Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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»Auf dem Weg Richtung Wissenskommunismus«

… so lautet der Titel der Thesen der Redaktion des »prager frühling«, die wir nachstehend mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion reposten (explizit unter keimform.de-Gemeinfreiheit). Hier können sie diskutiert werden.

Der Titel klingt ja ganz schön forsch. Halten die Thesen aber, was der Titel verspricht?

Was ist eure Meinung dazu?

Lest dazu auch »com.munismus.komm! Patente Sachen über Wissen, Arbeit und Eigentum«.

Hier nun die »Thesen der prager-frühling-Redaktion«.

Wissen ist Motor der Produktivkraftentwicklung

Die Fähigkeit des Menschen, Wissen zu erhalten und neues Wissen über die Eigenschaften der Dinge und über soziale Prozesse zu erschließen, ist die Voraussetzung für seine Entwicklung. Wissen ist daher nicht nur Voraussetzung zur Entfaltung der Produktivkräfte, sondern auch zur Emanzipation des Menschen von sozialen Verhältnissen, die ihn in Unmündigkeit lassen. Im Programmentwurf der LINKEN heißt es: „Die Grundlage für die Entwicklung der Produktivkräfte ist heute und auf absehbare Zeit die Erwerbsarbeit.“ Diese Reduktion auf Erwerbsarbeit lässt außen vor, dass es neben der Erwerbsarbeit weitere gleichberechtigte Tätigkeitsbereiche gibt: erstens die Reproduktionsarbeit, besser bekannt als Familien- und Sorgearbeit, zweitens politische Einmischung bzw. gesellschaftliches Engagement und drittens Arbeit an sich selber, vorstellbar als Muße oder Weiterbildung. In allen vier Bereichen ist es das Wissen, das als Motor für die Entwicklung der Produktivkräfte wirkt und dem damit eine besondere Spreng- und Triebkraft zukommt. Das Wissensprodukt unterscheidet sich letztlich von allen anderen Produkten der kapitalistischen Warenproduktion darin, nicht durch Konsumtion aufgezehrt zu werden. Die künstliche Beschränkung des Wissens durch Urheber- und Patentrechte führt schließlich dazu, dass einmal gewonnene Erkenntnisse nicht umstandslos weiterverwendet werden oder Geheimwissen bleiben. Dies führt dazu, dass das Rad unnötig oft neu erfunden werden muss. Ob es beispielsweise das Internet in der heutigen Form geben würde, wenn dort nicht auf Open Source und freie Software gesetzt worden wäre, ist stark zu bezweifeln. Die Produktion des Wissens hat daher auf zwei Ebenen eine besondere politische Bedeutung: a) der Zugang zum Wissen ist zentraler Bestandteil der individuellen Ausbildung und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe sowie die Fähigkeit zur Emanzipation; b) ist die Frage zu beantworten, wie Wissen gesellschaftlich produziert wird und wer sich die Erkenntnisse der Wissensproduktion aneignen und diese nutzen kann.

Aus dem Schoß des alten Wissens wächst das Neue.

Die Industriegesellschaft würde von der Wissensgesellschaft abgelöst, vermuten die einen. Andere erblicken im affektiven Charakter der „immateriellen“ Arbeit sogar ein den Kapitalismus transformierendes Potential. Die immaterielle, kreative und affektive Arbeit, die Produktion des Wissens geistert so seit einigen Jahren als neue Hoffnungsträgerin in linken Diskursen: Während die einen (Hardt/ Negri) ihr kommunistische Potentiale zuschreiben, erblicken die Nerds unter den Software-Produzent/innen in der Form der Produktion freier Software die Arbeitsbedingungen einer kommunistischen Gesellschaft. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Vermutungen kann festgestellt werden, dass die Produktion des Wissens immer bedeutsamer wird. Diese Entwicklung birgt Potentiale dafür, eine marxistische Kapitalismuskritik neu zu beleben. Denn die Kritik an Ausbeutungsverhältnissen ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Eine marxistische Kapitalismuskritik muss vielmehr zeigen, wie und wieso die bestehende kapitalistische Eigentumsordnung Fortschritts- und Freiheitspotentiale systematisch blockiert (klassisch: die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen). Dies wird im Bereich der Wissensproduktion besonders deutlich. Wurde der Kapitalismus bisher vor allem dafür kritisiert, dass sein Weg die menschliche (Re-)Produktion zu regeln, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen vertieft und seine Bewegungsgesetze die gesellschaftliche Verfügung über den Produktionsprozess verunmöglicht, so zeigt die Logik der Produktion des Wissens nun die Grenzen der privatwirtschaftlichen Organisation des Produktionsprozesses als Ganzes auf. Die Bedeutungszunahme der Wissensproduktion wird für den Kapitalismus zum Problem, weil das Wissensprodukt seine ganze Produktivität nicht im privaten Gebrauch entfaltet, sondern gerade durch öffentliches Zur-Verfügung-Stellen. Erst in der Aneignung durch die Vielen entfaltet das Wissen seine ganze produktive Wirkung. In verschiedenen Bereichen (Wissenschaft, pharmazeutische Industrie, Software-Entwicklung, Kreativbranche) wird augenfällig, dass die private Verfügung über Wissen die ökonomischen Potentiale der Gesellschaft behindert. Auch die Formen der Wissensproduktion weisen über gängige Produktionsformen hinaus, wo frei Assoziierte in hierarchiearmen Arbeitsprozessen teilweise bessere Produkte entwickeln, als sie unter den Bedingungen der Lohnarbeit erzielt werden. Dass das Privateigentum, bisher Motor der ökonomischen Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte, selbige auch begrenzen könnte, wird immer mehr Menschen bewusst. Linke Politik kann nicht nur bei der Ausbeutungskritik verharren; sie muss aufs Ganze gehen.

