Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Eindrücke von OccupyFrankfurt

Ich will nur kurz meine Eindrücke von heute Mittag bei Occupy Frankfurt loswerden.

Es gab sehr viele selbst gebastelte Plakate auf denen die unterschiedlichsten Weltsichten ausgebreitet wurden. Da war viel schlimmes Zeug dabei, allerlei Verschwörungstheorien und Zinskritik. Angeblich hat sogar jemand am Micro alles Übel der Welt der Familie Rothschild angedichtet und wurde dafür auch noch beklatscht (das hab ich aber nur von einem späteren Redebeitrag, der das thematisiert hat, hab es nicht selbst gehört).

Die allermeisten Leute haben ihre moralische Empörung ausgestellt.

Positiv fand ich zum einen den Versuch Basisdemokratie mit ja durchaus ein paar Tausend Leuten hinzukriegen nach spanischem Vorbild aber auch eine Grundstimmung, die schon irgendwie so war, dass „der Kapitalismus“ etwas ist, das man loswerden muss. Leider wusste niemand was „der Kapitalismus“ wirklich ist und es war mehr ein Synonym für alles was irgendwie böse ist und mit Geld zu tun hat. Leute von Parteien hatten keinen leichten Stand und auch sonst geht der Trend eindeutig zu Nicht-Organisationen wie Anonymous.

Ich bin irgendwann gegangen, weil mir das Gesellianerzeugs einfach zu viel wurde.

Das Beste Schild ganz im Keimform-Sinne hab ich euch mal als Foto mitgebracht:

 

Kategorien: Praxis-Reflexionen

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15. Oktober 2011, 23:02 Uhr   34 Kommentare

1 HG Hinz (16.10.2011, 01:51 Uhr)

ja…ja…ja. Da ist leider viel Wahres dran. Mal gespannt, wie es weitergeht.

2 Martin Bartonitz (16.10.2011, 18:24 Uhr)

Wer sich mit dem Geldsystem beschäftigt, der kommt sehr schnell darauf, dass sowohl der Zins seinen Teil des Kapitalismus ausmacht als auch die Art, Geld als Schuld durch die privaten Banken in die Welt zu bringen. Meines erachtens sind dies die beiden entscheidenden Punkte, die zu ändern sind.
Leider ist die Zukunft ohne Geld für die meisten noch nicht denkbar, daher ist es noch am einfachsten ein Geld ohne Zins zu nutzen. Denn es sollte nur an realer Leistung verdient werden und nicht am Geldhaben.
Wenn man sich dann noch die Geschichte anschaut, seit wann wir unser derzeitiges Geldsystem haben, so kommt man leider nicht umhin auch festzustellen, dass die Familie Rothschild hier starkt mitgemischt hat. Aber es sind auch nich ein paar mehr Familien mit drin. Aber wir sollten uns nicht mit diesen beschäftigen, denn wenn wir ein anderes Geldsystem haben, dann läuft die Ökonomie eh an ihnen vorbei.
Hier ist mein erster Eindruck von Köln: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/10/16/eindrucke-vom-15-oktober-2011-occupy-the-world-bewegung/

3 Benni Bärmann (16.10.2011, 19:02 Uhr)

@Martin: Der Zins der Weltleitwährung ist seit Jahren bei 0,1% bei deutlich höherer Inflation, komischerweise interessiert das den Kapitalismus einen Scheiß.
Am Geldsystem rumzudoktern ist kontraproduktiv. Entscheidend ist, wer Zugang zu den Mitteln hat mit denen wir unser Leben als Gesellschaft erhalten. Und, nein, Geld gehört nicht dazu, denn das kann man bekanntlich nicht essen.
Und auch mit einem anderen Geldsystem werden wir Kapitalismus haben, so lange es noch getrennte Warenproduktion gibt.
Und wer dann auch noch mit Rothschild kommt ist einfach Antisemit, oder warum sucht man sich komischerweise immer genau die Juden aus, wenn es ans personalisieren von Kapitalismuskritik geht?
Deswegen ist das alles auch nicht nur verwirrt, sondern gefährlich.

