Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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kommunist should love google …

Die nächste Generation von Comupter-Nutzern wird viel entlokalisierter arbeiten.

Die Daten sind selbstverständlich im Netz und der „normale“ Zugang ist per Browser, ganz egal, von welchem Rechner aus.

Die Grundbedürfnisse (Email, Speicherplatz , soziales Netzwerk) werden alle umsonst bedient.

Das Ganze is so etwas wie eine garantierte Informationsgrundausstattung.

Im Bereich Kommunikation im Internet gibt es somit das garantierte Grundeinkommen bereits.

Google ist dabei Kommunismus 0.1 …

Damit Google mit ihrer info-Vernetzerei Kapital schlagen kann,  baut es an der Grundversorgung … Alle sollen ins Netz.

Zum Beispiel android jetzt, damit könnte die Zeit proprietär eingeschränkter Handynutzung bald vorbei sein.

Das Problem von Herrschaft ist selbstverständlich nicht aufgehoben sondern verschoben, denn die Macht hat der, der die Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Nur eine Kaste Hochspezialisierter ist in der Lage, an der Infrastruktur zu arbeiten.

Sobald es etwas gibt, was interessanten Nutzen bei kostenlosen Angeboten gibt, wird dies von Google aufgekauft.

Die Aufgabe, das neue Kommunikations-Grundsystem zu warten wird durch open-source outgesourced.

Dies Ganze aber in großer Dimension einzusetzen bedarf einer Menge Kapital, womit Google sich nichts vergibt, wenn es große Teile der Infrastruktur verschenkt.

Die Entwicklung in diese Richtung geht fix.

Meilensteine dazu sind

  • google mail
  • youtube
  • googles „office suite“ (texte,tabellen,präsentationen)
  • google reader
  • google-gears, als offline- und lokal-schnittstelle
  • chrome, ein browser, der so fix javascript verarbeitet, so dass google-apps sehr brauchbar werden
  • android: os betriebssystem für mobiles

Wenn man sich die Computer-Nutzung der Kids ansieht …

  • youtube , komplett extern
  • email: komplett extern, die kommen gar nicht auf die idee, sich ein email-programm zu installieren
  • chat: komplett extern über irgendwelche chat communities
  • spiele, zumeist extern über browser oder mittels Client auf eigenem Rechner
  • der eigene rechner interessiert eigentlich nur als Maschine zum Zugang sowie Speicher für Sammlungen …

Quintessenz: Grundversorgung im Netz gibt es praktisch, die virtuelle Existenz ist unabhängig von privaten „Produktionsgütern“.

Kategorien: Eigentumsfragen

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27. September 2008, 00:03 Uhr   8 Kommentare

1 Dr. Azrael Tod (27.09.2008, 00:35 Uhr)

ähm.. nein… Kommunisten würden das Google-Monopol hassen.
Interessante These aber meilenweit von der Realität entfernt. Google schafft diese Infrastrukturen doch nicht um den braven Bürgern etwas gutes zu tun. Google tut dies um Geld zu machen und Konkurrenz auszustechen.

2 benni (27.09.2008, 12:12 Uhr)

@Dr.: Naja, Marx selbst hielt ja den Kapitalismus für nötig um die Produktivität zu erreichen mit der man dann erst den Kommunismus machen könnte. Also nur das Google nicht selbstlos agiert ist an sich noch kein Grund, dass sie nicht doch objektiv für ihn arbeiten könnten. Dennoch bin ich sehr skeptisch gegenüber solchen Automatismen. Erst die Befreiung der Daten aus dem Datengefängnis Google (oder anderer Webunternehmen) könnte wirklich einen großen Schritt vorwärts ausmachen. Zum Glück gibts da ja schon ganz vielversprechende Versuche (noserub,laconi.ca,…). Und wenn dann auch noch die Infrastruktur von unten organisiert werden kann (Freifunk etc.), sind wir einen großen Schritt weiter. Google ist für diesen Prozeß sicherlich eine wichtige Inspirationsquelle, aber auch nicht wirklich mehr. Die informationelle Grundversorgung, die die Krake bietet ist einfach zu vergiftet.

