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Federico Pistono at TEDxVienna: »Robots Will Steal Your Job, but That’s OK«

Ok, no critique of capitalism in its very notion, but on the right track. Quote:

Choose a job you love and you will never have to work a day in your live.

— Confucius

Kategorien: English, Medientipp

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18. Dezember 2012, 06:39 Uhr   4 Kommentare

1 »Robots Will Steal Your Job, but That’s OK« | via Keimform.de | Social Network Unionism (18.12.2012, 12:43 Uhr)
2 libertär (18.12.2012, 20:42 Uhr)

Leider ist es auch hier wie so häufig: Technischer Sachverstand und Begeisterung für Visionen gehen nicht mit ökonomischem Sachverstand einher. Entsprechend ist das, was man über die Alternative zum gegenwärtigen System erfährt, auch sehr dünn.

Denselben Vortrag hätte man (freilich mit anderen Technologien illustriert) auch vor 100 Jahren schon genauso halten können. Fehlende Technik ist nicht die Hürde, die uns vom Kommunismus abhält. Dank Industrialisierung hätte man auch schon zu Marx‘ Zeiten eine Rundumversorgung der Bevölkerung mit allen Gütern des zeitgenössischen Bedarfs bewerkstelligen können. Es gibt nicht die Technologie, auf die wir warten müssen und die uns irgendwann die Erlösung bringt. Welche technischen Defizite sind es z.B., die uns heute daran hindern, alle Menschen weltweit gesund zu ernähren? Natürlich keine! Alles Nötige gibt es längst. Erst kürzlich gab es doch eine Studie, nach der ganz ohne Dünger nur durch geschickten Fruchtwechsel dieselben Erträge auf denselben Flächen zu erzielen sind. D.h. es bräuchte nur eine zweckmäßige Nutzung von Flächen durch die Produzenten ohne kapitalistische Interventionen und das Hungerproblem wäre gelöst.

Wenn sich ein kommunistisches Bewusstsein nicht durchsetzt, dürfte eine ganz andere Entwicklung als das vom Referenten angestrebte totale „unemployment“ wahrscheinlicher sein:

Aufgrund der fallenden Profitrate verschärft das Kapital die Ausbeutung und okkupiert immer mehr Bereiche der Gesellschaft. Das zeichnet sich schon seit Beginn des Neoliberalismus ab. Kapitale ersetzen den Staat zu immer größeren Teilen. Ein High-Tech-Feudalismus bildet sich heraus, der sich Gesetze selbst schreibt bzw. kauft. Die Existenz der Arbeiterklasse wird aufgrund der steigenden Automatisierung immer unsicherer, die Reservearmee wächst auf eine nie gekannte Größe an. Weil es zu wenig Beschäftigung in der Industrie gibt, müssen sich Leute anderweitig verdingen. Millionen Leute werden in den Dienstleistungssektor und ins Kleinsthandwerk abgedrängt. Der Vergleich zum Feudalismus ist hier wirklich angebracht und die Symptome sind schon seit den 1980ern zu beobachten. Konkret heißt das, dass die Ausgestoßenen des Kapitals versuchen werden, sich gegenseitig mit fragwürdigen Dienstleistungen abzuzocken, oder ein Elendsdasein als „digitale Handarbeiter“ zu führen. Die bereits vorhandenen Tendenzen weitergedacht, wird dann 2030 halb Deutschland aus „Unternehmern“ bestehen, die in Heimarbeit Modeschmuck schnitzen oder in ihren 3D-Druckern ausdrucken und auf eBay verkaufen. Und dafür, dass sie das gnädigerweise dürfen und nicht verhungern müssen, sind sie den Piraten auf ewig dankbar, weil die ein Grundeinkommen aus Lebensmittelmarken durchgesetzt haben. Besser könnte es für die heutige Kapital- und künftige Feudalelite gar nicht laufen. Sie streicht fast das gesamte Arbeitsprodukt der Gesellschaft ein und speist die Masse mit ein paar Brosamen ab, die ihr vom Tisch fallen.

Was macht eigentlich Herr Pistono? Ach ja, er hat ein Buch über eine Zukunft ohne Arbeit geschrieben und vertreibt das im Selbstverlag. Daneben bietet er noch selbstgestaltete T-Shirts bei einem Online-Dienstleister an. Wenn das mal keine gelebte Selffulfilling Prophecy ist!

3 Benni Bärmann (24.12.2012, 10:34 Uhr)

@libertär: das hat er ja mehr oder weniger als eine der beiden möglichen Zukünfte genauso dargestellt, wie Du, nur in anderen Worten.

4 libertär (25.12.2012, 14:48 Uhr)

@Benni Bärmann:
Ich habe das Video eben noch mal angeschaut. Über Neofeudalismus hat er nichts gesagt, auch nicht in anderen Worten.

Was er als das „work paradox“ (7:33) ausgemacht haben will, ist nichts anderes als der alte Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Vor lauter Technikvisionen sieht er die wahre Ursache des Problems nicht. Die Technik, die die Arbeit überflüssig macht, ist längst da, seit der Industrialisierung. Wir brauchen nicht auf Roboterautos und maschinelle Übersetzung warten. Überflüssig ist die ganze Arbeit, die der Kapitalismus verursacht, wie z.B. fast die gesamte Justiz, die ganze Bürokratie, die mit dem Geld verbunden ist, die Werbung, alle Jobs, die das System geschmeidig machen, aber nur Kosten verursachen. Überflüssig sind aber auch Tätigkeiten und Produkte, die es nur wegen des Profits gibt, z.B. viele Transporte und die meisten Konsumgüter. Gegen solche unnötigen Arbeiten hilft keine Automatisierung. Ganz im Gegenteil. Wenn sie erst automatisch und damit billiger zu erledigen sind, wird ihr Volumen noch wachsen! Der Fehler ist das System.

An einer Stelle spricht er eine Lüge aus: Man müsse am Montag wieder zur Arbeit gehen. Wenn er wirklich so sozial vernetzt wäre wie es scheint, dann hätte er einen Flash Strike (analog zu Flash Mob) gestartet. Er hätte sein Publikum aufgerufen, der Arbeit fernzubleiben und über Twitter und Facebook auch ihre Freunde dazu aufzufordern, solange bis das System gestürzt ist. So einfach wäre es gewesen. Die Leute müssten nur praktizieren, was sie schon wissen: Auf ihre Arbeit kommt es nicht an, um sich einen Lebensunterhalt zu sichern. Der muss nicht „verdient“ werden.

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