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Hubert Herfurth: Gesellschaftlichkeitsdefizit in der Peer-Ökonomie

Peer-Irrtum?[Auch wenn ich gerade nichts zur Debatte um die Peer-Ökonomie beitragen kann (sorry, kommt später), finde ich sie sehr wichtig. Nach Werner Imhofs Kritik nachfolgend eine weitere grundsätzliche Kritik von Hubert Herfurth. Absätze von mir, Original hier.]

Einleitung

In dieser Linken ist man vor keiner Überraschung gefeit. Selbst die Geschichte des Realsozialismus, also das Desaster der reine weg voluntaristisch umgesetzten Veränderungsansprüche im Gefolge der russischen Oktoberrevolution hat nicht dazu geführt, dass den vermeintlichen Revolutionären heute eine sowohl selbstkritischere als auch gelassenere Sicht auf die eigenen Veränderungsbestrebungen möglich ist. Dabei zeigen die bisherigen sozialistisch/kommunistischen Veränderungsversuche doch glasklar, dass den hehren Wünschen nicht mehr oder weniger automatisch eine ebensolche Realität folgen muss, ja, dass selbst die — den angeblich realisierten Wünschen — anhängende Realität womöglich nichts mehr mit diesen Wünschen gemein haben muss, sich letztlich sogar als das glatte Gegenteil dieser Wünsche herausstellen kann.

@Martins ‚Entgegnung‘ auf Werner Imhof erschüttert nicht wegen ihrer „Psychologisierung“ der ‚Diskussion‘, (@Benni), sondern, weil so total jenseits von aller Realität die eigenen Wünsche nicht nur den Ausgangspunkt bilden, sondern die aus ihnen abgeleiteten Zukunftsvorstellungen als reale Entwicklung einer quasi abgeschlossenen Gegenwart dann als unwiderlegbare Argumente die ‚Diskussion‘ sozusagen diktatorisch überlagern. Aus der Annahme es gäbe Millionen unbefriedigter Fahradbedürfnisse, wird ‚im nächsten Schritt‘ eine faktisch bereits existente, millionenfache Peerproduktion von Fahrrädern, aus der sich dann so nebenbei die Qualitätsfragen ‚im nächsten Schritt‘ einfach ableiten lassen und auch ganz nebenher zu erledigen sind…. Unterstützt von einer mitleidsheischend leidenden @Silke, der es trotz „redlicher Bemühung“ nicht gelingt, sich durch die Imhofschen Thesen zu quälen, denen aber mit ihrer Negation der Negation der Negation auch keine wirklich produktive Funktion zugesprochen werden kann — was natürlich nicht mal argumentativ nachgewiesen zu werden braucht. Die Intention dieses Einwandes ist einerseits ohne Rückgriff auf eine vorausgesetzte, solide Gruppenmeinung im Hintergrund selbst gar nicht erklärlich und dient anderseits zugleich dazu, diese zu stärken: Das einwendende Individuum Werner wird so zum Querulanten und Außenseiter abgetempelt.

Mit Abwehrreflexen statt Argumenten scheint ein Teil der Keimform-Gemeinde zu glauben, sich der (von außen aufgezwungenen?) Diskussion entziehen zu können. Dabei ist das Problem ja noch viel größer, als Werners Text es vermuten lässt, wenn die grundlegenden Gesellschaftlichkeitsprämissen Christians hier erst selbst zum Gegenstand der Betrachtung werden. Bevor ich die Auseinandersetzung nun durch Einbeziehung dieser Punkte ‚verschärfe‘, möchte ich möglichen Missverständnissen vorbeugen: Die Kritik richtet sich überhaupt nicht gegen die praktischen Projekte und sollte daher auch niemanden vom sinnvollen Handeln abhalten können (@Silke).

Die Kritik richtet sich nach meinem Verständnis allein gegen eine Interpretation, die aus der bisherigen Modellvorstellung bereits Perspektiven ableiten zu können glaubt, die eine neue, konkrete Gesellschaft (Christian spricht schon von Produktionsweise!) am Horizont auf scheinen lassen sollen. Der Kapitalismus wird so bereits im Vorfeld einer entsprechenden Realität zum abgehalfterten Auslaufmodell degradiert, eine Haltung die bekanntlich bisher auf keine sehr erfolgreichen Vorbilder zurückgreift.

Praktisch kann die Auseinandersetzung letztlich doch nur darum gehen, ob an den richtigen Stellen eine weitergehende „Keimform“ greift oder ob nicht gerade die entscheidenden Stellen womöglich übersehen werden, weil falsche Vorstellungen den Blick auf die Realität verstellen.

Im Nachtrag zu Hiddinghausen scheint mir dazu das Berlin-Projekt erwähnenswert: In meinem Fokus sind nicht diejenigen so bemerkenswert revolutionär die sich mit geschenkten Sachen über Wasser halten, sondern doch eher die, die entgegen der herkömmlichen System-Logik sogar Mühen und Aufwand in Kauf nehmen, um den Gebrauchswert ihrer nicht verkauften Waren noch für andere Menschen fruchtbar zu machen. Und natürlich macht dieser Blick keinerlei Abkehr von solidarischen Unterstützungsleistungen notwendig, @Benni! Aber kann der Glauben wirklich realistisch sein, die Zukunft einer nicht auf dem Wert basierenden Gesellschaft hinge ab vom passiv Teilen können? Hängt die Sache nicht doch mehr am aktiv Teilen wollen (und können) und vor allem daran, Verantwortung zu übernehmen und Arbeitskraft in die Hand zu nehmen, wenn das Geteilte und zu teilende verbraucht ist? Die Moral allein schafft hier doch kein Körnchen Realität, @Benni!

Wenn Werner oder jetzt ich direkt auf der Keimformseite Kritiken vorbringen, sollte doch zumindest das Verständnis möglich sein, dass es uns hier um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Autoren der für falsch gehaltenen Thesen geht — was uns selbstverständlich nicht von Fehlern freistellt. Das gleich die bloße Abfertigung vorgeblich „falscher“ Argumente als eigentlich abzuarbeitendes Anliegen bei uns angenommen werden kann, nur weil die sachlichen Differenzen nicht gerade klein sind und die Argumente unabhängig von ihrer Richtigkeit stellenweise offensichtlich nicht nachvollzogen werden können (woran sich aber arbeiten lässt), ist weder produktiv noch wird es Werners Text gerecht. Zum Abwatschen muss ich doch nicht die Keimformseite aufsuchen oder @Stefan direkt ansprechen, da wäre die Veröffentlichung auf keimformkritischen Seiten sicherlich sinnvoller und im polemischen Sinn wahrscheinlich auch einträglicher.

Ich möchte hier schließlich auch noch zu bedenken geben, dass die Beschäftigung mit der Geschichte der Arbeiterbewegung vor allem eins zeigt: Konflikte, in denen die eine Seite total recht hatte und die andere entsprechend unrecht, sind ziemlich selten. Es spricht so gesehen also alles dafür, die Probleme noch gründlicher zu bedenken und vor allem misstrauisch zu sein gegenüber einer zu frühen Freistellung von Zweifeln gegenüber der eigenen, ach so richtigen Position. Darüber hinaus geht es dann auch noch darum @Martin, dass auch im noch so unwahrscheinlichen Fall des eigenen Fehlurteils die Auseinandersetzung nach Möglichkeit weiter gehen können sollte.

Zudem müssten gerade Wert(form)kritiker immer daran denken, dass es gesellschaftlich kaum höhere Anforderungen gibt, als ohne Ware und Geld eine Gesellschaft zu organisieren, in der sich die, die Gesellschaft bildenden Individuen sehr verantwortungsvoll zueinander verhalten müssen. Schließlich kann das Geld nicht durch abstrakt paradiesische Zustände ersetzt werden, sondern nur durch andere Verhältnisse (d. h. nicht zuletzt auch: andere Beziehungen!) die die Menschen miteinander eingehen und für die sie konkret entsprechend anders handeln müssen.

I. Selbstbezüglichkeit statt Gesellschaftlichkeit

Christian beginnt seine Entwicklung ‚gemeinschaftlicher Produktion‘ mit einem so seltsamen wie viel sagenden Vorgriff in Richtung „Fabbing“, welches in seiner Voraussicht „eine individualisierte Produktionsweise ermöglichen würde“ (S.21). In dieser „könnte jeder Mensch für den Eigenbedarf produzieren, ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein“ (ebenda). So lange dies keine funktionierende Realität ist, bleiben die Menschen auf den Markt „oder“ die Zusammenarbeit angewiesen, womit er die Gesellschaft zu einer faktischen Notlösung abqualifiziert. Dabei nimmt er allerdings nur den heute vorhandenen, gesellschaftlichen Zustand auf, begreift ihn als Naturzustand, in dem die (zudem) immer stärker zunehmende Abhängigkeit voneinander als negative Eigenschaft des gesellschaftlichen Lebens erlebt und wahrgenommen wird (was aber nichts anderes ist als ein Konglomerat aus Verantwortungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Intoleranz und zu gering entwickelten Produktivkräften), um dies mit Hilfe einer technokratischen Fiktion positiv in die Zukunft zu spiegeln.

Die Zusammenarbeit definiert er als Kooperation, „um so gemeinsam zu produzieren, was man haben möchte“ (einschließlich der für alle zufriedenstellenden Aufteilung des gemeinsam erzeugten Ergebnisses). Darüber hinaus konkretisiert er Zusammenarbeit noch über die Begriffe „gemeinsame Interessen“ und „räumliche Nähe“. Insgesamt erscheint ihm „die gemeinsame Produktion“ als „eine sehr alte Form der Produktion“ (S. 22), offensichtlich in inhaltlicher Umorientierung eines Marxschen Satzes zur Arbeit (?) tut er so, als gäbe es überhaupt eine menschliche Produktion die nicht zugleich eine ‚gemeinsame‘ oder ‚gemeinschaftliche‘ Produktion wäre, als könnte der einzelne Mensch sich allein reproduzieren, als wäre nicht eine wie immer rudimentäre Form von Gesellschaft eine Voraussetzung menschlicher Existenz.

Seine Gegenüberstellung von „prähistorischen und heutigen Gesellschaften“ lässt drei Punkte denn auch vollkommen unbeachtet:

  1. Diese prähistorische Gemeinsamkeit war eine äußerst eng begrenzte, weshalb der Singular hier auch so gar keine Bedeutung hat: es gab entsprechend viele Gemeinschaften – die aber nur in Bezug auf sich selbst als solche zu bezeichnen sind.
  2. Die Entwicklung der Arbeitsteilung hatte nicht die Vergemein- oder Vergellschaftung der getrennten Gemeinschaften zur Folge, sondern die einsetzende Arbeitsteilung zwischen den voneinander getrennten Gemeinwesen war die Grundbedingung der Entstehung der Wertform.
  3. Die realen Unterscheidungslinien laufen gar nicht entlang Christians Begriffe: Seine Alternativsetzung Markt / Zusammenarbeit ist künstlich bzw. ungenau, weil auch der Markt und im technischen Sinn die Arbeitsteilung natürlich nicht ohne Zusammenarbeit und Kooperation möglich sind.

Die Dazwischenschaltung der Wertformen hebt die Gemeinsamkeit ja nicht prinzipiell auf, sondern modifiziert sie. Daneben gibt es z. B. in den USA oder in Island vereinzelt noch Gemeinden, wo auch Bewohner die sich z. B. eine Gebäudeversicherung nicht leisten können im Schadensfall nicht ins Chaos abgleiten. Im Fall eines größeren Schadens sorgen eben alle Gemeindemitglieder für die Wiederherstellung eines zerstörten Gebäudes. Diese Art der Gemeinschaftlichkeit war und ist allerdings immer eng begrenzt, weil sie den persönlichen Kontakt der Menschen voraussetzt und damit vom Charakter der Selbstbezüglichkeit — Christians eigentlicher Dreh- und Angelpunkt — nicht zu trennen ist.

II. Ignorierung der Realität

Christians Modellvorstellung greift damit die gesellschaftliche Realität, wie sie sich in der Warenproduktion darstellt und entwickelt, bewusst nicht auf, knüpft nicht an ihr an, sondern glaubt sich von ihr positiv abgrenzen zu können. In dieser Realität produzieren die Menschen bekanntlich — allerdings gebrochen durch die Wertformen — füreinander und miteinander. Warenproduktion ist als Gebrauchswertproduktion Produktion für andere, wobei dies ja schon im technischen Sinn auch Ausdruck der Arbeitsteilung ist.

Christians Einwände lauten folgendermaßen: „Planwirtschaften leiden () unter dem Problem, dass die Produzent/innen oft wenig Anlass haben, sich um die Qualität ihrer Produkte Gedanken zu machen. Sie produzieren meist nicht für den eignen Bedarf, sondern für andere, und da Produkte nach zentraler Planung hergestellt und verteilt werden, müssen die Konsument/innen nehmen, was sie kriegen. In Marktwirtschaften produzieren die Produzenten zwar auch für andere, aber sie müssen auf die Qualität der Produkte achten, um die Konsumenten nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Die Angst vor wirtschaftlichem Misserfolg garantiert die Qualität der Produkte – aber nur soweit die Konsumenten es voraussichtlich merken werden, und auch nur wenn es Konkurrenten gibt, die ihr Profitniveau steigern können, indem sie es besser machen“ (S. 96).

Interessant ist hier vor allem die Ursachenanlalyse mit der er an die Fehlstellungen der Planwirtschaft herangeht. ‚Die Produzentinnen produzieren nicht für den eigenen Bedarf und daher entsprechend schlecht.‘ Die Menschen sind von Natur egoistisch und denken nur an sich selbst, so ließe sich entsprechend ergänzen, obwohl Christian dies nicht explizit ausspricht und ich daher nicht weiß, ob dies letztlich seine Position ist. Fakt ist aber, dass er die „Produktion für die Anderen“ (in Plan- wie Marktwirtschaft) sehr wohl als solche wahrnimmt, ohne dort jedoch das spezifische, real vorhandene und sich noch weiter entwickelnde Gesellschaftlichkeitspotential zu sehen.

