Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Peer-Kunst: Bericht aus Linz

Der Jacuzzi in BetriebDer Luminous-Green-Workshop in Linz war klasse. Stark künstlerisch geprägt, sehr interessant, und nette Leute! Am ersten Vormittag haben die Leute von Time’s Up sowie der befreundeten belgisch/holländischen Künstlergruppe FoAM ihre Aktivitäten vorgestellt – das hab ich leider verpasst, da ich erst gegen Abend ankam. Spannend klingt z.B. das groWorld-Projekt:

The groWorld initiative is FoAM’s interstice between ecology, culture and technology. It brings together three ‘forces’ capable of transforming the world on human and ecological scale: design, permaculture and technology. These three strands of inquiry inform and support each other, aiming to forge new symbiotic relationships between the post-industrial human societies and the rest of the Earth…

Am zweiten Vormittag hat die Berliner Künstlerin Folke Köbberling ihre Arbeiten vorgestellt, für die sie “die Stadt als Ressource” nutzt, indem sie etwa für selbstgebastelte Häuser oder öffentliche Räume übrig gebliebene Baumaterialien von Baumaterialien oder Teile aus Abrisshäusern findet und sich aneignet (ganz legal – die Leute sind meist sogar froh, wenn man ihnen ihren Müll entsorgt).

Sie wies auch auf Messen und Ausstellungen als ungeahnt umfangreichen Ressourcenspender für die selbstorganisierte Peer-Produktion hin, da für Aufbauten und Dekoration Unmassen an Materialien verwendet werden, die hinterher großteils weggeschmissen werden sollen, aber oft noch sehr brauchbar sind. Nachmittags radelten einige aus der Gruppe zum Ressourcen-Finden in die Stadt und kamen nach kurzer Zeit tatsächlich mit einer erstaunlichen Menge an Brettern u.a. Baumaterialien zurück. Ein verblüffender und durchaus inspirierender Ansatz für das “Wie kommen wir an Ressourcen?”-Problem einer Peer-Ökonomie.

Außerdem hat Paul Schausberger etwas darüber erzählt, wie Wasserfilterung funktioniert und wie man selbst einfache Wasserfilter bauen kann. In der Appropedia gibt es schon einige freie Bauanleitungen für Wasserfilter, allerdings nur für sehr einfache Modelle – Paul hat mir versprochen, mir die Links zu schicken, falls er auf weitere frei lizenzierte Baupläne stößt…

Am dritten und letzten Vormittag habe ich das Peerconomy-Modell vorgestellt. Das Konzept wurde für mein Empfinden sehr positiv aufgenommen und diskutiert. Das sonst gerne mal geäußerte Missverständnis “Aber im Endeffekt wird das doch alles wieder wie im Kapitalismus” kam hier z.B. gar nicht. Interessant, dass sozial interessierte Künstler/innen hier anscheinend ein tieferes intuitives Verständnis dafür haben, dass der Kapitalismus überwunden gehört und was ihn eigentlich ausmacht, als man es sonst oft bei durchaus linken und kritischen Menschen vorfindet.

Nachmittags ging es dann jeweils darum, selbst einen “Jacuzzi” (eigentlich ein Whirlpool, in diesem Fall trifft es aber “große AußenBadewanne” besser ;-) ) zu bauen. Dazu wurden neben dem Pool selbst eine Wasserpumpe (zur Versorgung mit Frischwasser aus der Donau), Windrad (zum Betreiben der Pumpe), Wasserfilter (damit das Wasser hübsch sauber aussieht) und Öfen (zum Beheizen des Wassers) aus einfachen, von früheren Aktionen übrig gebliebenen oder in der Stadt gefundenen Materialien zusammengebaut. Eine coole Mischung aus (einfacher) Peer-Produktion und Kunst!

Bilder zum Workshop gibt es hier: 1 2 3 4.

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Reichtum & Knappheit, Termine

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4. November 2008, 15:04 Uhr   1 Kommentar

1 Peer-Kooperation heute: Die workstation Berlin — keimform.de (16.11.2008, 16:47 Uhr)

[…] passt doch gut zu dem kürzlich vorgestellten Ansatz der Berliner Künstlerin Folke Köbberling, die „die Stadt als Ressource“ zu […]

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