Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Alternativen von unten

Glücksökonomie[Auszug aus dem Buch »Glücksökonomie« von Annette Jensen und Uta Scheub, repostet unter CC-by-nc-nd]

»…Könnte nicht alles, was relokalisierbar ist, konsequent entglobalisiert und lokaler Steuerungsintelligenz zugeführt werden? Viele Probleme, die zentrale Machtagglomerate verursachen, würden durch regional angepasste Lösungen verschwinden.

Die dafür nötige Vielfalt von Projekten, Betrieben und Initiativen gibt es schon weltweit. Diese basieren auf anderen Werten als das gegenwärtige Wirtschaftssystem und durchwuchern es von allen Seiten. Das Alte dient nur noch als Steinbruch oder als Werkzeugkasten: Man nutzt, was davon noch nützlich ist.

Angetreten sind die Bewegungen nicht, um das herrschende System zu bekämpfen, sondern um das Wohlergehen der Beteiligten zu mehren. Deshalb beziehen sie sich auch nicht direkt auf den Kapitalismus – sie ignorieren ihn einfach und stellen stattdessen selbst Regeln auf. Dieses Vorgehen verschwendet die eigene Kraft nicht damit, sich an einem übermächtigen Gegner abzuarbeiten, sondern konzentriert sich auf das Entwickeln des Eigenen.

Weil selbstbestimmte Arbeit beglückend ist, gibt sie den Beteiligten Energie und wirkt anziehend auf andere. Netzwerke entstehen, in denen sich die Projekte gegenseitig stützen und anregen – und je dichter die Maschen werden, desto rascher der Prozess. Teilen und Austauschen, Transparenz und Offenheit wohnt fast allen Initiativen inne. Die sich dabei entwickelnden Strukturen erweisen sich als hocheffizient: In sozialen Netzwerken lässt sich schnell herausfinden, wer fehlende Ressourcen zur Verfügung stellen kann – Werkzeuge, Räume, Ideen. Die Vielfalt der Beteiligten steigert den Nutzen aller. Das Menschenbild der Aufklärung 2.0 zeichnet sich ab: Das Individuum, eingebunden und vernetzt in vielschichtigen Strukturen, kann durch ständigen Austausch und gegenseitige Unterstützung sein enormes Potenzial entwickeln.

All das entsteht parallel zu den noch dominierenden staatlich-wirtschaftlichen Strukturen und gerät mit diesen nicht in Konflikt. Die Methoden der Beteiligten sind friedlich, kleinteilig, technisch ungefährlich. Deshalb schwebten sie auch lange unterhalb des Radarschirms von Politik und Industrie. Inzwischen aber wuchert das Neue immer stärker und ist nicht mehr zu übersehen. Aber können diese vielen Kleinen das herrschende Wirtschaftssystem tatsächlich kippen? Oder greifen die Etablierten das Neue auf und vereinnahmen es für sich? Hat die Menschheit eine realistische Chance, den Planeten zukunftsfähig zu gestalten? Wir wissen es nicht. Vorhersagen für die nächsten Jahre abgeben zu wollen erscheint wie eine Einladung zur Blamage. Klar aber ist: Wir stehen vor grundlegenden Entscheidungen.

Der Informatiker und Commons-Vordenker Stefan Meretz hat den Ansatz des »Fünfschritts«, wie Neues aus einem vorherrschenden Alten erwachsen kann, aus der kritischen Psychologie auf die Gesellschaft übertragen.11 Zunächst entstehen Keimformen – einzelne Projekte, die nach anderen Werten und Regeln funktionieren als bisher. Aus der Nische herauskommen können sie allerdings nur, wenn sich das etablierte System auf Dauer nicht mehr selbst aufrecht erhalten kann. Nur in diesen Fällen besteht die Chance, Stufe drei zu erreichen: »Die Keimform tritt aus ihrer untergeordneten und randständigen Bedeutung heraus und gewinnt eine qualitativ neue Funktion für den gesamten Systemprozess«, so Meretz. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren Altes und Neues nebeneinander. Genau am Anfang dieser Phase befinden wir uns: Ein Großteil der Bewegten verdient ihr Geld in alten Strukturen und entwickelt parallel dazu die neue bedürfnisorientierte »Wirtschaft unter Gleichen« weiter – zugleich nutzen Großkonzerne freie Software und bauen selbst Geschäftszweige zum Teilen auf.

