Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Commons und Gütersystematik: Diskussion

Ding/Ressource [Klicken zum Vergrößern]

Was sind Commons, in welchem Verhältnis stehen sie zu anderen Gütern, Ressourcen und sozialen Beziehungen? Zur Einordnung hatte ich einen Entwurf einer Gütersysthematik vorgelegt. Dieser wurde diskutiert. Silke hat ihre Vorstellung in eine Mindmap gebracht (siehe oben, zum Vergrößern auf das Bild klicken). Diese Skizze will ich zunächst mit diesem Beitrag diskutieren, bevor ich in einem neuen Artikel dann einen neuen Vorschlag mache.

Was steht in der Mitte?

Zunächst fällt auf, das Silke nicht das »Gut«, sondern »“Ding“/Ressource« in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Das ist vermutlich Ergebnis der Überlegung, dass es nicht nur hergestellte Güter geht, sondern auch um vorgefundene Ressourcen. Das unspezifische „Ding“ in der Mitte verstehe ich nicht, hier würde ich in jedem Fall beim »Gut« bleiben wollen.

Es geht um die Frage des Anfangs: Was betrachte ich, worum soll es hier eigentlich gehen? Ich will dazu beitragen, den Begriff der Commons aufzuklären und habe mich von Anbeginn entschlossen, diese Frage im Kontext hergestellter Güter zu entwickeln. Das ist eine Vorentscheidung. Damit ist die Frage der Ressourcen aus dem Blick, was zurecht kritisiert wurde. Ich bin mir nun nicht sicher, ob die Ressourcen in die Mitte gehören oder eine weitere »Dimension« (so nannte ich die betrachteten Aspekte, die sich um die Mitte herum gruppieren) darstellen.

Die Frage der Commons als Gut oder/und als Ressource spiegelt auch die große Zweiteilung der Commons wider. In Graz wurde abkürzend von »Commons of the Earth« und »Commons of the Mind« gesprochen. Dazu kommt dann noch der dritte konstitutive Aspekt, die Community, die sich rund um die Commons bildet. Silkes Frage »Wie wird ein Gut/ ein Ding/ eine Ressource zum Gemeingut?« ist für die hergestellten Commons leicht zu beantworten: Ein Gut wird zum Commons, in dem es als Commons hergestellt wird. Bei den Ressourcen würde ich sagen: Eine Ressource wird zum Commons, in dem es als Commons angeeignet wird. Dieses als-Commons-aneignen schließt Nicht-Exklusivität, Nutzung unter Regeln und Erhaltung der Commons mit ein.

Ich tendiere dazu, die Aneignung von Ressourcen als einen Teil von Herstellung zu begreifen. Diese Sicht kommt daher, dass ich allgemein davon ausgehe, dass Menschen ihre Lebensbedingungen nicht bloß vorfinden, sondern erschaffen, herstellen. Dazu nutzen sie Vorgefundenes. Dieses Vorgefundene ist nun immer weniger noch Unberührtes und immer mehr bereits Bearbeitetes. Ressourcen als Vorgefundenes sind also nicht bloß Naturdinge, sondern auch Produkte im weitesten Sinne: Güter, Wissen, Kunst, soziale Beziehungen. Wir eigenen uns also permanent Ressourcen an, also das, was wir von anderen als zu früherer Zeit Geschaffenes oder Genutztes übertragen bekommen.

Eine »Gabe der Natur«, wie Silke vorschlägt, enthält aus meiner Sicht eine irreführende Empathie. Die Natur gibt nichts, sie nimmt auch nichts, sie ist einfach da. Wir sind Teil dieser daseienden Natur. Zu unserer menschlichen Natur gehört die o.g. Fähigkeit, die Lebensbedingungen, unter denen wir leben, herzustellen. Dazu eigenen wir uns kontinuierlich sowohl die äußere Natur wie auch unsere eigene Natur an. die Frage ist nur, wie wir das tun. Die Commons sind eine spezifische Art und Weise der Natur-Aneignung und Selbst-Aneignung.

