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Peer-to-peer und das Subjekt

[Eine Übersetzung eines Ausschnitts des Artikels »Peer to peer Production in the Software and Hardware communities, and the Subject« von Phoebe Moore]

Abstract: »Wissenschaftler_innen der Medien-Ökologie — was Fuller als »Medien-Ökologie« (2005) bezeichnet hat — interessieren sich dafür, wie reale soziale Veränderungen  im Zeitalter der digitalen Medien möglich und warum sie in der Tat auch notwendig sind. Hinterfragt man die hierarchischen Strukturen in den Arrangements von Alltag und Produktion und die dominanten Formen der Interaktivität, die sich historisch uni-direktional und grundlegend beschränkt herausbildeten, so ist die Bewegung der Peer-to-Peer-Produktion ein Beispiel für die Art der Medien-Ökologie, die »tiefgreifende« soziale Änderungen verspricht — sowohl in mentaler wie in struktureller Hinsicht. Stellen die vernetzten Commons, die aus der Peer-to-Peer-Produktion im Bereich der Freien Software hervorgingen, sowie die Ökologie der produktiven und künstlerischen Zusammenarbeit darin, eine stabile Bedrohung für den Kapitalismus dar? Dieser Artikel befasst sich mit dieser Frage.«

[Der Artikel selbst ist nicht online, es folgt die Zusammenfassung]

»Die hier diskutierte entstehende Ökologie ist kritischer Blick auf den technologischen Determinismus, der gegenwärtig von einer Tendenz durchzogen wird, das verbreitete Vertrauen in die menschliche Innovation in unveränderlicher Weise mit der heutigen Form der Produktion zu verbinden, wie sie in den dominanten und allgegenwärtigen Unternehmensinitiativen in allen Bereichen in der neoliberalen Ära beobachtet werden können. Kann der aufkommende Kampf der Beteiligten mit dem Kapital die typischen traditionellen Hierarchien der Produktion des industriellen Zeitalters verändern? Die gegenwärtige post-kapitalistische Ökologie ist eine, die es meiner Auffasung nach den Arbeitern erlaubt, ihrem eigenen Selbst-Management Einhalt zu gebieten und zu einer Situation zurückzukehren, in der die Menschen ihre revolutionären Subjektivitäten formulieren können, einschließlich ihrer eigenen Arbeitskraft und Produktionsmittel, anstatt weiterhin den Hierarchien und deterministischen Ansichten von Technologie und Fortschritt untergeordnet zu werden. Die sich selbst organisierenden Communities der Peer-Produktion bedrohen den Status quo durch den Besitz der Mittel und Modi und damit der Ökosysteme der Produktion, und sie strukturieren den Kapital-Output um in ein Commons, das persönlich oder gemeinschaftlich übernommen und angepasst wird durch die Schaffung eines Lizenz-Modells (General Public License), das die Kontrolle des geistigen Eigentums von Ideen überflüssig macht.

Durch das Commoning und die Produktion von Open Source Software und Hardware und entsprechenden alternativen Protokollen ist es möglich geworden, den Kapitalismus herauszufordern und zu einer neuen Form arbeitsfähiger Subjekte in einer Weise zu kommen, die die Lohnverhältnisse und die sie durchdringenden extern aufgedrückten Subjektivitäten, die für erfolgreiche kapitalistische Rezepte erforderlich sind, in chaotische Unordnungen umzuwandeln. Die globale passive Revolution benötigt passive Subjekte, die eine dominante Subjektivität verkörpern. Die Eliten wollen dies ausweiten, in dem sie die ästhetische Fassade zerschneiden, die das autonome affektive Selbst befördert (Colman 2010, 3). Die Bewegung der Peer-Produktion ist die wahrhaftige Medien-Ökologie, die eine aktive revolutionäre Bedrohung für das post-koloniale Projekt kapitalistischer Unterordnung darstellt.«

Hm, als ich den englisch-sprachigen Text las, klang das alles irgendwie sinnvoller. Die deutsche Übersetzung ist dagegen eher ein Wortsalat geworden (dabei habe ich schon vereinfacht, aber kann auch an meiner Übersetzung liegen). Diese postoperaistische Sprache ist schon merkwürdig. Sie weicht in Metaphern aus und wird dadurch unklar, aber gleichzeitig zettelt sie Assoziationen an. So kann sich jeder seins denken.

Was will also die Autorin sagen: Die commons-basierte Peer-Produktion kann den Kapitalismus in Frage stellen. — Geht doch auch kurz 🙂

Kategorien: Commons, Freie Hardware, Freie Software

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14. Oktober 2010, 12:08 Uhr   1 Kommentar

1 Annette (14.10.2010, 21:08 Uhr)

1. Was mir auffällt, auch bei der „Free Culture“-Conference, ist die ständige Verwendung der Bezeichnung „Ökosystem“ und „Ökologie“, wenn es um die menschliche Produktionsweise geht. Ich fürchte, da können sich Naturalisierungen einschleichen.

2. Zum Thema Subjektivitätsentwicklung selbst sehe ich diesen Text nur als Erinnerung… aber wir waren da echt schon mal weiter und klarer.  Was mich sehr interessieren würde, wären echte Untersuchungen über die Art und Weise der Subjektivitätsentwicklung in diesen Projekten. Ich sehe im Moment empirisch eher das Gegenteil: Weil die Subjektivitäten noch nicht so weit entwickelt sind, fällt es uns so schwer, entsprechende alternative Praxen aufzubauen!

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