4 Benni Bärmann (16.10.2011, 19:22 Uhr)

Macht jemand mit mir nächsten Samstag einen Anti-Zinskritiker/Verschwörungsdeppen-Block bei #occupyfrankfurt?

5 tut nichts zur sache (16.10.2011, 23:19 Uhr)

ich bin dabei, wenn ich auch sagen muss dass die Diskussionen bzgl ANtisemitismus, personalisierter Kritik, Thors Hammer und Blut und Boden vielleicht doch zu zermürbend waren, als das ich bereit wäre ein weiteres Mal dorthinzuegehen,

Und erschreckender als die konkreten antisemitischen Äußerungen fand ich dir Äußerungen des Mobs; Jubel, Tiergeräusche und Klatschen bei dummen Sprüchen, das ausbuhen udn abstellen der Mikrofone bei Kritik am ANtisemitismus oder aber dem hervorbringen refirmistischer (aber immerhin durchdachter) Ansätze

6 Martin Bartonitz (17.10.2011, 00:05 Uhr)

@Benni,
ich bin absolut kein Antisemit. Wenn die Geschichte aber aufzeigt, wie etwas gelaufen ist, dann muss man sie auch so benennen. Es gibt genügend Hinweise im Netz und man muss nur hinschauen.
Hier mal ein sehr interessanter Artikel zum Zinsproblem am Geld, dann wacht auch der letzte Schläfer oder Wahrheitsverweigerer auf:
http://www.evangelisch.de/themen/wirtschaft/wozu-brauchen-wir-eigentlich-zinsen5622
Und ja, ein anderes Geldsystem würde noch nicht die Problem lösen, aber erst einmal verbessern. Nur werden wie die Menschen nicht sofort dazu bekommen können, ohne Geld miteinander zu wirtschaften. Dann doch besser eins nach dem andern, oder?

7 Martin Bartonitz (17.10.2011, 00:10 Uhr)

@tut nichts zur Sache,
direkt Demokratie muss auch die anders Denkenden abholen. Das wird ein langer Prozess werden. Aber gleich zu kneifen gilt nicht.
Hier mal ein Einstieg, wie Vollversammlungen effektiv abgehandelt werden können: http://www.sein.de/gesellschaft/politik/2011/wie-man-eine-revolution-startet-2-die-vollversammlung.html

8 Occupy-Proteste: spontan, unerwartet und kreativ bei Metronaut.de – Big Berlin Bullshit Blog (17.10.2011, 00:53 Uhr)

[…] kann dieser Eindruck aufkommen, wenn Leute Schilder tragen, die einen Ackermann für all “das Böse” verantwortlich machen und viele nicht verstehen, dass diese Personalisierung dem Kapitalismus in die Hände spielt. […]

9 libertär (17.10.2011, 01:37 Uhr)

Martin Bartonitz: „Und ja, ein anderes Geldsystem würde noch nicht die Problem lösen, aber erst einmal verbessern.“