Aneignung hat a priori nichts zu tun mit Wegnehmen oder Zerstören, auch wenn das für manche so klingen mag. Das Wegnehmen und Zerstören ist Ergebnis einer bestimmten sozialen Art und Weise der Aneignung, nicht der Aneignung selbst. Es ist also genauso »Aneignung«, zu entscheiden, bestimmte Bereiche der (äußeren) Natur nicht zu betreten und »in Ruhe zu lassen« (was vollständig gar nicht mehr geht), weil es uns für unsere Weise der Herstellung und Nutzung unserer Lebensbedingungen wichtig ist. Die Commons sind eine soziale Form, um zu solchen Entscheidungen kommen zu können. — Im Gegensatz dazu ist die Warenproduktion aufgrund des Expansionsimperativs eine soziale Form, die zu solchen Entscheidungen strukturell nicht fähig ist.

Genese

Nach diesen Überlegungen finde ich Silkes Vorschlag der Einführung einer weiteren Dimension »Genese« gar nicht so schlecht. Vielleicht tut es auch der Begriff »Quelle« oder »Herkunft«? Oder doch gleich »Ressourcen«? Allerdings gibt es nichts bloß »individuell Erzeugtes«, wie das Schaubild oben sagt, sondern alles wird kollektiv geschaffen, auch wenn ein einzelner Mensch irgendwann einmal eine zündende Idee hat. Auch Tim Berners-Lee steht auf den Schultern seiner Vorgänger/innen.

Der Begriff des Ererbten, den Silke für die (äußere) Natur vorsieht, trifft auf alle Dinge zu, die wir — also unsere »Generation« — vorfinden: Sprache, Wissen, Güter, Infrastruktur, Biosphäre, Klima etc. Wie wäre es mit der Unterscheidung von natürlichen und hergestellten Ressourcen? Ja, da steckt noch die Unschärfe mit dem Naturbegriff drin (wir selbst sind streng genommen auch eine natürliche Ressource), aber wie sonst die Unterscheidung formulieren?

Nach der obigen Überlegung sind Güter und Ressourcen für mich sehr nahe beieinander. Aus meiner Sicht sind Ressourcen die Voraussetzungen der Herstellung unserer Lebensbedingungen. Ressourcen sind hergestellt oder waren schon da. Dabei werden Ressourcen dann zu Gütern, wenn sie angeeignet werden. Aneignen heisst, etwas mit den Ressourcen, den Voraussetzungen, zu machen. Oder es bewusst lassen, das gehört dazu.

Charakter

Silke hat hier die Dimensionen »Beschaffenheit« (stofflich/nicht-stofflich) und »Nutzung« (Rivalität/Ausschließbarkeit) aus meinem Schema zusammengepackt und hat die »Ausschließbarkeit« fallen gelassen. Ihr Argument: »Der einzig relevante Unterschied zwischen stofflichen und nichtstofflichen Gütern scheint mir die Rivalität.« Die Exklusion sei hingegen keine Gütereigenschaft, sondern Ergebnis eines Handeln und gehöre somit zur sozialen Form (wo sie allerdings im Schaubild nicht auftaucht). Grundsätzlich Zustimmung.

Ich sehe allerdings nicht nur die Rivalität als Unterschied von stofflichen oder nicht-stofflichen Gütern, sondern vor allem auch die Tatsache, dass stoffliche Güter bei der Herstellung für jede neue Einheit Stoff, Energie und Arbeitskraft benötigen, während nicht-stoffliche Güter nur existierende Sozialbeziehungen (etwa bei Wissen) oder eine allgemeine Infrastruktur (etwa bei digitalen Gütern) voraussetzen, aber so gut wie keine zusätzlichen Aufwände je neuer Einheit verbrauchen.

