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Open Hardware: CNC-Maschinen

Inzwischen sind Fabber als Beispiele für Maschinen zur Herstellung handfester Dinge recht bekannt geworden. Im Bereich der Freien oder Offenen Hardware wird dabei meistens an die prominenten Systeme RepRap und MakerBot gedacht. Sie gehören zur Klasse der additiven Fabber, denn sie erzeugen das Produkt durch sukzessives Hinzufügen von Material (»3D-Drucker«). Gemeinsam ist allen Fabbern, dass sie CAD-Daten in maschinelle Produktionsbefehle umsetzen.

Zur Klasse der subtraktiven Fabber gehören CNC-Maschinen. Das sind Werkzeugmaschinen, die die Gestalt eines Werkstück durch Wegnehmen (fräsen, bohren, schneiden, lasern etc.) von Material erzeugen. Auch sie werden in zunehmendem Maße als offene Hardware hergestellt, also Hardware, bei der die Pläne zu ihrer Herstellung unter einer Freien Lizenz veröffentlicht werden.

Im folgenden liste ich mal eine Reihe von Beispielen auf, die mir so unter die Maus gekommen sind. Oft handelt es sich um Kickstarter-Projekte, die Geld für die Start-Finanzierung eingesammelt haben:

Kikori Open Source CNC Gantry Router: Eine CNC-Maschine, die ihre Teile selbst herstellen kann (Lizenz: CC-by-sa).

DIYLILCNC 2.0: Ein Satz von Plänen und Anleitungen für eine Selbstbau-CNC-Maschine (Lizenz: CC-by-sa).

ShapeOko — a $300 complete cnc machine: Eine sehr günstige Open Source CNC-Maschine (Lizenz: CC-by-sa).

FurnLab Open Source CNC: Eine große Open Source CNC-Maschine, v.a. zur Herstellung von Möbeln, die Geldsammlung läuft noch (Lizenz: CC-by)

miniCNC: Eine sehr einfache Selbstbau-CNC-Machine von repairablemachines zum Fräsen von Teilen aus weichem Material wie Holz, Kunststoff etc., die auf der Open Knowledge Conference 2011 live zu sehen war (Lizenz: keine, deklariert als »open source«).

CupCake CNC: Eine Selbstbau-CNC-Maschine von MakerBot Industries (Lizenz: GNU FDL).

MakerSlide Open Source Linear Bearing System: Da geht’s um präzise Führungssysteme, z. B. für CNC-Maschinen, aber auch generell für alles, was exakt positioniert werden will. (Lizenz: CC-by-sa).

5 axis CNC Router & Plasma Machine Plans: Konstruktionspläne und Anleitung zum Selbstbau einer 5-achsigen CNC-Maschine (3 Achsen Tisch, 2 Achsen Fräskopf), hat leider nicht die Kickstarter-Finanzierung erreicht (Lizenz: GPL v3).

CNC Router: Video-Tutorial für ein Selbstbau-CNC-Fräse (Lizenz: CC-by)

Home Built 40W CNC Laser: Eine CNC-Laser-Schneidemaschine zum Selbstbau, die ihre eigenen Teile herstellen kann (Lizenz CC-by-sa).

Lasersaur — Open Source Laser Cutter: Eine Arduino-gesteuerte CNC-Laser-Schneidemaschine zum Selbstbau (Lizenz: keine, deklariert als »open hardware«).

Open Source CNC Torch Table: Der CNC-Schweiss-Schneidetisch (hier in Action) gehört zu den 50 Tools des Global Village Construction Set, die das Open Source Ecology Projekt entwickeln will (Lizenzen: GNU FDL, CC-by-sa)

CubeSpawn: Ein ambitioniertes Projekt zur Entwicklung eines modularen Fabrikationssystems, das seine eigenen Teile selbst herstellen kann, darunter auch CNC-Machinen (Lizenz: CC-by-sa).

Contraptor: Open Source Bausatz für Rapid Prototyping, u.a. auch eine Mini-CNC-Maschine (Lizenz: CC-by-sa).

und weitere CNC Hacks.

Ich habe noch zahlreiche weitere CNC-Projekte gefunden, die auch Pläne veröffentlicht haben, jedoch keine explizite Erklärung oder Lizensierung als »Open Source« dabei hatten. Diese sind daher hier nicht aufgeführt. Nicht alle Maker_innen sind Open-Sourcer_innen, das Potenzial scheint mir aber insgesamt sehr groß zu sein! Btw: Das verwendete inklusive »_innen« soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hier aufgeführten Projekte meistens von Männern betrieben werden (nicht immer, vgl. Lasersaur, manchmal ist es unklar, vielleicht ist das am besten so).

Auffällig ist, dass alle Open Source Projekte bei ihrer Lizenzwahl (so angegeben) auf Copyleft oder sogar nur Namensnennung setzen und keine weiteren Einschränkungen auferlegen (wie nicht-kommerziell, keine Ableitungen).