Es mag sein, dass sich am System so justieren lässt, dass es für gewisse Bevölkerungsteile erträglicher wird. Man muss dabei aber im Auge behalten, dass der Kapitalismus in einem starken Widerspruch zu solchen Zielen steht. Die Wohltaten dürfen nicht so groß sein, dass die Menschen nicht mehr ausbeutbar sind. Ausbeutung ist also gut und nützlich, weil sie den Ausgebeuteten ihr Dasein als Ausgebeutete sichert. Wer für eine Verbesserung des Systems eintritt, wird schnell merken, dass wir schon im besten aller möglichen Ausbeutersysteme leben. Alle Menschen sind frei, die meisten sogar doppelt frei. Was kann man mehr von einem Ausbeutersystem erwarten?
Politiker sind keine Unmenschen. Sie wollen nur unser Bestes, in der Rationalität des Systems versteht sich. Jeder, der als Reformer antritt, wird das spätestens dann einsehen, wenn er selbst auf die Machtpositionen vorrückt. Er wird feststellen, dass seine Reform die nötige Verjüngungskur fürs System ist, und den Kapitalismus wieder einmal fortschreiben.
Reformen sind aus Sicht des Proletariats nutzlos. Sie verlängern nur sinnloses Leid. Ich würde den Besetzern empfehlen, die Besetzung in ihre Betriebe zu tragen. Es bewirkt mehr, wenn kapitalistische Unternehmen lahmgelegt sind, als wenn ein paar hundert Leute auf einem öffentlichen Platz campen. Die Elite lacht über sowas. Lasst uns doch die Ziele direkt in den Betrieben einfordern. Lasst und den Generalstreik durchziehen. Der hätte auch den Vorteil, machbarer zu sein als irgendwelche Reformen. Es ist ganz einfach: Geht morgen nicht zur Arbeit und informiert eure Kollegen darüber, dass jetzt auch Betriebe besetzt werden und sie nicht hingehen sollen, außer zum Streiken und Blockieren.

10 tut nichts zur sache (17.10.2011, 09:22 Uhr)

@MArtin Bartonitz…
Nein, ich würde nicht den ANspruch erheben wollen „Aufklärungs“resistente Menschen abholen zu müssen und ich bin auch nicht für ein vollkommen offenes Open-Mic. Eine BEwegung, die bei aller Vielfältigkeit an politischen Positionen den Minimalkonsens Antisemitismus, Rassismus, Homophobie etc (Oersonalisierte Kritik) zu verurteilen nicht hinbekommt, mit denen möchte ich nichts gemein haben;
Und da werde ich tatsächlich auch lieber weiter ausgebeutet und weiß das die Polizei und das grundgesetz Menschen jüdischen Glauebns und Amerikafahnenträger schützt, als das ein wütender Volksmob im EIfer des Gefechts (von mir aus auch mit 9/10 Mehrheit, die gab es ja augenscheinlich zum Schluss beim Open Mic) sich erhebt.

Die Mehrheit ist keine Garantie dafür das sie im Recht ist. Und was du meinst bzgl der Rothschilds kannst du ja mal ausformulieren; du hast jetzt nämlich erneut vom aussprechen können der Tatsache gesprochen, aber im Unklaren gelassen was du damit meinst.

11 Buchfreund (17.10.2011, 09:24 Uhr)

@ Martin Bartonitz: Was hat den die Bankierfamilie Rothschild mit „unserem aktuellen Geldsystem“ (was soll das eigentlich sein?) zu tun? Kapitalismus entstand im Hochmittelalter in Norditalien, also laaange bevor Ende des 18. Jh.s ein Familienmitglied Bankier wurde. Mit der Ausgestaltung des Wirtschaftssystems haben Einzelpersonen, vor allem die Unternehmer / Kapitalisten selbst, wenig zu tun. Wenn man hier Einzelnen einen größeren Einfluss zugestehen möchte, dann den Wissenschaftlern, deren Ideen (Keynes: deficit spending; Milton Friedman: Neoliberalismus etc.) umgesetzt wurden. Das trifft bei Kapitalisten aber nicht zu, die tun nichts, außer Kapital zu vermehren.
Du referierst lediglich antisemitische, seit dem 19. Jh. erhobene Vorurteile. Das wird mit einem Blick auf deine Website bestätigt: du verlinkst auf rechtspopulistische, die völkerrechtliche Existenz der BRD anzweifelnde Webseiten, eine eindeutig rechtslastige Argumentationslinie. Unterlasse künftig derartige Aussagen.