Andersherum könnte man Rivalität ebenso als Ausdruck der Sozialform begreifen (was Silke nahelegt), wenn es nicht darum geht, einen konkreten individuellen Apfel nur einmal essen zu können, sondern genug Äpfel für alle zu erschaffen. So will ich Rivalität jedoch nicht verstanden wissen, sondern zwischen Produktions- und Nutzungsweisen unterscheiden können.

An dieser Stelle halte ich also die ursprüngliche Einteilung für sinnvoller. Die Erklärung hingegen — da stimme ich Silkes Kritik zu — die Ausschließbarkeit habe mit der Physis des Guts zu tun, ist falsch. Exklusion (oder nicht) ist ein Ergebnis der sozialen Form, in der Güter hergestellt und Ressourcen behandelt werden. Sie betrifft allerdings die Nutzung, hier tritt die Einschränkung zu Tage. In meiner Mindmap müsste also ein Assoziationspfeil von der sozialen Form zur Ausschließbarkeit gehen.

Schließlich noch ein pragmatisch-taktisches Argument: Weil die herrschende Ökonomietheorie es so gewohnt ist, würde ich die Dimensionen der Rivalität und Ausschließbarkeit so lassen wie sie dort verwendet werden, um »anschlussfähig« argumentieren zu können. Ein Ziel ist nämlich, die traditionellen Ökonomen davon zu überzeugen, dass die Eigentumsform (die Rechtsform) keineswegs das maßgebliche Regulationsmoment ist, sondern die soziale Form selbst in den Blick genommen werden muss, also die Frage zu stellen, wie das Gut produziert oder die Ressource gehandhabt wird.

Die »Ware« wird nämlich üblicherweise wie eine Art »Naturform« behandelt, anstatt zu verstehen, dass sie (nur) eine (mögliche) soziale Form der Produktion und Behandlung von Gütern und Ressourcen ist. Eine andere ist eben der Commons-Ansatz. Sicherlich bin ich der Meinung, dass etwa das Gemeineigentum besser zu den Commons passt als das Privateigentum, aber aus dem Gemeineigentum ergibt sich keineswegs automatisch die Behandlung eines Guts oder Ressource als Commons! Hier findet der Satz von den »Commons jenseits von Markt und Staat« seine inhaltliche Begründung — wobei ich »weder-noch« am besten fände 😉

Umgebung

Diese Dimension würde ich weglassen, da irgendwie »alles« Umgebung sein kann und sich mir der zusätzliche Erkenntniswert nicht erschließt.

Soziale Form

Die Untergliederung in Ware, Subsistenz und Gemeingut entspricht im wesentlichen auch meiner Unterteilung, wobei ich die Ausdifferenzierung darunter als Notizen zur Erklärung verstehe. Was leider nicht auf Anhieb klar wird, ist, dass die soziale Form sich auf die Produktion bezieht.

Rechtsform

Hier gibt es auch keinen Unterschied zu meinem Entwurf. Kollektiveigentum ist nicht nur öffentliches oder Gemeineigentum, wie die Notiz nahe legt, sondern auch eine Aktiengesellschaft oder eine Genossenschaft.

Zusammenfassung

Die für mich wichtigsten Punkte, die Silkes Mindmap zum Ausdruck bringt, sind:

  • die Ressourcen müssen ins Schema rein
  • Ressourcen sind sowohl die äußere Natur wie hergestellte Voraussetzungen

Ich hoffe, dass ich die wesentlichen Kritikpunkte aufgegriffen habe. So auch die von Benni, der insistierte, dass Commons »kein Gut« sind, sondern eine »eine Beziehung zwischen einer Gemeinschaft und einem Gut/Ressource«. Meine Antwort war (und ist), dass Commons sowohl Gut/Ressource wie die Beziehung zwischen Gemeinschaft und Gut/Ressource sind.

Ob ich Christines Wunsch nach grafischer Verbesserung des Schaubilds hingebekomme, ist fraglich. Ich bin wirklich kein Grafiker, aber vielleicht ist da noch was zu machen.