Stattdessen glaubt er sich von beiden Wirtschaftsweisen folgendermaßen zumindest begrifflich abgrenzen zu können: „Die Peer-Produktion geht weiter, indem sie die Unterscheidung zwischen Produzent/innen und Konsument/innen aufhebt: Menschen produzieren gemeinsam für ihren gemeinsamen Bedarf und haben daher gute Gründe, ihre Produkte gut zu machen – genauso gut, wie sie sie gerne haben möchten“ (S. 97). Leider zeigt er nicht, wie diese Gemeinschaftlichkeit zustande kommt, wie die ihr vorausgesetzten, existierenden Widersprüche aufgehoben werden, die er hier als bereits aufgehobene beschreibt. Vor allem aber will er das Auseinanderfallen zwischen Konsumenten und Produzenten ein nivellieren, was ohne eine Verringerung der Arbeitsteilung aber genau nicht geht.

III. Schwachpunkt Arbeitsteilung

Dass diese Argumentation eine Schwachstelle hat, ahnt Christian zumindest und glaubt, sie folgendermaßen aufheben zu können: “In prähistorischen Gesellschaften mag die Arbeitsteilung eine geringe Rolle gespielt haben, für die heutige Gesellschaft ist sie dagegen essenziell. In prähistorischen Gesellschaften gab es üblicherweise Traditionen, die regelten, wie die geringe Arbeitsteilung, die es schon gab, aussah. Aufgaben wurden oft aufgrund des Geschlechts verteilt (), oder sie wurden vererbt (). Nicht nur, dass eine solche traditionsbasierte Aufgabenteilung nach heutigen Standards nicht nur inakzeptabel wäre– sie wäre auch völlig unzureichend, um die hochgradig komplexe Arbeitsteilung moderner Gesellschaften zu bewältigen“ (S. 23).

In Christians Standpunkt bekommt die Arbeitsteilung eine ganz eigene Ausrichtung die an allen objektiven Konsequenzen, wie an seinen eigenen subjektiven Anforderungen daran eigentlich vorbei geht. Sein gerade zitiertes Postulat, dass der Stand der Arbeitsteilung der aktuellen Gesellschaften nicht hintergehbar sei, ist nämlich eine kleine Insel im übrigen Text, in dem sie leider keine weitere Entsprechung hat. Das zeigt insbesondere sein Verlangen in Richtung Konsumenten und Produzenten, denn schon die begriffliche Unterscheidung in Konsumenten und Produzenten ist ja nichts als die Folge der Entwicklung der Arbeitsteilung. Was Christian aber verwischt, bei ihm „sind diese zwei Rollen nicht unbedingt getrennt, denn Menschen können gleichzeitig Produzenten und Konsumenten sein (»Prosument/innen«), fallen aber auch nicht immer zusammen“ (S. 17). Er macht damit den nicht nur für die Warenproduktion eigentlich entscheidenden Punkt unkenntlich, dass die Menschen weder heute noch morgen für sich selbst produzieren. Alle produzieren nur noch für jeweils andere (also für die Gesellschaft) und ihre eigene Konsumtion kann nur noch über die Produktion eben dieser anderen für die Gesellschaft realisiert werden.

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass alle sich einerseits in irgend einer Form am gesellschaftlichen Produktionsprozess beteiligen, wie sie andererseits als Konsumenten in den Genuss der gesellschaftlichen Produktion kommen, so lange die Produktion für den Markt/füreinander am Laufen gehalten wird oder werden kann, denn die kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten schränken das natürlich durchaus auch schon mal ein — aber die Entwicklung dieser umfassenderen Gesellschaftlichkeit ist trotz aller Widersprüchlichkeit die eigentliche ‚Funktion‘ der Warenproduktion, zumindest lässt sich diese Art Entwicklung aus dem historischen Prozess extrahieren — dazu ist der Vergleich zwischen den kommunistischen Gesellschaftlichkeitsvorstellungen aus der Zeit zwischen den Weltkriegen mit den aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen beispielsweise ganz hilfreich — die kommunistischen Vorstellungen schneiden dabei nicht wirklich gut ab.

Zugespitzt müsste Christians Behauptung also richtiger weise folgendermaßen lauten: Die Menschen sind natürlich immer gleichzeitig Produzenten und Konsumenten, in der entwickelten Warenproduktion produzieren die Warenproduzenten aber (für sich) Tauschwert, der zugleich Gebrauchswert für andere ist (in Bezug auf die eigenen Ansprüche ist das selbst produzierte ja nur ein äußerst kleiner Teil) — beide Funktionen realisieren sich erst mit dem Verkauf/Kauf der Waren. Die produzierende (allgemeiner: lohnarbeitende) und die konsumierende Seite sind also für die allermeisten Individuen in den kapitalistischen Zentren einerseits deutlich voneinander zu trennen, fallen aber doch in den jeweiligen Personen natürlich zusammen und in den Fällen wo sich aufgrund der Tätigkeit bzw. der Produkte eine andere Situation einstellt, fallen die Produktion für die anderen und für sich selbst schon mengenmäßig extrem auseinander (beispielsweise das bekannte eigene Schwein in den landwirtschaftlichen Betrieben). Fallen irgendwann die Wertformaspekte in Folge der emanzipativen Umgestaltung der Gesellschaft weg, erübrigen sie sich, weil die Gesellschaft gelernt hat, dass sie ohne Ware, Geld und Kapital besser klar kommt, bleibt als eigentlicher Inhalt die Gebrauchswertproduktion für die anderen (die Gesellschaft) übrig.

Diese Konsequenz scheint Christian allerdings nicht zu sehen, das zeigen seine Formulierungen zur Arbeitsteilung, die in der Tendenz das Auseinanderfallen zwischen Produzenten und Konsumenten immer wieder aufzuheben suchen, ohne das ihm diese Problematik aber bewusst wird: „In vielen Fällen sind diese Produzenten auch Konsumenten – die Entwickler/innen Freier Software tragen zu Software bei, die sie verwenden möchten. Pech haben dagegen alle, die etwas gerne hätten, ohne es selbst herstellen zu können; sie können nur hoffen, dass jemand anders ihre Bedürfnisse aufgreifen wird“ (S. 18, Unterstreichung von mir). Obwohl hier beim Ausgangsvorbild Freier Software der Selbstbezug dominiert („scratch an itch“) und Christian die tendenzielle Aufhebung dieser Bedingung selbst zur Voraussetzung für die Durchsetzung der Peer-Ökonomie zur vorherrschenden Produktionsweise und damit zur Ablösung des Kapitalismus machen muss), schafft er es doch, das Ausmaß des Problems eher klein erscheinen zu lassen, weil besagte Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten nicht als absoluter Normalfall, sondern mehr als auch schon mal zu erfüllende Randbedingung daher kommt. „Die Peer-Produktion wird nur dann zur vorherrschenden Produktionsweise werden können, wenn die Verbindung zur Seite der Benutzer/innen oder Konsument/innen gelingt, die Bedürfnisse haben, die sie auch dann befriedigen möchten, wenn sie selbst nicht das Wissen oder die Fähigkeiten dazu haben“ (S. 18f).

Über die Reduzierung auf die hier genannten Einschränkungsgründe fehlendes „Wissen“ und fehlende „Fähigkeiten“ schafft Christian m. E. zudem eine Verniedlichung des Problems, denn der Blick auf die Probleme Arbeitszeit (Werners Thema), Produktqualität und die womöglich fehlende Motivation, sich mit jedem ‚Scheiß‘ selbst beschäftigen zu müssen, zeigt, dass die Probleme hier deutlich größer werden, wenn der Standard in der Arbeitsteilung aufgehoben wird. Dabei sieht er bestimmte Schwächen ja ziemlich deutlich, es wird daher auch überhaupt nicht deutlich, wie sich die positive Entwicklungsmöglichkeit der freien Softwarebewegung letztlich bei ihm begründet. „Nach wie vor sind die meisten Freien Softwareprogramme weit weniger benutzerfreundlich für die allgemeine Öffentlichkeit als proprietäre Programme; Ausnahmen, wie die wichtigsten Linux-Distributionen, der Browser Firefox und das email-Programm thunderbird, oder das Open-Office-Paket, entstehen meist unter Beteiligung von kommerziellen Akteuren – sie sind teilweise von Marktkräften getrieben und keine Beispiele für reine Peerproduktion“ (S. 18).

Berücksichtigt man, dass die Freie Software von ihrer Konkurrenz (die die sie unterstützenden Marktteilnehmer vergrößern) zu MS Windows als getriebene erscheint, ist das Benutzerverhältnis eher noch schlechter, gewinnt die Produktion für sich selbst eine deutlich größere und die breitere Gesellschaftlichkeit dieser ‚Produktionsweise‘ erhält eine noch sehr viel kleinere Bedeutung. So muss es daher auch nicht überraschen, dass die eigentlich aus- und daher anstehenden Veränderungen in der EDV-Bedienung über Sprache und Gesten nicht von der Freien Software Bewegung ausgehen, sondern von den herkömmlichen Kapitalunternehmen (z. B. Apple), deren Zwang zur Profitabilität sie nach verbesserten Nutzerkonzepten suchen lässt.

Entscheidend ist hier jedoch, dass Christian für die unter der Hand vorgenommene Reduzierung der Arbeitsteilung weder eine wirkliche Begründung gibt, noch „die Verbindung zur Seite der Benutzer/innen oder Konsument/innen“ auf eine Grundlage stellt, aus der die hier – auch nach seiner Meinung – notwendige Entwicklung logisch ableitbar würde. Real umgeht er das Problem, indem er die selbstbezügliche Produktion letztlich sowohl als Ausgangs- wie Endpunkt setzt, sie also als eigentliche Basis annimmt und die Reduzierung der Arbeitsteilung damit schon zur Voraussetzung seines Gesellschaftsmodells wird, obwohl er sich inselhaft sehr deutlich gegen die Reduzierung der Arbeitsteilung ausspricht.

IV. Das Modell lebt von seinen Vereinfachungsprämissen

Christians Argumentation zeigt aber an noch anderer Stelle, dass seine Prämissen nicht zu seinen Schlussfolgerungen passen, der Widerspruch zur objektiv vorhandenen Realität sich als ‚Widerspruch in seinem Modell spiegelt. Inhaltlicher Ausgangspunkt seines selbstbezüglichen Modells ist eine Eigenproduktion (für sich selbst) die er mit den Kooperationsvorteilen über die „gemeinsamen Interessen“ zu stärken sucht, die aber vor dem Hintergrund seiner Arbeitsteilungsprämisse einen seltsam simplen, um nicht zu sagen rückständigen Eindruck macht. Endpunkt ist die verallgemeinerte Selbstproduktion wie sie in der bereits zitierten Textstelle auf S. 97 auftaucht: „Menschen produzieren gemeinsam für ihren gemeinsamen Bedarf“.

In einer hochgradig arbeitsteilig funktionierenden Produktionsweise ist die betriebliche Kette bis zum Endprodukt nicht selten ziemlich lang, so dass Werners Modell der Fahrradproduktion — mit der er ja nur versucht, Christians Vorstellungen praktisch anwendbar zu machen — schnell nach einem ziemlich künstlichen Projekt aussieht: Hat jemand das Bedürfnis nach einem schönen Fahrrad sucht er nach Gleichgesinnten (Christians „gemeinsame Interessen“), um unter Ausnutzung der Kooperationsvorteile möglichst günstig an eins zu kommen. Lässt sich niemand finden, geht das Bedürfnis nach einem neuen Fahrrad leer aus. Finden sich zu wenige Kooperationspartner bleibt das Angebot an Fahrrädern hinter der Nachfrage zurück. Sonstige Schwierigkeiten, weitergehende ‚Beziehungsansprüche‘ spielen keine wirkliche Rolle, ist das Bedürfnis befriedigt, widmet man sich einem anderen Projekt.

Christians Ansatz ist hier so realitätsfern, dass er ihn selbst erst gar nicht groß entwickelt, die Eigenproduktion im engen Sinn des Wortes wird nur zur Untermalung des eigentlich das Ganze tragenden „Beitragens“ (der Begriff prägt ja schon den Titel des Buches) eingesetzt — was ihn aber nicht hindert, immer wieder mit diesem irrealen Bild zu argumentieren, so dass es auch als roter Faden seiner Argumentation aufgefasst werden könnte. Seine Abgrenzung gegen „die Produktion für die anderen“ ist damit allerdings von vornherein hinfällig, ohne das er es bemerkt. Ja, es kommt sogar noch schlimmer, da er diese Fakten an einer Stelle sogar selbst anerkennen muss: „In jedem System der Produktion und sozialen Organisation können zwei Rollen unterschieden werden, die Menschen einnehmen können: Produzent/innen, die Güter (einschließlich Dienstleistungen) erzeugen oder zur Verfügung stellen, und Konsument/ innen, die sie verbrauchen oder benutzen. Diese zwei Rollen sind nicht unbedingt getrennt, denn Menschen können gleichzeitig Produzenten und Konsumenten sein (»Prosument/innen«), fallen aber auch nicht immer zusammen. Gerade bei öffentlichen Dienstleistungen wie Erziehung, Gesundheitsversorgung und Altenpflege ist es offensichtlich, dass die »Konsumenten« solcher Dienstleistungen im Allgemeinen gar nicht diejenigen sein können, die sie bereitstellen“ (S. 17).

Das Modell der Eigenproduktion passt ja zu kaum einem Berufszweig, in die sich die Arbeitsteilung ja u. a. auch aus differenziert (die andere Differenzierung ist die betriebliche oder verfahrenstechnische, wodurch trotz Einsatz sonst gleicher Berufsgruppen/Tätigkeiten andere Produktionsergebnisse zu erzielen sind). Niemand kann für sich selbst den Lehrer, den Kranken- oder Altenpfleger spielen, vom Mimen der Chefärztin oder der hochqualifizierten Ingenieurin ganz zu schweigen und die Elektrikerin und z. B. die Schweißerin sollten wir auch nicht vergessen – wenn die Notwendigkeit gegeben ist, dass die dazugehörigen Bedürfnisse erfüllt und befriedigt werden müssen. Es ist offensichtlich, dass in Christians Rollenteilung zwischen Produzenten und Konsumenten die Realität ‚der Produktion für die anderen‘ den Dreh- und Angelpunkt bildet. Seine Abgrenzung gegenüber Markt- wie Planwirtschaft bricht hier in sich zusammen, sie funktioniert nur mit der Vereinfachung einer vorausgesetzten, künstlichen Gemeinschaftlichkeit.