Die solidarische Selbstversorgung macht aber nicht nur die Beteiligten froh, sondern auch den Staat: Er spart Sozialausgaben. Das Absaugen von Informationen über soziale Netzwerke bei Facebook verschafft zudem Geheimdiensten Einblicke, die sie selbst nie erlangen könnten. Doch das Ganze ist fragil: Ein Parallelnetz, das auf Transparenz und Kontrollierbarkeit basiert, könnte den Quasi-Monopolisten Facebook schlagartig austrocknen. Die Verabredung zum Sturz des Kolosses könnte sogar auf der Plattform selbst organisiert werden und damit wie in asiatischen Kampfsportarten die Kraft des Gegners umlenken in eigene. Auch die Geheimdienstler verlören damit ein zentrales Machtinstrument. Gerade weil die Überwachung so total und der wirtschaftlichstaatliche Komplex so mächtig geworden ist, könnte ein Gegenentwurf attraktiv werden und viele zum Mitmachen bewegen.

Ein »Weiter-so« unserer Wirtschaftsweise ist aus ökonomischen und ökologischen Gründen ausgeschlossen – deshalb gibt es jetzt prinzipiell nur zwei Entwicklungspfade: Entweder dem alten System gelingt es, die Keimformen zu absorbieren und sich zu reformieren, um die existentiellen Probleme zu lösen oder zumindest zeitlich zu verzögern. Oder die Werte und Funktionsweisen der einstigen Keimformen werden dominant und es entsteht ein neues Gesellschafts- und Wirtschaftssystem.

Politik und Staat haben großen Einfluss darauf, wohin die Reise geht. Als Antreiber des Wandels sind sie unbrauchbar – für das Zimmern geeigneter Rahmenbedingungen jedoch unerlässlich. Wie Rechtssystem und Infrastruktur an Veränderungen angepasst werden, ist absolut zentral für den Weg in die Zukunft. Genossenschaften und Sozialunternehmen können nur gedeihen, wenn der Staat sie zulässt und einen guten Nährboden bereitet. Die Energiewende hat nur eine Chance, wenn sie von oben mitbefördert wird. Werden Fossilenergien dagegen weiter subventioniert, während Ökosteuern tabu bleiben, wird die Klimakatastrophe unausweichlich.

Also müssen gesellschaftliche Debatten um das gute Leben geführt, Verbündete in traditionellen Strukturen gesucht, Rahmenbedingungen angepasst, neue Normen und Gesetze entwickelt werden. Veränderungen von unten und oben müssen zusammenwachsen, wenn der Weg der Menschheit vom Abgrund wegführen soll.

Nichts prägt das Verhalten so stark wie gesellschaftliche Routinen. Gilt es heute als normal, mit dem eigenen Auto zum Supermarkt zu fahren, billige in Plastik verpackte Lebensmittel in den Kofferraum zu laden, um wenige Tage später die Hälfte davon in den Müll zu schmeißen, so würde das unseren Ahnen und wahrscheinlich auch unseren Nachkommen völlig verrückt erscheinen. Zugleich wird vieles von dem, wie unsere heutige Welt aufgebaut ist, sehr lange nachwirken: Verkehrswege und Siedlungsstrukturen prägen Gesellschaften dauerhaft; gewachsene Produktionsstrukturen und Lieferbeziehungen sind nicht einfach umzuschalten; Lebensversicherungen sind auf Jahrzehnte hinaus angelegt, Eigentum juristisch vielfach abgesichert. Doch je mehr Teilen, Tauschen und gemeinsames Nutzen als Formen des Wirtschaftens sichtbar werden, desto selbstverständlicher werden sie Eingang in den Alltag finden.«

Kategorien: Commons, Medientipp

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20. Oktober 2014, 13:43 Uhr   10 Kommentare

1 willi uebelherr (20.10.2014, 17:05 Uhr)

Liebe freunde,

„Der Informatiker und Commons-Vordenker Stefan Meretz“ beschreibt sich selbst, zelebriert sich. Er macht sich zur hauptfigur. Betrachtend.

Manchmal „findet auch ein blindes Huhn ein Korn“.  Ja, so koennten wir es beschreiben. Waeren da nicht solche Kalauer wie: „Das Menschenbild der Aufklärung 2.0“. Was soll denn das sein?