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Theorie

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5. Oktober 2009, 06:27 Uhr   6 Kommentare

1 Silke Helfrich (05.10.2009, 14:24 Uhr)

Hi … großartig. Bin jetzt schon gespannt auf das Endprodukt. Ich bin gerade sehr damit beschäftigt zu beobachten, wie vielfältig derzeit über Commons geschrieben wird. Das ist wunderbar!
Also, ein paar Kommentare:
1. Stefan – ich hätte mein mindmap gern selbst gebloggt, aber ich hab’s mal wieder nicht hingekriegt. Jetzt hol ich mir’s von Keimform 🙂 Danke!
2. Zu Ding/Ressource: Ich gebe Dir recht, dass das nicht sehr elegant ist. Ressource hat aber wie Güter diese utilitaristische Konnotation, die ich schwierig finde. Wenn Du in der lateinamerikanischen Linken „Ressource“ sagst, klingt das wie „ausbeuten und zum Gut machen, das sich wahlweise der Staat oder Marktteilnehmer aneignen“.
Anschlussfähig sollten wir aber auch in Richtung ganzheitlichen Denkens sein und das sind wir nicht, wenn wir alles nur als (nutzbare) „Ressource“, „Gut“ oder „soziales/natürliches Kapital“ denken. Mit der Doppelnennung ist also zunächst lediglich meine Unschlüssigkeit dokumentiert. Ansonsten hast Du recht: Es geht um die Frage des Anfangs. Tatsächlich wollte ich in der „Ordnung der Dinge“ einen Schritt weiter vorn anfangen. Ich weiss auch nicht, ob dieser Schritt mit Deiner ursprünglichen Idee vereinbar ist.
3. „Die Frage der Commons als Gut oder/und als Ressource spiegelt auch die große Zweiteilung der Commons wider.“ Das verstehe ich nicht. Wieso? Diese Zweiteilung ist so grobschlächtig wie die nach natürlichen, sozialen und kulturellen Commons (bei Barnes) … das sind alles nur Behelfskonstruktionen – vor allem deshalb, weil fast jedes „common of the mind“ ein „common of the earth“ als Schmiermittel braucht. Diese beiden Kategorien gibt es nicht voneinander getrennt. Deswegen finde ich die „Umgebungen“ in der Tat hilfreicher. Ich habe noch kein Commons gefunden, was sich dort nicht einordnen liesse.
4. »Wie wird ein Gut/ ein Ding/ eine Ressource zum Gemeingut?«: Ein Gut wird zum Commons, in dem es als Commons hergestellt wird. Bei den Ressourcen würde ich sagen: Eine Ressource wird zum Commons, in dem es als Commons angeeignet wird. Dieses als-Commons-aneignen schließt Nicht-Exklusivität, Nutzung unter Regeln und Erhaltung der Commons mit ein.
Können wir es nicht einfacher machen: „Etwas wird zum Commons indem es als Commons hergestellt oder angeeignet wird. Dieses als-commons-aneignen...“
5. Du hast Recht, dass es immer weniger Vorgefundenes gibt, das nicht hergestellt oder irgendwie bearbeitet ist – aber ES GIBT ES, unabhängig von unserer Existenz und von unserem Tun. Das meine ich mit „Gabe“. Das Unbearbeitete wird immer kleiner (z.B. die Nanoebene der Materie), aber es ist da. ‚Gabe‘, ‚Ererbtes‘, ‚Vorgefundenes‘ bezieht sich also in meinem Kopf auf die gleiche Idee. Nimm das, was Dir geeigneter erscheint (ich bin ja ein emphatischer Mensch und habe mit den „Gaben“ kein Problem :-))
