Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Post-Kapitalistische Landwirtschaft und Commons

Die WirtschaftsnobelpreiWork16.sizedsträger*In Elinor Ostrom hat in ihren langjährigen Forschungen zu Commons sieben Regeln gefunden, die ein funktionierendes Commoning ausmachen. An dieser Stelle möchte ich an Hand dieser Kriterien unser Projekt einer post-kapitalistischen Landwirtschaft reflektieren. Als Common gelten in diesem Fall der Boden und die darauf produzierten Lebensmittel. Als Commoning die Gemeinschaft aus Gärtner*Innen-Kollektiv und Unterstützer*Innen-Kreis.

1. Prinzip:
Regeln für Grenzen – Klar definierte Grenzen und einen wirksamen Ausschluss von externen Nichtberechtigten.

Als gemüsebaulicher Betrieb gibt es zum einen die gesetzte Grenzen des verfügbaren Bodens. Soll eine bestimmte Anzahl an Personen das ganze Jahr über in den Genuss einer Gemüse-Vollversorgung kommen, so ist deren Anzahl je nach vorhandener Fläche begrenzt. Das Gemüse wird in Depots zur Verfügung gestellt. Diese sind verschlossen und können nur von berechtigen Personen, den Unterstützer*Innen betreten und genutzt werden.

2. Prinzip
Regeln zur Anpassung an lokale Bedingungen – Regeln bezüglich der Aneignung und der Bereitstellung der Allmenderessourcen müssen den lokalen Bedingungen angepasst sein.

Der Boden wird vom Besitzer als Gegenleistung zur Vollversorgung seiner Familie mit Gemüse zur Verfügung gestellt. Es gilt eine mündliche Vereinbarung. Eine angepasste Anbauweise nach agarökologischen Prinzipien wird vom Gärtner*Innen-Kollektiv vorgeschlagen und mit dem Unterstützer*Innen-Kreis abgestimmt. Sowohl Umweltbedingungen als auch Wünsche der Gemeinschaft werden in diesem Prozess mit einbezogen. Die Bereitstellung des Gemüses erfolgt in einem Umkreis von 5 km. Zur Zeit wird dafür ein Lastenrad und PKWs genutzt.

3. Prinzip
Partizipation – Die Nutzer können an Vereinbarungen zur Änderung der Regeln teilnehmen, so dass eine bessere Anpassung an sich ändernde Bedingungen ermöglicht wird.

Die Nutzer*Innen, also die Gemeinschaft aus Gärtner*Innen und Unterstützer*Innen trifft sich mindestens 4 mal im Jahr. Diese Vollversammlungen stehen allen Mitgliedern offen. Hier können Anpassungen und Änderungen diskutiert, angenommen und in der Folge umgesetzt werden. Eine Moderation die Partizipation ermöglichen soll, rotiert in der Gemeinschaft. Entscheidungen werden im Konsens getroffen.

4. Prinzip
Kontrolle – Überwachung der Einhaltung der Regeln

Jede*r Unterstützer*In unterzeichnet einen Vertrag in dem die gemeinschaftlichen Regeln und verbindlichen Beiträge festgehalten sind. Vor allem das Eingehen der finanziellen Beiträge werden von einer Person aus der Gemeinschaft überwacht. Gibt es hier Schwierigkeiten, wird nach einer Lösung gesucht die sowohl für die betroffenen Person als auch die Gemeinschaft tragbar ist. Des weiter ist jede*r einzelne aufgerufen über die Einhaltung der selbst gegebenen Regeln zu wachen.

5. Prinzip
Sanktion – Abgestufte Sanktionsmöglichkeiten bei Regelverstößen

Sanktionen im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Einen Ausschluss aus der Gemeinschaft gab es bisher ebenfalls nicht, weil entstandene Probleme immer gelöst werden konnten. Möchte ein*e Unterstützer*In aussteigen so ist sie verpflichtet einen Ersatz zu finden. Ist Sie dazu nicht in der Lage kann auch die Gemeinschaft bei der Suche behilflich sein. Statt Sanktion wird versucht den „Regelverstößen“ auf den Grund zu gehen und Möglichkeiten und Räume der Ermächtigung zu schaffen. Oder die Regeln werden kollektiv geändert.

6. Prinzip
Konfliktlösung: Mechanismen zur Konfliktlösung

Festgelegte Mechanismen gibt es nicht. Die Gemeinschaft gibt sich Scheiterkriterien die vertiefende Konflikte verhindern sollen. Gesunder Menschenverstand und gegenseitige Hilfe und Solidarität sorgten bisher für eine rasche und konstruktive Konfliktlösung.

7. Prinzip
Autonomie: Die Selbstbestimmung der Gemeinde wird durch den nächstgrößeren Kreis der Commons anerkannt.

Leider gibt es noch keinen „nächstgrößeren Kreis“ der Commons. Viel mehr wäre es schön wenn eine Föderation von post-kapitalistischen Betrieben in der Region entstehen würden die autonom arbeiten aber gleichzeitig eine gewisse Arbeitsteilung schaffen; gemeinsame Maschinen und andere Ressourcen nutzen und einen Austauschen an Fähigkeiten und Tätigsein schaffen.

Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen, Soziale Netzwerke

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3. März 2013, 07:00 Uhr   0 Kommentare

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