Kurz danach: „Die Methoden der Beteiligten sind friedlich, kleinteilig, technisch ungefährlich“. Ja, davon traeumt er, der Informatiker. Von technik hat er wohl selbst keine ahnung. Dann sollen auch die anderen keine ahnung haben.

Dass sich so etwas wir freie Technologie entwickelt, hat unser „Informatiker“ immer noch nicht begriffen. Und schon gar nicht, was das ist.

mit lieben grussen, willi
Quito, Ecuador

2 Lusru (20.10.2014, 17:34 Uhr)

Ich teile weitgehend deine interessanten Ausführungen, weitgehend.

Darüber hinaus führt dein Text zu bestimmten Fragen, über die ich meine, daß das erneute Durchdenken Nutzen tragen dürfte:

So meinst du
„In sozialen Netzwerken lässt sich schnell herausfinden, wer fehlende Ressourcen zur Verfügung stellen kann – Werkzeuge, Räume, Ideen. Die Vielfalt der Beteiligten steigert den Nutzen aller. Das Menschenbild der Aufklärung 2.0 “
Frage:
Von welchen „sozialen Netzwerken“ ist bei dir hier (!) die Rede??

So meinst du:
„Deshalb beziehen sie sich auch nicht direkt auf den Kapitalismus – sie ignorieren ihn einfach und stellen stattdessen selbst Regeln auf. Dieses Vorgehen verschwendet die eigene Kraft nicht damit, sich an einem übermächtigen Gegner abzuarbeiten“
und
„Aber können diese vielen Kleinen das herrschende Wirtschaftssystem tatsächlich kippen?“
Frage:
„Den“ Kapitalismus ? Einer? Was ist da konkret gemeint, die Kapitalisten, das Kapital, die gesamtgesellschaftliche Verabredung „Kapital als Wertausgleich“, Die Funktion „Kapital schafft Kapital“ …?
Allgemein von Kapitalismus und von diesem als System zu reden reicht nicht, zumal es wohl mehrere Kapitalismen wären, jedoch zu keiner Zeit wird es je gelingen, die tragende Mehrheit der Menschheit ausreichend vorzubilden und diesbezüglich einheitlich zu orientieren, um sie für diesen Vorgang zu gewinnen – doch genau das wäre erforderlich, um die angestrebte Kleinteiligkeit und Entglobalisierung usw.“wuchernd“ erreichen zu können.
Zudem widerspräche diese „Einheitlichkeit im Sehen, Wissen und Handeln“ als direktes Gegenteil der bezweckten Kleinteiligkeit und dezentralen Selbstorganisation. Was für ein heftiger Widerspruch.

Es ist leider nicht „das Kapital“, das uns Sorgen macht, es sind bestimmte Menschen, die damit umgehen …

Und diese Menschen (solche) wird es auch bei aller „Wucherei“ und Umstellung künftig in gleicher Anzahl geben.
Wer das in seinen systemischen Überlegungen nicht als starken Faktor einbaut, kann wuchern, und wuchern, und wuchern, er wird ewig Keimform bleiben …

So meinst du:
„Die solidarische Selbstversorgung macht aber nicht nur die Beteiligten froh, sondern auch den Staat: Er spart Sozialausgaben“
Frage:
Wird die „solidarische Selbstversorgung“ als SYSTEM angesehen, als das, das den „Kapitalismus wuchernd“ überwuchern will / soll?
Das halte ich für abwegig, da die NATürliche „systemische Installation des biologischen wie sozialen Systems Mensch“ bereits in seiner biologischen Art eine etwas andere ist und solche Merkmale nicht „überlistet“ werden können, erst recht nicht auf KULTürliche (menschgemachte) Weise:
Das in der Entwicklung wesentlichste Evolutionsmerkmal der Menschheit, das ihr zur heutigen Entwicklung sowohl biologisch wie sozial verholfen hat, gegen alle dabei auftretenden Widerlichkeiten, ist die Fähigkeit, UNTERSCHIEDE erkennen und sinnorientiert verarbeiten zu können, INFORMATION zu nutzen. Daraus resultiert der systemische Zwang zur mutualistischen Kooperation als Daseins- und Entwicklungsprinzip von Art Menschheit in ihrer Ganzheit.