Unter diesem Gesichtspunkt wird auch das Absehen von allzu vielen Notwendigkeiten (mit denen die gesellschaftliche Produktion zu tun hat) erklärlich. Seine 1. Festschreibung setzt als absoluten Ausgangspunkt der menschlichen Tätigkeiten „das Vergnügen und die Leidenschaft“ (S. 17), was natürlich nur einen Sinn macht, wenn die Grundbedürfnisse schon erfüllt sind. Es handelt sich hier um Begriffe die mit dem übergeordneten Begriff der Selbstentfaltung sehr stark korrelieren. Dieser wird zwar an die Selbstentfaltung aller gekoppelt, bleibt aber letztlich selbstbezüglich bei den immer noch isolierten Individuen oder einer mehr oder weniger obskuren Gemeinschaft stehen, weil die Verbindung, also das gesellschaftliche Band zwischen den Individuen, gar nicht klar herausgearbeitet wird (klassisch wird von der Linken hier bekanntlich der Begriff der Solidarität bemüht), in diesem Sinn ist dieses Selbstentfaltungspostulat jedoch kaum konkreter als die bekannten Ansprüche der bürgerlichen Revolution auf Brüderlichkeit etc.

Christian kann daher nicht klar machen, worin das vermittelnde Band, die materielle Klammer zwischen der Selbstentfaltung der einen und der Selbstentfaltung der anderen überhaupt bestehen soll. Die Notwendigkeiten des gesellschaftlichen Lebens und der damit verbundenen Zwänge tauchen in Christians Begriffswelt nicht oder nur sehr eingeschränkt auf. Wobei die Zwänge hier ja letztlich sogar doppelt wirken: Einmal von Seiten der Bedürfnisse die gestillt werden müssen (Essen, Trinken und Wohnen sind ja beispielsweise als Grundbedürfnisse zwingend zu erfüllen, wenn die Menschen leben wollen), und zum anderen auf Seiten der Produktion selbst (die quantitativen und qualitativen Verschränkungen in der Arbeitsteilung als eigentliche Grundbedingung gesellschaftlicher Produktion; aber auch so einfache Dinge wie z.B. Lieferfristen etc. die eingehalten werden müssen, wenn alle Beteiligten ‚zufrieden‘ sein sollen und last but not least die Güte der Produkte und Dienstleistungen: wie gut erfüllen sie die Anforderungen aus der Nutzung). Hier wirken überall Zwänge auf die produktiv Tätigen ein, die nicht nach Lust und Laune an- und abgestellt werden können (wie beim Säen und beim Ernten gibt es bestimmte objektive Zeiten bzw. Zusammenhänge die wenig nach Vergnügen und Leidenschaft fragen). Für Christian reduziert sich das Notwendigkeits-Problem dagegen im wesentlichen auf die u. U. problematische Auswahl der Aufgaben die erledigt werden müssen durch die Individuen: Wenn zu viele Menschen die gleichen Arbeiten als für sich relevante und genehme ansehen, kann es passieren, dass Arbeiten eben aufgrund ihres negativen Spaßfaktors liegen bleiben. Hier wird also deutlich, dass Christian das zur Voraussetzung macht, was nur das Ergebnis der Entwicklung sein kann: die Gesellschaftlichkeit bzw. Gemeinschaftlichkeit die die Abkehr von den Wertformen praktisch überhaupt ermöglicht.

V. Zum Vorbild „Antiökonomie und Antipolitik“ (krisis19)

Einerseits folgt Christians widersprüchliche Argumentation der reinen praktischen Notwendigkeit die hier durch den Stand dieser Projekte vorgegeben wird, bzw. wie sie sich als scheinbar realistische überhaupt vordenken lassen, ohne den praktischen Bezugsrahmen zu sprengen. Schließlich würde die konsequente Aufrechterhaltung der vorhandenen Arbeitsteilung in der Realproduktion – das ist ja eine der einfachen Wahrheiten, die Werner zu bedenken gibt – eine unvorstellbare Akkumulation von Produktionsmitteln voraussetzen. Andererseits existieren allerdings Überlegungen, die durchaus als inhaltliches Vorbild zu bezeichnen sind. Wie sie etwa in – gerade auch im Umkreis der Keimformseite genannten – Artikel von Robert Kurz‘, „Antiökonomie und Antipolitik“ (krisis 19) enthalten sind, wo Kurz noch glaubte, eine vermeintliche Aufhebung der Wertökonomie theoretisch folgendermaßen ‚anschubsen‘ zu können: „Wesentlich dabei ist, dass eben nicht ein auf Gewinn abzielendes kommerzielles Objekt für ein beliebiges Publikum gegründet wird, sondern dass Leute sich zusammenschließen, um für sich selbst, für den eigenen Bedarf, eine solche Einrichtung bereitzustellen“.

Die Kurzsche Abkoppelungsphantasie benötigt für ihr in die Welt kommen gleich nichts weniger als die recht brüske Abkehr nicht nur von der Weltgesellschaft, sondern von der Gesellschaft überhaupt – denn anders lässt sich der Rückzug (der ja die Kehrseite der Abkoppelung ist) auf den selbstbezüglichen Zusammenschluss in einer nicht näher definierten ‚Gruppe‘ oder Gemeinschaft kaum deuten. Die Abkehr vom trennenden Privateigentum (dessen Interpretation als juristisches Marx immer als Holzkopf bloßstellt auch wenn er sich gegen die Vereinfachungen des ihm nachfolgenden Marxismus nicht mehr wehren kann) als Abtrennung von der zersplitterten Gesellschaft in eine von der Gesellschaft isolierte Subgemeinschaft zu interpretieren übersieht ja, dass die jeweils sich bildenden Gruppen oder Gemeinschaften im Plural die Gesellschaft auch erst neu herzustellen hätten (das Privateigentum in Wahrheit also nur sehr beschränkt außer Kraft gesetzt worden wäre, weil das handelnde Subjekt im Plural auf weltgesellschaftlicher Ebene immer noch erst herzustellen bliebe und eben noch nicht existierte, also eigentlich das alte Privateigentum nur durch ein neues ausgetauscht worden wäre – was sich in der Art ‚revolutionärer‘ Diskussion immer am allerbesten zeigt).

Durch diese spezielle Begriffsverwendung kann also definitiv noch keine Lösung des Wertproblems gewonnen sein. Kurz hantiert hier mit einem begrifflichen Taschenspielertrick, da er die inhaltliche Bedingung der Warenproduktion (Produktion für die Anderen zu sein) einfach begrifflich aushebelt und für die Abkehr von der Warenproduktion eine Produktion „für sich selbst“ definiert, deren Pferdefuß genau darin liegt, das sie in dieser Einfachheit auch schon die Vorbedingung der Warenproduktion selbst war, da die zersplitterten, einander fremden vormodernen Gemeinschaften keinerlei Mittel hatten, eine direkte Vergesellschaftung einzuleiten. Unter Absehung von allen realen Problemen bleibt daher völlig offen, wie die Produktion für die Anderen (Inhalt der Warenproduktion) sich mit der Produktion „für sich selbst“ (wenn dieses „selbst“ dem Rahmen einer Weltgesellschaft angemessen sein soll und nicht auf dem Stand einer Provinzgemeinde verharrt) verknüpfen lässt, wie die gesellschaftlichen Beziehungen und Verbindungen also aussehen könnten, die die Abkehr von der Warenproduktion auf Stufenleiter einer Weltgesellschaft überhaupt erst erlauben. Kurz sieht nicht, dass die (Welt-)Gesellschaft nicht identisch ist mit dem (Welt)Markt, auch wenn dieser durchaus als Demiurg der modernen Gesellschaft(en) gelten mag. Daher kann der provinzielle, einer selbstbezüglichen Subsistenzproduktion entsprechende Charakter der gesellschaftlichen Bezüge und Bezugsgrößen hier keinerlei Anlass zum Frohlocken bieten, auch wenn der damit verbundene, elitäre, selbstverliebte Anspruch auf die so einzig- wie großartige Lösungskompentenz etwas ganz anderes erwartet.

Die Crux dieses Ansatzes tritt ja nicht nur in dem offensichtlichen Widerspruch zu Tage, dass der antitraditionelle Gestus einige äußerst traditionelle Bezüge mehr schlecht als recht verschleiert, wozu mit Sicherheit der omnipotente, keinen Widerspruch duldende Lösungsanspruch gehört, der den gleichartigen Lösungsanspruch des historischen Marxismus eher noch in den Schatten stellt, schließlich will er ihn in der direkten Auseinandersetzung ja auch toppen, obwohl der Marxismus andererseits zugleich die Basis dieses Anspruchs bleibt. Dabei liegt die Basis dieser Omnipotenz allein im unterschlagenen oder weg theoretisierten Gesellschaftlichkeitsproblem, weshalb die Lösungen innerhalb dieses Revolutionarismus immer so einfach scheinen können und die normalen Menschen wie Deppen aussehen lassen: Beseitigung der Kapitalisten früher – Abschaffung der Wertformen heute. Mit dem Marxismus muss die Wertkritik aber inzwischen die ideologische Entwertung der Einzigartigkeit teilen; ist der Begriff Marxismus bekanntlich doch nur noch im Plural ‚Marxismen‘ richtig erfasst (ein Problem welches sich für die Wertkritik durch die feindliche Aufspaltung in krisis und exit inzwischen ebenfalls zeigt und worin im übrigen noch mal knallhart deutlich wird, dass es so einfach mit Christians ‚Gemeinsamkeit‘ in der Tat nicht ist).

Prinzipiell wird hier also etwas zur Voraussetzung einer postkapitalitischen, nicht über den Wert funktionierenden Gesellschaftlichkeit gemacht, was historisch die Vorbedingung des Entstehens der Warenform selbst war: die beschränkte Produktion einer beschränkten ‚Gesellschaft‘ im Umfeld von Familie, Blutsverwandtschaft (an deren Stelle nun die richtige Gesinnung rückt) und dörflichen Gemeinden die durch die Warenform zunächst gemächlich und durch die Kapitalform später rasant aufgelöst wurden. Zentrale Schlußfolgerung dieses voluntaristischen Ansatzes ist daher die der reinen Willensentscheidung obliegende Möglichkeit, das Wertregime zu beenden, daher kann es nicht verwundern, wenn die (moralische) Kritik an der dazu ‚unwilligen‘ Gesellschaft den möglichen Umschlagpunkt immer weiter in die Geschichte zurück verlegt.

Schluss

a) Der Zirkelschluß dieser Strategie zeigt sich m. E. schon darin, dass die Abschaffung der Wertform ganz einfach durch die Abschaffung der Wertform initiiert werden soll. Wenn dagegen begriffen werden könnte, dass die Wertform selbst nur Ausdruck eines ungesellschaftlichen Verhaltens ist (siehe Marx‘ Fetischkapitel im Kapital I) würde klar, das dieser Ausdruck nur zum Verschwinden gebracht werden kann, wenn das ungesellschaftliche durch ein gesellschaftlicheres Verhalten abgelöst werden kann. Wenn die Abschaffung der Wertform aber an ein neuartiges, gesellschaftliches Verhalten gebunden ist, kann sie nicht zugleich schon Vorbedingung der ins Auge genommenen Veränderungen sein. Im Gegenteil, die ‚Diskussionen‘ oder Diskussionsbeiträge – insbesondere der marxistischen Revolutionäre – zeigen ganz deutlich, das diese Vorbedingung das verstärkt was sie aufheben soll: die Wertformen.

b) Meinen Satz von weiter oben, dass die Menschen weder heute noch morgen für sich selbst produzieren. Alle produzieren nur noch für jeweils andere (also für die Gesellschaft) und ihre eigene Konsumtion kann nur noch über die Produktion eben dieser anderen für die Gesellschaft realisiert werden, halte ich ganz unbescheiden für eine nicht hintergehbare Tatsache, zumindest lassen sich aus meiner Sicht nicht die kleinsten Fakten ausmachen, die ihn in Frage stellen. Für die zu schaffende Gesellschaftlichkeit bedeutet dies, das für die ProduzentInnen die Bedürfnisse, für die sie produzieren genau so wichtig werden müssen wie ihre eigenen. Diese Gesellschaftlichkeit kann sich also nur inhärent in den Köpfen und Herzen der Menschen selbst herausbilden (aufgrund von Erfahrung, verlorenen Illusionen und vor allem aufgrund von positiven Beispielen sowie dem Wirken einer starken Form der Notwendigkeit), ohne deshalb eine bloße, abstrakte Willensentscheidung zu sein. Christians Satz, dass die Produzentinnen „den eigenen Nutzen und den Nutzen anderer gleichermaßen im Auge () behalten, weil sie auf diese Art Beiträge von anderen erhalten“ (S.18), alle sich also als „community“ gegenseitig „etwas zurückgeben“ (ebenda mit Bezug auf Torvalds und Himanen) geht hier in eine völlig richtige Richtung. Mit der Vereinfachung, die Gesellschaftlichkeit da vorauszusetzen, wo sie nicht da ist, und sie da zu übersehen, wo sie sich regt, tut Christian sich und uns keinen Gefallen.

Bochum im Dez. 2008

Kategorien: Commons, Theorie

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11. Dezember 2008, 14:55 Uhr   24 Kommentare

1 Martin (12.12.2008, 00:36 Uhr)

Aus der Annahme es gäbe Millionen unbefriedigter Fahradbedürfnisse, wird ‘im nächsten Schritt’ eine faktisch bereits existente, millionenfache Peerproduktion von Fahrrädern, aus der sich dann so nebenbei die Qualitätsfragen ‘im nächsten Schritt’ einfach ableiten lassen und auch ganz nebenher zu erledigen sind….

Ich hatte geschrieben:

Am Anfang [macht man] vielleicht noch einfachere Fahrräder – aber gibt’s nicht Millionen von Leuten auf der Welt, die sich kein Fahrrad leisten können? Und wenn Peer-Produktion von Millionen von Fahrrädern existiert – warum sollte diese nicht immer bessere und komplexere Fahrräder bauen können? http://www.keimform.de/2008/11/29/werner-imhof-zur-kritik-der-peer-oekonomie/#comment-15496

Nochmal anders formuliert: Selbst wenn es den ersten Peer-Fahrrad-Projekten nicht möglich sein sollte, so komplexe und raffinierte Fahrräder herzustellen, wie es sie heute zu kaufen gibt, sondern es erstmal einfachere wären, gäbe es schon Millionen von Menschen, die damit vorerst wohl zufrieden wären, weil sie jetzt noch gar keins haben. Mir ging es darum, dass Projekte solange mit den „einfacheren“ Fahrrädern wachsen können, bis sie bereits das Ausmaß industrieller Großproduktion annehmen.

