Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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»Piraten« entern Berlin — watt nu?

Die Piratenpartei hat’s geschafft, sogar ziemlich satt. Sie konnte erfolgreich Stimmen von allen anderen Parteien abziehen, vermutlich auch stark von der Linkspartei. Im Unterschied zur Bundespartei hatte das Wahlprogramm der Berliner Piraten doch ein deutlich linkeres Profil. Neben FDP und Grünen ist eine weitere liberale Partei wohl auch überflüssig.

Doch was nun draus machen?

Hier mein Vorschlag: Setzt euch ein für die Förderung von Projekten commons-basierter Peer-Produktion. Was das ist? Das lest ihr hier zum Beispiel hier nach. Ihr wisst schon, Wikipedia und so. Nur eben nicht beschränkt auf Daten (OpenData, OpenCommons, OpenAccess sind Stichworte in eurem Programm), sondern bezogen auf stoffliche Produkte — das wäre neu.

ABER: Rutscht bloß [update:] nicht in die Laber-Schiene »Wir schaffen Arbeitsplätze«, das machen schon alle anderen. Sondern Voraussetzung für Förderung von Projekten der commons-basierten Peer-Produktion muss sein: Es werden keine Waren für den Verkauf hergestellt. Und: Die Ergebnisse stehen allen zur freien Verfügung (unter einer Freien Lizenz oder als PublicDomain). Freie Produktion von freiem Wissen und freien Produkten. CbPP-Projekte als Experimental-Labore der Zukunft.

Das ist wie bei der Finanzierung von Infrastrukturen: Wenn eine Autobahn gebaut wird, entsteht auch nix zum Verkaufen. Man kann sie nutzen. Und da wir aber von Autobahnen in Berlin genug haben (und ihr glücklicherweise gegen den Ausbau der A100 seid), bietet sich die Förderung von CbPP-Projekten an — als Projekte der kreativ-experimentellen Infrastruktur. Davon haben alle was, denn die Ergebnisse stehen allen offen. Das wäre doch mal was Neues. Im Alten.

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18. September 2011, 18:12 Uhr   10 Kommentare

1 The User (18.09.2011, 18:48 Uhr)

ABER: Rutscht bloß in die Laber-Schiene »Wir schaffen Arbeitsplätze«, das machen schon alle anderen.

Nicht. 😉

Du kannst ja mal bei ihnen anfragen, auch wenn die Piraten für mich wenig visionär erscheinen.

2 Herbert Maschke (18.09.2011, 18:49 Uhr)

Wenn ich überhaupt einer Partei einen so großartigen Schritt, wie die Förderung von Commons-based Peer Production Projekten zutrauen würde, dann wären es tatsächlich die Piraten !

3 Cujo (19.09.2011, 01:25 Uhr)

Ohne ein Vollprogramm werden die Piraten auf lange Sicht aber keine Chance haben. Deshalb müssen sie neben vielen anderen Themen, auf die sie bisher nicht eingegangen sind, auch zum Thema Arbeitsplätze eine Meinung haben.

4 Andor69 (19.09.2011, 10:03 Uhr)

Ein Vollprogramm ist m. E. nicht notwendig. Ein fundiertes Basisprogramm reicht völlig, wenn man bei anderen Themen die Bevölkerung an der Diskussion teilnehmen lässt und Entscheidungen gut begründet und transparent darstellt.
Kein Mensch hat zu jedem Thema im Kopf eine vollendete Meinung. Im Gegenteil: Oft muss man seine Meinung auf Grund veränderter Rahmenbedingungen oder neuer Erkenntnisse anpassen. Wichtig ist doch, dass die gemeinsamen Basiswerte überein stimmen.

