Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Aus der Dreckige-Wäsche-Kiste

Manchmal scheitern Projekte kaum dass sie angefangen haben. Zum Beispiel das Oekonux-Spinoff-Projekt und Online-Journal Critical Studies in Peer Production (CSPP). Es sollte ein wissenschaftliches Open-Access-Journal werden. Das Peer-Review sollte transparent ablaufen, eine öffentliche Mailingliste sollte der Ort sein, an dem organisatorische Fragen geregelt werden. Mit anderen Worten: Die Prinzipien der Peer-Produktion sollten auch für das Journal selbst gelten. Klingt logisch.

Im Streit darüber, was »offen« tatsächlich heißt, ist das Projekt gescheitert.

Der Oekonux-Maintainer Stefan Merten hatte die Aufgabe übernommen, sich um die technische Infrastruktur zu kümmern. Er sah sich jedoch immer häufiger durch intransparente Kommunikationsformen des CSPP-Maintainers Mathieu O’Neil ausgebootet, der sich wiederum umgekehrt durch Stefan Merten angeriffen füllte. Trotz meiner Mitgliedschaft auf den einschlägigen Mailinglisten waren die Konflikte für mich nicht einfach nachzuvollziehen.

Mathieu O’Neil verlagerte einen Teil der Kommunikation in den privaten Bereich, es entstanden parallele informelle Verteiler. Das Projekt lief auseinander. Zudem wurden organisatorische und inhaltliche Debatten vermischt. Kulminationspunkt war die Ankündigung eines Forks durch Mathieu O’Neil: Einige Leute hätten sich abgesprochen und seien sich einig, ein eigenes Journal zu machen, das auch schon einen Namen und eine Website hätte: Journal of Peer Production (JoPP).

Schnell wurde jedoch klar gestellt, dass es sich tatsächlich nicht um einen Fork handelt. Forks in der Peer-Production sind Resultat eines länger andauernden Auseinandersetzungprozesses um die Ausrichtung des Projekts, manchmal auch um organisatorische oder rechtliche Rahmenbedingungen (etwa Lizenz-Streitigkeiten). Forks werden von einer Gruppe von unzufriedenen Projektmitgliedern vollzogen, die ein neues Projekt gründen und eine neue Richtung einschlagen wollen. Im Falle von CSPP hat jedoch der Maintainer selbst den (Pseudo-)Fork verkündet.

Es handelt sich also tatsächlich um eine Umwandlung: Aus CSPP wird JoPP. Alle bisherigen Mitglieder des Governance Boards und Scientific Committees wurden gefragt, ob sie zum neuen Journal wechseln, sprich: die Umwandlung mitmachen (darunter auch ich). Mit einer Ausnahme: Stefan Merten soll aus JoPP rausgehalten werden. Am Ende sieht es so aus, als ob zwei Personen nicht miteinander konnten, aber der Konflikt geht tiefer. Andere, die nicht so stark involviert waren (wie ich), haben nur nicht so energisch protestiert, als die Offenheit von CSPP zunehmend eingeschränkt wurde.

Was nun aus JoPP (und den Resten von CSPP) wird, ist derzeit unklar. Mathieu O’Neil hat zugesagt, dass die Artikel, die derzeit unpubliziert auf Eis liegen und schon längst raus sollten (darunter auch von mir und von Christian), irgendwann auch erscheinen.

Commons und Peer-Production sind keine Garantie, dass ein Prozess gut läuft. Auffällig ist, das Projekte dann scheitern, wenn die Grundideen der Commons und der Peer-Produktion aufgegeben werden — wie etwa im Falle von CSPP die Transparenz. Durch die zunehmende Intransparenz sind auch die Gründe für den Clash letztlich unklar geblieben. Es war noch nicht mal richtig möglich, sich zu streiten. Über dahinter stehende Interessen kann nur spekuliert werden. Tue ich aber nicht.

Kategorien: Commons, Lernen

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28. Februar 2012, 07:50 Uhr   4 Kommentare

1 Benni (28.02.2012, 13:08 Uhr)

Naja, Stefan Merten ist ja auch dafür bekannt, dass er in kritischen Situationen hintenrum kommuniziert, daran alleine wirds nicht gelegen haben. Und das Mathieu O’Neil nicht der einzige ist, der nicht (mehr) mit Stefan zusammenarbeiten mag, ist ja auch bekannt.

Angesichts dessen finde ich den Tenor von diesem Artikel etwas fragwürdig. Wenn man halt nicht zusammen kann, soll man auch nicht zusammen müssen, da jetzt auf die reine Lehre der vermeintlichen totalen Offenheit zu beharren finde ich am Thema vorbei. Absolute Transparenz ist weder möglich noch wünschenswert.

2 Stefan Meretz (28.02.2012, 13:40 Uhr)

Na ja, sicher wäre eine reine Lehre der absoluten Transparenz dogmatisch. Aber wenn Transparenz eingeschränkt wird, dann sollte das (v.a. die Diskussion der Gründe) transparent erfolgen. Warum das am Thema vorbei sein soll, verstehe ich nicht.

Und sicher sollte niemand zur Kooperation gezwungen werden, aber wer sollte da in einer freiwilligen Kooperation auch wie zwingen? Den eigenen Willen durchzudrücken, geschieht doch dann meist hintenrum, eben intransparent.

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