Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Commonismus in Dresden, Bamberg, Hamburg

Hier die beiden nächsten drei Veranstaltungen mit meiner Beteiligung:

Kommunismus oder Commonismus, 7.11.2012, 19:00 Uhr, WIR-AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099 Dresden (Veranstalter: RLS Sachsen):

Sind Commons die zeitgemäße Form, die Eigentumsfrage zu stellen und im 21. Jahrhundert zu beantworten? Was ist unter Commons zu verstehen? Ist es nur eine neue Form alte Fragen zu stellen oder geht es mit den Commons tatsächlich auch um einen neuen Inhalt? Müssen sich die Linken auf etwas Neues einlassen oder wissen sie es wie eh und je schon besser? Ist das Commons-Konzept als emanzipatorische Perspektive denkbar, ist es gesellschaftlich verallgemeinerbar? Geht es um Commonismus oder um Kommunismus?

Peer-Produktion – Bastelvergnügen oder Revolution? 8.11.2012, 20:00 Uhr, Balthasar, Bathasargässchen 1, 96049 Bamberg (Veranstalter: Freie Uni Bamberg):

Was mit Freier Software begann, sich über Freies Wissen (Wikipedia!) und Freie Kultur fortsetzte, hat heute auch den Bereich der materiellen Güter erfasst: die commonsbasierte Peer-Produktion. Handelt es sich dabei um eine qualitativ neue Produktionsweise oder nur um eine temporäre »Anomalie« im Kapitalismus? Welche analytischen Begriffe brauchen wir, um das globale Phänomen erklären zu können? Welche Konsequenzen hat das für traditionell linke Vorstellungen gesellschaftlicher Transformation? Gibt’s am Ende weder Bastelvergnügen, noch Revolution? Oder erleben wir die ersten Schritte des Kommunismus, eines Kommunismus nicht als »ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten« habe, sondern als »wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt« (Marx/Engels)?

Das Bilderverbot aufgeben, den Kapitalismus aufheben, 23.11.2012,18:00 Uhr, Universität Hamburg, Allendeplatz 1 (Pferdestall), 1. Stock, Raum 1o4 (Veranstalter: MASCH-Hochschulgruppe)

Das »Bilderverbot« (Adorno) besagt, dass eine zukünftige Gesellschaft nicht a priori konzipiert werden könne, da jede Vorstellung normativ wirke und den Blick auf die wirklichen Widersprüche im realen Kapitalismus verstelle. Schließlich meinten auch Marx und Engels, Kommunismus sei »wirkliche Bewegung« und nicht ein »Ideal, wonach sich die Wirklichkeit zu richten« habe. Es ist an der Zeit, das »Bilderverbot« aufzugeben. Es steht der »wirklichen Bewegung« im Wege und behindert das Denken, da es faktisch die alte Aufhebungsvorstellung — Machtergreifung der Arbeiterklasse und Gestaltung der neuen Gesellschaft — zementiert. Mit dem Niedergang des Realsozialismus ist auch die traditionelle Transformationskonzeption als »Ideal, wonach sich die Wirklichkeit zu richten« habe, zu überwinden. Stattdessen zeigt eine Analyse der »wirklichen Bewegung« in Gestalt der commonsbasierten Peer-Produktion das keimförmige Entstehen einer neuen Produktionsweise, die das Potenzial hat, den Kapitalismus aufzuheben. Damit wird auch eine Freie Gesellschaft denkbar.

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Termine

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1. November 2012, 06:19 Uhr   2 Kommentare

1 Vortrag »Commonismus« — keimform.de (10.11.2012, 06:29 Uhr)

[…] der erste meiner beiden dicht aufeinander folgenden Vorträge, gehalten am 7.11.2012 in Dresden bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen (Folien und Ton). […]

2 Hans-Hermann Hirschelmann (10.11.2012, 11:48 Uhr)

Sind Commons die zeitgemäße Form, die Eigentumsfrage zu stellen und im 21. Jahrhundert zu beantworten?

Commonsinseln sind sicher EINE zeitgemäße Form, „die Eigentumsfrage“ zu stellen was in meinen Augen heißt, nach Vorgängen zu fragen mit denen sich die (Welt-)Gesellschaft am Ende in die Lage versetzten könnte, tatsächlich als (Welt-)Gesellschaft, also als eine moderne (Welt-)Gemeinschaft über die Entwicklung und Anwendung der menschlichen und von Menschen beeinflussten Produktivkräfte (die in bestimmter Hinsicht immer auch Destruktivkräfte sind) zu bestimmen. In einer Weise, die die (soziale bzw. ökologische) Eigenmitverantwortung der Individuen nicht negiert sondern etabliert!

[das Bilderverbot bzw. Utopieverbot] … steht der »wirklichen Bewegung« im Wege und behindert das Denken,da es faktisch die alte Aufhebungsvorstellung — Machtergreifung der Arbeiterklasse und Gestaltung der neuen Gesellschaft — zementiert.

Vielleicht sollte man mit dem Badewasser nicht gleich auch das Kind ausschütten und die eine Denkblockade nicht durch eine andere austauschen. In meinen Augen ist und bleibt die ökohumanistische bzw. kommunistische Aufhebung der von Lohn- und Gehaltsabhängigkeit bestimmten Behauptungs- bzw. Entwicklungsbedingungen das zentrale Element der sozialen Emanzipation wie sie jetzt ansteht.

Das geht nicht ohne Übergänge, in denen entsprechende Prozesse (zwischen-)staatlich abgesichert werden.  

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