Jetzige Fahrradfabriken produzieren auch nicht mehr als, sagen wir, zehntausende von Fahrrädern pro Jahr. Dafür lohnt es sich bereits, raffinierte Produktionsanlagen und Maschinen aufzustellen. – Ich hatte damit auf Werners Annahme reagiert, die ersten Fahrradprojekte müssten Fahrräder total ineffizient herstellen.

Ein praktisches Beispiel für das, was ich meine, sind die von Marcin Jakubowski hergestellten Geräte, z.B. der Open Source-Traktor. Der ist natürlich noch simpel. Wenn Marcin die Produktion Schritt für Schritt in immer größeren Produktionszahlen aufziehen könnte, würde er bei gleichbleibendem Aufwand (d.h. Beiträgen der Abnehmer) immer raffiniertere Traktoren bauen können.

Jetzt wird vielleicht der Einwand kommen: „Ja, aber auch bei großen Stückzahlen braucht man die entsprechenden Produktionsmittel – z.B. komplexe Maschinen für raffinierte Teile!“ Dazu hatte ich in meinem nächsten Kommentar was geschrieben:

Genauso, wie man ein kompliziertes Konsumprodukt in Peer-Produktion produzieren kann, geht es auch mit einem komplizierten Produktionsmittel. Schließlich sind viele wichtige Programmiersprachen (Python, Perl usw.) als Freie Software und Open source entwickelt worden, also in Peer-Produktion. Ähnliches gilt für Designprogramme etc. Also klappt es doch in der immateriellen Produktion schon mit den Produktionsmitteln für diesen Bereich. Eine grundsätzliche Schwelle für die materielle Produktion gibt’s auch hier nicht. Warum sollte z.B. ein Auto in Open source entwickelt werden können – wofür’s ja schon Ansätze gibt -, aber ein Fertigungsroboter grundsätzlich nicht? So groß sind die Unterschiede der Komplexität auch wieder nicht. http://www.keimform.de/2008/11/29/werner-imhof-zur-kritik-der-peer-oekonomie/#comment-15501

Es gibt also tatsächlich kein grundsätzliches Problem, warum man keine Fahrräder in Peer-Produktion herstellen kann, wie Werner meinte. Gerade das Fahrradbeispiel zeigt, dass es möglich ist. Aber natürlich muss man auch wollen! Überhaupt scheint mir viel darauf anzukommen, dass man will. Wenn niemand Open source-Software gewollt hätte, würde heute jeder sagen: „Schau dir Windows an – da stecken 10.000 Mannjahre von hochbezahlten Programmierern drin, die die teuersten Computer, Programmiersprachen und Compiler verwenden, und du willst das SELBER MACHEN? Haste nen Knall?“ Ich möchte nicht wissen, was da für „Realitätshinweise“ verteilt würden! 🙂

2 Hans-Gert Gräbe (12.12.2008, 08:44 Uhr)

Erklärt mir doch mal die Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer Fahrradproduktion nach der Peer-Economy-Methode und der, wie sie bei Strike Bike in Nordhausen praktiziert wird http://www.strike-bike.de (außer dass letzteres ein praktisches und aus der Not geborenes Experiment in dieser Gesellschaft ist).

Und @Franz – wieso hast du solche praktischen Momente, wenn sie nicht zusätzlich auch Theorie produzieren wie Marcin, nicht auf dem Radar?

3 Hubert (12.12.2008, 09:23 Uhr)

@Martin, m. E. machst Du weiterhin den kleinen aber feinen Fehler, die Verhältnisse aus der Softwareproduktion auf die Realproduktion von mehr oder weniger komplexen Gegenständen weitgehend 1:1 zu übertragen. Zu einem Fahrad gehört ein Rahmen, Lenker Gepäckträger aus hochwertigem Stahl oder Aluminium (und den daraus hergestellten Rohren), Reifen, Pedalen, Kettenräder, Seilzüge, Dynamo etc. etc.! Das heißt hier werden von vornherein Grundstoffindustrien in der Metallverarbeitung und Chemie gebraucht sowie die entsprechend spezialisierten Weiterverarbeiter bevor alle Teile beisammen sind, die es dann in der Summe ermöglichen, dass die Räder zusammen geschraubt werden können. Selbst die einfache Montage erfordert Gerätschaften und Werkzeug das angeschafft und vorgehalten werden muss. Schon der Begriff „Projekt“ passt hier nicht wirklich, da das von Christian angenommene bzw. als Beispiel eingeführte Verhalten (mit anderen Gleichgesinnten ein Projekt zu gründen um die ‚eigenen‘ Bedürfnisse zu befriedigen) kein wirklich ökonomisches Verhalten ist sondern nur Freizeitbeschäftgiung ausdrücken kann. Real würde eine ‚Projektierung‘ anlaufen müssen, die eine mögliche Nachfrage und den materiellen Aufwand für eine gewisse Befriedigung dieser Nachfrage in ein sinnvolles, zu bewältigendes Verhältnis bringt, das alles in ein praktisch zu planendes Konzept überführt, um mit der Produktion beginnen zu können. Was dann hier per se keine einmalige Angelegenheit mehr wäre, die wieder abgestellt würde, wenn das ‚erste‘ Bedürfnis befriedigt ist. Das Bedürfnis nach Fahrrädern ist ja prinzipiell ein dauerhaftes, weil nach Deckung des Grundbedarfs der Ersatzbedarf bleibt. Zum anderen würden die Autos ihre Bedeutung verlieren, weil das Statussymbol nicht mehr die Rolle spielt wie heute und der ÖPV sowohl materiell wie ideell deutlich aufgewertet würde. Die Nachfrage nach Rädern ‚im Postkapitalismus‘ grundsätzlich also höher sein müsste als heute. Nach der Planungsphase hättest Du jetzt in der Realisierung die Möglichkeit (wenn Du sie denn hättest), dich zwischen Kaufen bei den Warenproduzenten oder dem Einklinken in die Peer-Community (soweit sie denn da ist) zu entscheiden. Dein Ausdruck ’selbermachen‘ hat hier eine nur sehr, sehr beschränkte Bedeutung, weil alle notwendigen Vorleistungen schon sehr speziell sind, jede für sich eine Fülle von Fachkenntnissen sowie die entsprechenden Produktionsmittel voraussetzt. Das Ableugnen der gewaltigen Schwelle zwischen open source und Realproduktion übersieht zudem, das bei open source immer nur die Arbeitsstunden der Aktivisten als unendgeldlicher Beitrag in Richtung Konsumenten betrachtet werden müssen, schon die Frage ob der Aufwand auch beim Produzenten unendgeldlich geleistet wird ist eine ganz andere. Soweit dies als reines Hobby gelten kann sicherlich, aber schon die lohnabhängige oder auch freiberufliche und sogar die ‚arbeitslose‘ Tätigkeit verwischt hier die Grenzen deutlich. M. E. wird die open source Bewegung hier von den Kapitalverhältnissen grundsätzlich ‚gesponsert‘ (bitte nicht moralisch nehemen, es geht nur darum, das der Aufwand insgesamt ökonomisch durchaus als ‚gedeckter‘ gelten kann, was sich auch bestätigt wenn man das Problem umdreht: Die vielen Programmierstunden ließen sich endgeldlich nicht erbringen, d. h. sie würden keine zahlungswilligen Abnehmer finden [um Missverständnisse zu vermeiden, damit verliert die OS-Bewegung nichts von ihrer positiven Ausstrahlung; inhaltlich würde ich mich bei der Beurteilung der OS selbst in die Nähe von Nuss/Heinrich rücken], weshalb dein Vergleich mit Windows auch grundsätzlich hinkt, denn allein der Fakt, dass sich kein Kapital mehr findet, die direkte Konkurrenz zu suchen, zeigt, dass es eben nicht so einfach ist. Sobald hier Vorleistungen hinein genommen werden müssen, die nicht im Rahmen der OS geleistet werden können, haben wir per se eine völlig andere Situation (daran ändern auch mögliche Ausnahmen nichts, wie z. B. das Berlin Projekt zeigt). Der Hinweis von @Hans-Gert in Richtung strike-bike z. B. ist ja wirklich sinnvoll, um die hier auftretenden Probleme nachvollziehen zu können, wenn man wie Du aus der ‚anderen Ecke‘ kommt. Deine Willensposition ist ja nur erklärlich, wenn sie sich auf eine bestimmte Situation beschränkt und sich nicht unkritisch/unrealistisch selbst verallgemeinert. Werners Kritik hat ja hauptsächlich den Sinn, nachzuweisen, das das Aufrollen des Kapitalismus – sozusagen von außen – nicht funktionieren kann, weil der materielle Aufwand, der dazu notwendig wäre nicht erbracht werden kann, liefe es doch zumindest teilweise auf eine ‚Verdoppelung‘ der gesellschaftlichen Produktionsmittel hinaus. Mal zu Erinnerung: Wir hatten in den 80ziger Jahren – im Rahmen der Herausbildung des Grünen „Projektes“ – eine Situation in der eine ähnliche Übernahme des Kapitalismus diskutiert wurde (wenn auch unter Ausklammerung der Wertformen, doch leidet darunter m. E. die Bedeutung für den Vergleich nicht). Unter dem Stichwort der Alternativproduktion findet man vieles ziemlich ähnlich zur Peerdiskussion, insbesondere den Rückzug auf die kleinräumliche Idylle und die Selbstbezüglichkeit. Und auch diese Bestrebungen hatten einen harten, sinnvollen Kern aber das ist dann schon fast ein anderes Thema.

4 benni (12.12.2008, 10:32 Uhr)

@Hubert: Jetzt kommen wir dem Kern des Mißverständnisses vielleicht näher, weil Du von Deinen Erfahrungen sprichst – mit den selbstverwalteteten Betrieben der 80er. Diese Erfahrungen identifizierst Du meiner Meinung nach fälschlicherweise mit denen der Peer-Production. Ich will mal zwei wichtige Unterschiede dieser beiden Ansätze aufführen, andere mögen noch welche ergänzen, vielleicht wäre das dann mal einen eigenen Artikel wert, wenn wir das gesammelt haben:

* Selbstverwaltete Betriebe agieren als ganz normale Marktteilnehmer und sind deswegen den Kräften des Marktes voll ausgesetzt, Peer-Production-Projekte tun das nicht. Weil sie keine normalen Marktteilnehmer sind, sind sie auch durchaus in der Lage Unterstützung von Seiten des Kapitalismus entgegenzunehmen ohne dadurch zwingend korumpiert zu werden – was nicht ausschließt, das sie es doch manchmal werden.

* Vernetzung war den Selbstverwalteten Projekten äußerlich. Sie haben das zwar versucht und versuchen das bis heute, aber ein solches Projekt ist erstmal viel mehr mit sich selbst beschäftigt als ein PP-Projekt. Peer-Producer sind nicht vernetzt, sie sind das Netz. Vernetzung ist schon ein direkter Teil des Produktionsprozesses selber. Um das zu verstehen, muß man es wohl erlebt haben. Um das erleben zu können, muß man es verstanden haben. Da beißt sich die Katze in den Schwanz zugegeben.

dennoch gibt es natürlich auch viele Gemeinsamkeiten und womöglich sind diese Betriebe selbst so etwas wie Keimformen gewesen für Peer-Production, aber sie funktionieren einfach in einigen grundsätzlichen Fragen komplett anders.

5 Christian Siefkes (12.12.2008, 11:03 Uhr)

@Hubert: Was die Gesellschaftlichkeit betrifft, weiß ich nicht, ob wir da einen wirklichen Dissens haben. Du scheinst den Hintergrund zu verkennen, für dem ich mein Buch geschrieben habe. Meine Zielgruppe ist ja nicht in erster Linie die klassische Linke, die vielleicht – sofern sie sich überhaupt Alternativen zum Kapitalismus vorstellen kann – von Vorstellungen extrem starker Gesellschaftlichkeit wie einer gesamtgesellschaftlichen Zentralplanung ausgeht, sondern die heutigen Peer-Produzent/innen und ihre Theoretiker, die eher ungesellschaftliche Vorstellungen vertreten. Gegen solche Vorstellungen – etwa dass die Dinge Fabber-like quasi „vom Himmel fallen“ und einfach alle frei kopiert werden können, ohne dass man da selbst etwas für tun müsse – schreibe ich ja gerade an. Und betone, dass die gesellschaftliche Zusammenarbeit sowohl lokal (lokale Assoziationen verschiedener Größenordnungen) als auch global (globales Teilen von Wissen und Erfahrungen, globales Pooling von Ressourcen) wichtig und notwendig ist. Wobei es mir andererseits aber auch wichtig ist, klarzumachen, dass sich die Gesellschaftlichkeit aus dem Zusammenwirkung der jeweils Betroffenen (sei’s dass man in einer bestimmten Gegend lebt oder an einem bestimmten Gut interessiert ist) ergibt und nicht von einem Staat oder einer Zentralbehörde mit besonderen Autoritäten aufgezwungen werden darf.

Bemerkungen wie „kleinräumliche Idylle und die Selbstbezüglichkeit“ scheinen mir daher auch auf Missverständnissen zu beruhen – kleinräumliche Idylle gibt’s bei mir gar nicht, Selbstbezüglichkeit nur in Bezug auf die globale „Peer-Community“, die gemeinsam für sich und nicht für den Verkauf auf dem Markt produziert. (Jedenfalls in einer entwickelten Peer-Ökonomie, wie ich sie in meinem Buch beschreibe. In Übergangssituationen wird es zweifellos immer Hybridprojekte geben, die teilweise für den Markt produzieren – wie es bei Marcins Projekt ja auch gedacht ist. Bei solchen Hybridprojekte besteht zwar immer die Gefahr, dass das Alte dominiert und sie sich in normale Kooperativen oder Firmen verwandeln. Aber das ist IMHO nur eine Gefahr, keine Notwendigkeit, insofern vermute ich schon, dass solche Hybridprojekte eine wichtige und positive Rolle spielen können.)

Auch in Bezug auf die Arbeitsteilung scheint mir dieses Missverständnis vorzuliegen. Ich schreibe ja gerade gegen die in „Peer-Kreisen“ durchaus verbreitete Vorstellung einer Gesellschaft ohne Arbeitsteilung an, wo jedem alle Dinge, die er/sie zum Leben braucht, „einfach so“ zur Verfügung stellen. Und die Frage, wie komplexe Arbeitsteilung ohne das Rekurrieren auf Wert und Warenproduktion (aber auch ohne Zentralplanung) organisiert werden kann, zieht sich durch mein ganzen Buch.