Das ist das SYSTEM, und zwar das, das auch (bis heute) immer für Mensch galt, auch im „Kapitalismus“.

Die „solidarische Selbstversorgung“ ist erst das Produkt dieser „Installation“ – und nicht das System selbst. Sie wird erst durch Realisierung der mutualistischen Kooperation und deren vordergründig gehändelten Dominanz möglich.

Was müsste also, wenn diese „Grundinstallation“ von Mensch schon immer und damit auch im Kapitalismus zwingend wirkt, anders werden, um die Auswüchse der „Kapitalismen“ los zu werden?
Die Menschen, die das händeln!
Sie müssen sich ihrer ursächlichen inneren wie äußeren Funktionsweise bewußt werden und danach die gesellschaftlichen Wertvorstellungen formen, solche, die den gegenseitigen Nutzen, die gegenseitige Sicherung und die gegenseitige Solidarität – bitte schön: einwuchernd – bringen.
Und das Kapital?
Das ist KULTürlich auf den Platz zurück zu verweisen, den es auch in einer „mutualistischen Kooperation“ zwingend auszufüllen hat: Ein MITTEL zum ZWECK des AUSTAUSCHES von mutualistisch erbrachter Leistung.
Das ergibt die Plattform, die AUCH eine „solidarische“ Selbstversorgung, also die Versorgung derer, die sich nicht mutualistisch betätigen können, ermöglicht und sichert.

So meinst du:
„Veränderungen von unten und oben müssen zusammenwachsen, wenn der Weg der Menschheit vom Abgrund wegführen soll.“ –
Frage:
Ja, nur wie soll das „wachsen, zusammenwachsen“?
Durch den Versuch, NATürliche Funktions-Installationen (Systeme) durch KULTürliche zu ersetzen – oder erstere zu ergründen und dafür zu nutzen, das menschliches Handeln sich daran orientieren kann?

Der Frage der Keimform dürfte da einiges an Umfang und Intensität zufallen, allerdings nur erfolgreich, wenn Mensch nicht als KULTürliches „Egoistisches Gen“ sondern als NATürliches „Kooperatives Gen“ begriffen wird, anderenfalls bleibt wohl alles wie es ist: beim Alten, das sich dann sogar selbst zur „ewigen egoistischen Alternative von unten“ spreizt.

3 Lusru (20.10.2014, 17:56 Uhr)

@willi uebelherr (20.10.2014, 17:05 Uhr)
Da gehst du aber etwas heftig an den Guru ran, dabei ist jeder Guru Nebensache.
Auch bei dir habe ich (noch) nicht soviel INFORMATIK festgestellt, allerdings finde ich deine zugespitzte Frage zu “Das Menschenbild der Aufklärung 2.0″ sehr treffend und recht zielführend!
Das ist natürlich populistischer Quark.
Und „freie Technologie“?
Das ist wohl eher dein populistischer Quark, was soll denn das sein?
Bitt wovon „frei“ sollte denn deine „freie Technologie“ sein?
Technologie ist eine rein KULTürliche Erscheinung, eine menschgemachte.
Damit ist sie vor allem nicht frei von Mensch, und von denen soll es recht viele geben.
Dann ist Technologie eine Verfahrensweise, die sich ausschließlich nach ihren RAHMENBEDINGUNGEN richtet, die materieller, geistiger, technischer, ökonomischer, kreativer, politischer oder auch NATürlicher Art sein können – von all diesen Fragen ist keine einzige Technologie „frei“.
Technologie beschäftigt sich mit der Wiederholbarkeit der Erstellung von Technik: von menschlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten einerseits, von Technik, als materiell geronnene (vergegenständlichte) Fähigkeiten und Fertigkeiten andererseits – Bitte wovon soll nun Technologie da „frei“ sein?
Vergiß deine „freie“ Technologie und finde einen Begriff, der das sagt, was du sagen möchtest ohne in die Reichweite von „Technologie 2.0“ zu kommen …

Und wieso solch ein interessantes Thema von Stefan Meretz benutzt wird, um sich selbst zu zitieren (hier!) – das vergessen wir am besten fix zwei drei, das wird ihm wohl nicht mehr unterlaufen, dem auf sich selbst verweisenden Common-Guru …

4 Stefan Meretz (20.10.2014, 17:59 Uhr)

Ein Hinweis: Der Text ist nicht von mir, sondern ein längeres Zitat aus dem genannten Buch. Es also nicht „mein“ Text zu dem ich „Fragen“ beantworten könne, sondern es sind günstigenfalls Fragen an uns alle, zu denen der Text offensichtlich angeregt hat.