12 tut nichts zur sache (17.10.2011, 10:08 Uhr)

ich hätte wohl doch nochmal Korrekturlesen sollen…bei Unklarheit und Missverständlichkeit nachfragen…

13 classless Kulla » Blog Archive » Vollversammler, Voodoo, Materialismus (17.10.2011, 17:01 Uhr)

[…] erreicht worden zu sein scheint. Lauf zum Reichstag, ungenutzte Lücke, ungenutzte Strecke(Benni Bärmann bei keimform.de über die Aktion in Frankfurt, wo andere für eine USA-Fahne und das Motto “Ihr seid doch nur neidisch” angegriffen […]

14 Martin Bartonitz (17.10.2011, 22:36 Uhr)

Hier ist die Abhandlung der Historie unseres jetzigen Geldsystems mit der Geldschöpfung über private Banken: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/09/05/musste-john-f-kennedy-sterben-weil-er-das-geldschopfen-wieder-in-die-hande-des-staates-brachte/

15 genau dies! | (18.10.2011, 00:25 Uhr)

[…] blogxyz Am Geldsystem rumzudoktern ist kontraproduktiv. Entscheidend ist, wer Zugang zu den Mitteln hat mit denen wir unser Leben als Gesellschaft erhalten. Und, nein, Geld gehört nicht dazu, denn das kann man bekanntlich nicht essen. Und auch mit einem anderen Geldsystem werden wir Kapitalismus haben, so lange es noch getrennte Warenproduktion gibt. Und wer dann auch noch mit Rothschild kommt ist einfach Antisemit, oder warum sucht man sich komischerweise immer genau die Juden aus, wenn es ans personalisieren von Kapitalismuskritik geht? […]

16 bernd (18.10.2011, 00:29 Uhr)

@martin
der zweite artikel auf deinem blog behandelt die bilderberger bzw hat diese im titel…
da hörte ich auf zu lesen :3

17 Martin Bartonitz (18.10.2011, 09:45 Uhr)

Und genau das wollen die Bilderberger: Nennt den Rotschild einen Juden, dann ist jeder, der über diese Familie spricht ein Antisemit. Also wie mit den drei Affen und nichts geht mehr weiter.
Aber dieses Verhalten des Wegschauens bei unbequemen Informationen haben ja inzwischen auch dei Gehirnforscher bestätigt: http://www.weisse-rose.net/?p=675
Und nochmals: ich sehe nicht, dass die Menschen den Schalter einfach umlegen werden können und von heute auf morgen ohne Geld leben werden können, siehe entsprechend den obigen Artikel. Ich bin mir sicher, dass es eine weiche Landung geben muss, und da wird es evolutionäre Schritte am Geldsystem geben müssen.
Hier versammeln sich aktuell die Geldsystemkritiker: http://geldmitsystem.org/

18 Martin Bartonitz (18.10.2011, 15:55 Uhr)

Nachtrag @Bernd: oder man wird als Verschwörungstheoretiker hingestellt. Früher haben die Kirchen ihre Systemkritiker verbrannt. Heute stellt man sie zum Gülck nur in eine Ecke: http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/zeitgeist/3396-verschwoerungstheoretiker-der-uebelsten-sorte.html

19 Horst (18.10.2011, 21:55 Uhr)

„Und genau das wollen die Bilderberger: Nennt den Rotschild einen Juden, dann ist jeder, der über diese Familie spricht ein Antisemit. Also wie mit den drei Affen und nichts geht mehr weiter.“

Das langt schon für mehre Merkbefreiungen…..*facepalm*

20 Martin Bartonitz (18.10.2011, 22:25 Uhr)

@Horst,
kannst Du bitte dechiffrieren: „Das langt schon für mehre Merkbefreiungen…..facepalm
Ich möchte nochmals betonen, dass ich kein Antisemit bin. Es darf nur nicht sein, dass mein einen Menschen, nur weil der Jude gar nicht mehr kritisieren darf. Das wäre ein Persilschein nach dem Motto „alle Juden sind gute Menschen. Diesen Persilschein möchte ich keinem Menschen irgendeiner Enthnie geben. Es müssen all Menschen kritisierbar sein, ohne dass man gleich als Antisemit hingestellt wird.