Wobei ich allerdings schon glaube, dass der Zusammenhang zwischen Produktion und Konsumption dadurch ein anderer und engerer wird, dass die Produktion für den Markt entfällt. Eine Firma produziert das, wovon sie sich die höchsten Aussichten zur Profitmaximierung – die optimale Wertverwertung – verspricht, ohne dass die Produzenten ein wie auch immer geartetes Interesse am Konsum dieser Ware haben müssten. Bei der Beteiligung an der Peer-Produktion kann (und muss) niemand einen Profit maximieren, stattdessen sind das konkrete Produktionsziel und der konkrete Produktionsprozess ausschlaggebend. Ich beteilige mich an einem Projekt entweder, weil mir das dort produzierte Gut wichtig ist („scratching an itch“), oder weil ich die dort benötigten Tätigkeiten gerne mache, oder beides zusammen. Daher denke ich schon, dass „Prosument/innen“ eine wichtige Rolle in solchen Projekten spielen werden, wie man es in heutigen Peer-Projekten ja auch schon sieht. Was natürlich nichts daran ändert, das vermutlich 99% der von mir konsumierten Güter weiterhin in Projekten produziert werden, an denen ich nicht direkt beteiligt bin – aber das betone ich in meinem Buch ja auch.

6 Hubert (12.12.2008, 11:06 Uhr)

@Benni, Mensch! Warum stürzt Du dich (immer) gleich auf einen ziemlich kleinen Ausschnitt eines Wortbeitrages und übersiehst (hier) dabei, dass ich deinen Vorwurf schon vorwegnahm, Du mir also absolut nichts Neues erzählst und dein Marketinganliegen hier bei mir verpufft. Doch darum – worum es wirklich geht – schweigst Du: Bevor Du moralisch die Fuktion – OS und Realproduktion weitgehend umstandslos in eins zu setzen – immer neu wiederholst, führ doch mal ein paar Punkte an, die den Unterschied ausmachen und vor allem sag dann was zu den Punkten die ich gerade aufgezählt habe. Sobald in der Realproduktion Vorleistungen hinzugenommen werden müssen, die selbst aus der Realproduktion kommen, ist die Parallelität zur OS am Ende. Bisher habe ich noch nichts vernommen, was diese Auffassung ins Wanken bringt. Und auch die OS hat wie gesagt zwei Seiten der Betrachtung: es lässt sich sicherlich positiv darauf insistieren, dass sie mit den üblichen Marktprodukten technisch funktionell mithalten kann, doch muss (!) sie dazu kostenlos abgegeben werden. Oder auch anders herum: MSoft besteht gegen eine Konkurrenz deren Produkte nichts kosten (sogar mit dem oder trotz des weitgehend gefloppten WIN Vista).
Noch einmal an @alle: auch wenn ich die Vorbehalte gegen @Hans-Gert nicht kenne (und schon daher auch nicht teilen kann), seinem Hinweis in Richtung strike bike etc. solltet ihr nachkommen, wenn das Diksussionsniveau gesteigert werden soll!

7 Hubert (12.12.2008, 11:58 Uhr)

@Christian: 1. Du (!) missverstehst etwas: eine Linke die eine konkrete Vorstellung von einer konkreten Gesellschaftlichkeit hätte ist eine Mär, eine Phantasie, ein leider grundlegendes Missverständnis. Entweder sind Partei und/oder Staat die entscheidenden Mittel oder eine Gesellschaftlicheit (die nicht existiert) wird vorausgesetzt und braucht – um vorausgesetzt werden zu können, Vereinfachungen, deren entscheidende Eigenschaft aber gerade darin besteht, das zu verhindern (zumindest nicht zu fördern) was sie eigentlich erreichen sollen/wollen. Ich werde dies am Beispiel der Auseinandersetzung um das BGE bis Ende Januar zu zeigen versuchen. Man muss sich ja nur die ‚Auseinandersetzungen‘ ‚der Linken‘ mit den Gegenern bzw. was sie dafür hielten und vor allem die interne Auseindersetzung anzuschauen, um sich davon ein realistisches Bild machen zu können (der Krisis/exit Konfliktist natürlich auch ein schlagendes Beispiel).
2. Ich hoffe, Du glaubst jetzt nicht, das Du meine Argumente damit entkräftest, das Du sozusagen wiederholst, oder mich noch mal darauf hinweist, was Du bereits geschrieben hast. Das wäre ein echtes und absolut totales Armutszeugnis und @Bennis Begriff „forschen“ hätte hier ab sofort auf der Seite nichts mehr zu suchen und die zerbrochene Arroganz gegenüber Werner müsste dir beim Schreiben die Finger zerschneiden.
2a. Natürlich muss der Zusammenhang zwischen Produktion und Konsumtion „ein engerer“ werden, wenn die Produktion des Werts aufgehoben werden soll, bzw. „ein engerer“ sein, wenn die Produktion des Werts erstmal aufgehoben ist, was aber an der ‚Produktion für die anderen‘ und der dazugehörigen Arbeitsteilung nichts ändert. Schau dir dazu doch bitte mal @Annettes Schaubild an http://www.opentheory.org/kapitalstudium3/text.phtml und erklär mir, wieso sie „Gebrauchswert durch menschliche Arbeit zum eigenen Nutzen“ definiert. Wird hier nicht die Weltgesellschaft zur Schrebergartenkolonie runtertransferiert?

8 Christian Siefkes (12.12.2008, 12:44 Uhr)

@Hubert:

Natürlich muss der Zusammenhang zwischen Produktion und Konsumtion “ein engerer” werden, wenn die Produktion des Werts aufgehoben werden soll, bzw. “ein engerer” sein, wenn die Produktion des Werts erstmal aufgehoben ist, was aber an der ‘Produktion für die anderen’ und der dazugehörigen Arbeitsteilung nichts ändert.

Sag ich doch. Aber es kann natürlich sein, dass da kein Missverständnis vorliegt, sondern einfach grundlegend unterschiedliche Vorstellungen von „Gesellschaftlichkeit“. Was ist denn deine Erwartung an Gesellschaftlichkeit und wie würde eine gesamtgesellschaftliche Produktionsweise aussehen, die deinen Erwartungen entspricht?

9 Martin (12.12.2008, 16:56 Uhr)

@Martin, m. E. machst Du weiterhin den kleinen aber feinen Fehler, die Verhältnisse aus der Softwareproduktion auf die Realproduktion von mehr oder weniger komplexen Gegenständen weitgehend 1:1 zu übertragen.

(#3)

Übertragen ja – aber natürlich nicht 1:1. Ich bin die Frage auf Grundlage von Christians Modell angegangen. Um 1:1 zu übertragen, müsste er kein Buch schreiben – Peer-Produktion im immateriellen Bereich gibt’s ja schon! Für eine 1:1-Übertragung müsste man nur sagen: „Genauso geht’s auch in der mat. Produktion.“

Die Fragestellung ist gerade, ob und wie sich PÖ in die materielle Produktion übertragen lässt. Grundsätzlich scheint mir das Modell von Christian so vorzugehen: (1) Es versucht, die Prinzipien der PÖ zu isolieren, wie sie in der immateriellen Produktion gelten. (2) Es überlegt, was sich ändern müsste, damit das auch in der materiellen Produktion klappt.

Zu (1): PÖ funktioniert nach bestimmten Prinzipien – z.B. dass auch Beiträge erwartet werden, so dass (solange es nicht ausreichend Fahrräder für alle Interessenten gibt) die Teilnehmer am Fahrradprojekt zuerst selbst mit Fahrrädern versorgt würden, wie Christian ausführlich erläutert. Deshalb ist es auch kein Problem, wenn am Anfang nicht alle ein Fahrrad kriegen – wie du sagst, werden wahrscheinlich sehr viele Menschen eins wollen. Aber wenn sie alle auch was dafür beitragen, wird das Projekt rasch sehr groß – also um so besser!

Denn (2) natürlich muss einiges anders laufen als bei Software. Diese kann beliebig oft kopiert werden, Fahrräder nicht. D.h. es müssen Materialien her; es müssen Einzelteile produziert werden; etc. Es wird also spezielle Zulieferprojekte geben, die sich in manchen Fällen gleichzeitig mit dem Fahrradprojekt gründen müssen. (Andere, etwa die für Stahlrohre, für Seilzüge, für Lampen, für Lacke usw. wird’s aber wahrscheinlich schon geben.) Trotzdem ist es klar, dass es eine gewisse Anlaufmenge an Interessierten, die eben auch beitragen, brauchen wird, um Fahrräder in heutiger Qualität zu machen.

Und darum geht’s mir auch in meinem Argument: Man könnte schon heute einfache Fahrräder bauen (vgl. Marcins Traktor-Projekte; sicherlich würde er in kürzester Zeit auch n Fahrrad hinkriegen). Aber das würde wenig bringen, weil’s bessere zu kaufen gibt. Wahrscheinlich ist IMHO, dass ein mittleres Niveau erreicht wird (eine gewisse Menge von Leuten tun sich zusammen und bauen Fahrräder, die irgendwo zwischen dem Ergebnis eines spontanen Do-it-yourselfs und den besten heute erhältlichen liegen werden).

Das heißt hier werden von vornherein Grundstoffindustrien in der Metallverarbeitung und Chemie gebraucht sowie die entsprechend spezialisierten Weiterverarbeiter bevor alle Teile beisammen sind, die es dann in der Summe ermöglichen, dass die Räder zusammen geschraubt werden können. Selbst die einfache Montage erfordert Gerätschaften und Werkzeug das angeschafft und vorgehalten werden muss.

Das ist völlig richtig. In Christians Modell geht es gerade darum, wie man dies machen kann. So nimmt z.B. die Frage, wo die Ressourcen herkommen, breiten Raum ein. Ebenso die Frage, wie Bedarf (auch Zulieferbedarf) gehandhabt wird (z.B. wenn ich ein Fahrrad machen möchte und dafür erstmal ne Gangschaltung brauche), die darauf hinausläuft, wie man komplexe Produktion koordiniert. – Ich muss jetzt doch mal fragen: Habt ihr, du und Werner, das Buch denn genau gelesen? Ziemlich viele Fragen, die ihr stellt, sind dort einfach schon beantwortet. Daher wohl auch der entnervte Ton, den die Disko hier teilweise angenommen hat. (Ob man die Antworten, die im Modell gegeben werden, überzeugend findet, ist wieder eine andere Sache – aber man muss sie halt kennen, um drüber diskutieren zu können!) Zumindest ich bin genervt, wenn Fragen, die letztlich Verständnisfragen sind und durch Lektüre der (durchweg im Internet vorhandenen) Texte beantwortbar wären, hier in einem solchen Ton gestellt werden. Andererseits habt ihr auch wichtige und spannende Fragen aufgeworfen, wie die der Gesellschaftlichkeit – danke dafür! Dass solche Fragen hier diskutiert werden, finde ich spannend und wichtig.

10 Franz Nahrada (12.12.2008, 21:12 Uhr)

Ein Apercu zum Ton. Der oben zitierte Robert Kurz sieht das ganze heute nämlich so

„Die linke Alltagsmetaphysik bezieht sich in Fortsetzung der gescheiterten Alternativbewegung der 80er Jahre teilweise auch auf Versuche einer „anderen“ Produktions- und Lebensweise im kleinen Maßstab partikularer „Gemeinschaften“, die sich neo-utopisch oder pragmatistisch legitimieren. Diese Versuche, etwa in Gestalt einer sogenannten „lokalen Ökonomie“ oder der digitalen Open-Source-Bewegung, können ebensowenig wie Betriebsbesetzungen die Ebene der gesellschaftlichen Synthesis erreichen. Als Scheinalternative zu einer sozialen Widerstandsbewegung aus der kapitalistischen Immanenz heraus drohen sie in eine „Selbstverwaltung der Armut“ umzuschlagen. Soweit dabei sogar der Gedanke einer „Kritik der Warenform“ erscheint, wird er heruntergebrochen auf ein Format, in dem eine solche Kritik gar nicht möglich ist, ohne ihren entscheidenden Inhalt zu verlieren und sich in ausweglose Widersprüche zu verwickeln. Die vermeintlichen Alternativen bleiben nicht nur in bürgerlichen Vertragsbeziehungen stecken; sie beziehen sich auch lediglich auf winzige Segmente der Reproduktion, die als Ganzes nach wie vor kapitalistisch bestimmt ist. Deshalb schielen die partikularen „Praxisprojekte“ in der Regel auf eine externe Finanzierung durch den Staat, sei es in Form eines „Grundeinkommens“, sei es in Form eines kommunalen Sponsoring. Keynesianischer Etatismus und Alternativideologie bilden nur die Kehrseite derselben Medaille; der gemeinsame Nenner ist die direkte oder indirekte Orientierung auf den Staatskredit. Darin kommt wiederum die uneingestandene Dominanz des Mittelschichts-Bewusstseins zum Ausdruck, das stets den Pelz waschen will, ohne ihn nass zu machen. Die keynesianische und die alternativideologische Linke müssen daher gleichermaßen die neue Qualität der Krise verdrängen und verleugnen, weil ihre Illusionen das Ende des globalen Kreditsystems und der Finanzblasen-Ökonomie nicht überleben können. Mit der realen Schranke der herrschenden gesellschaftlichen Synthesis werden sie spätestens dann konfrontiert, wenn der tiefe Einbruch der Weltkonjunktur den „Alltag“ auch in den kapitalistischen Zentren erreicht.“

Dabei übersieht er, dass sich über den gemeinsamen Prozess der Konzeption und des Experiments, der globale Dimensionen annehmen wird, die technologischen und wissensmäßigen Voraussetzungen gewaltig verändern. An der heutigen „Globalen Gesamtfabrik“ anzusetzen, in der ein Joghurt tausende Kilometer durch Europa reist, ist nicht im Ernst ein gangbarer Weg, „gesellschaftliche Synthesis“ zu thematisieren. Der Maßsstab dafür ist im wahrsten Sinn des Wortes ver-rückt (ge)worden und muss erst wieder gefunden werden, und nichts spricht dagegen dass sich die Möglichkeiten gesellschaftlicher Synthesis durchaus ins Kleine erweitern ließen, wenn die globale Klotz- und Schrottgesellschaft nicht als Generalprävention gegen die Möglichkeit der Eigenarbeit mobilmachen würde. The proof of the pudding is the eating: wenn es einem regionalen System gelingt, auf der Basis des „general intellect“ der ganzen Welt die angesprochenen (ja, auch von mir ein danke!) Probleme zu meistern, dann ist damit mehr verändert als eine ganze Region.

