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Vibe — dezentrale und lokale Kurznachrichten

Zur Versendung von Kurznachrichten über Mobilgeräte werden in der Regel zentralisierte Dienste wie Twitter genutzt. Solche Kurznachrichten haben bei der Organisation von Protesten und Aufständen eine wichtige Rolle gespielt, weltweit. Doch zentrale Dienste haben einen gravierenden Nachteil: Der Gegenseite — staatlichen Instanzen oder wem auch immer — wird ein ebenso guter Überblick geliefert wie den Aktivist_innen. Hinzu kommt die Zensuroption. Immer wieder wurden solche Vorwürfe gegen die privaten Dienste erhoben. So würden bestimmte Tags unterdrückt, um sie nicht in den Top-Trends erscheinen zu lassen — etwa im Fall von #wikileaks oder aktuell bei den #occupywallstreet Protesten.

Das Ziel von Vibe ist, Zensur und zentraler Überwachung von vornherein aus dem Weg zu gehen, in dem die Versendung von Nachrichten auf einen bestimmten Radius (»Lautstärke«) und eine bestimmte Dauer begrenzt wird. Die Geräte müssen GPS-fähig sein, eine Registrierung ist nicht erforderlich und es gibt keine dauerhafte zentrale Speicherung der »Vibes«. Lautstärke und Dauer können gewählt werden: vom Flüstern (50 meter) bis zum Brüllen (weltweit) und von 15 Minuten bis zu 30 Tagen.

Nun ist eine Überwachung sicher nicht völlig unmöglich, aber durch die Dezentralität erheblich erschwert. Insbesondere die Kommunikation bei den Aktionen vor Ort wird damit unterstützt — bei #occupywallstreet wird Vibe bereits eingesetzt. Die App ist kostenlos für iPhone und Android verfügbar, aber Frei im Sinne Freier Software ist sie nicht. Mal abwarten, welches Geschäftsmodell folgen wird.

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Kategorien: Praxis-Reflexionen, Soziale Netzwerke

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7. Oktober 2011, 11:57 Uhr   7 Kommentare

1 Benni (07.10.2011, 12:39 Uhr)

So eine Anwendung auf der Basis von Status.net als Freie Software zu bauen, dürfte nicht soo wahnsinnig schwierig sein, location wird ja schon unterstützt.

2 StefanMz (07.10.2011, 14:34 Uhr)

Dann mal ran… 😉

3 Patrix (08.10.2011, 11:30 Uhr)

Also wenn ich das jetzt richtig verstehe, gehen die Nachrichten auch bei Vibe über einen zentralen Server, sonst wäre eine weltweite Verteilung bzw. die Dauer von 30 Tagen ja nicht zu realisieren. Inwieweit ist das jetzt sicherer als ein Chat-System, Email oder SMS?

4 StefanMz (08.10.2011, 16:38 Uhr)

@Patrix: Mit Chat, Email und SMS ist Vibe ist nicht wirklich vergleichbar, sondern mit Twitter. Und da ist der Unterschied, dass es keine dauerhafte Speicherung (eine temporäre schon) und keinen zentralen Zugriffspunkt gibt (wie eine Website). Wenn allerdings die staatlichen Überwacher am Verteilknoten sitzen, dann ist das eh wurscht (das gilt für alle digitalen Kommunikationsformen). Damit werden Massenauswertungen, Tends, Bewegungsanalysen deutlich erschwert.

Wenn du aber »sicherer« (im Sinne von: Mitlesen schwergemacht) Informationen von A nach B übertragen willst, empfiehlt sich eher eine verschlüsselte E-Mail.

5 joerg (10.10.2011, 11:23 Uhr)

… und mit der betriebssicherheit ists ja auch nicht so weit her. eine hand voll zentrale server sind natürlich schnell mal lahmgelegt (dos etc.).
wäre es nicht besser, auf basis der smartphones so was wie das gute alte uucp wieder aufzugreifen?

6 StefanMz (10.10.2011, 12:00 Uhr)

Also eigentlich bietet sich für die räumlich-lokale Kommunikation eine vermaschte WLAN-Vernetzung der Smartphones an, wie es das Projekt Serval umgesetzt hat (kenne aber den aktuellen Stand nicht).

7 besorgter Bürger (17.12.2011, 23:11 Uhr)

Funkzellenüberwachung – Vorratsdatenspeicherung expleziet die -Überwachung durch us- und internationalen Behörden – Kein SMS oder ähnliches – codierung in unüblicher Sprache oder Slang.
Briefpost oder Toter Briefkesten – alles schon mal da gewesen.
Anderen trifft man jemanden und der wieder einen anderen
Informationsverbreitung ist nicht zu verbieten/kontrolllieren

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