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Auf Reisen? Facebook muss zuhause bleiben!

Facebook muss zuhause bleibenWenn auch eher widerwillig, habe ich in letzter Zeit die proprietären sozialen Netzwerke Facebook und Google+ doch zumindest sporadisch genutzt. Allerdings habe ich feststellen müssen, dass das gar nicht immer geht. Ich bin derzeit nämlich auf Reisen in Südostasien unterwegs, und reisende Benutzer_innen sind zumindest bei Facebook offensichtlich nicht vorgesehen.

Es verweigert mir das Login gern mit der Meldung, ich würde mich von einem neuen Ort und unbekannten Gerät aus einloggen – tatsächlich verwende ich immer denselben Computer, aber Facebook erkennt ihn nicht wieder, weil ich alle Cookies beim Beenden von Firefox lösche. Um zu beweisen, dass ich ich bin, muss ich dann in der Regel Freund_innen auf Fotos identifizieren. (Nur manchmal, wenn es gut gelaunt ist, gibt sich Facebook stattdessen mit der Eingabe meines Geburtsdatums zufrieden.) Das Identifizieren ist schon deshalb nicht so leicht, weil die Fotos (anders als Facebook denkt) keineswegs immer die Person zeigen, die sie veröffentlicht hat. Zudem kenne ich nicht alle meine Facebook-Freund_innen aus „real life“ (anders als Facebook unterstellt/erwartet/hofft) und weiß deshalb nicht immer, wie sie aussehen.

Google+ macht das etwas besser: es schlägt zwar auch manchmal Alarm, wenn ich mich von so einem exotischen Ort wie Myanmar aus einlogge, gibt sich aber in der Regel mit der Eingabe meiner vorher hinterlegten deutschen Handynummer zufrieden.

Nun weiß ich ja (auch wenn Google+ und Facebook das nicht wissen können), dass alles in Ordnung ist, wenn ich mich von Thailand oder Myanmar – oder wo immer ich sonst hinfahre – aus einlogge. Man würde also denken, dass es irgendwo in den Profileinstellungen ein Häkchen „Ich will mich von überall aus einloggen dürfen“ gibt, das man einmal setzt und dann ist ab sofort Schluss mit den Schikanen. Aber weit gefehlt, mündige Bürger_innen, die selbst entscheiden, was sie wollen, sind bei Facebook und Google+ offensichtlich nicht vorgesehen – die Loginhürden lassen sich nicht abstellen. Und Facebook ist zudem zu dumm, um sich daran zu erinnern, dass ich mich schon diverse Male erfolgreich von Südostasien aus eingeloggt habe und also in dieser Weltgegend unterwegs sein muss. Stattdessen kommen die Schikanen immer wieder.

Nur ein Beispiel, wie proprietäre Netze versagen, weil sie ihre Nutzer_innen nicht für voll nehmen.

Kategorien: Feindbeobachtung

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29. November 2013, 04:24 Uhr   4 Kommentare

1 Ilja Braun (30.11.2013, 11:11 Uhr)

Der kritische Punkt ist aus meiner Sicht nicht die Unbequemlichkeit des Verfahrens, sondern dass du Facebook damit bei der Weiterentwicklung ihrer Gesichtserkennungssoftware hilfst und potenziell auch die Persönlichkeitsrechte Deiner Kontakte verletzt.

2 Christian Siefkes (02.12.2013, 14:48 Uhr)

@Ilja:

Der kritische Punkt ist aus meiner Sicht nicht die Unbequemlichkeit des Verfahrens, sondern dass du Facebook damit bei der Weiterentwicklung ihrer Gesichtserkennungssoftware hilfst und potenziell auch die Persönlichkeitsrechte Deiner Kontakte verletzt.

Naja, Facebook kringelt auf 3 Fotos, die ein Bekannter hochgeladen hat, jeweils ein Gesicht ein und fordert mich auf, es einem meiner Bekannten zuzuordnen — faktisch dem, der das Bild hochgeladen hat, ob das Gesicht auch zu derselben Person gehört, scheint weitgehend Zufall zu sein. Beim Unterscheiden zwischen Gesichtern und Nicht-Gesichtern ist die Software schon echt gut, doch WESSEN Gesicht das ist, scheint praktisch Zufall zu sein — an sich hätte ich da Facebooks Gesichtserkennungssoftware schon deutlich mehr zugetraut als sie tatsächlich zu können scheint. Da ich faktisch nur den Uploader identifizieren kann/muss, nicht die dargestellte Person, glaube ich nicht, dass das irgendwelche Persönlichkeitsrechte verletzt.

Wäre ja cool, wenn man Facebook dieses Verfahren unter Verweis auf Datenschutzgesetze verbieten könnte (dann müssten sie die Schikanen entweder aufgeben oder sich zumindest eine Alternative einfallen lassen), aber ich seh da schwarz…

3 Ilja Braun (02.12.2013, 15:08 Uhr)

Hallo Christian,es muss nicht unbedingt Dein Bekannter sein, der die Bilder hochgeladen hat. Vielleicht hat ein Dritter die Bilder hochgeladen, Facebooks Gesichtserkennungssoftware hat Deinen Bekannten identifiziert, und Facebook benutzt nun Dich als einen, der das vermutlich auch kann, um zu verifizieren, ob die softwarebasierte Identifikation stimmt. Ich kann das nicht beweisen, aber faktisch weißt Du nicht, wer das Bild hochgeladen und wer darauf ggf. wen markiert oder nicht markiert hat.

Und natürlich ist das datenschutzrechtlich alles nicht ganz koscher. Aber vermutlich hast du irgendwo in den AGB eingewilligt, genauso wie Deine Bekannten.

4 Christian Siefkes (06.12.2013, 11:47 Uhr)

@Ilja:

Hallo Christian,es muss nicht unbedingt Dein Bekannter sein, der die Bilder hochgeladen hat. Vielleicht hat ein Dritter die Bilder hochgeladen, Facebooks Gesichtserkennungssoftware hat Deinen Bekannten identifiziert, und Facebook benutzt nun Dich als einen, der das vermutlich auch kann, um zu verifizieren, ob die softwarebasierte Identifikation stimmt

Theoretisch denkbar, aber praktisch halte ich das für ausgeschlossen. Die Software zeigt mir immer 3 Fotos und lässt mich zwischen 6 Bekannten (aus meiner Freundesliste) auswählen. Da wird also nicht „ist das X oder nicht?“ gefragt. Um etwas lernen zu können, müsste die Software also völlig sicher sein, dass das einer von zweien (oder mehr) meiner Bekannten ist, ohne aber genau zu wissen, welcher. Und dann müsste es aber auch noch 2 weitere Fotos auftreiben, wo es sich sicher ist, dass darauf dieselbe Person zu sehen ist. Nur dann habe ich ja eine Chance, die Frage richtig zu beantworten. Aber woher sollte diese Sicherheit einerseits, aber mit einem Rest von Unwissenheit gepaart (welcher der beiden ist es denn nun), herkommen?

Also ich denke du hältst die Software da für deutlich schlauer als sie ist. Ich würde wetten, dass FB einfach 3 Fotos aus einem Profil auswählt und mich den Uploader taggen lässt (zumal die auf den Fotos eingekreisten Gesichter manchmal ganz eindeutig zu unterschiedlichen Personen gehören, was die Software aber nicht kapiert).

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