Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Vortrag zu universellen Infrastrukturen auf dem OPENiT-Festival

OPENiT-Logo (zum Vergrößern klicken)Heute beginnt in Berlin-Kreuzberg das selbstorganisierte OPENiT-Festival, das Lars ja schon angekündigt hat. Auf dem Programm steht unter anderem eine interessante Vortragsreihe im Tee&Schokolade (Dresdner Str. 14).

Am Samstag 28.9.2013 um 16:30 bin ich selber dran mit einem Vortrag zu Universellen Infrastrukturen im virtuellen und materiellen Raum:

Das Internet ist in seinem Kern ein egalitäres, selbstorganisiertes „Netz von Netzen“. Wer sich an die offenen Protokolle hält, darf mitmachen, niemand muss andere um Erlaubnis fragen. Und das Netz ist selbstheilend: wenn eine Verbindung verschwindet, werden stattdessen andere genutzt. Im Vortrag soll es um die Frage gehen, ob sich nach diesen Prinzipien der dezentralen, offenen und selbstheilenden Selbstorganisation weitere Lebensbereiche organisieren lassen, etwa Energieversorgung, Mobilität, Ernährung? Neue computergesteuerte „Ausgabemedien“ wie 3D-Drucker, Lasercutter und CNC-Fräsen könnten hier helfen, doch es kommt auch auf Protokolle und soziale Interaktionen an.

Im Anschluss stellt Nikolay Georgiev die Open Source Ecology vor. Aber auch sonst gibt es viel zu entdecken!

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Termine

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26. September 2013, 08:00 Uhr   2 Kommentare

1 tech (28.09.2013, 19:41 Uhr)

Die Fortsetzung dieser Geschichte dann bei der DARPA.  Das Internet ist nix anderes als Verkehrs-und Informationsweg. Fork der ARPA. Kind des militärisch-industriellen Komplexes der USA und des atomar-industriellen Komplexes CERN. (und in diesem Dunstkreis).

Das Internet ist die geronnene Idee, einer Fantasie,den Atomkrieg überleben zu können. Ohne den möglichen ABC Krieg wäre das Internet nie entstanden. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bericht-Groesstes-NSA-Rechenzentrum-laeuft-sich-warm-1969289.html

2 Christian Siefkes (02.10.2013, 21:09 Uhr)

@tech:

Das Internet ist die geronnene Idee, einer Fantasie,den Atomkrieg
überleben zu können. Ohne den möglichen ABC Krieg wäre das Internet nie
entstanden.

Das ist ein Mythos, allerdings mit einem wahren Kern. Tatsächlich wurde das Konzept der „Paketvermittlung“ (packet switching) zweimal unabhängig voneinander erfunden. Einmal von Paul Baran am RAND, dem es tatsächlich um ein „atomkriegsfestes“ Netz ging, das aber nie realisiert wurde. Und dann nochmal von Donald Davies, einem britischen Forscher, der für das dortige zivile National Physical Laboratory das allererste paketvermittelte Netzwerk aufbaute.

Das amerikanische ARPANET, Vorläufer des Internets, wurde von Anfang
an ebenfalls als ziviles Netzwerk zur Verbindung von Universitäten
konzipiert in Anlehnung v.a. an Davies‘ Arbeiten (der auch den Namen
„packet switching“ prägte), auch wenn Barans Ideen dort ebenfalls
bekannt waren. Vom Militär wurde es nie genutzt und war auch nicht dafür
gedacht (siehe Misconceptions of design goals).

Das merkt man den Netz auch deutlich an, andernfalls wären der offene
Charakter des „jede/r darf mitmachen“ und v.a. die
quasi-anarchistische, „rough consensus“-orientierte Selbstorganisation
durch die IETF undenkbar gewesen.

Dass Digital- und Netztechnik ein totalitäres Potenzial hat, das
heute in Form der NSA/GCHQ-Überwachung auch schon weitgehend Realität
sein dürfte, ist allerdings auch richtig. Wobei die Internet-Prinzipien,
insbesondere das ganz wesentliche „Ende-zu-Ende-Prinzip“ (Mittelknoten
sollten allen Traffic einfach nur „dumm“ und diskriminierungsfrei
weiterleiten, aber sonst nichts damit machen), dafür gerade verletzt
werden müssen. Dass damals für das „Ende-zu-Ende-Prinzip“ auf reine
Freiwilligkeit gesetzt wurde statt generell sicherzustellen, dass
Mittelknoten den Traffic nicht analysieren oder manipulieren können, ist
aus heutiger Sicht sicher ein „Geburtsfehler“ der Internet-Architektur.
Den auszubessern dürfte zumindest noch sehr viel Arbeit erfordern,
sofern es überhaupt möglich ist.

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