Ich finde den Text durchaus widersprüchlich. Da heißt es ziemlich radikal: „Das Alte dient nur noch als Steinbruch oder als Werkzeugkasten: Man nutzt, was davon noch nützlich ist“. Das lese ich als Absage an den Glauben an immanente Reformen. Andererseits werden genau diese befürwortet und der Staat angerufen: „Genossenschaften und Sozialunternehmen können nur gedeihen, wenn der Staat sie zulässt und einen guten Nährboden bereitet“. Aber was ist schon widerspruchsfrei…

5 Lusru (21.10.2014, 12:24 Uhr)

@Stefan Meretz (20.10.2014, 17:59 Uhr)
Deine Antwort scheint für dich zu sprechen, jedoch war es nicht meine Ansicht, dich persönlich zu mißkreditieren, zumal es ja offensichtlich zwischen unsereren Ansichten etliche Übereinstimmungen bzw. trächtige Überlegungen gibt.
Deshalb schauen wir kurz nochmal auf das Corpus delicti – Da lese ich:

„Alternativen von unten
Von Stefan Meretz“(!!)
dann:
„Glücksökonomie[Auszug aus dem Buch »Glücksökonomie« von Annette Jensen und Uta Scheub, repostet unter CC-by-nc-nd]“

Ja, was nun, Von Meretz oder Auszug?

Dann lese ich weiter (im „Auszug“ unter der headline „Von Meretz“):
„Der Informatiker und Commons-Vordenker Stefan Meretz hat den Ansatz des »Fünfschritts«, wie Neues aus einem vorherrschenden Alten erwachsen kann, aus der kritischen Psychologie auf die Gesellschaft übertragen“
Also guter Freund, da es letztlich von dir hier keinen originären Text gibt sondern nur den „Auszug“, wäre die Formulierung „von Meretz“ irreführend, da von Meretz ja nichts kommt …
Und dann kommt doch was „von über Meretz“, im Auszug, der von Meretz zitiert wird, in dem Meretz als „DER COMMON-Vordenker“ bezeichnet wird – lieber guter Mann, das ist schon metrkwürdig, im eigenen blog unter Angabe eigener Urheberschaft ein nur ein Fremdzitat zu bringen, in dem du selber auch noch als „Vordenker“ zitiert wirst – also sei gewiß, wer das nicht überblickt, was damit geschadet wird, ist mitnichten Vor Denker, sondern eher Nichtdenker.
Gestehe deinen Vopas und alles paletti, denn der Text ist wichtig und vieles richtig und hat diese Blaminade nicht nötig.

6 willi uebelherr (22.10.2014, 00:32 Uhr)

Lieber Lusru,

ich will jetzt nicht die notwendige debatte um Keimform zerreden, die du initiiert hast. Deswegen nur kurz:

Technologie ist die Materialisation der Gesetze der Natur.

Freie technologie ist frei in ihrer Anwendung fuer alle menschen, die sie nutzen wollen. Auf der grundlage „Wissen ist immer Welterbe“ muss jegliche technologie frei sein. Also jeglicher privater aneignung entzogen. Weil wissen immer frei sein muss, weil keine einzige person bisher und in zukunft aus sich heraus das wissen fuer sich entstehen lassen kann.

Ich weiss, das sind jetzt immanente logische schlussfolgerungen, die nur wenig mit den religioesen apparaten von staat und oekonomie zu tun haben. Aber das macht nichts. Wir analysieren die wirklichkeit und schieben den allgemeinen muell in den abfalleimer.

mit lieben gruessen, willi
Quito, Ecuador

7 Lusru (22.10.2014, 16:03 Uhr)

@willi uebelherr (22.10.2014, 00:32 Uhr)
Hallo du sympatischer Quitorianer,
du faßt letztlich einen Teil meiner Sicht aus anderer – möglicher – Perspektive, was jedoch einer kleinen Präzisierung bedarf:
Technologie ist nicht DIE Materialisation DER Gesetze DER Natur, sondern, wohlwollend gesehen, ist „TechnologieEINE jeweilige nur gedachte / zu denkende Materialisation von TEILEN der Naturgesetze“, da an diesen halt nix in uns, um uns und darüber hinaus vorbei gehen und erfolgen kann.

