Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Freie Uni Hamburg

Arbeitskreis Lokale Ökonomie HamburgDer Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg hat ein neues Projekt gestartet: Die Freie Uni Hamburg. Die Ankündigung spricht für sich, deswegen sei sie hier im Folgenden komplett wiedergegeben.

Wissen können sich die Menschen unentgeltlich weitergeben. Dadurch wird es nicht verbraucht sondern verbreitet. Gerade durch das Internet stehen große Mengen Wissen über Natur und Gesellschaft für alle frei zur Verfügung. Aber in einer Gesellschaft, in der so vieles zu einer Ware geworden ist, wird ständig versucht, auch Wissen zu privatisieren. Studiengebühren wurden eingeführt. An den Universitäten und Schulen wurde das Lernen in den letzten 30 Jahren stärker auf erwartete Leistungen, Prüfungen, Scheine und Noten hin ausgerichtet, die Freiheit von Lernen und Lehren beschränkt. Das Verhältnis zwischen der lehrenden und der lernenden Rolle ist meist einseitig geblieben.

Eine Uni für alle

„Uni“ meint hier nicht Fakultäten und selbsternannte akademische „Eliten“, sondern anspruchsvolle Bildung für alle – und zwar ohne Geld!!

Bildung und Lernen stehen aktuell in hohem Maße unter dem Zwang zur Erwerbsarbeit. Deshalb kann eine freie, gegenseitige Wissensvermittlung, zunächst nur in davon abgekoppelten Freiräumen sinnvoll stattfinden. Dazu möchte die Freie Uni HH einen kleinen Betrag leisten. Sie richtet sich an alle Menschen, besonders auch an diejenigen, die sonst nicht die Gelegenheit hätten, eine Uni zu nutzen. Sie versucht, sich mit dem sonstigen Leben zu verbinden. Die Freie Uni strebt danach, Bildung von der sich weiter verdichtenden Abhängigkeit von Waren und Geld zu lösen.

Es wird in kleinen, selbstorganisierten Gruppen gelernt – in freiwilligen Neigungsgruppen. Hier kann man sich gut kennen lernen. Alle tragen nach ihren Möglichkeiten zu den jeweils selbst gesteckten Bildungszielen bei. Noten, Scheine, Zeugnisse gibt es nicht.

Eine Lerngruppe entsteht, wenn eine Anbieterin / ein Anbieter auftritt und sich Leute finden, das angesagte Thema in selbstbestimmter Weise zu behandeln. Jede (r) kann etwas anbieten oder TeilnehmerIn sein. Die Gruppen können all ihre Lernbedingungen frei gestalten – auch z.B. eine Höchstgrenze der Teilnahme für sich festlegen.

Die Freie Uni HH gestaltet ihren gesamten Ablauf mit möglichst wenig Kosten, um unabhängig vom Warenwert zu bleiben. Das bedeutet, die Lerngruppen treffen sich in den Wohnungen der Beteiligten und überall dort, wo es nichts oder fast nichts kostet und wo sie wollen.

Sich gegenseitig helfen

Die sich weiterbildenden Aktiven können ihr erworbenes Wissen selbstverständlich für ihre Erwerbsarbeit nutzen. Im Rahmen der Freien Uni geben sie sich gegenseitig dieses Wissen umsonst. Sie sind gebeten – wenn sie wollen, dieses Wissen auch weiter einer auf freien, gegenseitigen Hilfen beruhenden Bildung und Produktion zu schenken. Für diese gebündelten gegenseitigen Hilfen hat der Arbeitskreis Lokale Ökonomie e.V. einen pluralistischen, demokratisch weiter gestaltbaren Rahmen geschaffen. In den Räumen des „AK LÖK“ können Gruppen unentgeltlich starten oder gegen einen kleinen Mietbeitrag tagen. Die Freie Uni ist jedoch unabhängig davon, d.h. verwaltet und bestimmt sich selbst.

Macht mit!

Bietet neue Lernthemen an oder seht in der Liste der Gruppen (unten auf dieser Seite), ob euch ein Angebot interessiert !

Kontakt: neuearbeithamburg@web.de

Kategorien: Freie Inhalte, Soziale Netzwerke

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20. Januar 2008, 11:11 Uhr   4 Kommentare

1 StefanMz (20.01.2008, 15:22 Uhr)

Aha, damit hat der AK LÖK es sogar in die Welt-Online geschafft: http://www.welt.de/welt_print/article1472651/Lernen_auf_Augenhoehe.html

2 Katrin (20.01.2008, 20:46 Uhr)

Das ist eine grandiose Idee. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg bei der Umsetzung. Ich könnte etwas aus der Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Immobilienwirtschaft und Immobilienbewertung beitragen.

3 Mutti666 (20.01.2008, 23:20 Uhr)

Es gibt noch was : Dienstleistungstausch. Gejagt wird es auch schon und das kann alles beinnhalten. Wissen weitergeben ist sehr gut wenn eine Empfänglichkeit besteht. An dieser Stelle halte ich lieber die Nettiquette ein, weil genau da fängt etwas an, was ich vermeiden möchte. Die Brutalisierung der Sprache, um eine Aufmerksamkeit zu bauen. Es gibt ja auch akkustische Signalmunition., die Disziplin zurückfordert im Getöse der legitimen Kriegsknutscherei (Sarg Assnuss).
Weiterbildung zu organisieren ist ein guter Gedanke, der aber sofort eine möglich Kriminalisierung nach sich ziehen könnte..Oder? Waren wir doch gerade.. Ich muss mich derbe zusammenreissen. Am liebsten würde ich auch mal so sein wie die, die ich assimiliert habe…

4 Neue Schule Hamburg — keimform.de (21.01.2008, 12:39 Uhr)

[…] der neu gegründeten Freien Uni Hamburg entwickelt sich Hamburg wohl gerade zum Eldorado für Freunde Freien Lernens und das unter […]

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