Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Foodsharing

Ein interessantes Projekt sucht Crowdfunder. Umsonstökonomie für Nahrungsmittel per Internet.

Leider konnte ich keine Informationen über die Lizenz der zu entwickelnden Software finden.

Lässt sich der Kapitalismus mit Hilfe seines eigenen Abfalls überwinden?

update: Der angestrebte Betrag von 10.000 Euro ist schon erreicht.

Kategorien: Commons, Soziale Netzwerke

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31. Juli 2012, 15:09 Uhr   10 Kommentare

1 Silke (31.07.2012, 15:25 Uhr)

Lässt er sich nicht, aber zumindest ärgern. Denn was nicht weggeworfen wird, sondern genutzt (gegessen), muss nicht neu produziert und nicht verkauft werden. Und davon mal abgesehen. Die EINE Strategie zum Überwinden des Kapitalismus gibt es ja sowieso nicht.

2 Stefan Meretz (31.07.2012, 22:29 Uhr)

Das wichtigste daran finde ich die Reduzierung der eigenen monetären Erfordernisse. Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Baustein einer Commons-Strategie.

Ich finde erstaunlich, dass solche Sharing-Ansätze hierzulande bislang kaum eine Rolle spielen. In den USA dagegen scheint die »Sharing-Economy« (merkwürdige Wortverbindung) hingegen zu boomen. Woran liegt das? Oder täuscht mein Eindruck?

3 Silke (31.07.2012, 22:46 Uhr)

Ich glaub, Dein Eindruck täuscht. Das ist dort kulturell so wenig verankert, dass schon Car-sharing als Kulturrevolution gilt und ausserdem lesen wir zuviel bei Sharing mit :-)Bei uns wird vermutlich mehr geteilt, wir machen nur nicht so einen Wirbel drum.

4 Stefan Meretz (01.08.2012, 09:51 Uhr)

Hm, kann sein. Ich kann allerdings auch Car-Sharing nicht wirklich als Teilen ansehen, sondern nur als andere Form der Autovermietung.

5 Silke (01.08.2012, 09:53 Uhr)

Ja, aber bei Carsharing entsteht derselbe Effekt. Die Leute müssen sich kein neues Auto kaufen.  Sonst hätte es ja eine Carsharing-Prämie gegeben und keine Abwrackprämie. Also, solche Dinge braucht es auch – unbedingt. Übergangstrategien.

6 Toka (01.08.2012, 21:27 Uhr)

Interessant, dass solche Projekte mittlerweile per Crowdfunding finanzierbar zu sein scheinen. Leider steht in der Info nichts über Lizenzfragen, weder der geplanten Datenbank, noch der Webapp etc… 

7 Benni Bärmann (06.08.2012, 10:06 Uhr)

Ich finde an dem Projekt vor allem interessant, dass es als Verteilungsbasis für dezentrale bedürfnisorientierte Produktion also im Sinne von Commons Based Peer Production dienen könnte.

8 Stefan Meretz (06.08.2012, 10:25 Uhr)

@Benni: Was meinst du mit Verteilungsbasis? Das technische Tool, was die da bauen wollen?

9 Benni Bärmann (06.08.2012, 11:22 Uhr)

@Stefan: Nein, eher die kritische Masse, die entstehen könnte, die es dann auch echten P2P-Projekten erlauben würde diesen Kanal zu nutzen. (Naja, aber wahrscheinlich ist es die eher kleinste Herausforderung dabei, das Essen loszuwerden, zugegeben).

10 libertär (06.08.2012, 12:31 Uhr)

Das Projekt weist schon mal in die richtige Richtung. Der Ansatz müsste jetzt revolutionär weitergedacht werden.

Wenn schon die Verteilung per Software koordiniert werden kann, warum setzt man nicht auch bei der Produktion an, damit genau das produziert wird, was benötigt wird und kein Müll über dem Bedarf mehr entsteht? Eine Hälfte der Lebensmittel wird für den Müll produziert, also wird nur eine Hälfte konsumiert. Warum stellt man nicht die Produktion der kostenpflichtigen Lebensmittel ein und gibt die für den Müll bestimmte kostenlose Hälfte an die Konsumenten ab? Es ist so unpraktisch, Lebensmittel an Einzelhändler zu liefern, damit die dort so lange gelagert werden, bis der Kapitalist ein Alibi (Mindesthaltbarkeitsdatum ist verstrichen) hat, sie kostenlos abzugeben. Warum wandelt man die Supermärkte nicht in Magazine um, wo jeder gleich die noch frischen Lebensmittel, die er vorher per App bestellt hat, mitnehmen kann?

Das Ganze erinnert mich an eine Kabaretteinlage: Jemand bestellt beim Bäcker das alte Brot von gestern für morgen und will es gleich heute mitnehmen. Man lacht, weil die Absurdität der kapitalistischen Produktions- und Vertriebsweise, vertreten durch den Verkäufer, der in peinliche Erklärungsnot gerät, entlarvt ist. Es geht nur um Profitmaximierung, nicht um effiziente Bedürfnisbefriedigung. Die Masse der Menschen dient einer Ökonomie, von der sie selbst am wenigsten hat. Auf solche Widersprüche müsste offensiv aufmerksam gemacht werden. Dem Kapital und seinen Dienern im Staat müsste die Irrationalität ihrer Produktionsweise vorgehalten werden, bis ihnen ihre eigene Überflüssigkeit einleuchtet.

Produkte werden vor der Produktion bis ins kleinste Detail durchgeplant und optimiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Produktentwicklung und -verbesserung ein. Warum machen wir bei unserer Ökonomie eine Ausnahme und überlassen sie der Willkür der herrschenden Klasse? Ihr notwendiges Scheitern für die Arbeiterklasse ist formal und durch Evidenz bewiesen. Wissenschaftlich logisch wäre, diese Ökonomie samt der Herrschaft von Menschen über Menschen so schnell wie möglich abzuschaffen, bevor sie noch weitere Menschenleben fordert.

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