Anderenfalls bekommen wir mit deiner absoluten Formulierung Ärger, weil letztlich weniger etwas erklärt sondern nur ein Dogma einer neuen Religion „technologisiert“ wird, was du sicher nicht meinst.
Und:
Die tatsächliche „Materialisation“ findet sich nicht IN der Technologie (als die Theorie dafür) sondern erst nach / durch deren Anwendung in der TECHNIK direkt wieder:
Über Technologien wird primäre Technik, als die KULTürliche Fähigkeit und Fertigleit von Mensch (!) , vergegenständlicht (materialisiert) zur sekundären Technik, der vergegenständlichten (materialisierten) Technik, in der dadurch auch die Technologie vergegenständlicht ist.

Frei:
Frei „von“ und „frei“ für sind verschiedene Tanzsäle, die sich mit „freie Technologie“ nicht differenzieren, so daß diese Bezeichnung wenig zweckmäßig erscheint, läßt sie doch sogar auch noch die Implikation als „technologiefrei“ zu.
Technologie ist in ihrem Wesen INFORMATION, meist komplexe, nichts anderes.
Dabei ist weniger die physikalische Information sondern die KULTürliche gemeint, die, die Mensch selber entwickelt.

Wenn nun die Art Mensch selber nur als prinzipiell mutualistisch kooperierendes (biologisches wie soziales) Wesen sich evolutionierte und sich damit auch so in ihrer so geschaffenen sozialen „Umwelt“ „installierte“, erwarb, erlernte und qualifizierte Mensch dabei und dadurch die zweckorientierte Erfassung und Verwendung von Unterschieden als Information zu seiner KULTürlichen Leistung.

Damit ist die Information und DIE Technologie (als solche Information) ebenfalls in dieser immanent, in der KULTürliche Welt installiert, und das damit nur als mutualistisch kooperativ erreichbares Produkt KULTürlichen Handelns und Wirkens.

Mutualistisch kooperativ erlangte Werte stehen grundsätzlich der ebenso mutualistischen kooperativen Nutzung (frei „für“ alle, frei „von“ privatNutz) zur Verfügung:
Als Gemeineigentum.

An nur mutualistisch kooperativ erzielbaren Werten (Information, Technologie …) kann kein Privateigentum entstehen, da es in der alleinigen (unabhängigen) Verfügung des evtl. Privateigentümers nie hätte entstehen können und es somit nicht seine (alleinige unabhängige privat-)Leistung wäre, sondern stets (auch) zugleich common-Eigentum.

Warnung
(wegen der von dir als „religiöse Apparate“ bezeichneten „staat und oekonomie“):
Staat und Ökonomie sind keine „religiösen Apparate“, nur weil mainstream das gegenwärtig aus eigener Not heraus das gerade mal so sieht und handhabt.
„staat und oekonomie“ sind schlicht TECHNOLOGIEN, Gesellschaftstechnologien – und nun schau nur mal bei deiner Definition von Technologie nach!

Das Feuer kann nicht zum „religiösen Apparat“ erklärt werden, weil es Brandstifter gibt, und das Wasser nicht, weil es jemand verschmutzt oder anderen wegnimmt …

Selbst jeder (z.B. Deine) „Staats- oder Ökonomie“- Ersatz oder Substitut benötigen wieder einen Namen, und dreimal darfst du raten, wie die dann benannt werden würden …

Warnung:
Auch „Alternativen von unten“ können schnell mal in die Predullie kommen, zum „religiösen Apparat“ zu verkommen, es wäre nicht das erste mal.
Dann schon lieber:
Naturgesetze, wie z.B. das „Gesetz der Gegenseitigen Hilfe“, auf der Basis des Funktionierens von Ganzheiten als komplexe Systeme mit synergetischen Effekten (Emergenz) , die systemische Synergiestrategie der Kooperation zum gegenseitigen (!) Nutzen (Mutualismus), nur der bindet und verpflichtet ausreichend friedlich und gestattet dadurch solidarisches Handeln, ob von unten oder und oben, aber alternativ allemale.