Und was das strike-bike anbelangt, sehe ich eben gerade nicht, wo sich hier die Produzenten schon auf P2P Kreisläufe orientieren. Sie wollen für den Erlös von 2000 bikes die “ produktionsnotwendigen Maschinen und Anlagen“ von einem Maschinenhändler aus Ungarn zurückkaufen. Ich sehe natürlich ganz gewaltigen Mut und Entschlossenheit, und ich muss auch sagen dass der Hinweis darauf ziemlich spannend ist, weil ich kenne zwar Leute die gerade über ein Open Source Projekt in Richtung Elektromopeds nachdenken, aber weiß nichts von Verbindungen zu solchen Projekten. Natürlich wäre es spannend wenn der Funke übergreifen würde, wenn es ein kooperatives Kreislaufschließen zwischen verschiednen Momenten einer Produktionskette geben würde, und wenn sich die Einsciht durchsetzen würde dass die Diversifizierung der Produktion nach innen und in die Lokalität ganz andere Möglichkeiten eröffnen würde. Schaut Euch mal Marcins Konzept genauer an – da geht es nicht mehr um ein „Produkt“, sondern um eine modulare mustersprachliche Verknüpfung von diversen miteinander kompatiblen Bausteinen. Der Motor lässt sich aus einem Traktor ausbauen und wird dann zu einem autonomen Antrieb wie ein Kompressor und so weiter. Die Produktenwelt einer kooperativen Produktion ist von der heutigen so verschieden wie Tag und Nacht.

11 Hubert (12.12.2008, 23:11 Uhr)

@Christian und @alle: Ich habe länger überlegt, wie ich mit der dauernden Wiederholerei von „sag ich doch“ und den anderen Formen für das Aneinandervorbeireden (von der seltsamen Selektion der Argumente mal ganz zu schweigen) verfahren soll. Ich habe mich nun so entschieden, dass dies hier auf dem bisherigen Diskussions-Niveau meine letzte Wortmeldung sein wird. Ich bin nicht nachtragend: wenn ich mitkriege, dass es besser wird, dass ein ernstzunehmender Beitrag oder eine ernsthafte Frage eingegangen ist, melde ich mich wieder.

Natürlich kann es sein, dass @Benni recht hat und die Erfahrungswelten einfach zu weit auseinander liegen, allein glauben kann ich das bei dem bisher vorgelegten Material überhaupt noch nicht. ‚Ihr‘ seid Bestandteil einer Berufsgruppe der es bisher sehr gut geht, was den Verkauf ihrer Arbeitskraft betrifft und die daher einen Eindruck von der Welt zu haben scheint, in der sie selbst im Mittelpunkt zu stehen glaubt, in der sie der Welt ihren Veränderungs-Stempel aufdrücken zu können meint (die rapide Digitalisierung der Welt mag diesen Größenwahn stützen). Wobei ich aber eigentlich glaube, dass es noch komplizierter ist, da diese irrealen Interpretationen kaum von mehr als den kleinsten Teilen dieser Berufsgruppe geteilt werden dürften. Aber ich will mich hier nicht weiter in Vermutungen und Spekulationen verrennen.

Anfang der 70ziger Jahre hatten weite Teile der Industriearbeiterschaft jedenfalls eine ziemlich ähnliche Sicht auf die Welt, die revolutionären Umwälzungen standen unmittelbar bevor. Zumindest schien es so. Die Löhne stiegen und die Arbeitszeiten sollten niedriger werden und für die radikalen politischen Kräfte schien sich ein Satz aus dem kom Manifest zu bestätigen, denn ‚die Arbeiterklasse (oder das was als solche definiert wurde) spürte ihre Kraft‘.

Das ist heute alles Makulatur und ich glaube nicht, das eure Erfahrungen in ein paar Jahren trotz sicherlich deutlich hochwertigerer technischer Vernetzung so viel anders aussehen werden (vor allem schon deswegen, weil grundlegendere Veränderungen in der so genannen Arbeiterklasse nie von nur einem Produktionszweig ausgehen können). Das aktive Moment ist nach wie vor das Kapital, dem der ganze Rest folgt. Daher springen die Flausen dieser moralischen Weltverbesserei dem (unvoreingenommenen) Beobachter allerdings förmlich ins Auge: „alles ist anders bei uns, wer es nicht erlebt hat, kann nicht mitreden“ und wie die flotten Sprüche da noch lauten. Aber: bisher sehe ich nur, dass ‚ihr‘ es seid, die bei etwas mitreden bzw. mitreden wollen, von dem sie offensichtlich keine Ahnung haben, sonst könnten die Erfahrungen aus der doch recht unkritisch betrachteten OS nicht so naiv und weltfremd im Rahmen einer Freizeitökonomie auf die Realproduktion übertragen werden. Jeder Bitte, dies an realen, konkreten Beispielen nachvollziehbar zu machen, verweigert ihr euch, immer wieder neu kommt stattdessen der Rückgriff auf irgendeine beschissene Softwaregeschichte, diese Zirkelschlüsse sind wirklich grandios. Ausgangspunkt ist die Software und Endpunkt auch, nur das, was zu zeigen wäre, bleibt irgendwo am Wegesrand liegen. Jetzt noch @Martin mit dem plötzlich wieder zurückgekehrten, total abstrakten Realismus und der Rest ’steht doch schon drin in Christians Buch, ihr müsst es nur mal endlich lesen‘. Entschuldigt, aber da kann einem schon mal der Kragen platzen, bei so viel uneinsichtiger Sturheit, sich das Schönreden der Welt nicht versauen zu lassen und wenn dazu mit so wenig Aufwand die nicht passenden Argumente vom Tisch gewischt bzw. harmonisiert werden macht die Sache keinen Sinn mehr.

Dabei würde ich nicht mal kategorisch ausschliessen, dass es nicht doch sein kann, dass wir näher beieinander liegen als ich i. A. zu glauben bereit bin, aber das mindeste wäre doch, dies in einer Argumentation zu zeigen, in dem etwa @Christian meine Entgegnungen insbesondere beim Stichwort „Produktion für die anderen“ versucht mit seiner bisherigen Ablehnung der „Produktion für die Anderen“ kompatibel zu machen, dann könnte er guten Gewissens „sag ich doch“ behaupten, anstatt gleich ein neues Forschungsprojekt mit der Umfrage zu starten, „wie bitte schön, sind denn deine Gesellschaftlichkeitsvorstellungen?“ als wenn die irgend jemanden interessieren müssten (von der Klärung in richtung Verringerung der Arbeitsteilung ganz zu schweigen).
Wir haben eine existierende, sich stetig weiter entwickelnde Produktion für die anderen, die freilich über den Wert/die Wertformen äußerst widersprüchlich vermittelt ist – das ist der Ausgang. Der @Christian aber weitestgehend so wenig interessiert wie seine dazugehörige Begründung. Schließlich läßt sich einfacher über „gemeinsame Produktion“ zwischen Prähistorie und Gegenwart ‚philosophieren‘ (natürlich ohne irgend etwas konkret belegen zu müssen). Wenn Werner gegen etwas anargumentiert, hast Du es nie geschrieben, gesagt oder gemeint und in meine Richtung löst Du die Differenz über ein angebliches Missverständnis nun ebenfalls in Luft auf. Echt super und dazu auch noch so einfach!
Dabei tritt das Neue im Alten hier ja offen zu tage wenn der Blick auf die Gesellschaft nicht spekulativ idealistisch verstellt ist. In der Produktion für die anderen löst sich jede Produktion mit dem Kapitalismus auf, das ist seine Leistung, hinter unserem Rücken, von uns selbst vollbracht. Die emanzipative Gesellschaftlichkeit kann hier also nur in diesen Beziehungen zu finden sein und nicht über prähistorische oder pseudo-linksradikal-abstrakte Gemeinsamkeiten hineinschwadroniert werden, indem ‚die‘ bestehende Gesellschaft von außen mit einer Alternativ-Ökonomie überrollt wird. Was also muss die Gesellschaft und das heißt jeder einzelne nun leisten, damit Gesellschaft ohne Wertformen und ohne Ersatzsubjekt noch funktionieren kann, auch wenn das Lokale ohne das Globale nicht mehr gedacht werden kann? Eine ziemlich einfache Frage eigentlich, die aber keine einfachen, zumindest keine einfach umzusetzenden Antworten generiert und schon gar keine der eine Revolution sozusagen auf dem Fuße folgt. Daran können wir uns abarbeiten oder Luftschlösser bauen und jeden anpissen der ein Luftschloss auch als Luftschloss benennt. Bisher scheint euch der Bau von Luftschlössern zufrieden zu stellen. Aber schauen wir mal, es ist ja noch nicht aller Tage abend.

12 Hans-Gert Gräbe (13.12.2008, 16:27 Uhr)

Schaut Euch mal Marcins Konzept genauer an – da geht es nicht mehr um ein “Produkt”, sondern um eine modulare mustersprachliche Verknüpfung von diversen miteinander kompatiblen Bausteinen. Der Motor lässt sich aus einem Traktor ausbauen und wird dann zu einem autonomen Antrieb wie ein Kompressor und so weiter. Die Produktenwelt einer kooperativen Produktion ist von der heutigen so verschieden wie Tag und Nacht.

Lieber Franz, das halte ich für ein Gerücht. Das, was du hier beschreibst, ist die klare komponentenmäßige Zergliederung eines komplexen Artefakts. Du hast das heute fast überall in der Industrie. In den vielen verschiedenen Autotypen kommen nur ganz wenige unterschiedliche Motortypen zum Einsatz. Die Steuerung UVR1611 meiner Solaranlage – eine Einzelanfertigung (die Anlage) – ist eine „von der Stange“ der österreichischen Firma Technische Alternative, die in alle möglichen (nicht nur Solar-) Anlagen eingebaut wird. Die Solardachteile sind ECO-EB der Firma Buschbeck – eine kleine sächsische Firma, die nach der Wende zunächst Module von Vesta vertrieben hat und dann feststellte, das können wir besser und vor allem nachhaltiger. Vesta-Module muss man im Ganzen wechseln, wenn ein Gummi porös geworden ist. Bei unseren kann man die Scheibe abheben und den Gummi auswechseln. Die Anlage wurde von solifer Freiberg aufgestellt, deren Hauptkompetenz in einer ingenieurtechnischen Projektierungsleistung besteht einschließlich der Kenntnis, welche Bauteile „auf dem Markt“ dafür aus funktionaler (!) Sicht sinnvoll zu verwenden sind (eben die von Buschbeck eher als die von Vesta) – wobei sinnvoll viel über die funktionalen Eigenschaften und wenig(er) über den Preis sagt. Und entsprechende Montagekapazitäten und -spezialisten hat.

Neben diesem ingenieurtechnischen Zugang kannst du natürlich auch zu einem Krauter gehen, der bei Vesta in einem Wochenlehrgang gelernt hat, wie man deren Standardlösungen „zusammenschraubt“. Und das beobachte ich flächendeckend – kleine KMU mit ingenieurtechnischem Profil und Krauter. So habe ich mir neulich mit Bekannten eine Biogasanlage angeschaut, wo genau dasselbe anzutreffen war – ein bayerischer Landwirt, der seit 15 Jahren „in Biogas“ macht und auf dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen einen klares ingenieurtechnisches Verständnis entwickelt. Die anfälligste Einheit einer Biogasanlage ist das Rührwerk, also wie kann man ohne auskommen. Seine Idee: Beregnungsverfahren, da ist eine Schwimmdecke im Tank sogar von Vorteil, die sonst das absolute no-go ist. Nun kannst du hingehen und dir auch eine solche Anlage bauen. Du kannst das aber auch zusammen mit diesem Herrn Sauter machen, weil der weiß, worauf es ankommt. Dann machst du die Fehler, die schon mal gemacht wurden, nicht noch einmal. Und Herr Sauter lernt weiter. Und da er zufriedene Referenzkunden braucht, wird er dich auch nicht im Regen stehen lassen, wenn es mal klemmt. Ganz im Gegensatz zum Krauter.

Oder nimm den Leoliner aus Leipzig. Ein großes Straßenbahn-Instandhaltungswerk der örtlichen LVB stellt fest, dass die Straßenbahnen am Markt nicht das halten, was sie versprechen. Zu viel Schnickschnack-Technik, die für das Leipziger Netz nicht die nötige Robustheit aufweisen. Statt Straßenbahnen reparieren können wir auch welche bauen, denn wo ist der Unterschied, wenn wir sowieso auch sonst die Bahnen bis zum letzten Schräubchen auseinandernehmen. Und die Einzelteile (Komponenten) gibts am Markt und wir wissen auch, was wo welche taugen. Und so haben sie’s gemacht und einen robusten Leoliner entworfen, der für das Leipziger Netz besser passt und nur die Hälfte einer neuen Bahn „von der Stange“ mit Siemens-Technik kostet. Und haben inzwischen sogar volle Auftragsbücher.

Franz, auch wenn das so was von bääh ist, weil es ja nach Kapitalismus, Markt und Wert stinkt, wieso siehst du über diese Entwicklungen hinweg? All diese Leute sind doch längst „auf dem Weg“, oder? Das, was Marcin vorschlägt, machen Ingenieure seit 200 Jahren. Und selbst sein Nachnutzungskonzept für nicht mehr in Betrieb befindliche Komponenten wendet jeder vernünftige (kleine) Unternehmer schon immer an. Man muss es ja nicht gleich so perfektionieren wie bei den Ludolfs.

13 benni (13.12.2008, 18:40 Uhr)

@HGG: Scheinbar herrscht da bei euch im Osten eine andere Kultur? Hier versucht einem jeder das Komplettpaket anzudrehen, wenn nur ne Schraube locker ist. Bei uns war letztens ein neues Gehäuse für die Klingelanlage fällig. Kostenvoranschlag? 2000 Euro. Schließlich gibts das Gehäuse nicht mehr, also muß ein neuer Klingelkasten her. Alles was es da gäbe sei „inkompatibel“ mit unserer Anlage, also müsste die ganze Anlage im ganzen Haus ausgewechselt werden. Wegen einem kaputten Plastikkasten! Heutzutage gäbe es da nur noch „Bussysteme“. Wir haben halt noch Drähte. Und das ist kein Einzelfall, das passiert hier ständig wenn man was am Haus machen muß.