5 Ich (19.09.2011, 10:06 Uhr)

mit FREE BEER http://www.freebeer.ch/ kann man auch Geld erwirtschaften aber eben sozial gerecht, was soll daran schlecht sein? Wir leben nun mal in einer Geldabhängigen Welt und je mehr Produkte von P2P Gemeinschaften anstelle von Grosskonzernen Produziert werden um so schneller verteilt sich die Macht von den Konzernen wieder in die Händen der Menschen

6 StefanMz (19.09.2011, 10:52 Uhr)

@Ich: Mal die Frage ausgeblendet, ob es nicht eine Alternative zur geldabhängigen Welt gibt (von der eh niemand weiss, wann sie kracht): Ich bin erstmal nur dafür, die Förderung von Projekten von der Arbeitsplatz- und Geldmach-Logik zu entkoppeln. Das richtet nämlich derartig das Denken zu, dass da häufig nur Mist rauskommt. Die Frage ist nicht, was sich verkauft, sondern was die beteiligten Menschen »wirklich, wirklich wollen«, weil es sinnvoll ist. So starten commons-basierte Peer-Projekte nämlich immer, und das ist ihre Stärke. Die muss man nicht sofort mit der elenden Verwertungslogik plattwalzen.

7 Winfried Sobottka (19.09.2011, 15:06 Uhr)

Natürlich freut es mich, dass die etablierten Parteien – abgesehen von der CDU, die aber weiterhin auf niedrigem Level kriecht – Blut lassen mussten. Ganz besonders die überzeugende Putze für die FDP, diese Partei der gewissenlosen und korrupten Karrierepolitiker, lässt das Herz höher schlagen.

Doch was die Piratenpartei angeht, so müsste sie grundsätzliche Konzepte anbieten können, z.B. für artgerechtes Menschenleben, damit eine sozial gesunde Gesellschaft für alle entstehen kann und der Raubbau an unseren Lebensgrundlagen gestoppt werden kann.

Es ist ein Irrtum, dass schon alles einfach irgendwie weitergehen wird, es wird bald in jeder denkbaren Hinsicht knallen. Leider gibt es keine öffentlich wahrnehmbare Kraft, die sich für einem gänzliche Neuordnung der Verhältnisse im Sinne aller einsetzt.

Ich erwarte das auch gar nicht von der Piratenpartei – aber damit ist im Grunde auch schon alles gesagt: Hoffnung lässt sich auch auf ihr nicht gründen, und auch sie wird von den Problemen überrollt werden wie alle anderen Parteien auch.

8 libertär (19.09.2011, 15:49 Uhr)

Eine OpenTafel würde doch gerade in Berlin mit seiner verarmten, fürs Kapital nutzlosen, Bevölkerung gut ankommen und hätte Modellcharakter für weitere Städte. Ich finde das albern, dass man immer erst warten muss, bis Lebensmittel fast verdorben oder schon im Müll sind, bis man sie sich nehmen kann. (Und selbst Containern ist noch strafbar.) Es wäre doch viel logischer, sie am besten gleich vom Produzenten frisch an die Bedürftigen (also alle Menschen) zu liefern. Der Bezug sollte auch endlich von nachgewiesener Armut unabhängig gemacht werden.

Das wäre doch eine zu lösende Aufgabe für die Piraten. Ein Bestellsystem für ca 1 Mio. Haushalte zu programmieren, in dem Produzenten und Konsumenten zueinander finden, müsste doch machbar sein. Gewiss würde dieses Konzept eine commonsartige Organisation von Produktion und Distribution implizieren. So könnten Menschen für ihr Viertel jenseits der Geldlogik, allein aus Freude und aufgrund ihrer Bedürfnisse, Verantwortung übernehmen. Auch wenn eine OpenTafel erst nur klein anfinge, wäre sie eine mächtige Konkurrenz für die kapitalistische Produktion und Distribution kapitalistischer „Überlebens“-Mittel.

9 Piraten und Knappheit und Eigentum — keimform.de (03.10.2011, 17:13 Uhr)

[…] geb’s zu: Ich habe letztens in Berlin mit der Zweitstimme die Piraten gewählt. Diese Stimme war aber nur eine halbe Stimme. Wie ich das meine, erkläre ich im folgenden […]

10 Die Piraten von der Commonspartei « CommonsBlog (22.11.2011, 17:15 Uhr)

[…] machen. Wo die gezielte Vernetzung mit den eher klassischen sozialen Commons. Jenseits des Netzes? Hier gibt’s weiterführende Vorschläge. Aber diese Diskussion richtet eher den Blick nach vorn, […]

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