Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Die Wiederaneignung der Gemeingüter…

ist

einfach Ausdruck der Sehnsucht der Individuen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederzufinden, der sie aus ihrer Isolation erlöst — ohne ihnen dabei ihre Freiheit zu nehmen

schreibt der italienische Historiker Piero Bevilacqua in einem TAZ-Kommentar. Der Fortschrittsmythos sei endgültig an Ende, die moderne Politik habe »ihre Karten ausgespielt, ob von konservativer oder linker Seite«. Nach der Niederlage der sozialistischen Erzählung, gehe nun auch die neoliberale Erzählung unter. Was bleibe, sei eine Zerstörung des Sozialen. Die Gemeingüter seien hingegen in der Lage, das Soziale wieder herzustellen — siehe Zitat oben.

Der Kommentar von Piero Bevilacqua zeigt viel Richtiges auf. Trotz teilweise kritisch-linker Rhetorik bekommt der Text jedoch einen kulturpessimistischen und rückwärtsgewandten Tonfall — die »Sehnsucht der Individuen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederzufinden«. Die Sehnsucht nach dem »Wiederfinden« kann schnell gestrige Züge annehmen. Geht es stattdessen nicht vielmehr um eine Herstellung einer neuen Form der Sozialität auf Grundlage der Gemeingüter als um eine wie auch immer geartete Rückkehr?

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2. August 2011, 11:05 Uhr   3 Kommentare

1 Gemeingüter als neue große Erzählung | Gemeingüter (02.08.2011, 11:45 Uhr)

[…] [via] […]

2 Martin Bartonitz (03.08.2011, 12:01 Uhr)

Auf jeden Fall macht das Gestrige wenig Sinn ohne es auf die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Dass auch die kapitalistische Geschichte am Ende ist, hatte ich auch schon letzte Woche geschrieben:
Milton Friedman´s Ideologie des freien Marktes wurde inzwischen völlig neoliberalisiert und ist damit auf ganzer Strecke gescheitert
Das Konzept des Gemeinguts hat auch die Zeitgeistbewegung aufgenommen. Es gibt also inzwischen immer mehr Menschen, denen bewusst wird, dass wir etwas grundsätzlich ändern müssen. Die Herausforderung wird sein, dies in evolutionären Schritten zu tun und das in der kurzen Zeit, die uns noch bleibt, bevor das Choas uns völlig ereilt:
Der Film, den ich in meinen letzten Post eingebaut habe, macht ein wenig Hoffnung: Was wäre, wenn wir all unser Geld zurückgäben und es ohne versuchten?

3 StefanMz (03.08.2011, 12:30 Uhr)

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