21 Occupy Together am 15. Oktober – Was war los? | Kotzendes Einhorn (18.10.2011, 22:26 Uhr)

[…] aus der Mitte Initiator von “Occupy Frankfurt”- Der talentierte Mr. Siener Kritische Eindrücke von OccupyFrankfurt bei […]

22 StefanMz (19.10.2011, 09:01 Uhr)

@Martin: Wenn du kein Antisemit und kein Verschwörungstheoretiker bist, dann hör doch einfach mal auf, antisemitische Stereotypen und Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Was anderes ist es, wenn du die Familie Rothschild herauspickst? Welche Funktion hat das? Und welche Wirkung hat es?

Dazu dieses Zitat aus der Wikipedia, es geht um den Begriff des Antisemitismus:

Dieser Begriff steht dabei weiterhin für Formen pauschaler Judenfeindlichkeit, deren Vertreter Juden mit lange überlieferten und eingeübten Klischees und Stereotypen als übermäßig einflussreiches Kollektiv betrachten, für alle möglichen negativen Zeiterscheinungen verantwortlich machen und so bedrohen.

Genau das produzierst du und reproduzierst du hier. Du bedienst antisemitische Stereotypen. Weisst du, was du da tust? Ich unterstelle dir im Guten: Du weisst es nicht. Aber du kannst es wissen.

Da du ja kein Antisemit bist, kann jede Kritik an deinen Äußerungen von dir nur als Böswilligkeit interpretiert werden: »man wird als Verschwörungstheoretiker hingestellt«, lautet deine Verschwörungstheorie. Und: »Früher haben die Kirchen ihre Systemkritiker verbrannt«, empörst du dich. Und wer sich empört, hat Recht. Du drehst den Spieß um und gibst dich als Angegriffener aus. Dabei bist du auf keine der sehr sachlich geäußerten Kritiken eingegangen.

Stattdessen reproduzierst du ein bei Antisemiten sehr beliebtes Stereotyp: Der Antisemitismus werde benutzt, um die »unbequemen Informationen« nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, und das werde dann auch noch ganz perfide eingefädelt: »genau das wollen die Bilderberger: Nennt den Rotschild einen Juden, dann ist jeder, der über diese Familie spricht ein Antisemit«. Das Abwehrmuster besteht darin, den anderen ein Abwehrmuster zu unterstellen.

»Es müssen all Menschen kritisierbar sein, ohne dass man gleich als Antisemit hingestellt wird«, wehrst du ab ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass genau die personalisierende auf Juden bezogene Kapitalismuskritik ein Kernbestandteil antisemitischer Stereotypen ist: »die Rothschilds«. Ein weiterer, wiederkehrender Bestandteil ist die Zinskritik. Das führe ich nicht aus, sondern empfehle den Text „Schaffendes“ und „raffendes“ Kapital sowie den Text Bye bye Zinskritik.

Antisemitismus hängt nicht davon ab, ob du dich für einen Antisemiten hältst. Sondern davon, was du sagst, welche Stereotypen du bedienst, welche Gedanken du gedankenlos reproduzierst. Siehst du das Problem?

23 danny (19.10.2011, 11:43 Uhr)

Wer Spaß an Verrücktheiten hat, kann sich ja mal auf der occupy frankfurt seite umschauen. besonders schön, dass es eine seite für konsensuale ziele gibt, die unstrittig(?) sind und einen für „fragwürdige oder extrem neue Ansätze“…
Ein paar Kostproben aus zweiterem:
– „Und da muß man an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, was eigentlich die Juden als Grundannahme haben sollten: in der Thora (alten Testament) steht: NEHMT KEINE ZINSEN.“
– „Freigeld ist die Lösung!!!!“
– „Wir sind das Volk!“
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! 😉

24 Martin Bartonitz (19.10.2011, 20:27 Uhr)

@Stefan,
also hätte ich die Geschichte des aktuellen Geldsystems, das immer wieder durch den Zins ans Ende kommt, nennen können, wenn Rothschild kein Jude gewesen wäre, weil ich dann nicht antisemitisch rübergekommen wäre?
Ich verstehe die Argumentation nicht.