6. zum Charakter und zum Wegfall der Exklusivität: Richtig, die ist dann weggefallen, was den „Wiedererkennungswert“ klassisch Geschulter vermindert und das ist strategisch, wie Du zu Recht anmerkst, ein bedenkenswerter Punkt. Vor allem auch deswegen, weil die Exklusivität unter dem Stichwort „Rechtsform“ auch die strukturelle Nähe zwischen Gemeineigentum und Privateigentum deutlich machen würde. Beide funktionieren nach dem Exklusionsprinzip im Gegensatz zum Freien Gut. Ich denke da nochmal drüber nach.
7. „während nicht-stoffliche Güter nur existierende Sozialbeziehungen (etwa bei Wissen) oder eine allgemeine Infrastruktur (etwa bei digitalen Gütern) voraussetzen, aber so gut wie keine zusätzlichen Aufwände je neuer Einheit verbrauchen.“ Das halte ich für falsch. Die IT verbraucht Strom von 2 Atomkraftwerken usw … Theoretisch gesehen ist es aber auch deswegen falsch, weil – wie oben schon gesagt – immaterielle Ressourcen immer in materielle eingechrieben sind. Diese Trennung ist hinderlich. Auch strategisch. Sie führt am Ende  dazu, dass die „Ökos“ sagen „Wir kümmern uns um die wirklich überlebenswichtigen Dinge“ und den „digitos“ unterstellen „Ihr kümmert Euch um den Luxus“. Und wir wissen ja, dass das der Holzweg ist.
Ich glaube nicht, dass Du das mit einem Assoziationspfeil lösen kannst.
Ich glaube zudem, dass Du – obwohl ich Dein strategisches Argument sehr ernst nehme – einen Fehler machen würdest, wenn Du die Exklusivität so einordnest wie die Rivalität. Das haben sie (die Klassiker) deswegen gemacht, weil es den politischen Willen dahinter verschleiert. Das ist kein Zufall.
Dein Ziel (sehr treffend formuliert) kannst Du beibehalten, ohne diese Schlagseite zu reproduzieren.
8. „Sicherlich bin ich der Meinung, dass etwa das Gemeineigentum besser zu den Commons passt als das Privateigentum, aber aus dem Gemeineigentum ergibt sich keineswegs automatisch die Behandlung eines Guts oder Ressource als Commons!“ GANZ GENAU!
9. Umgebung. S.o. – scheint mir die einzig sinnvolle Gliederung der Commons in unserer Lebenswelt, im Gegensatz zu den Commons of the Mind und Commons of the Earth.
10. Soziale Form: Ja, das habe ich übernommen und mir nochmal überlegt, wo ich die Unterschiede dieser drei Formen sehe. Wichtig finde ich die Zweckunterscheidung zw. Subsistenz und Gemeingut (weil wir ja oft mit dem „wollt-ihr-zurück-zum-brotbacken-Vorwurf konfrontiert sind) und die globale Realisierungsmoeglichkeit der Commons im Gegensatz zur Subsistenz. Das kann man im groben Schema weglassen, aber vielleicht hast Du eine Rückmeldung dazu.
Schön wäre auch, eine Darstellungsform zu finden, in dem die Ebenen unterlegt sind und – z.B. im Seminar – sukzessive eingeblendet werden können. Gibt es nicht jemanden, der das technisch lösen kann?
10.Aktiengesellschaften und Genossenschaften sind spezifische Formen des Gemeineigentums. Die kann man als Beispiel dahinter schreiben, aber man kann keinen extra Punkt aufmachen, denke ich. Strategisch wichtig ist, öffentliches Eigentum als spezifische Form des Gemeineingentums zu verstehen und deutlich zu machen, dass Gemeineigentum und Privateigentum sich nur graduell voneiannder unterscheiden, sich beide Formen aber prinzipiell von Freien Gütern unterscheiden.
Soviel für den Anfang
Grüße aus Jena
Silke