14 Franz Nahrada (13.12.2008, 19:03 Uhr)

Kann mich Benni nur anschließen. Ich verfolge diese Themen seit vielen Jahren und es kommt zunehmend weniger im Sinn von vernünftiger Technologie raus. Gerüchteweise habe ich mal gehört dass es in der Autoproduktion zum Beispiel einheitliche Chassis gegeben hat, für Golf und Polo möglicherweise, und dass die gestiegenen Potentiale der Automation dazu geführt haben dass es nur mehr verschiedene Chassis gibt. Handwerker die etwas reparieren wollen oder können gibts hier im schönen Wien so gut wie gar nicht mehr, ich sprech aus der Erfahrung eines Unternehmers der ein ganzes Haus zu betreuen hat und sich ständig das Achselzucken von Installateuren, Elektrikern, Lüftungs- und Kühlungstechnikern etc. pp. angesichts von Defekten anhören muss. Lohnt sich nicht, können wir nicht, wollen wir nicht. Nimm alleine den Elektrogerätemarkt her, die Anzahl der Netzteile und der Handies, die Inkompatibilität der schlichtesten Funktionen zwischen den Marken. Ich bin von stofflicher Irrationalität umgeben dass es nur mehr wehtut. Eine leistungsfähige lokale Verkettung kann es nicht geben, weil die Ersatzteile wenn überhaupt aus Asien kommen und sich lokale Reparaturbetriebe schon längst nicht mehr lohnen. Schön wenn das bei Euch im Osten noch ein wenig anders läuft, hab einmal von einem Berliner Freund (HATI GmbH – Gesellschaft für Handwerk, Technik und Innovation) gehört dass Produkte in der DDR für einen kompletten Reparatur- und Innovationszyklus designt waren. Vielleicht ist ein wenig von dem Spirit übriggeblieben.

15 Hans-Gert Gräbe (13.12.2008, 19:44 Uhr)

Benni und Franz, ich verstehe eure Antwort nicht. Ich schreibe von Keimen im Heute (die ja auch im Osten in der Art nicht flächendeckend sind) und ihr erzählt mir davon, wie schrecklich es im normalen Leben ist. Ja sorry, worüber geht es denn eigentlich im Keimform-Blog? Wäre es nicht an der Zeit auch mal konkret praktische Keime der von mir genannten Art, in ihrer vollen Kontaminiertheit mit den Gebrechen dieser Gesellschaft, ihrer Einbettung in die Wertform(en), genauestens zu studieren statt Wolkenkuckucksheime zu bauen? Franz, welche Sprachübungen waren das noch mal, die Annemarie bei meinem letzten Wienbesuch mit dir versuchte? Im Übrigen war es ein Bayer, der die Biogasanlage in der Nähe von Riesa gebaut hat und betreibt, und ich habe sie mit Gästen aus Ostfriesland besucht. Ganz so ostzentriert scheint das Interesse also nicht zu sein.

16 benni (13.12.2008, 19:56 Uhr)

@HGG: hatte dich falsch verstanden. Ich dachte Du wolltest uns mitteilen, dass es das ja alles im Kapitalismus auch schon so doll gibt und deswegen kein Grund zu seiner Abschaffung bestehe. Dass es das vereinzelt trotz Kapitalismus gibt, das glaub ich sofort. Wir hatten auch einen Architekten und Schreiner und Alleskönenr hier, der unseren Umbau gewuppt hatte und den man immer bremsen musste nicht alles wiederzuverwenden, weil wir sonst nie fertig geworden wären. Ob das dann Keimformen sind, das müsste man untersuchen, klar.

Das passt übrigens gut zu meinem kurzen Artikel über Modularisierung/Taylorisierung in der Softwareentwicklung letztens, btw…

17 Franz Nahrada (14.12.2008, 00:06 Uhr)

@HGG: Im Kontext dieses Threads gehts ja um die Frage ob jetzt an bestehenden Systemen der Vergesellschaftung anzusetzen ist oder ob sozusagen von Unten etwas Neues entstehen kann. Du willst uns sagen dass dieses Neue oft marktförmige Züge trägt und da rennst Du glaub ich offene Türen ein. Niemand hier hat behauptet dass wir morgen P2P Relationen im Bereich der materiellen Produktion haben werden. Ich denke dass da Formen wie solidarwirtschaftliche oder soziale Unternehmen eine große Rolle spielen, in denen sozusagen der Stachel des Profitmotivs gezogen, aber als Schutz gegen die übermächtige und destruktive Konkurrenz der durch die Privatmacht des Geldes und des Kredits aufgepäppelten Verwertungsmaschinen ein System gegenseitiger Abmachungen und realer Kreislaufschlüsse installiert wird. Natürlich müssen die Produkte gut sein und sich auch auf dem Markt behaupten können, sonst wird das nichts. Aber das ist nicht primärer Zweck der Chose!

18 Hans-Gert Gräbe (14.12.2008, 14:31 Uhr)

Hallo Benni und Franz! Der (bekannte) Unterschied zwischen mir und euch liegt darin, dass ich die Wertform(en) für eine kulturelle Errungenschaft der Menschheit zur Lösung von Konflikten halte und die Quelle der Gebrechen dieser Gesellschaft mehr im Bereich der Ausbeutung suche. Um das durchzuhalten, löse ich die enge Verbindung, die Marx zwischen beiden Begriffen herstellt, indem er Ausbeutung als personales Verhältnis zwischen Besitzern und Besitzlosen identifiziert. Das geht nach nicht nur meinem Verständnis (auch Engels hat so argumentiert) wenigstens seit Gründung von Aktiengesellschaften am Kern vorbei, weil ganz offen ein angestellter Manager wie Mehdorn Quelle von „Ausbeutung“ ist.

Und auf einmal wird vieles klarer und sichtbar, dass Wertform(en) auch in einem anderen Modus laufen können, den Franz hier als „solidarwirtschaftlich“ oder „soziale Unternehmen“ bezeichnet, denen „der Stachel des Profitmotivs gezogen“ sei. Dass sich all dies innerhalb der Wertform(en) abspielt und der nächste Halbsatz, es werde „als Schutz gegen die übermächtige und destruktive Konkurrenz der durch die Privatmacht des Geldes und des Kredits aufgepäppelten Verwertungsmaschinen ein System gegenseitiger Abmachungen und realer Kreislaufschlüsse installiert“ mitnichten ein Alleinstellungsmerkmal im solidarökonomischen Bereich ist, sondern dies für den eigenständigen KMU-Bereich in Industrie-, Handwerks- und Handelskammern (so sehr man im Einzelfall deren Praktiken kritisieren mag) flächendeckend lange erfunden ist, zeigt nur das ganze Dilemma eurer Analysen.

Aus einem solchen Blickwinkel begreift man auch schnell, dass und wie Politiker/innen der Linkspartei ihre Basis und darüber hinaus alles Linke ausbeuten, es also Ausbeutung in dieser gesellschaft auch innerhalb der Linken und weit weg von – klassischen – Wertformen gibt.

Mich interessiert deshalb an PÖ vor allem die analytische Dimension. Und ich finde es bemerkenswert, dass sich Christian selbst in einem so wertformfeindlichen Medium wie hier nicht entsprechender Argumentationen entziehen kann, wenn es ums Detail geht. Wie übrigens auch all die anderen praktischen Beispiele nicht, die ich kenne.

Im Übrigen, Franz mitnichten müssen die Produkte gut sein und sich auch auf dem Markt behaupten können, sonst wird das nichts. Es müssen überhaupt keine „Produkte“ sein (im Sinne einer Mehrzahl typgleicher Instanzen), sondern – wie im Industrieanlagenbau immer schon üblich – maßgeschneiderte Einzelstücke. Statt Produktion von Produkten, was wir im 20. Jahrhundert gelernt haben industriell zu bewältigen, geht es im 21. Jahrhundert um die Reproduktion von Bedingungen, aus denen heraus solche Einzelstücke entstehen können. Die „Systeme gegenseitiger Abmachungen und realer Kreislaufschlüsse“ rücken also in den zentralen Fokus dieser Gesellschaft, wie du an SCM, CRM, just in time usw. leicht erkennen kannst. Da ist noch kein Gran Kapitalismus überwunden (oder vielleicht doch, aber anders als ihr es denkt).

Die Probleme mit einem alten Haus wie dem Karolinenhof sind dieselben wie mit einer Legacy-Cobol-Anwendung im Zeitalter modularer Software. Man entwirft vorsichtige Migrationsszenarien, die entsprechend der eigenen Ertragslage umgesetzt werden. Man kann die alte Applikation ja nicht einfach wegräumen. Profit (aus dem operativen Geschäft) ist halt vor allem für eines wichtig – für investive Rücklagen. Erst wenn das, also die Nachhaltigkeit der eigenen Aktivitäten, gesichert ist, kann man als Unternehmer über die „Yacht in der Südsee“ nachdenken.

19 Martin (14.12.2008, 14:32 Uhr)

@Benni #13 und Franz #14: Das scheint mir für diesen Thread ein ganz wichtiger Punkt. In meinen Kommentaren habe ich mehrmals darzustellen versucht, wie Fahrräder in der PÖ gebaut werden können. Es ging mir darum zu zeigen, dass dies natürlich möglich ist, wenn man von dem Gedanken abrückt, schlichtweg die komplette jetzige Produktion 1:1 imitieren zu wollen. Was ich gar nicht einbezogen hatte, waren die enormen Ineffizienzen der jetzigen Produktion. Selbst von Kapitalismuskritikern wird manchmal noch angenommen, der Kap. sei ein Wunder an Effizienz. Tatsächlich funktioniert er mit irrsinniger Ineffizienz – die aber nicht stört, weil sie sich vor allem auf der Konsumentenseite auswirkt. Dass, wie Benni schreibt, die ganze Klingelanlage wegen einem kaputten Plastikkasten ausgetauscht wird, ist katastrophal ineffizient. Im Kapitalismus macht es aber absolut Sinn! Der Kapitalismus ist ein System, das sich optimiert. Zu dieser Optimierung gehört auch, dass so oft wie möglich neue (aber nicht wirklich andere, denn das würde Entwicklungsaufwand bedeuten und Gewinne schmälern!) Produkte verkauft werden. Im Kap. muss das so sein, weil

(a) man kein Geld verdient, wenn nicht immer wieder neue Sachen verkauft werden;

(b) es aufwendig ist, sich über modulares und reparaturfähiges Design Gedanken zu machen;

(c) der ganze durch den Markt bedingte Prozess (ständige Reorganisation, Verkauf von Unternehmen; Marketingzwänge; der Zwang zur äußerlichen Produktinnovation statt stetiger Weiterentwicklung) es sehr erschwert, auf solche Faktoren Rücksicht zu nehmen;

(d) die Konkurrenz der Unternehmen dafür sorgt, dass zahlreiche verschiedene statt einem richtig guten System existieren;

(e) diese aus Patentgründen verschiedener gemacht werden müssen, als sonst nötig;

(f) Baupläne nicht offen gelegt werden;

(g) es wg. (d) bis (f) für Handwerker immer schwieriger wird, irgend etwas zu reparieren.

Diese Probleme werden heute auch oft beklagt, aber nur selten wird erkannt, dass sie aus Systemeigenschaften des Kap. resultieren, also Systemprobleme sind. Es heißt dann allzuoft “früher war das noch besser”, was impliziert, ‘dass es doch eigentlich geht’. Dabei wird übersehen, dass bestimmte technologische (etwa schnellere Innovationszyklen) und wirtschaftliche Entwicklungen (etwa härtere internationale Konkurrenz) diese Faktoren systemintern unumkehrbar machen. Lieber wird eine verkehrte nostalgische Wehmut gepflegt, als dass man zugibt, dass es sich um Systemprobleme des Kapitalismus in seinem jetzigen Stadium handelt, und nicht um ein Versagen der Unternehmen.

Das wäre also zum Thema Fahrradproduktion noch zu ergänzen: Nicht nur kann PP Fahrräder machen, sie kann sie sogar weit effektiver machen als bisher. Das hat Konsequenzen für den Punkt, an dem die Qualität heutiger Fahrräder erreicht/übertroffen wird.

20 IGR (06.01.2009, 22:14 Uhr)

HGG: „…die Quelle der Gebrechen dieser Gesellschaft mehr im Bereich der Ausbeutung suche.“

Insofern also diese Quelle nicht Ursache der Gebrechen zu sein scheint, so gibt es sie also und es wird sie weiter geben?