Wer sich für Open Source CNC-Maschinen interessiert, sollte zuerst beim FabLab des Vertrauens vorbeischauen. Zahlreiche FabLabs beschäftigen sich intersiv mit CNC-Technologien. Auch die FabLab-Projetke habe ich hier nicht aufgeführt. Ebenso fehlen die CNC-Software-Projekte, also solche Projekte, die Software für das Design und die maschinelle Umsetzung von Entwürfen entwickeln (etwa Arduino als CNC-Controller, GNU CAM, LinuxCNC u.a.m.).

Kennst du weitere coole, freie/offene CNC-Projekte? Dann bitte als Kommentar eintragen!

Kategorien: Freie Hardware

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28. August 2011, 17:26 Uhr   9 Kommentare

1 Herr Schmidt (29.08.2011, 17:59 Uhr)

Hallo

„additiven Fabber“ sollte eigentlich bedeuteten: Spanabhebendes Verfahren

„sukzessives Hinzufügen“ meint: Formgebendes Verfahren

Letztendlich besteht das ganze Feld immer noch aus Prototypen für den „Heimwerker“. Für die Produktion fehlen den Maschienen aber die Anerkennung vom z.B. dem TÜV. Ohne diesen kann man die in keinen Produktionsablauf stecken, weil keiner daran arbeiten darf.
Klingt so erst mal Komisch, ist aber so.
Man errinere sich nur an den Segway…
Bekommt für den Straßenverkehr keine Lizenz und dürfte anfangs auch nicht auf dem Bürgersteig fahren.
Letztendlich ist aus dem „modernen WERKZEUG“ ein FETISCH geworden.
http://it-material.de/2010/08/die-polizei-saarland-testete-2005-den-segway/?Anker=832

MfG Herr Schmidt

2 Herr Schmidt (29.08.2011, 18:08 Uhr)

P.S.
Wer in einer Bilder-Suchmaschiene den Bergriff „Seway“ eingibt, bekommt man schnell einen guten überblick.
Das Sahnehäupchen ist dieses Bild:
http://lemurking.files.wordpress.com/2009/04/segway-anti-terror_684090n.jpg

Seht ihr einen Menschen, der damit zur Arbeit fährt?

3 Jeffrey Matthias (30.08.2011, 05:51 Uhr)

Vielen Dank für die Erwähnung unserer FurnLab Projekt. Wir hoffen, wir können das Geld aufzubringen, um die Konstruktion vollständig und lassen Sie sie an die Öffentlichkeit. Der Datenverkehr von Websites wie die Ihre hilft.

Es tut mir leid für mein schlechtes Deutsch.

-Jeffrey Matthias
-FurnLab.com

4 StefanMz (30.08.2011, 10:36 Uhr)

@Herr Schmidt:

“additiven Fabber” sollte eigentlich bedeuteten: Spanabhebendes Verfahren

Nö: spanabhebendes = subtraktives Verfahren

5 StefanMz (30.08.2011, 10:38 Uhr)

@Jeffrey Matthias: Good luck for the project!

6 Christian Siefkes (31.08.2011, 21:31 Uhr)

Wow, in dem Bereich tut sich echt einiges! Ich hatte in den letzten Jahre schon nach CNC-Routern recherchiert, aber so professionelle Geräte wie Kikori und FurnLab gab es da noch nicht. So langsam scheinen Open-Hardware-Produktionsmittel tatsächlich in den Bereich zu kommen, dass man damit was Praktisches anfangen kann 🙂

Eine kleine Richtigstellung zum buildyourcnc-Router: die scheinen die CC-BY-NC-Lizenz zu verwenden, nicht CC-BY — jedenfalls sagen sie das auf ihrer Startseite, auch wenn das Icon tatsächlich die BY-Lizenz zeigt…

7 Wikihouse — keimform.de (02.09.2011, 07:45 Uhr)

[…] haben einige Leute gefragt, was man denn mit CNC-Maschinen so alles machen kann. Ich verkneife mir die Antwort “alles” und will die Frage mehr so […]

8 Statistisches — keimform.de 2012 — keimform.de (01.01.2013, 13:08 Uhr)

[…] Open Hardware: CNC-Maschinen (August 2011) […]

9 Mr Neu-Deutsch (19.06.2013, 17:20 Uhr)

@Herr Schmidt:

Vielen Dank für Ihre Kommentare. Sie beschreiben sehr gut, warum sich Deutschland noch immer so schwer tut, im Bereich der Open Source Hardware mitzuhalten. OSHW als Kind des Internets (A. Merkel: »Das Internet ist für uns alle #Neuland«) bedient sich nun mal auch den Begrifflichkeiten des Internets.

OSHW spricht eine Sprache die jedermann Technik näher bringen kann & verständlich ist. Das fördert Innovation.Wäre man nun also nicht so verbohrt in Deutschland & ein wenig offener gegenüber Innovationen & würde man sich nicht an Sprachkonstrukten verbeißen welche alles verkomplizieren, dann wären wir sicherlich bald nicht mehr Entwicklungsland im Internet oder der OSHW.

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