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Wenn die EU dich fragt…

Piratenpartei lädt zur EU-Umfrage zum Urheberrecht einDa dachte ich mir, da kannst du doch mal mitmachen. Wenn die EU meine Meinung zum Urheberrecht wissen will, dann kann ich mich nicht verweigern. Ein wenig war ich durch die zarten Andeutungen in der Einladung der Piratenpartei (»teilweise schwer zu beantworten«, »Verwertungsindustrie … ihre Meinung in die Umfrage einfließen«) schon vorgewarnt, was ich aber dann präsentiert bekam, war schon ein starkes Stück. Es ist ein Musterbeispiel für die Manipulation von Umfragen.

Auf zum »Fragebogen zum Urheberrecht, DRM und kreative Online-Inhalte«

Problem: Wie verhindere ich fragen zu müssen, was der/die Befragte von DRM hält? Es könnte ja rauskommen, dass die Mehrheit DRM ablehnt. Richtig, ich setze DRM gottgegeben voraus und frage nach der Ausgestaltung. Das sieht dann so aus:

1.1 Sind Sie der Ansicht, dass die Unterstützung der Einführung interoperabler DRM-Systeme die Entwicklung von Online-Diensten mit kreativen Inhalten im Binnenmarkt fördern würde?
1.2 Welche Haupthindernisse stehen vollständig interoperablen DRM-Systemen im Wege?
1.3 Welche Vorgehensweisen halten Sie bezüglich der DRM-Interoperabilität für empfehlenswert?
1.4 Sind Sie der Ansicht, dass die Information der Verbraucher über die Interoperabilität und die Datenschutzmerkmale von DRM-Systemen verbessert werden sollte?

Oder zu EULA, den Knebelverträgen, die jeder bei der Installation proprietärer Software akzeptieren muss (und niemand vorher liest):

1.7 Sind Sie der Ansicht, dass weniger komplexe und leichter verständliche Lizenzvereinbarungen für die Endnutzer (EULA) die Entwicklung von Diensten für kreative Online-Inhalte im Binnenmarkt fördern würden?
1.8 Welche Vorgehensweisen empfehlen Sie bezüglich der EULA?
1.9 Welche besonderen Probleme im Zusammenhang mit EULA sind gegebenenfalls anzugehen?

Die Möglichkeit, kundzutun, dass es kein Problem mit EULA gibt, sondern dass EULA selbst das Problem ist, gibt es nicht. Keine Rede von Alternativen, freien Software-Lizenzen oder Creative-Commons für »kreative Inhalte«. Stattdessen gibt es solche in der Tat »schwer verständlichen« Fragen wie:

2.4 Sind Sie der Ansicht, dass Geschäftsmodelle, die sich auf das Prinzip des Verkaufs geringerer Mengen einer größeren Anzahl von Produkten stützen („Long tail“- Theorie), von gebietsübergreifenden Lizenzen für wenig gefragte Werke (z. B. solche, die älter als zwei Jahre sind) profitieren würden?

Alles klar? Und schließlich unter der Überschrift »Legale Angebote und Piraterie« die Frage:

3.1 Wie kann durch eine stärkere, wirksame Zusammenarbeit der Beteiligten der Schutz von Urheberrechten im Online-Bereich verbessert werden?

Hier konnte ich einmal ohne Hinweis auf den manipulativen Charakter der Frage (den ich sonst defaultmäßig einfügte) offen antworten: »Indem sich die Beiteiligten auf den Einsatz freier Software- und Content-Lizenzen verständigen« — was aber vermutlich nicht das ist, was die EU hören will. Im abschließenden freien Kommentar kann man noch eine Meinung zum Fragebogen insgesamt hinterlassen, was aber wohl vor allem dazu dient, solche renitenten Antwortgeber wie mich gleich auszusortieren als »irrelevant«.

Also: wenn ihr mal eine Umfrage zu manipulieren habt, dann schaut euch den Fragebogen an, wie man sowas macht. Und wer jetzt noch nicht abgeschreckt ist, die EU-Umfrage mitzumachen, der kann das unterstützt durch Webformulare bei der Piratenpartei Hamburg tun. Dort gibt es auch das Angebot, die eingereichten Fragebögen durch die Piratenpartei auswerten zu lassen, um später einmal einen Gegencheck zum »offiziellen« Ergebnis zu haben.

Kategorien: Feindbeobachtung

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23. Februar 2008, 15:00 Uhr   0 Kommentare

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