21 Vom Tausch zur Produktion nach Bedürfnissen — keimform.de (13.01.2009, 13:35 Uhr)

[…] hubert-herfurth-gesellschaftlichkeitsdefizit-in-der-peer-oekonomie/ […]

22 Wolf (16.01.2009, 23:04 Uhr)

@Hubert (12.12.08): Hallo Hubert! Warum die grosse aufregung, nachdem du mit bravour die arbeitsteilung verteidigt hast? Du stehst doch in in einer edlen traditionslinie und befindest dich in bester gesellschaft! Schon Adam Smith hat vor 232 jahren den wohlstand der nationen auf die arbeitsteilung zurueckgefuehrt. So hebt er in seinem viel beachteten werk gleich in der ersten zeile in eleganten worten an:

„The greatest improvement in the productive powers of labour, and the greater part of the skill, dexterity, and judgment with which it is any where directed, or applied, seem to have been the effects of the division of labour.“

Zwei seiten spaeter faehrt er ebenso klug fort:
„The division of labour , however, so far as it can be introduced, occasions, in every art, a proportionate increase of the productive powers of labour. The speparation of different trades and employments from one another, seems to have taken place, in consequence of this advantage. This separation too is generally carried furthest in those countries which enjoy the highest degree of industry and improvement; what is the work of a man in a rude state of society, being generally that of several in an improved one.“

Nochmals zwei seiten spaeter in unuebertrefflicher weisheit:
„This great increase of the quantity of work, which, in consequence of the division of labour, the same number of people are capable of performing, is owing to three different circumstances; first, to the increase of dexterity in every particular workman; secondly, to the saving of the time which is commonly lost in passing from one species of work to another; and lastly, to the invention of a great number of machines which facilitate and abridge labour, and enable one man to do the work of many.“

Ganz anders der alte trottel Engels mit bezug auf den ausgeflippten Karl Marx, denen beiden deine lehrreichen worte aufgrund ihrer verfruehten geburt unbekannt bleiben mussten, die aber die klaren gedanken Smith’s kaltbluetig ignorierten:

„Das Gesetz der Arbeitsteilung ist es also, was der Klassenteilung zugrunde liegt.“ (F. Engels: Anti-Dühring. MEW 20, Berlin 1962, 263)

„In jeder Gesellschaft mit naturwüchsiger Produktionsentwicklung – und die heutige gehört dazu – beherrschen nicht die Produzenten die Produktionsmittel, sondern die Produktionsmittel beherrschen die Produzenten. In einer solchen Gesellschaft schlägt jeder neue Hebel der Produktion notwendig um in ein neues Mittel der Knechtung der Produzenten unter die Produktionsmittel. Das gilt vor allem von demjenigen Hebel der Produktion, der bis zur Einführung der großen Industrie weitaus der mächtigste war – von der Teilung der Arbeit. Gleich die erste große Arbeitsteilung, die Scheidung von Stadt und Land, verurteilte die Landbevölkerung zu jahrtausendelanger Verdummung und die Städter zur Knechtung eines jeden unter sein Einzelhandwerk. Sie vernichtete die Grundlage der geistigen Entwicklung der |272| einen und der körperlichen der andern. Wenn sich der Bauer den Boden, der Städter sein Handwerk aneignet, so eignet sich ebensosehr der Boden den Bauer, das Handwerk den Handwerker an. Indem die Arbeit geteilt wird, wird auch der Mensch geteilt. Der Ausbildung einer einzigen Tätigkeit werden alle übrigen körperlichen und geistigen Fähigkeiten zum Opfer gebracht. Diese Verkümmerung des Menschen wächst im selben Maße wie die Arbeitsteilung, die ihre höchste Entwicklung in der Manufaktur erreicht. Die Manufaktur zerlegt das Handwerk in seine einzelnen Teiloperationen, weist jede derselben einem einzelnen Arbeiter als Lebensberuf zu und kettet ihn so lebenslänglich an eine bestimmte Teilfunktion und ein bestimmtes Werkzeug. »Sie verkrüppelt den Arbeiter in eine Abnormität, indem sie sein Detailgeschick treibhausmäßig fördert durch Unterdrückung einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen … Das Individuum selbst wird geteilt, in das automatische Triebwerk einer Teilarbeit verwandelt« (Marx) |Siehe Karl Marx: »Das Kapital«, Bd. I in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd. 23, S. 381| – ein Triebwerk, das in vielen Fällen seine Vollkommenheit erst durch buchstäbliche, leibliche und geistige Verkrüppelung des Arbeiters erlangt. Die Maschinerie der großen Industrie degradiert den Arbeiter aus einer Maschine zum bloßen Zubehör einer Maschine. »Aus der lebenslangen Spezialität, ein Teilwerkzeug zu führen, wird die lebenslange Spezialität, einer Teilmaschine zu dienen. Die Maschinerie wird mißbraucht, um den Arbeiter selbst von Kindesbeinen an in den Teil einer Teilmaschine zu verwandeln« (Marx). |Siehe Karl Marx: »Das Kapital«, Bd. I in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd. 23, S. 445| Und nicht nur die Arbeiter, auch die die Arbeiter direkt oder indirekt ausbeutenden Klassen werden vermittelst der Teilung der Arbeit geknechtet unter das Werkzeug ihrer Tätigkeit; der geistesöde Bourgeois unter sein eignes Kapital und seine eigne Profitwut, der Jurist unter seine verknöcherten Rechtsvorstellungen, die ihn als eine selbständige Macht beherrschen; die »gebildeten Stände« überhaupt unter die mannigfachen Lokalborniertheiten und Einseitigkeiten, unter ihre eigne körperliche und geistige Kurzsichtigkeit, unter ihre Verkrüppelung durch die auf eine Spezialität zugeschnittne Erziehung und durch die lebenslange Fesselung an diese Spezialität selbst – auch dann, wenn diese Spezialität das reine Nichtstun ist.“ (ebd., 271, 272)

„Indem sich die Gesellschaft zur Herrin der sämtlichen Produktionsmittel macht, um sie gesellschaftlich planmäßig zu verwenden, vernichtet sie die bisherige Knechtung der Menschen unter ihre eignen Produktionsmittel. Die Gesellschaft kann sich selbstredend nicht befreien, ohne daß jeder einzelne befreit wird. Die alte Produktionsweise muß also von Grund aus umgewälzt werden, und namentlich muß die alte Teilung der Arbeit verschwinden. An ihre Stelle muß eine Organisation der Produktion treten, |274| in der einerseits kein einzelner seinen Anteil an der produktiven Arbeit, dieser Naturbedingung der menschlichen Existenz, auf andre abwälzen kann; in der andrerseits die produktive Arbeit, statt Mittel der Knechtung, Mittel der Befreiung der Menschen wird, indem sie jedem einzelnen die Gelegenheit bietet, seine sämtlichen Fähigkeiten, körperliche wie geistige, nach allen Richtungen hin auszubilden und zu betätigen, und in der sie so aus einer Last eine Lust wird.
(…)
Ebensowenig ist die Aufhebung der alten Teilung der Arbeit eine Forderung, die nur auf Kosten der Produktivität der Arbeit durchzuführen wäre. Im Gegenteil. Sie ist eine Bedingung der Produktion selbst geworden durch die große Industrie. »Der Maschinenbetrieb hebt die Notwendigkeit auf, die Verteilung der Arbeitergruppen an die verschiednen Maschinen manufakturmäßig zu befestigen durch fortwährende Aneignung derselben Arbeiter an dieselbe Funktion. Da die Gesamtbewegung der Fabrik nicht vom Arbeiter ausgeht, sondern von der Maschine, kann fortwährender Personenwechsel stattfinden, ohne Unterbrechung des Arbeitsprozesses … Die Geschwindigkeit endlich, womit die Arbeit an der Maschine im jugendlichen Alter erlernt wird, beseitigt ebenso die Notwendigkeit, eine besondre Klasse Arbeiter ausschließlich zu Maschinenarbeitern zu erziehn.« |Siehe Karl Marx: »Das Kapital«, Bd. I, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd. 23, S. 443/444| Während aber die kapitalistische Anwendungsweise der Maschinerie die alte Teilung der Arbeit mit ihren knöchernen Partikularitäten weiter fortführen muß, trotzdem diese technisch überflüssig geworden, rebelliert die Maschinerie selbst gegen diesen Anachronismus. Die technische Basis der großen Industrie ist revolutionär. »Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andre Methoden wälzt sie beständig mit der technischen Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitsprozesses um. Sie revolutioniert damit ebenso beständig die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und schleudert unaufhörlich Kapitalmassen und Arbeitermassen aus einem Produktions- |275| zweig in den andern. Die Natur der großen Industrie bedingt daher Wechsel der Arbeit, Fluß der Funktion, allseitige Beweglichkeit des Arbeiters … Man hat gesehn, wie dieser absolute Widerspruch … im ununterbrochenen Opferfest der Arbeiterklasse, maßlosester Vergeudung der Arbeitskräfte und den Verheerungen gesellschaftlicher Anarchie sich austobt. Dies ist die negative Seite. Wenn aber der Wechsel der Arbeit sich jetzt nur als überwältigendes Naturgesetz und mit der blind zerstörenden Wirkung des Naturgesetzes durchsetzt, das überall auf Hindernisse stößt, macht die große Industrie durch ihre Katastrophen selbst es zur Frage von Leben oder Tod, den Wechsel der Arbeiten und daher möglichste Vielseitigkeit des Arbeiters als allgemeines gesellschaftliches Produktionsgesetz anzuerkennen und seiner normalen Verwirklichung die Verhältnisse anzupassen. Sie macht es zu einer Frage von Leben oder Tod, die Ungeheuerlichkeit einer elenden, für das wechselnde Exploitationsbedürfnis des Kapitals in Reserve gehaltnen disponiblen Arbeiterbevölkerung zu ersetzen durch die absolute Disponibilität des Menschen für wechselnde Arbeitserfordernisse; das Teilindividuum, den bloßen Träger einer gesellschaftlichen Detailfunktion, durch das total entwickelte Individuum, für welches verschiedne gesellschaftliche Funktionen einander ablösende Betätigungsweisen sind.« (Marx, Kapital.) |Siehe Karl Marx: »Das Kapital«, Bd. I, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd. 23, S. 511/512|“ (ebd., 274, 275)

Viele gruesse

lupus

23 G.Lauterbach (06.02.2009, 18:44 Uhr)

Stichwort: Urkommunismus. Auf welcher komplexen und bis heute noch nicht wieder erreichten Produktionsweise der menschlichen Lebensmittel, die Produktionsmittel eingeschlossen, ruhte er? Diese Frage stellen heißt die Antworten auf die heutigen Konflikte finden. Wenn man dialektisch daran geht könnte man sagen das diese Form von Gesellschaft auf dem kompliziertesten „Produktionsorganismus“ ruhte den es auf dieser Welt je gab, der natürlichen Biogeozönose dieser Welt, welche bis heute noch nicht annähernd genug erforscht und erkannt ist. Die Arbeit in ihrer heutigen Form ist die Zerstörung jener Form, weil der Mensch sich nicht darin länger aufhalten konnte, weil er menschlich Lernt und damit immer weitergehende Bedürfnisse und Bedürfnissformen produktiv entfaltnen kann, darin unterscheidet er sich vom Tier.

Die Metaepoche der Klassengeselligkeiten ist die Zerstörung, hier unbewußte mit Bewußtsein durchgeführte Tat von Milliarden von nun toten und noch lebenden Menschen. dieser natürlichen, ursprünglilchen Welt. Die Naturkraft Mensch passt sich die Welt seit tausenden von Jahren an und verändert sich so mit seinen Veränderungen. Die negative Seite dabei ist, das Menschen als Menschen andere Menschen als Naturkraft benutzen um diese produktive Zerstörung voranzutreiben. Die als Produktivkräfte eingesetzen und somit schon verstandenen Naturkräfte, welche eben Gratiskräfte sind, beizeichnen in großen Schüben die Entfaltung der Menschenrasse als gesellige Individuen, und seine schon errungene Form von Gesellschaft. Eines Individuums welches sich auch in der Gesellschaft vereinzeln kann, meinte Marx.

Wir Menschen bedürfen als stoffliche Wesen die Stofflichkeit dieser Welt; nur die Zusammenhänge dieses aktiven Stoffwechsels machen uns zu Lebewese, einem merkwürdigen Zustand der sonst toten Materie.

Die kapitalistische Produktionsweise ist die der Mensch-Maschinenproduktion, wobei ich unter der Maschine nicht das einzelne Aggregat, den Industreizweig usw. sondern die Totalität aller von Menschen geschaffenen Dinge in ihrer Einheit als Produktions- und damit zugleich als Konsumtionsmittel und darin eingeschlossen die vermittelnden Bewegungen verstehe. Der Wert als allgemeingültiges Maß, hier die notwendigerweise gesellschaftlich verbrannte Menge von humanoider Energie welche in den Gebrauchsdingen festgeronnen, hat in diesem Universum als menschliches Maß seinen historischen Sieg errungen und beherrscht nun die Beherrscher, siehe aktuelle Werltwirtschaftskrise.

Diesem Wert, als automatisches Subjekt und Beherrscher der Menschen, zu entkommen bleibt nur eines zu tun, die menschliche Arbeit massenweise der Verbrennung zur stofflichen Umwandlung der Welt zu entziehen und zwar auf die Art, dass die Bedürfnisse in steigendem Maße befriedigt und damit wieder neu auf höherer Stufe(qualitativ) erzeugt werden, damit wird diesem wahrhaftig metapyhsischen geselligen „Dinges“, welches in der Wirklichkeit die Beziehungen der Menschen untereinander fundamental bestimmt. der Garaus bereitet.

Dieser Prozess ist schon seit Beginn der kapitalistischen Ära progressiv zu Beobachten. Dabei wird die Anfangs nur sporadisch erkennbare Globale Maschine nur in Teilen sichtbar, weil sie nur Teilbereiche der Gesellschaft affiziert, als Teilaggregat wirklich produziert ist. Etwa zu Marxens Zeiten beginnt aber deren beschleunigter Aufstieg. Zu dieser Maschine gehört, wie schon gesagt alles was von Menschenhand geschaffen wurde und wird. Das „Wohnhaus“, als Reproduktionsstätte für das Humankapital wie als Geburtshaus für den Kaptialisten als Vertreter der toten Arbeit, die Eisenbahn wie die Autobahn, egal ob für direkte Produktion oder Konsumtion welche sich ja gegeseitig durchdringen. Auch das Theater, der geforstete und heute auch der ungeforstete Wald, die Weltmeere als „Wasserstraßen“ und der Luftraum als „Luftbrücke“, dem jüngsten Kind, der Weltraumfahrt, ist ihre Herkunft aus der Maschine und das Teil sein dieser Maschine anzusehen.

Die Menschen leben von und für dieses Monster, sie passen ihre Gesellschaft des von ihnen Geschaffenen an und können es nicht verlassen, weil sie der Hauptbrennstoff sind der diesen Leichnam minütlich beleben muß. Das ist die reale Basis für das „eiserne Gehäuse der Wertverwertung“, wobei in der Tat es so ist das Eisen mittlerweile nur eine geringe Rolle spielt. Aber die Machine als Maschine ist eben das potenzierte einfache Arbeitsmittel, heute in der globalen Form zu studieren.

Was passiert nun wenn man diesem Monster nicht mehr Menschen implementieren muß um es am laufen zu halten, sondern einen biologischen Ersatz hinzufügt um wirklch im Sinne des Lebens autoreproduktiv zu werden. Die Bedingung die der junge Marx für eine höhere Form der Gesellschaft gestellt hat wäre erfüllt. die Aufhebung der Arbeit als Arbeit.

Also nicht der Computermensch vor seiner Maschine ist die Lösung, wenn auch unbedingte Mitvoraussetzung, sondern die Herstellung des alten Produktionsorganismus mit einer neuen und höheren, weil durch den Menschen und seine Bedürfnisse bestimmten, menschlichen Qualität. Ich nenne diesen durch die Genetik und die molekularbiologischen Forschungen angefeuerten Prozess, die Biologisierung der Produktionsmittel.

24 Wege aus dem Kapitalismus » Hubert Herfurth: Zur WAK- und Peer-Ökonomie Diskussion (22.06.2009, 08:51 Uhr)

[…] dem Kapitalismus!” Christi­an Siefkes’ Peer-Ökonomie Konzept von meiner Kritik “Gesellschaftlichkeitsdefizite der Peer-Ökonomie” freizustellen, basiert auf dem grundsätzli­chen Fehlverständnis der […]

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