinteilig. Hausprojekte könnten hier Ansatzpunkte sein. Das geht natürlich nur, wenn Hausprojekte jenseits des gemeinsamen Wohnens auch zu Orten werden, wo sich Menschen über ihre sozialen Verhältnisse austauschen, sich davon ausgehend kundig machen und genau diese Verhältnisse zum Gegenstand politischer Aktionen machen. Diesen Fragen widmet sich etwa die in Leipziger Hausprojekten verwurzelte autonome Erwerbsloseninitiative, die die „soziale Frage in kollektiven Strukturen“ stellen will: „Wir wollen uns über Geld- und Ämterfragen in Hausprojekten austauschen: welche Auswirkungen haben ALG2, prekäre Selbständigkeit und Ähnliches auf selbstorganisierte Strukturen? Welche Ansprüche haben wir und wie können wir sie durchsetzen?“

Die Aktiven in Hausprojekten stehen oft unter enormem finanziellen Druck. Die Auseinandersetzungen um ALG2, Bafög und Kindergeld müssen deshalb integraler Bestandteil jeder selbstverwalteten Struktur werden.

Die Stadt Leipzig mit ihrem Immobilienmarkt bot in den vergangenen Jahren auch Gruppen mit sehr wenig Geld die Möglichkeit, Häuser zu kaufen. Das hat einen gewissen Hype erzeugt. Damit einher geht die Gefahr, die Ideologie des Kaufens zu stärken. In manchen Situationen mag ein Hauskauf die richtige Taktik sein, tatsächlich kann es in weiten Teilen Ostdeutschlands angesichts niedriger Hauspreise und rechter Hegemonie die einzig angebrachte Taktik sein, für alternative Lebensformen Raum zu finden. Darin besteht aber die Gefahr, den Gedanken stark zu machen, der manchmal in der Szene kursiert, dass „im Grunde jeder Häuser kaufen kann“. Das stimmt insofern, als das Mietshäuser-Syndikat und andere politische Modelle tatsächlich den Zugang zur Gruppe nicht über Geld regeln. Arme haben in diesen Hausgruppen exakt die gleichen Partizipationsmöglichkeiten wie Reiche. Dennoch birgt der Ansatz zwei Gefahren.

Einmal die Gefahr, zu übersehen, dass allein der Gedanke, ein Haus kaufend zu übernehmen, heute einen Mittelklassestandpunkt darstellt. Menschen, die ihr Leben lang nie viel Geld hatten, wird der Gedanke, Teil einer Gruppe zu werden, die ein Haus einfach kauft, utopisch vorkommen, selbst wenn etwa das Mietshäuser-Syndikat Wege eröffnet, auch Arme zu integrieren. Jenseits dieser kaum zu überschätzenden psychischen Barriere steht natürlich die finanzielle. Wenn der Begriff „Prekariat“ sich nicht nur auf eine zwar finanziell arme, doch gut vernetzte Szene beziehen soll, sondern gerade jene Formen von Prekarität mit in den Blick nimmt, wie sie etwa illegalisierte MigrantInnen erleben, dann ist klar, dass die Fokussierung auf den Kauf von Häusern an deren Möglichkeiten vorbeigeht.

Damit geht die zweite Gefahr einher: Wo Hauskauf als einzig mögliches Mittel erscheint, werden unter Umständen andere Strategien delegitimiert. So kann sich der Kampf um selbstverwaltete Wohnräume für Flüchtlinge kaum auf das Studieren von Hausverkaufsannoncen der einschlägigen Immobilienportale beschränken. Es ist ein politischer Kampf, der darum darauf bestehen muss, Räume zur Verfügung gestellt zu bekommen. Auch in Bezug auf soziale Zentren kann es notwendig sein, sich nicht auf Kauf einzulassen. Für die Bewegung um das „Ungdomshuset“ in Kopenhagen in den Jahren 2007/08 etwa war es wichtig, an einem Moment der Auseinandersetzung nicht auf das Angebot der Stadt einzugehen, ein Haus für den normalen Marktwert zu kaufen. Der Kauf hätte auf Jahrzehnte die Selbstverwaltung in den Räumen behindert und letztlich eine Rekommerzialisierung der Angebote erzwungen, einfach, weil die geforderte Summe so hoch war. Die Ungdomshuset-Bewegung bestand dagegen darauf, dass selbstverwaltete öffentliche Jugendräume auch eine öffentliche Aufgabe sind und das Haus kostenlos von der Stadt übergeben werden müsse. So wurde deutlich, dass der letztlich erfolgreiche Einsatz für das Jugendhaus auch ein Kampf um die Stadt für alle ist. Jede Gruppe, die ein Haus kauft, muss sich bewusst sein, dass dies nur ein möglicher Weg ist und auch andere Strategien richtig sein können.