25 ThomasB (20.10.2011, 09:58 Uhr)

Jede Geschichtsschreibung wird die Mehrheit der Ereignisse und Leute der Vergangenheit auslassen muessen und sich auf ein paar wenige Ereignisse und Leute konzentrieren muessen. Das ist so und das kann man besser oder schlechter machen, d.h. ein paar Ereignisse und Leute sind in der Tat wichtiger als andere. Das Urteil darueber faellt heutzutage jeder selbst.

Ich wuensche mir dass du, Martin, die Gruende dafuer ueberpruefst, warum dir deine spezifische Geschichtsschreibung besonders richtig erscheint und anderen nicht. Das kann sein, dass du die Wahrheit entdeckt hast und dass die anderen aus Herdentrieb oder sonst irgendeiner Denkfeigheit dir nicht folgen koennen oder wollen. Aber es kann auch sein, dass dir deine Geschichtsschreibung besonders richtig erscheint, weil sie anschliesst an Geschichten, die schon deine (Ur-)Grosseltern erzaehlt bekommen haben und die davon handeln wie organisierte, raffende Schmarotzer die einzelnen, aufrechten, schaffenden Opfer ausbeuten. Das ist im Kern die Grundgeschichte des modernen Antisemitismus und das ist auch die Grundgeschichte ungefaehr jedes fuenften Hollywoodfilms (wenn man den Helden dazu nimmt, der mit den Schmarotzern aufraeumt).

Das Brechen der Regeln, das Andersdenken ist eine Zier, aber leider landest du nach dem Andersdenken bei recht konventionellen Gedanken. Meiner Erfahrung nach begegnet man den wichtigen Ereignissen und Leuten in unserer Geschichte oft nicht in der offiziellen, staatstragenden Geschichtsschreibung – aber man begegnet ihnen leider ebenso selten beim Googeln.

26 StefanMz (20.10.2011, 10:43 Uhr)

@Martin:

also hätte ich die Geschichte des aktuellen Geldsystems, das immer wieder durch den Zins ans Ende kommt, nennen können,

Das ist schlicht inhaltlich unwahr, denn es stellt die Verhältnisse auf den Kopf: Der Zins ist nicht Ursache, sondern Ausdruck des Geldssystems, das wiederum nur Ausdruck der kapitalistischen Ökonomie und ihres eingebauten Expansionszwangs (aus Geld muss mehr Geld werden) ist. Hier erweist du dich als sehr beratungsresistent. Lies doch bitte die genannten Artikel.

wenn Rothschild kein Jude gewesen wäre, weil ich dann nicht antisemitisch rübergekommen wäre?

Antisemitische Stereotypen zu verbreiten ist keine Frage des »Rüberkommens«, der Form, sondern eine Frage des antisemitischen Stereotyps, also des Inhalts. Die Lernherausforderung für dich ist, zu verstehen, dass die personalisierende Kritik am Kapitalismus, die Juden exemplarisch heranzieht, ein antisemitisches Stereotyp IST.

