Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

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21. Mai 2011, 19:35 Uhr   4 Kommentare

1 Anba Bravin (22.05.2011, 09:40 Uhr)

Spanien ist ein Land, dass von der Diktatur innerhalb von wenigen Jahren zur EU kam. Das hat Furore unter der Bevölkerung gemacht und Spanien war großer Nutznieser der EU. Strassen, Infrastruktur, Landwirtschaft, Tourismus wurden subventioniert. Die Spanier verloren aber diesen Sprung zusehends aus dem Blick und widmeten sich ihrer Lieblingsbeschäftigung „comprar piso“ – Ein Apartment kaufen. Das würde ich als Volkssport nr. 1 in Spanien bezeichnen. Sie haben ihr Kapital in Backsteinen und verschulden sich lebenslang dafür.

Nun ist mit der Immobilienblase der große Traum der Spanier geplatzt, Höchstrenditen bei Immobilienkauf- und Verkauf einzustreichen. Dass der unsichere Job auch noch flöten ging, ist zweitrangig, bei den meisten funktioniert der Clan noch. Und da werden sie wild. Power haben sie, besonders die Frauen.

Die Revolution kann heiter werden, ich bin gespannt wieviel Schutzwäsche sie bei Politik, Wirtschaft und Finanz ans Licht birngen. Nur bis nach dem Sommer wird da nicht viel passieren. Die Spanier machen von Juli bis September geschlossen Urlaub. „Que viva la rEvolución“ !!

2 StefanMz (22.05.2011, 10:56 Uhr)

Die Versprechen eines Volkskapitalismus, in dem alle Grundstücke, Häuser und Aktien besitzen, deren »Wert« gleichsam aus dem Nichts in unbekannte Höhen steigt, so dass alle reich werden, gibt es nicht nur in Spanien. Nun könnte man argumentieren, dass derartige Pyramidenspiele logisch nicht dauerhaft funktionieren können und früher oder später zusammenbrechen müssen. Das kann jeder halbwegs klar denkende Mensch auch verstehen und dennoch beteiligen sich die meisten daran — und dann auch noch auf Kredit. Warum?

Ich würde vermuten: Weil die Ökonomie insgesamt nur noch so funktioniert, und zwar weltweit. Weil ökonomisch mit der Zukunft gehandelt wird. Irgendwann ist die Zukunft aber Gegenwart, und dann gibt’s nur as Anzapfen einer noch ferneren Zukunft oder den großen Gegenwarts-Zukunfts-Abgleich (auch bekannt als »Krise« oder größer als »Crash«). Wer da nicht mitmacht, muss am Ende nur die Krise ausbaden und hatte noch nicht mal die Chance auf den großen Reibach. So gesehen haben die Spanier_innen durchaus rational gehandelt.

Die jungen Spanier_innen, die bislang nicht mitmachen konnten, haben also auch genug Schutzwäsche in ihrem eigenen Clan ans Licht zu bringen. Ob sie dann dazu durchstoßen, dass der ganze Irrwitz im Wortsinne »System« hat, ist offen, sind die Illusionen doch noch sehr groß. Aber jede Bewegung ist immer auch Bewegung im Kopf, und irgendwo muss es ja mal anfangen…

3 Bine (31.05.2011, 20:23 Uhr)

Stefan, ganz deiner Meinung.
Den offenen Chauvinismus von Anba finde ich unangenehm: deine Vorurteile gegen „die Frauen“ und „die Spanier“ kannst du echt mal stecken lassen. Die „Revolution im Kopf“ sollte die Dekronstruktion eingefahrender Rollenbilder miteinschließen.

4 pussyimploder – life under pressure » Blog Archive » weiter geht es mit der sammlung #yeswecamp : Jetzt Ruhe bewahren! Update1 (12.06.2011, 14:32 Uhr)

[…] und zum abschluss noch diesen hier (danke frank) http://www.keimform.de/2011/spanishrevolution/ […]

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