Der Kampf um die Aneignung des Wissens gewinnt an Bedeutung.

Aber gegenwärtig ist die Produktion des Wissens weder der dominante Teil der (Re-)Produktion des gesellschaftlichen Lebens, noch wächst aus der Produktion des Wissens an sich eine neue, egalitäre und humane Gesellschaft. Dennoch zeigen Widersprüche und Kämpfe um die Aneignung des Wissens, beispielsweise die Kämpfe um die Aneignung der Wissensprodukte in der Medizin, der Kulturindustrie und in der IT-Branche sowie die internationale Auseinandersetzung um Patent- und Urheberrechte, dass die Organisation der Wissensproduktion und die private Verfügungsgewalt über das Wissen mittels Urheberrecht und Patentschutz bedeutende Felder der politischen Auseinandersetzung sind. Gerade im Bereich der medizinischen Versorgung wird deutlich, dass es sich dabei um Fragen von Leben und Tod handelt, wenn die Kosten für Medikamente, die den HI-Virus unterdrücken, durch Patentrechte statt 200 Euro plötzlich bis zu 10.000 Euro pro Jahr kosten. Auch internationale Auseinandersetzungen, in denen Entwicklungs- und Schwellenländer sich gegen die Kosten patentrechtlich geschützter Medikamente wehren, sind wichtige Felder politischer Auseinandersetzungen. Die internationale Arbeitsteilung, bei der die kreative Entwicklungsarbeit in den nördlichen Industrieländern, die körperlich anstrengende und schlecht bezahlte Produktion in den südlichen Entwicklungsländern verrichtet wird, wird vor allem über das Patentrecht sichergestellt. Dies zeigt, dass es bei diesen Auseinandersetzungen auch um die Festschreibung bzw. Überwindung internationaler Abhängigkeitsstrukturen geht. Auch in der klassischen Bildungspolitik finden Auseinandersetzungen statt, die Anknüpfungspunkte für eine transformative Linke sind. Dazu gehört der Kampf für den freien Zugang zu Bildungseinrichtungen und der freie Zugang zu Wissen. Nicht von ungefähr kündigte die Deutsche Forschungsgesellschaft jüngst eine Open-Access-Initiative an, die Forschungsergebnisse frei zugänglich machen soll. Der Leiter der Bibliothek der Universität Harvard forderte gleich die Verstaatlichung von Googles Buchsuchdienst.

Wissen ist per se weder gut noch böse.