Das gilt zum Beispiel für mögliche Koalitionen mit MieterInnen. Selbstverwaltete Hausprojekte können auch in MieterInnenkämpfen eine wichtige Rolle spielen. Wenn etwa eine städtische Wohnungsbaugesellschaft Teile ihres Häuserbestands privatisiert, können selbstverwaltete Hausprojekte ein Modell sein, mit dem MieterInnen gegen die Alternativlosigkeit der Privatisierung argumentieren können. So wurde etwa die Freiburger Bewegung gegen den Verkauf der städtischen Immobiliengesellschaft in Teilen vom dortigen Mietshäuser-Syndikat getragen.

Vom Privat- zum Kollektiveigentum und von da zum Commonismus

Die erwähnten Ansätze sind nur einige der Möglichkeiten über die bloße Selbstverwaltung der Häuser hinauszugehen. Sie können Schritte sein, aus den isolierten glücklichen Inseln der Häuser einen Archipel der Selbstorganisation zu entwickeln. Vom Privat- zum Kollektiveigentum und von da zur Haus-Allmende. Gelernte DDR-BürgerInnen mögen jetzt ausrufen: Das hatten wir ja schon! Und richtig: Zu DDR-Zeiten wurde der größte Teil der Leipziger Häuser vom „volkseigenen“ Betrieb der VEB Gebäudewirtschaft Leipzig (GWL) verwaltet und bewirtschaftet. Auch hier ging es um die Überwindung des Privateigentums an Häusern. Im Unterschied zur staatlich gelenkten kommunalen Wohnungsverwaltung wäre eine solche Allmende jedoch gerade kein zentral organisierter staatlicher Sektor. Sie besteht als dezentrales Netzwerk aus den autonom koordinierten Aktivitäten der je selbstverwalteten Häuser und ihrer BewohnerInnen – und kann genau darum jene altbekannten Probleme der Entfremdung überwinden. Sie kann damit nicht nur günstigem Wohnen Raum bieten, sondern jenen darüber hinausgehenden Ansätzen, sich solidarisch zu organisieren.

Hausprojekte sind Moment der kollektiven Selbstorganisierung, um sich bessere Lebensverhältnisse zu schaffen. Aber nur dann, wenn sich diese Strukturen nicht aufs gemeinsame Wohnen beschränken und selbst nach außen öffnen, sind sie auch Teil einer politischen Emanzipationsbewegung. Erst dann, wenn sie als Anknüpfungspunkte für politische Kämpfe die engen Grenzen der selbstorganisierten Gemeinschaften wieder überschreiten, können sie auch ökonomische Grundlage einer verallgemeinerten Selbstverwaltung sein.

Schluss

Hausprojekte können Teil einer kooperativen städtischen Infrastruktur sein. Als solche spielen sie eine wichtige Rolle als Organisationsorte des Prekariats. Denn erst dann, wenn sich die Prekären auf solidarische Strukturen im Alltag verlassen können, können sie Kraft entwickeln, sich nicht mehr auf jede Zumutung in den individualistischen Beschäftigungsverhältnissen einzulassen. Dann müssen auch die Netzwerke nicht von jener unerbittlichen Konkurrenz geprägt sein, die unter der bunten Fassade der creative city zu finden ist. So können sich vielleicht die positiven Seiten der neuen Produktionsweisen entfalten – Selbstbestimmung nicht als individualistische Selbstvermarktung, sondern als Entwicklung in einem kollektiven Prozess.

Weiterlesen

Hausprojekte in Leipzig: kollektivratleipzig.blogsport.de

Mietshäuser-Syndikat: www.syndikat.org

Kategorien: Eigentumsfragen, Praxis-Reflexionen, Theorie

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22. Mai 2014, 08:19 Uhr   0 Kommentare

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