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Peer Property Scanner

Lassen sich Produktionsmittel als Commons „freikaufen“?

Dazu starte ich folgendes Experiment: ich habe einen Dokumentenscanner (ScanScnap 1500) gekauft, d.h. so ein Ding wo man bedrucktes Papier (oder Bücher in zerschnittener Form) reinsteckt und eine Weile später ohne manuelles Zutun virtualisiert hat …

Ich lade Euch ein, diesen Scanner zu einem öffentlichen Gut zu machen, und zwar so: 30€ des Einkaufspreises sind mein „public share“, der Rest wird „private share“. Ihr könnt durch Spenden meinen „public share“ vergrößern oder durch Patenschaften meinen „private share“ in Euer eigenen „public share“ überführen.

Die Nutzung des Scanners wird öffentlich verhandelt und durch die Shareholder bestimmt.

Solange ich diese beeinflussen kann, ist diese Nutzungsregelung beabsichtigt:

  • der Scanner wird an Nutzer weitergegeben und verbleibt bei dem aktuellen Nutzer
  • der nächste Nutzer holt sich den Scanner selber ab, bzw. übernimmt Versandkosten
  •  der Scanner soll im Raum Potsdam/Berlin verbleiben
  • der aktuelle Nutzer des Scanners verpflichtet sich, Dokumente für andere in geringer wöchentlicher Menge im Auftrag durch den Scanner zu schicken

Wenn ihr Bücher virtualisieren wollt, die in meinen Interessenbereich fallen (siehe coforum.de),  dann schickt sie mir mit Rücksendeumschlag entweder schon zerschnitten zu, oder mit einer Spende, die den Schnitt des Buches in einem Copyshop erlaubt. Überschüssige Spenden fließen in Transformation meines „private share“ in „public share“ und darüber hinaus in die Finanzierung einer Stapelschneidemaschine als Peer Property.

Aktueller Stand:

peers: 1

public share:  30€
private share: 295€

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen

17. Mai 2012, 09:30 Uhr   9 Kommentare

1 Stefan Meretz (20.05.2012, 12:20 Uhr)

Finde ich eine gute Idee. Nur an diesem Produktionsmittel behagt mir nicht, dass die Bücher vorher zerschnitten werden müssen, bevor sie gescannt werden. Das ist nur was für eBook-Nerds, und zu denen gehöre ich nicht.

Ich besitze z.B. eine Reihe alter, nicht mehr erhältlicher Bücher (=verwaiste Werke), die ich sehr gerne online allgemein oder zur Not online privat-zirkulierend zugänglich machen würde. Oder auch nur für mich haben würde, um sie durchsuchbar zu machen. Aber zerschneiden möchte ich die Raritäten nicht!

Die Anwendungsfälle sind für mich begrenzt: Ein paar Bücher würde ich opfern, dann vielleicht noch interessante Ausdrucke, zu denen ich das elektronische Pendant nicht habe. Ich beteilige mich also mit einem „public share“, den ich dir schicke.

Btw: Beim „public share“ finde ich die Frage, wem der „gehört“ eher verwirrend und sinnfrei. Den Unterschied von Spende und Patenschaft habe ich daher auch nicht verstanden.

2 Thomas Kalka (20.05.2012, 13:36 Uhr)

Wenn Bücher nicht kaputt gehen dürfen, könnte ein Scanner wie  sie unter 
http://bookliberator.org dokumentiert werden, zum Einsatz kommen.  

Bei meiner Vorstellung von PeerProperty gibt es das Eigentum nach wie vor, es verteilt sich halt auf viele Peers und wird öffentlich verwaltet. Der Unterschied zwischen Spende und Public Share ist dieser: mit der Spende erhöhst du _meinen_ PublicShare, d.h. Du erhöhst meinen Einfluss auf die Nutzungsabsprachen. Gleichzeitig „befreist“ du das Ding, denn mit 100% public und 0% private share ist das Ding komplett in öffentliche Nutzung überführt. Im anderen Fall wirst Du mit-Eigentümer, d.h. erwirbst Stimmrecht an Nutzungsregelungen zu dem Gut. Auch in diesem Fall erhöht sich der „public share“ und damit der Freisetzungsgrad.