3 benjo (29.09.2008, 12:45 Uhr)

über satellit empfange ich hundert fernsehkanäle, kostenlos. dann ist es jetzt ja nur noch ein kleiner schritt zum kommunismus. und erst meine neue telefonflatrate…

sorry, aber meiner meinung nach ist das mumpitz.

firmen wie google und ibm pumpen ja nicht aus selbstlosigkeit millionen in die freie software. da gibt es halt eine große community, die bereit ist, ohne lohn zu arbeiten. was kann es für den kapitalisten schöneres geben. tritt nicht, wer bei gmail eine mail verfasst, die rechte daran an google ab?

und es ist ja schön und gut, dass jeder bei youtube seine filmchen hochladen kann, aber deshalb ist am ende des monats noch lange kein geld auf dem konto. google verdient sich ne goldene nase, die eigentlichen produzenten gehen leer aus.
übrigens ist der computer zwar ein tolles produktionsmittel, aber ich habe noch nicht gehört, dass jeder hartz IV empfänger jetzt einen geschenkt bekommt. auch da heißt es also: schöne neue welt, wenn man sie sich leisten kann.

bennis, bzw.marx‘ these ist die, um die es sich zu streiten lohnt.
bei jubelreden über die gegenwärtige umsonstmentalität wäre ich wiederum sehr vorsichtig. und vor allem bei vorschnellen rückschlüssen von der immateriellen auf die materielle welt.

4 Silke Helfrich (30.09.2008, 12:22 Uhr)

Ich finde, Thomas hat Recht: „Communists should love Google.“ (wohlgemerkt nicht: „Commonists should love Google“.)
Benni hat mich mal nach dem Unterschied zwischen Kommunismus und Commonismus gefragt. „Jeder nach seinen Fähigkeiten – jedem nach seinen Bedürfnissen“, ist in der Tat in beiden angelegt. Doch es scheint mir inzwischen eine Unmöglichkeit, sich den Kommunismus als Gesellschaftsform vorzustellen, die in der Vermittlung von Fähigkeiten und Bedürfnissen und in der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ohne eine Art Zentralgewalt auskommt. (War nicht die „führende Rolle der Arbeiterklasse“ – später ihrer Partei- auch bei Marx schon angelegt?)

Sei’s drum: Was Thomas beschreibt, ist nicht die Commonswelt, die ich für erstrebenswerte halte. Aber sie ist realistisch. Das macht es so erschreckend. Und noch dazu ist sie verführerisch. Wir zahlen nicht mit Geld, sondern mit unseren Daten. Wir liefern den gläsernen Kunden und finden das cool – weil wir alles gratis kriegen.
Der Preis: Wieder kein Geld (finden wir cool), aber wir geben nicht nur die Kontrolle über uns selbst, sondern auch über unsere social commons ab. (Daten, Informationen, Kommunikationswege und -formen, Bildpools, Räume zum Quatschen usw). Egal nun ob staatlich oder privat zentralisiert. Das hatten wir schonmal. Wir müssen diese Gratiswelt genauso kritisch angucken wie die Bezahlwelt.

Abhängigkeit ist hier das große Thema. Wenn die hochspezialisierte google Kaste Mist baut oder die Richtung ändert ist alles weg. Wir müssen uns bei der an Dritte gerichteten Forderung nach Grundversorgung also immer fragen: Grundversorgung zu welchem Preis?
Commonism heisst für mich in erster Linie, raus aus Abhängigkeitsstrukturen. Es geht also mit der Befreiung der Daten aus den Datengefängnissen in erster Linie um unsere Unabhängigkeit (der Begriff ist mir symphatischer als der in jeder Hinsicht überladene Freiheitsbegriff.)

5 Silke Helfrich (01.10.2008, 14:16 Uhr)

passend dazu: Stallmans Kritik am Cloud Computing: Gruß Silke
http://netzpolitik.org/2008/kritik-an-cloud-computing/

6 Hannelore (21.10.2008, 15:15 Uhr)

Sehr gut beobachtet, Thomas!