Der deutsche Sozialdemokrat August Bebel („Wissen ist Macht“) und der französische Poststrukturalist Michel Foucault („Macht-Wissen-Komplexe“) sind sich zumindest darin einig, dass Wissensproduktion, Wissensaneignung und Anwendung immer Teil von Machtverhältnissen ist. Wissen ist damit immer „gerichtet“ und umkämpft; bestimmte Wissensformen werden zur Wissenschaft geadelt (Gen-Forschung); andere Wissensformen werden abqualifiziert und tauchen gar nicht erst auf. Wissen ist also immer ein Bestandteil gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse und hegemonialer Konstellationen. Deshalb greift der Wissensoptimismus der freien Softwarebewegung ein Stück zu kurz: Hier geht es darum, dass technische Probleme kooperativ gelöst werden. Doch schon wenn es nicht mehr um Problemlösungswissen geht oder wenn zu fragen ist, wer die Probleme, die gelöst werden sollen, eigentlich definiert, stößt ein solcher Problemlösungsoptimismus an seine Grenzen. Linke Politik muss bereit sein, die herrschenden Wissensformen, ihre Gerichtetheit aufzudecken und ihr eine alternative Gerichtetheit, alternative Problemlagen und Wissensquellen entgegenzusetzen. Michel Foucault nannte diesen Prozess „Aufstand des unterworfenen Wissens“. Dort, wo die Vielfalt der Fragen und Antworten die herrschenden Diskurse ablöst, erhält auch das „unterworfene Wissen“ seine gesellschaftlichen Artikulationsmöglichkeiten, kann das Wissen demokratisch angeeignet werden.

Praktische Kritik des bürgerlichen Gerechtigkeitsideals.

Dort, wo die Produktion des Wissens im Vordergrund steht, wird oftmals die Trennung von Arbeit und Eigentum praktisch vollzogen (z. B: die unter General Public License stehende Software); dort weist die Wissensproduktion bereits über die bürgerliche Gesellschaft und ihre Vorstellungen von Arbeit, Eigentum und Verteilungsgerechtigkeit hinaus, in der auch die Linke in weiten Teilen noch gefangen ist: Eigentum wird — in Anlehnung an den klassischen Eigentumsbegriff John Lockes — traditionell auch in der Linken als Ergebnis von Erwerbsarbeit gedacht, die die prinzipiell allen Menschen gehörende Natur durch Arbeit angeeignet. Durch Arbeit erwirbt — so die altlinke Logik — der Mensch das Recht an seinem Arbeitsprodukt. Entsprechend wird die Kritik am Kapitalismus vorgetragen: Der Arbeiter erhalte nicht den vollen Lohn seiner Tätigkeit. Diese Logik gipfelt schließlich in der auch von der Linken vorgetragenen reaktionären Parole: „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen.“ In der Kritik des Gothaer Programms wandte sich bereits Marx gegen eine solche Gerechtigkeitsvorstellung als ehernes Gesetz. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“ lautet die Marxsche Zielorientierung. Diese Logik wird jedoch nicht der Welt, wie sie ist, gegenübergestellt. Es muss vielmehr in den bestehenden Produktionsverhältnissen Ausschau danach gehalten werden, welche Potentiale und Widersprüche in eine solche egalitäre Richtung drängen. Deshalb wird der Emanzipationsprozess der Vielen von Widersprüchen durchsetzt sein. Man wird nicht umhin kommen, etwa dort an der Verbindung von Arbeit und Eigentum festzuhalten, wo bestehende Standards der sozialen Sicherung durch neoliberale Politik angegriffen werden. Doch das darf nicht den Blick darauf verstellen, dass die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte auch neue Potentiale dafür geschaffen hat, dem Marxschen Ideal näher zukommen. In der Wissensproduktion wird das Produkt der eigenen Arbeit bereits oftmals nicht mehr als privates Eigentum verstanden. Im Gegenteil: Das Eigentumsrecht am Produkt wird so gestaltet, dass es kollektives Eigentum bleibt. Hier weist die Produktionsweise bereits über den bürgerlichen Rechtshorizont hinaus: JedeR arbeitet nach seinen Fähigkeiten, jedeR konsumiert nach seinen Bedürfnissen.

Ohne Wissen keine Emanzipation!

Die Aneignung von Wissen wird seit je her als Bedingung für die Emanzipation begriffen. Foucault erhebt daher auch den „Aufstand des unterworfenen Wissens“ zur Strategie. Der freie Zugang zum Wissen und die gesellschaftliche Förderung der Wissensproduktion sind Voraussetzungen, um herrschende Wissensformationen in Frage zu stellen. Die Produktion des Wissen muss daher als gesellschaftlicher, kollektiver Prozess begriffen und organisiert werden. Wissen ist zu vergesellschaften, der Zugang zur Produktion des Wissens offen zu gestalten. Die Anwendung und Verwertung des Wissens muss allen kostenfrei zugänglich sein. Künstlerische und wissenschaftliche Werke und Erkenntnisse sind daher frei von Nutzungsrechten der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen — gegebenenfalls muss die Gesellschaft die Entwicklungskosten tragen. Dort, wo Patent- und Urheberschutzrechte heute Einkommen für Wissenschaftler/innen und Künstler/innen sichern, sind sie durch eine generelle Förderung von Kultur, Kunst und Wissenschaft, etwa über demokratisch gesteuerte Fonds („Kulturflatrate“), zu ersetzen.