Der erste Scanner ist dafür Schriftstücke gedacht, die nach Virtualisierung gerne verschwinden dürfen, wie irgendwelche Proceedings, Adresssammlungen, Prospekte, Aufrufe etc.. Ich werde aber auch dicke Wälzer, wie das „Schwarzbuch Kapitalismus“ dadurch jagen, die ich sehr gerne virtuell verfügbar, aber nicht unbedingt im Regal stehen haben muss. 

Einen nicht-destruktiven Scanner, den man sich bei Bedarf nach Hause holen kann, zur Verfügung zu haben, fände ich aber auch sehr wünschenswert.

3 Thomas Kalka (20.05.2012, 13:43 Uhr)

http://www.diybookscanner.org/  ist wohl der bessere Link zu non destructive diy book scanning …

4 Stefan Meretz (20.05.2012, 16:03 Uhr)

Aha, danke für die Erklärung, das war war mir so auf Anhieb nicht klar. Dann deklariere ich meinen Beitrag als Spende, da ich dir vertraue und weitere Nutzungsabsprachen an dich delegiere. Ist das nicht wie bei Liquid Democracy?

5 Stefan Meretz (20.05.2012, 16:10 Uhr)

Wie wäre es, urheberrechtlich blockierte Werke in eine Cloud zu packen und privat zu sharen? Am „Schwarzbuch“ bin ich z.B. auch interessiert, ich hab’s zwar im Regal, aber eine durchsuchbare Version hat nochmal eine eigene Qualität…

6 Thomas Kalka (20.05.2012, 16:57 Uhr)

Hm. Bei LiquidDemocracy kann man Delegationen immer wieder neu verteilen; das würde funktionieren, wenn die Peers ihre Anteile behalten, die Verwaltung der Nutzung jedoch deligieren.

Zum Cloud-Speicher: da scheint https://freenetproject.org/ brauchbar. Interessant, dass dort Freiheit auch nur unter Aufgabe von „Eigentum“ machbar ist: die Betreiber einzelner Nodes können nicht bestimmen, welcher Content auf ihrem Server liegt, da sie diesen nicht einsehen können. Ich habe vor einigen Jahren damit herumgespielt. Damals war es noch sehr langsam.

7 Denis (21.05.2012, 02:10 Uhr)

Bevor ihr euch die Mühe macht: das „Schwarzbuch“ gibt es zum download schon hier: http://www.exit-online.org/pdf/schwarzbuch.pdf

8 Christian Siefkes (22.05.2012, 11:33 Uhr)

Produktionsmittel „freikaufen“ ist zwar nicht so gut wie selbst gemeinsam eigene herstellen, aber das klingt trotzdem nicht verkehrt. Ich übernehme 25€ als eigenen „public share“  — werd dir das Geld demnächst überwiesen, Thomas.

9 Christian Siefkes (17.11.2012, 19:30 Uhr)

Interessantes Open-Hardware-Projekt von Google:

Mitarbeiter von Google Books haben die Designpläne für einen vergleichsweise günstigen Scanner zur Buchdigitalisierung unter einer freien Lizenz ins Netz gestellt. Wie The Verge berichtete, haben sie einen Prototypen in der Zeit entwickelt, die Google seinen Mitarbeitern zur Verfolgung eigener Projekte gewährt. Zusammengesetzt aus einem Scanner, einem Staubsauger und einigen anderen Teilen, kann der Linear Book Scanner automatisch ganze Bücher digitalisieren.

Insgesamt kosten die Einzelteile für den Buchscanner rund 1500 US-Dollar. Das Einscannen eines Buches mit 1000 Seiten, dauere etwas mehr als 90 Minuten erläutert The Verge. Zur Einrichtung seien davor lediglich 40 Sekunden nötig. (Heise)

Schick an dem Google-Scanner ist nicht nur, dass er Open Hardware ist, sondern auch dass er Bücher vollautomatisch einscannen kann, ohne sie zu zerstören.

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