8 Christian Siefkes (24.10.2014, 19:13 Uhr)

@Lusru #5:

Ja, was nun, Von Meretz oder Auszug?

Das ist doch nicht so schwer zu durchschauen: Annette Jensen und Uta Scheub habe ein Buch geschrieben und Stefan hat einen längeren Ausschnitt davon hier auf den Blog kopiert, um auf das Buch hinzuweisen. Sowas gibt es öfters, das nennt sich „Repost“. Weil Stefan hier im Blog schreibt und den Auszug hier eingestellt hat, steht sein Name über dem Blogpost, und weil Annette und Uta das Buch geschrieben habe, stehen ihre Namen als Autorinnen in dem Blogpost. Eigentlich ganz einleuchtend, oder? Wie wenn du einen Text von wem auch immer per Mail weiterleitest, dann steht ja auch dein Name über der Mail, egal von wem der Text ist…

Alle inhaltlichen Aussagen, inklusive Lob oder Tadel für Stefan oder sonst jemand, fallen in den Verantwortungsbereich der Autorinnen, Annette und Uta. Stefan kann nichts davon, wenn ihn andere loben, und zu verlangen, er hätte nur wegen einer positiven Titulierung auf den Repost dieses interessanten Textes verzichten sollen, wäre doch ziemlich unangemessen, oder? Schließlich geht es hier um Inhalte, nicht um Formulierungsdetails.

9 Lusru (25.10.2014, 21:12 Uhr)

@ Christian Siefkes (24.10.2014, 19:13 Uhr)
Eigentlich hatte ich angenommen, die mehrfach geäußerte Kritik an dem was stattfand (und zwar so wie du es beschreibst!), das alle gelesen und verstanden haben, ohne das verstehen zu müssen…, diese Kritik wäre begriffen worden, dachte, die Sache wäre erledigt.

Nun schreibst du doch tatsächlich das:
„wenn ihn andere loben, und zu verlangen, er hätte nur wegen einer positiven Titulierung auf den Repost dieses interessanten Textes verzichten sollen, wäre doch ziemlich unangemessen, oder? “

1. Nein, wäre es nicht, da das genau schon die Frage des sauberen Stiles eines Autors ist.
Eigenlob stinkt bekanntlich, völlig gleich, ob ich das direkt oder indirekt (aber selber!) im eigenen blog als Repost inszeniere, wie das im vorliegenden Fall wohlunstrittig ist:
Den „Commons-Vordenker Stefan Meretz“ hat nun mal eben dieser Stefan Meretz selber hierher kopiert, er hätte es einfach, bei „guter Erziehung“ rauslassen können, und nichts wäre passiert, wer das nicht versteht, wirft wohl weitere Fragen auf.
2. Wer eine „positive Titulierung“ seiner eigenen Person als Repost anderer Personen im eigenen blog übernimmt, kehrt diese sogenannte „positive Titulierung“ schlicht in das Gegenteil um!

Richtigerweise weist du, Christian Siefkes, auf das hin:
„Schließlich geht es hier um Inhalte, nicht um Formulierungsdetails.“ –
Richtig!
Und genau DESHALB haben es die in diesem Text (und blog) zum Thema Keimform gebrachten Gedanken und erwähnten Aktiven noch lange nicht nötig, sich selbst (!!!) in Guru-Manie als „der Vordenker“ zu schmücken, insofern schmälert dies sehr wohl Keimform-Ideen und ist leider keine formale Frage, sondern eine der Seriösität solcher Inhalte, Ideenfinder und Theorien.
Mehr möchte nun auch ich nicht weiter dazu sagen, es erdrückt sonst die Keimform-Idee von der anderen Seite, zumal ich von Meretz auch einiges (inhaltlich!) halte.
Wer es bis hierher nicht verinnerlicht hat, braucht eh nicht weiter zu hoffen.
Jedoch:
Alternative Ideen und Keime haben umsomehr Anspruch auf Seriösität, da sie sonst blitzschnell verramscht werden und die dringend erforderlichen Interessenten verlieren.
Zurück zu Keimform.

10 „System Change, not Climate Change“ | sopha (23.11.2015, 21:35 Uhr)

[…] Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben (Annette Jensen, Uta Scheub) http://keimform.de/2014/alternativen-von-unten/#more-9032 […]

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