Die Wissensproduktion kommunistisch wenden.

Eine transformatorische Linke muss den aus der Wissensproduktion erwachsenden Widerspruch, der durch die Begrenzung der ökonomischen Potentiale des Wissens durch die privatrechtliche Form der Wissensproduktion entsteht, aufgreifen und ihn kommunistisch wenden: durch Aufhebung des Zusammenhangs von Arbeit und Eigentum. In der Wissensproduktion zeigt sich die Begrenztheit der bürgerlichen Logik, Arbeit und Eigentum zu verbinden. Die Erkenntnis der Begrenztheit dieser Logik auch auf andere gesellschaftliche Felder zu übertragen ist Aufgabe einer postbürgerlichen Linken. Statt einem bürgerlichen Gerechtigkeitsideal nachzuhängen, muss sie vielmehr für eine sanktionsfreie, Teilhabe ermöglichende Grundsicherung oder ein Grundeinkommen streiten. Statussichernde Sozialsysteme nimmt sie als Bezugsrahmen des erkämpften „kleinen Glücks“ vieler Menschen ernst, klärt aber zugleich über ihren ausgrenzenden und patriarchalen Charakter auf und drängt diese Komponenten zurück. Auch in anderen Bereichen werden Modelle erdacht, die auf eine Trennung von Arbeit und Einkommen, von Bezahlung und Konsum hinauslaufen: Beispiele sind die Kulturflatrate, kostenloser ÖPNV und Open Access. Zugleich hat eine transformatorische Linke den Zusammenhang zwischen Arbeit und Eigentum bzw. Einkommen dort anzugreifen, wo Raum für eine postbürgerliche Vorstellung einer anderen Gesellschaft zu schaffen ist. Die Produktion des Wissens könnte sich dabei als ein solcher Ort herausstellen, in dem sich das Prinzip „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” auch in Hinblick auf die Arbeitsproduktivität als überlegen erweist und sich die Produktionsformen der neuen Gesellschaft im Schoß der Alten entwickeln.

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Freie Inhalte, Theorie

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28. Oktober 2010, 07:52 Uhr   10 Kommentare

1 Annette Schlemm (28.10.2010, 10:56 Uhr)

Seit Bestehen des Internets haben wir eine ganz gute Infrastruktur, um große Teile der Wissensaneignung und -erzeugung in die eigenen Hände (Köpfe ;-)) zu übernehmen. Auf einigen Gebieten funktioniert das auch ziemlich gut (Wikipedia). Ich arbeite ja auch viel häufiger in diesem virtuellen Raum als dass ich meine Texter drucken lasse, und die virtuellen werden wenigstens manchmal diskutiert.

Als das alles begann, meinte ich immer, die Geistes/Gesellschafts-theoretischen Wissenschaften könnten viel mehr von dieser fast frei nutzbaren Infrastruktur profitieren, weil man da wirklich nur den PC und den Internetanschluss und eben seinen Kopf braucht – für mein anderes Fachgebiet Physik sieht es natürlich nach wie vor düster aus.

Meine Hoffnungen im Bereich des Theoretischen sind etwas enttäuscht worden, da war ich vor 10 Jahren euphorischer. Und im Bereich des praktisch-Technischen ist die Kluft zwischen dem Bereich, wo wirklich geforscht wird und dem, was man sich privat ins Labor stellen könnte, noch weiter aufgebrochen. Oder könnt Ihr euch mal schnell einen Maschinenpark zur Herstellung und zur Weiterentwicklung der Solarzellenproduktion hinstellen?

(In unserer Familie wird ja quasi beides betrieben, deshalb kann ich das gut vergleichen 😉 )

2 Benni (30.10.2010, 22:08 Uhr)

„Aber gegenwärtig ist die Produktion des Wissens weder der dominante Teil der (Re-)Produktion des gesellschaftlichen Lebens,“

dazu hätte ich ja gerne mal Zahlen. Ich hab eine Zahl im Hinterkopf nach der schon vor Jahren 70% der weltweiten(!) Wertschöpfung auf Wissensproduktion beruhte. Leider finde ich schon lange die Quelle nicht mehr.

