Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Ist die Finanzmarktkrise eine Krise der Vermittler?

Das Internet bringt jede Menge Krisen hervor, meist sind es Krisen der Vermittler. Viele von ihnen werden überflüssig oder müssen sich zumindestens massiv neue Geschäftsmodelle suchen. Die Musikindustrie ist das beliebteste Beispiel. Das Grundmuster ist immer das selbe: Das Internet bringt Anbieter und Abnehmer direkt ins Geschäft, deswegen werden die Vermittler nicht mehr benötigt.

Nun ist ja auch das Bankengeschäft im Kern ein Vermittlergeschäft. Leute mit zu viel Geld geben Leuten mit zuwenig etwas ab in der Hoffnung mehr zurückzukriegen. Dazwischen sitzen die Banken und Broker. Nun kann man schon seit ein paar Jahren von zu Hause aus Börsenhandel betreiben, und es gibt inzwischen auch viele Leute die davon leben oder es zumindestens versuchen. Außerdem gibt es Internetplattformen, die Kleinkredite vermitteln zwischen Privatleuten. Im Prinzip bräuchte also auch die Bankenvermittler niemand mehr, genau wie die Musikindustrie.

Natürlich sind diese Sparten noch marginal, so ist es natürlich auch absurd, diese marginalen Dinge als direkte Ursache der Krise zu bezeichnen. Indirekt wird aber vielleicht zumindestens zum Teil ein Schuh draus. Bekanntlich ist ein Teil der Ursache der Finanzkrise ein immer undurchsichtiger werdender Dschungel an Finanzderivaten. Dieser Dschungel verdangt wohl seine Existenz hauptsächlich der Motivation, Regulierungen zu umgehen, aber vielleicht ist ja auch ein Teil dieses Dschungels entstanden, weil man sich dadurch erhoffte, die Kleinkonkurrenz überflügeln zu können. Eine Art Finanz-DRM also?

Vielleicht doch alles eine sehr steile These. Sie ist auch garnicht von mir. Ich hab das in irgendeinem Blog gelesen, aber ich finde dummerweise den Link nicht mehr. Vielleicht kann den ja jemand nachreichen?

Kategorien: Commons, Freie Software

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12. Oktober 2008, 20:02 Uhr   2 Kommentare

1 Juli (12.10.2008, 22:16 Uhr)

Klingt lustig. Aber ich halte es nicht für eine wirklich belastbare These.

Mal abgesehen davon, dass der Vermittler wohl eher der Wert ist und das der tatsächlich in der Krise steckt – es bleit ja offen, warum die Banken und die Finanzsphäre seit 30 Jahren ein so immenses Gewicht bekommen haben. Und das liegt eben nicht an denen, sondern an einer Krise der Warenproduktion. Um die aufzuschieben, wurde in den Finanzhimmel ausgewichen. Insofern ist das imho wohl eher ein Oberflächenphänomen….

2 belef (12.10.2008, 23:10 Uhr)

Jjeinn.., jedenfalls sind Vermittler auch implizit Informationsvermittler und dieser Teil der Vermittlungstätigkeit könnte tatsächlich in die von dir angeführte Krise geraten: An der Holzpresse ist das ja schon zu spüren. Denn (Tages)Zeitunglesen und z. T. auch Fernsehen tu ich mir schon lange nicht mer an, 20 Minuten im Netz – und seien es nur die Seiten der Presseagenturen – und ich weiss mehr, als in Nachrichten und in Tageszeitungen Platz hat. Dem Vorteil, den ein Vermittler über zu vermittlnde Waren oder Dienstleistungen hat, könnte es ähnlich gehen…

belef

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