2 Brigitte Kratzwald (05.10.2009, 16:40 Uhr)

Ich erlaube mir einige Anmerkungen:
1. Zur Herstellungs-Aneignungs-Frage:
Mein Vorschlag basierend auf den beiden Feststellungen:
„Ein Gut wird zum Commons, in dem es als Commons hergestellt wird. Bei den Ressourcen würde ich sagen: Eine Ressource wird zum Commons, in dem es als Commons angeeignet wird.“
und
„Nach diesen Überlegungen finde ich Silkes Vorschlag der Einführung einer weiteren Dimension »Genese« gar nicht so schlecht. Vielleicht tut es auch der Begriff »Quelle« oder »Herkunft«? Oder doch gleich »Ressourcen«?“
Was wär mit : „Art der Herstellung“ als Kategorie (statt „Genese“) und „gesellschaftliche Aneignung von natürlichen Ressourcen“ an Stelle von „ererbt – Gabe“? Und dann eben noch „kollektiv erzeugt“ und „individuell erzeugt und geschenkt“
2. „Silke hat hier die Dimensionen »Beschaffenheit« (stofflich/nicht-stofflich) und »Nutzung« (Rivalität/Ausschließbarkeit) aus meinem Schema zusammengepackt und hat die »Ausschließbarkeit« fallen gelassen. Ihr Argument: »Der einzig relevante Unterschied zwischen stofflichen und nichtstofflichen Gütern scheint mir die Rivalität.« Die Exklusion sei hingegen keine Gütereigenschaft, sondern Ergebnis eines Handeln und gehöre somit zur sozialen Form (wo sie allerdings im Schaubild nicht auftaucht). Grundsätzlich Zustimmung.“
Meiner Meinung nach ist auch die Rivalität ein sozialer Aspekt. Die entsprechende Eigenschaft des Gutes wäre seine Verfügbarkeit. Unbegrenzt oder begrenzt verfügbar, zweiteres – vermutlich charakteristisch für stoffliche Güter – kann zur sozialen Praxis der Rivalität oder des Ausschlusses führen.
Den Satz versteh ich nicht:
„So will ich Rivalität jedoch nicht verstanden wissen, sondern zwischen Produktions- und Nutzungsweisen unterscheiden können.“
Wieso hilft der Begriff Rivalität zur Unterscheidung von Produktions- und Nutzungsweisen? Und wie soll ich Rivalität als Eigenschaft von Gütern verstehen?
3. „So auch die von Benni, der insistierte, dass Commons »kein Gut« sind, sondern eine »eine Beziehung zwischen einer Gemeinschaft und einem Gut/Ressource«. Meine Antwort war (und ist), dass Commons sowohl Gut/Ressource wie die Beziehung zwischen Gemeinschaft und Gut/Ressource sind.“
Das trifft meiner Meinung nach auf alle 3 Sozialformen zu und wird ja schon durch den Begriff „Sozialform“ ausgedrückt.
4. Zum Namen des „Dings“ – Ich plädiere dafür, den Begriff „Gut“ beizubehalten. „Ding“ ist mir zu unspezifisch, und ich finde nicht, dass „Gut“ so utilitaristisch konnotiert ist – oder wenn, dann deshalb, weil mittlerweile ja alles nur unter dem Verwertbarkeitsaspekt gesehen wird, aber da müssen wir uns eben Begriffe auch wieder zurückholen – oder ganz neue erfinden, aber bitte bessere als „Ding“  😉
frohes schaffen
brigitte
 
 
 

3 StefanMz (06.10.2009, 14:50 Uhr)

@Silke: Herzlichen Dank für deinen detaillierten Kommentar und Entschuldigung dafür, dass ich dein Schaubild vorschnell verwendet habe (ich hatte es als Kommentar zum ersten Entwurf interpretiert). Die weiteren Punkte:

Zu 2: Einer utilitaristischen Konnotation oder Interpretation können wir letztlich nicht entgehen, fürchte ich. Die Dinge, über die wir reden wollen, werden in der traditionellen Ökonomie und dem davon geprägten Alltagsverstand leider so behandelt: »Wie kann ich es (aus)nutzen und verwerten« etc. Den Begriff »Gut« finde ich da noch am unproblematischsten. Das mit dem Hinweis der Nähe von »Ressource« und »ausbeuten« ist aber ein wichtiger Hinweis. Auch eure Diskussion im CommonBlog geht in die Richtung, die Ressource nicht ins Zentrum zu stellen, sondern als einen Pfeiler zu behandeln.