3 Benni (30.10.2010, 22:16 Uhr)

@Annette: Die Produktion auch von Wissen wird sich halt weiter dezentralisieren müssen. Aber es stimmt schon, zur Zeit beruht das auf einigen Bereichen, die um so mehr Ressourcen und Kapital verschlingen. Allen voran die Chip-Produktion. Da ist es ja noch krasser als bei euch in der Solarzellenbranche. Um eine neue Chip-Generation zu generieren haben heute schon nur noch 1-2 Firmen die Ressourcen. Manche sagen deswegen schon das Ende von Moores Law voraus, weil dann ja der Anreiz zu immer weiterer Innovation verloren geht, wenn es da eine Monopolisierung gibt.

Ich hoffe auf das Lego-Prinzip, dass uns in die neue Gesellschaft katapultiert: Zentralisierte und Industrialisierte Massenproduktion von Grundbausteinen, die dann dezentral, vernetzt,  und peer-to-peer immer neu zusammenkonfiguriert werden. Und irgendwann werden dann hoffentlich die Peers einsehen, dass sie auch die Kontrolle über die Industriezentren brauchen… (oder umgekehrt die Zentralen die Peers kommandieren).

4 Benni (30.10.2010, 22:21 Uhr)

Im übrigen finde ich, wir können uns ruhig ein bisschen auf die Schulter klopfen, dass es inzwischen immerhin Strömungen etablierter Parteien gibt, die unsere Thesen ernst nehmen 🙂

Das wäre ja vor 10 Jahren so auch noch nicht denkbar gewesen. Das dicke Brett ist ein paar Millimeter dünner geworden in all den Jahren.

5 »Können Sie mir erklären, was man unter Commons versteht?« — keimform.de (10.08.2012, 06:48 Uhr)

[…] dass die von ihr mit herausgegebene Zeitung Prager Frühling eine Schwerpunktnummer zum Thema Commonismus hatte (an der ich beteiligt war). Bernd Schlömer sieht das noch enger und denkt nur an die Lizenz […]

6 Shelog (10.08.2012, 10:21 Uhr)

Einen Maschinenpark zur Weiterentwicklung der Solarenergiegewinnung kann ich mir sicher nicht hinstellen. Aber warum nicht in ein OpenFabLab gehen und gemeinsam kleine, effektive Windräder zur Stromgewinnung bauen? Wenn es noch kein OpenFabLab in der Region gibt: erst mal eins gründen…

7 Hermann Wick (13.08.2012, 09:51 Uhr)

@ benni: Ich halte die Schätzung dass 70% der Wertschöpfung durch Wissensproduktion erfolgt doch für sehr zweifelhaft und damit auch die Argumentationen die sich solcher Zahlen bedienen. Zweifelhaft deshalb weil sie auf einem „Werte“-System beruhen das auch äußerst zweifelhaft ist: bewertet werden da nämlich Umsätze und Anteile am BSP. Und wenn die Arbeitsstunde eines Programmiers mit 150.- € in die Kostenrechnung und damit letztlich auch ins BSP eingerechnet wird und die Arbeitsstunde eines Gärtners mit 30.- € oder die Arbeit eines Handlangers in Bangladesch mit 0,10 €/Std., dann ist doch fraglich ob mit obiger Schätzung die wahre Wirklichkeit abgebildet wird. Genau so gut könnte man auch schätzen dass 80% der Wertschöpfung auf den internationalen Finanzmärkten stattfindet – da leuchtet fast jedem die Absurdität ein.

8 Benni Bärmann (13.08.2012, 11:08 Uhr)

@Hermann: Die Zahl soll ja auch nur deutlich machen, wie abhängig das System – nach seiner eigenen Logik – von immaterieller Produktion ist. Dafür taugt sie (wenn sie denn stimmt).

9 Stefan Meretz (14.08.2012, 10:07 Uhr)

@Hermann: So absurd ist das alles nicht, denn „Wertschöpfung“ meint immer monetären Reichtum (nicht den sinnlich-nutzbaren). „Wertschöpfung“ auf den Finanzmärkten ist nichts anderes als Monetarisierung zukünftiger Verwertung in der Gegenwart. In der Gegenwart geht nicht mehr viel, also muss die Zukunft angezapft werden.

10 Hermann Wick (14.08.2012, 12:47 Uhr)

@ Stefan: schon klar. Aber genau dies sehe ich als „absurd“ im Sinne von ver-rückt an.

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