Manchmal kommt mir der Gedanke, dass die beiden Google-Gründer die Menschen förmlich zum Hinschauen „zwingen“ wollen, nach dem Motto, seht her, es geht auch anders, alle können profitieren und partizipieren, „nobody is left behind“ (ein wichtiger Satz in den USA), und es ist finanzierbar, wenn jeder mitmacht und gibt, was er/sie zu geben hat.

Man darf nicht vergessen, dass die Indianer mit ihrer herrschaftsfreien Sozialform in den Staaten mehr und mehr präsent werden. Die Dakota haben vor ca. 2 Jahren ihre Unabhängigkeit vom amerikanischen Staat erklärt… Solche Ideen färben ab.

Wer nicht weiß, wie das Google-Unternehmen intern geführt wird, was es an Sozialleistungen und Services seinen Mitarbeitern bietet, dann google mal danach. Das ist unglaublich.

@Silke Inwiefern übernimmt Google die Kontrolle über mich? Google ist doch von meiner Teilnahme und meinen Daten abhängig, nicht umgekehrt. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als es Google noch nicht gab… Das ging prima. Aber jetzt macht es mehr Spaß 🙂

Vielleicht braucht es einfach ein „Übergangskonzept“ wie Google es vormacht, damit überhaupt mal ein Umdenken/Umfühlen stattfinden kann. Warum sollte ein großer Konzern, vielleicht sogar ein Monopol, kein Segen für die Menschheit sein, wenn eine wohlwollende Geisteshaltung dahinter steht?

7 Silke Helfrich (22.10.2008, 14:24 Uhr)

@ Hannelore, ich finde, Deine Fragen sind bei banjo und in meinem längeren Eintrag schon beantwortet. Ansonsten: http://politik-digital.de/Interview-dix
Neulich hörte ich dasselbe Argument „Warum sollte ein großer Konzern, vielleicht sogar ein Monopol, kein Segen für die Menschheit sein?“ – bezogen auf Microsoft. Schliesslich hätte Bill Gates die Standardisierung voran gebracht und jetzt spendert er Millionen und ist so ein Guter.
Neee, wer garantiert mir die wohlwollende Geisteshaltung der Googleerben? Ich will nicht nur von wohlwollenden Geisteshaltungen abhängig sein, sondern wir brauchen auch Strukturen, die Vielfalt an Lösungen bieten. Und da sind Monopole bekanntlich schwach auf der Brust.
Der Knackpunkt für jegliche Form von Entwicklung (oder Entfaltung) ist Unabhängigkeit. Und die kriegen wir nicht, wenn wir google quasi alles in die Hand geben, damit der wohlwollende Konzern unsere Profile gewinnbringend an Konzerne vertickern kann, die nicht so tolle Sozialstandards für ihre Mitarbeiter haben.
Übrigens: Ich erinnere mich noch gut an die geradezu traumhaften Arbeitsbedingungen der start-ups des Internetbooms, bevor die Blase platzte. Das sind immer sehr ephimere Erscheinungen, denk ich.

8 Christian Siefkes (21.11.2008, 12:18 Uhr)

Tja, sowas passiert wenn man proprietären (frei wie in kostenlos) Anbietern wie Google vertraut:

In July we launched Lively in Google Labs because we wanted users to be able to interact with their friends and express themselves online in new ways. Google has always been supportive of this kind of experimentation because we believe it’s the best way to create groundbreaking products that make a difference to people’s lives. But we’ve also always accepted that when you take these kinds of risks not every bet is going to pay off.

That’s why, despite all the virtual high fives and creative rooms everyone has enjoyed in the last four and a half months, we’ve decided to shut Lively down at the end of the year. It has been a tough decision, but we want to ensure that we prioritize our resources and focus more on our core search, ads and apps business. Lively.com will be discontinued at the end of December, and everyone who has worked on the project will then move on to other teams.

We’d encourage all Lively users to capture your hard work by taking videos and screenshots of your rooms.

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