Noch zu meiner ursprünglichen Idee: Die ist in der Tat eher »traditionell«. Deswegen »Gütersysthematik« und darin dann der Platz für »Commons«. Das hat was von »das Neue in der Struktur des Alten erklären«. Ich denke aber, da kommen wir nicht drum herum, das auch (aber nicht nur) zu tun.

Zu 3: Ich will nicht der Zweiteilung das Wort reden, sondern dass so geredet wird, nahm ich als Hinweis darauf, dass damit wichtige Aspekte benannt werden sollen. Ok, die Formulierung klingt sehr faktisch, als ob es so ist. Das war nicht beabsichtigt. Da war (und ist) eher lautes Denken.

Zu 4: »Können wir es nicht einfacher machen „Etwas wird zum Commons indem es als Commons hergestellt oder angeeignet wird. Dieses als-commons-aneignen...“« — Überhaupt gar kein Problem damit 🙂 Wie geschrieben: Lautes Denken 😉

Zu 5: Ok. Vorgefundenes (oder Gabe etc.) betrifft beides, Bearbeitetes und Unbearbeitetes. Deswegen an dieser Stelle der Vorschlag, hergestellte und natürliche Ressourcen zu unterscheiden.

Zu 6: Bezogen auf die einzelne reproduzierte nicht-stoffliche Einheit ist die Aussage des minimalen Zusatzaufwandes richtig. Ok, vielleicht wirklich besser »minimal« als »so gut wie kein«. Aus meiner Sicht sollten wir den großen quantitativen Unterschied als besondere Qualität auch hervorheben, weil das uns darauf verweist, dass eine infrastrukturalisierte Produktionsweise gigantisch weniger Aufwand und Energie brauchen würde. Eine solche ist aber als Warenproduktion nicht zu haben.

Die Überlegung, dass nicht-stoffliche Ressourcen immer eine stoffliche Grundlage haben, ist richtig, aber viel zu allgemein. Klar hat mein Denken eine stoffliche Grundlage, aber die ist hierbei das verschwindende Moment, auch wenn ich meinen Stoffwechsel per Nahrungsaufnahme in Gang halten muss, um dieses Denken möglich zu machen. Aber das muss ich ohnehin! Dieses »ohnehin« ist genau der Aspekt einer funktionierenden Infrastruktur, der wichtig ist: Ist sei einmal vorhanden, kannst du immer mehr neue Funktionen drauf legen, ohne dass der Aufwand wesentlich wächst (ich muss kaum mehr essen, wenn ich sehr angestrengt denke). Deswegen ist das mit den »zwei AKWs« Öko-Irreführung. Richtig wäre zu ermitteln, was eine völlig neue Funktion (meinetwegen die Peer-Ökonomie) für einen zusätzlichen Aufwand bedeuten würde. Es käme raus: nicht wesentlich mehr als ohnehin zum Betrieb der Infrastruktur erforderlich ist!

Zu 7: Dass die klassischen Ökonomen Rivalität und Exklusivität als bloße Dingeigenschaft sehen (weil sie die Ware als ein natürliches Ding ansehen), ist klar. Aber es ist trotzdem nicht falsch und aus meiner Sicht auch offensichtlich: Exklusion ist Exklusion. Das ist etwas gemachtes, und das sollten wir hervorheben. Das heisst nämlich klarzumachen, dass man Exklusion auch lassen kann. Allerdings wiederum nicht in der Warenproduktion.

Zu 9: Mein Argument war: Das hilft uns nichts, weil alles Umgebung ist. Das mit »Mind« und »Earth« war nur ein Verweis, das ist nicht meine Unterteilung.

Zu 10: Ja, die weiteren Erklärungen »unter« den Kästchen müssten eingeblendet werden können. Diese Funktion hat bei mir zunächst mal der begleitende Text. Ein Schaubild kann nicht für sich sprechen, dazu ist das Thema zu komplex.

