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Fragen an meinen Freund, den Replikatorkommunisten

In den technikafinen Kreisen, in denen ich viel verkehre, gibt es viele Leute, die antikapitalistischen oder gar kommunistischen Ideen viel abgewinnen können – und sei es nur deswegen, weil sie sie aus ihren geliebten Science-Fiction-Serien kennen – die dann aber oft in etwa so argumentieren:

„Ja, wenn wir mal Replikatoren|3D-Drucker|KI|Nanoroboter|Weltraumaufzug|Kernfusion|<insert your favorite future technology here> haben, dann gibt es keine Knappheit mehr und dann ist der Kapitalismus obsolet aber bis dahin müssen wir wohl mit ihm leben.“

Ich möchte da jetzt gar nicht groß eine Debatte führen, das hab ich schon so oft getan und es scheint nicht allzuviel zu bewirken. Ich möchte nur meinen Freund, den Replikatorkommunisten (ja, es ist meistens ein Mann und das ist kein Zufall), einmal bitten, ernsthaft über folgende Fragen nachzudenken:

  • Woher kommen eigentlich die Rohstoffe für den Replikator?
  • Ist ein Apfelbaum nicht auch ein Replikator? Oder eine Fabrik?
  • Wenn wir das Fusionskraftwerk am Himmel benutzen brauchen wir nur einen verschwinden kleinen Teil der Landfläche der Erde um den gesammten Energieverbrauch der Menschheit zu befriedigen. Wozu also Fusionskraftwerke bauen?
  • Ist Dir bewusst, dass der kleinste Teil der bezahlten Arbeit in das Herstellen von Dingen fließt?
  • Ist Dir bewusst, dass der überwiegende Teil der Arbeit der Menschen sowieso außerhalb der Sphäre der sogenannten „Wirtschaft“ geleistet wird? Ein wahrscheinlich noch größerer Teil davon hat ebenfalls nichts mit der Herstellung von Dingen zu tun.
  • Wenn Roboter so intelligent werden, dass sie all das tun können, was wir auch tun können (wogegen ich gar nichts habe), ist das dann nicht Sklaverei, wenn wir sie weiterhin für uns  arbeiten lassen? Wenn wir sie aber fragen müssen, was ändert dann die Existenz von intelligenten Robotern an der jetzigen Situation überhaupt? Also außer, dass wir zusätzlich zu all dem Essen noch all den Strom brauchen?
  • Ist Dir bewusst, dass die Menschheit schon seit sehr langer Zeit – wenn nicht sogar schon immer – genug produziert, damit alle ein gutes Leben führen können? Warum passiert das nicht? Warum müssen trotzdem so viele Menschen hungern, leiden und viel zu früh sterben?
  • Wenn wir erst den Weltraum erobern müssen um genug Rohstoffe für all die Menschen (und Roboter) zu haben, warum sollten dann nicht auch wieder immer mehr Menschen dort leben (wollen/müssen/sollen)? Was ist dadurch also gewonnen?
  • Warum sind Dinge knapp?
  • Welche Dinge müssten nicht knapp sein? Wirklich nur Software?
  • Warum werden Menschen aus ihren Wohnungen gejagt, während ein Vielfaches an Wohnraum, der benötigt würde, leer steht? Was würde an diesem Zustand irgendeine Zukunftstechnologie ändern?
  • Warum kommen vor allem Männer auf solche Ideen?

Versteh mich nicht falsch, ich hab gar nichts gegen technische Lösen von sozialen Problemen. Das funktioniert manchmal ganz gut. Letzten Endes sind alle Problemlösungen auf die ein oder andere Art mit Technik verknüpft. Wenn Menschen etwas tun, tun sie das immer auch technisch. Nur um ein soziales Problem technisch zu lösen, muss man es verstehen. Es hilft nichts zu versuchen mit Flugzeugen zum Mond zu fliegen. Also noch ein paar Fragen:

  • Wenn Knappheit das Problem ist, was erzeugt dann die Knappheit? Ist wirklich Knappheit das Problem und Kapitalismus die Lösung?
  • Wenn jede menschliche Gesellschaft auf der Vermittlung von Fähigkeiten und Bedürfnissen beruht, wie funktioniert diese Vermittlung heute? Wie könnte sie anders funktionieren?
  • Welche Technik bräuchte es um _dieses_ Problem zu lösen?

Ich freu mich auf eure Antworten. Und vor allem auf weitere Fragen.

 

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Eigentumsfragen, Gender, Reichtum & Knappheit

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10. September 2014, 20:18 Uhr   4 Kommentare

1 Fragen an meinen Freund, den Replikatorkommunisten | stk (10.09.2014, 23:03 Uhr)

[…] Ein wunderbarer Kurz-Aufsatz mit noch wunderbareren Fragen: […]

2 wurm (11.09.2014, 01:31 Uhr)

Gemäß der neoklassischen VWL gilt:Das Konzept Knappheit beschreibt das Verhältnis zwischen der verfügbaren Menge eines Gutes und der nachgefragten Menge des Gutes. In der Nachfrage werden die offenbarten Präferenzen der Menschen aggregiert.  Ein knappes Gut wird (beim Preis p=0) häufiger nachgefragt, als es vorhanden ist. 
Um die Knappheit zu überwinden, müssten wir uns auch den adaptive Präferenzen und positiven (wenn auch abnehmenden) Grenznutzen entledigen. Die Produktion allein zu erhöhen reicht leider nicht, das hat Adam Smith sich ja schon gewünscht. Ersteres ist mit, den Menschen, die ich kenne, nicht zu machen.

3 elfe bein turm (11.09.2014, 10:59 Uhr)

Ich kann mir schon vorstellen, dass durch eine Technik wie dem 3D Drucker widersprüchliches deutlicher zutage gefördert wird.
Ähnlich wie bei der P2P Technik wo auf einmal Urheberrechtlich geschütztes Material kostenfrei bedingungslos getauscht wird und damit vielleicht auch ein Grundpfeiler des Kapitalismus, dass Privateigentum, in Frage gestellt wird; können 3D Drucker dies bei materiellen Gütern leisten.
So das wäre jetzt mal meine These.
Unabhängig davon halte ich nichts von technokratischen Lösungen.

4 torben (11.09.2014, 13:36 Uhr)

@wurm:
das ganze Konzept der Neoklassik steht aber auch auf sehr wackeligen Annahmen. Das ganze basiert allzu oft auf Verkürzungen und Vereinfachungen, die dem gesellschaftlichen Handeln nicht gerecht wird. Selbst aus dem eigenen Fach wird dessen Vorgehen immer stärker kritisiert, vgl zb diesen internationalen Aufruf.

und generell ist die Verwendung von Mathematik (und Konzepten wie Grenznutzen u.ä.) in der Ökonomie oft schwierig. Nicht das die Ergebnisse falsch wären, aber ob tatsächliche wirtschaftliche Vorgänge damit adäquat beschrieben werden können ist doch mehr als fraglich. Hierzu ein Text von einem Mathematikprofessor.

und ob etwas mit den heutigen Menschen zu machen ist, ist nicht zu beantworten. Menschen sind ja nicht in ihrem Verhalten total festgelegt, sondern verändern sich immer mit den sie umgebenden Verhältnissen. Strukturen, die Egoismus und ein immer-mehr-haben-wollen fördern, bringen eben andere Menschen hervor als Strukturen, die nicht auf Konkurrenz und so wieter setzen. Auch hier verkürzt die Neoklassik mit ihrem methodologischen Individualismus.

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