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Turbokolonialismus

Es ist immer noch mal viel schlimmer, als man denkt: In dem Artikel über den Kauf von halb Madagaskar durch Daewoo im CommonsBlog wird am Ende auf den GRAIN-Report verwiesen. Darin geht es um eine »Art von neuem Landraub«. In der Tat. Klaus Pedersen, Autor des Buches »Naturschutz und Profit«, hat in der »jungen Welt« von heute das Thema unter der Überschrift »Turbokolonialismus« aufgegriffen:

Wegen der zunehmenden Erderwärmung kaufen oder pachten Regierungen Agrargebiete in ärmeren Ländern zur Absicherung der Ernährungsbasis. Unternehmen machen einen Spekulationsmarkt daraus

Hier verbindet sich also Klima- und Ökonomiekatastrophe. Die Vorbereitung für den Krieg um die Nahrungsmittelgrundlagen und für die nächste Spekulationsblase läuft heute, die Commons werden enteignet.

Kategorien: Commons, Feindbeobachtung

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28. April 2009, 12:42 Uhr   4 Kommentare

1 benni (28.04.2009, 12:59 Uhr)

Enteignung der Commons ist doch keine Blase. Darauf beruht der Kapitalismus von Anbeginn. Steile These: Im Kapitalismus wechseln sich Phasen vermehrter Commons-Einzäunung und vorherrschender „interner“ Akkumulation ab. Die Krise des einen bringt das andere hervor.

2 StefanMz (28.04.2009, 20:30 Uhr)

@benni:

Enteignung der Commons ist doch keine Blase.

Nein, sie ist die Grundlage für ein neue Spekulationsblase — auch eine steile These. Es ist was anderes, ob Commons enteignet werden, um die Subsistenz zu zerstören und Arbeitskräfte freizusetzen oder ob die Zentren des laufenden Kapitalismus a) ihre Nahrungsgrundlagen auf Kosten der Peripherie sichern und b) dies zur Grundlage einer neuen Spekulationswelle machen. Die These ist also: Nach den Immobilien kommen den Nahrungsmittel als Spekulationsblasen-Basis.

3 StefanMz (29.04.2009, 08:00 Uhr)

In dem Roman »Der Chinese« von Henning Mankell geht es um den Plan, Chinesen (v.a. Bauern) nach Afrika zu bringen, um eigenen sozialen Konflikten vorzubeugen, die durch den galoppierenden Kapitalismus entstehen (massenhafte Landflucht). Ich habe das immer für einen bloßen Roman-Einfall des Autors gehalten, doch es scheint tatsächlich zu geschehen — glaubt man dem Artikel in der jW. Während im jW-Artikel spekulativ von 10000 Chinesen die Rede ist, die nach Mocambique kommen sollen (Mankell lebt u.a. in Mocambique), nennt Wikipedia die Zahl von 1500. Beide Zahlen sind eigentlich noch keine für China nennenswerte Größenordnung.

4 benni (29.04.2009, 09:19 Uhr)

@Stefan: Das fällt wohl eher unter „nachholender Kolonianismus“? Auch beim europäischen Kolonianismus war ja ein vorbeugen solcher Konflikte durchaus ein wichtiges Thema.

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