4 StefanMz (06.10.2009, 15:16 Uhr)

@Brigitte: Vielen Dank für deine ausführlichen Anmerkungen!

Zu 1: »Art der Herstellung« würde die Betonung zu sehr auf das Herstellen legen und eben die Aneignung des unhergestellt Vorhandenen nicht richtig mit einschließen. Deswegen tendiere ich inzwischen dazu, die Kategorie einfach »Ressourcen« zu nennen, die »angeeignet« oder »hergestellt« werden — mit der entsprechenden Erklärung im Text, dass Ressourcen alles Vorhandene bezeichnen, das für das Gut verwendet wird (hergestelltes und nur angeeignetes).

Zu 2: Die Rivalität zielt nicht auf die Verfügbarkeit, sondern auf die Nutzung. Auch unbegrenzt Verfügbares kann in der Nutzung rival sein, sprich: Nur einer oder einige können ein Gut nutzen und andere nicht. Das konkrete Brötchen kann nur einmal gegessen werden. Diese Sicht könnten wir zurückweisen und betonen, dass es ja möglich ist, genug Brötchen für alle herzustellen. Das wäre aber ein anderer Begriff von Rivalität.

Und jetzt kommt mein Satz, denn du nicht verstanden hast: »So will ich Rivalität jedoch nicht verstanden wissen, sondern zwischen Produktions- und Nutzungsweisen unterscheiden können.« Damit meine ich: Ich möchte die ursprüngliche Bedeutung von Rivalität beibehalten, weil diese auf die Nutzungsweise zielt. Ein umdefinierter Rivalitätsbegriff würde die Produktion mit einschließen (»genug Brötchen herstellen«) und die Nutzungsbesonderheiten wären aus dem Blick. Bei der Produktion ist mir die »soziale Form« wichtig, also wie das geschieht. So heißt dann die Kategorie auch.

Zu 3: Genau!

Zu 4: Sehe ich auch so.

5 Silke Helfrich (08.10.2009, 17:25 Uhr)

@Stefan, das mit der ‚infrastrukturalisierten Produktionsweise‘ gefällt mir gut. Wenn man so herum (mit dem „ohnehin“) bei der Erklärung anfängt, wird auch  Argumentation zu Punkt 6 einleuchtend. Es geht allerdings nicht um den Zusatzaufwand, sondern es muss um wesentlich weniger Ressourcenaufwand gehen. Aber diese Differenzierung zwischen „Aufwand“ und „Aufwand im Unterschied zum bisherigen Aufwand“ ist ein wichtiges Argument und das war mir gar nicht so richtig klar.
„Öko-Irreführung“ ist natürlich ein bisschen böse und nicht GERECHTfertigt (hihi), denn in der gegenwärtigen Produktionsweise, haben die Ökos mit dem Argument ja recht. Es wird nur dann ein schwächeres Argument, wenn Du in Kategorien einer neuen Produktionsweise denkst (allerdings wäre selbst das noch zu beweisen) und diese neue PW haben wir ja noch nicht.
 
Mindmap: wieso vorschnell? War doch prima!

 

6 benni (17.10.2009, 13:52 Uhr)

@Brigitte:

3. “So auch die von Benni, der insistierte, dass Commons »kein Gut« sind, sondern eine »eine Beziehung zwischen einer Gemeinschaft und einem Gut/Ressource«. Meine Antwort war (und ist), dass Commons sowohl Gut/Ressource wie die Beziehung zwischen Gemeinschaft und Gut/Ressource sind.”
Das trifft meiner Meinung nach auf alle 3 Sozialformen zu und wird ja schon durch den Begriff “Sozialform” ausgedrückt.

Die Ware ist ein gesellschaftliches Verhältnis, kein gemeinschaftliches. Die Commons sind ein gemeinschaftliches Verhältnis und nur potentiell ein gesellschaftliches. Was die Subsistenz angeht ist es eh etwas schwierig. Es gibt Definitionen von Subsistenzwirtschaft, die eher in Richtung Commons gehen.

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