27 Martin Bartonitz (20.10.2011, 20:56 Uhr)

@Stefan,
den Artikel werde ich noch lesen. Aber so vile: Der Wachstumszwang erfolgt durch den Zins. Denn dieses Zinsgeld, was fällig ist, ist mit der Schuldgeld, was von den Banken aus dem Nichts erzeugt wird, nicht auch schon mit auf den Markt. Damit dieser Zins gezahlt werden kann, muss vorher noch weiteres Geld geliehen werden. Und das läuft exponentiell und bedingt ein Wachsen. Sobald nicht mehr Schulden wegen Überschuldung aufgeommen werden kann, fehlt der Nachschub für das Zinsgeld und da stehen wir zur Zeit. Würde Geld wie jedes andere Gut auch vergehen, würde es wie dieses als echtes Tauschäquivalent funktionieren und es würde nicht angehäuft werden wollen, weil es ja am Ende weg ist.
Nochmals zum Sterotyp. Es ist exakt genauso sterotypisch, Jemanden in die Ecke der Antisemiten zu stellen, sobald a) das Geldsystem besprochen wird und b) ausgerechnet ein Name einer Person fällt, die anscheinend jüdisch ist. Mir ist es aber völlig egal, ob schwul, schitzophren, moslemisch, christlich oder jüdisch oder schwarz gelb oder rot.. Mir geht es allein darum , dass es einen konkreten Menschen gab, der die Idee dieses zinsbasierten Systems begonnen und geschickt verfeinert hat, so dass andere es weiterentwickeln konnten und wir am Ende hier stehen wo wir stehen.

28 StefanMz (21.10.2011, 00:22 Uhr)

@Martin, durch Wiederholung werden die Mythen und Fälschungen der Zinskritiker nicht richtig. Und dann führst du die Zinslegende auch noch auf ein Komplott eines »konkreten Menschen« zurück, »einer Person …, die anscheinend jüdisch ist« und das alles ausgeheckt hat? Das kann ich nur als groben und offenen Antisemitismus bezeichnen. Du steckst doch tiefer im Sumpf als ich dachte. Am besten sagst du jetzt hier mal nichts mehr.

29 Martin Bartonitz (21.10.2011, 08:14 Uhr)

@Stefan,
zum Thema Zins werde ich hier wohl besser nichts mehr sagen, denn hier scheinen beide Parteien wohl belehrungsresistent.
Wer Fakten nicht akzeptieren mag, um seinen Überlebensoptimismus nicht zu schwächen, hat sicherlich Gründe …
Aber die nahe Zukunft wird uns die weitere Beweise zeigen, mal schauen, was bei raus kommt …

30 StefanMz (21.10.2011, 12:29 Uhr)

Für alle Interessierten ein Text von den »Nachdenkseiten«: Kritik an der Zinskritik

31 Christian Siefkes (28.10.2011, 20:51 Uhr)

Schönes Foto! Das Schlagwort von der „common[s]-based queer production“ kommt, soweit ich weiß, aus dem Vortrag „If … then … else“ von Bini Adamczak und Guido Kirsten, den sie zum Abschluss der Jour-Fixe-Reihe „etwas fehlt“ gehalten haben. Sie bezogen sich dort u.a. auf meinen Vortrag in derselben Reihe und machten aus der peer die queer production 🙂

Leider gibt es ihren Vortrag, den ich interessant und inspirierend fand, noch nicht online (soweit ich weiß), weder als Audioaufnahme noch als Textfassung. Und eine Google-Suche nach „commons-based queer production“ lieferte eben noch keinerlei Treffer. Ich hoffe, diese Lücke wird bald geschlossen…

32 Commons Based queer Production — keimform.de (06.12.2011, 11:31 Uhr)

[…] Based Peer Production” abweichenden Begriff “Commons Based queer Production” begegnet. Ich bat die Schildermaler_innen um eine Erläuterung. Here we […]

33 Hermann Wick (07.12.2011, 10:15 Uhr)

Die FAZ sic! brachte am vergangenen Samstag einen m.E. aufschlussreichen Artikel von einem international anerkanntem Wirtschaftswissenschaftler und Occupy-Aktivisten zur Rolle von EZB und Zinspolitik.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/oligarchie-der-finanz-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html

Leider erschien dieser Artikel nicht im Wirtschaftsteil sondern im Feuilleton.

34 «Commons based queer production» | Principien (07.12.2011, 11:11 Uhr)

[…] die erste Frankfurter Occupy-Demo auf ein Plakat gemalt, wurde dort von Benni Bährmann gesehen und fotografiert und gefragt, was es damit auf sich habe. Die Antwort ist ein kleines Textchen, das seit gestern […]

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