Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
Artikel drucken

Die sechs Stufen der Krise

Alle reden über die fiese Krise. Dabei geht oft einiges durcheinander. In der marxistischen Diskussion gibt es eine lange Geschichte von Krisentheorien, die in einem Text von Thomas Sablowski sehr gut zusammengefasst wird. Er schließt mit den Worten:

„Das zeigt, dass die Kapitalakkumulation kein rein ökonomischer Prozess ist, sondern auch politische und militärische Dimensionen hat. Die politischen und militärischen Prozesse bleiben jedoch umgekehrt unverständlich, wenn sie nicht auch mit den Mitteln der Akkumulations- und Krisentheorie analysiert werden.“

Das klingt nach einem anspruchsvollen Programm. Aber man kann ja trotzdem mal anfangen. Um die „politische und militärische Dimension“ zu verstehen ist es absolut erforderlich eine historische Perspektive einzunehmen und zu schauen welche Art von Krisen wir bereits beobachten konnten und was ihre auslösenden Tendenzen sowie ihre Auswirkungen waren. Das will ich im folgenden tun.

Meiner Auffassung nach gibt es sechs Stufen der Krisendynamik. Alle diese Krisen verweisen gleichzeitig auf Zyklen. Kein Aufschwung ohne Krise. Der Character von Krise und Aufschwung ist allerdings komplett unterschiedlich. Außerdem kommen diese Krisen selten in Reinform vor sondern sind in vielfältiger Weise miteinander verwoben. Am Schluß werde ich dann versuchen diese Krisenformen in Bezug zu setzen zu den aktuellen Ereignissen.

  1. Die Branchenkrise im klasssische Schweinezyklus. Die Nachfrage in einem Segment steigt, daraufhin wollen alle Gewinn machen und produzieren das nachgefragte Gut. Bis das dann auf dem Markt ist findet sich da ein Überangebot und … Rumms, die Preise Purzeln, Firmen gehen Pleite, Leute werden entlassen, das führt wieder zu einem Nachfrageüberhang und alles geht von vorne los. Das ist eine simple Angelegenheit und nicht zu vermeiden so lange die Menschen als isolierte Privatproduzenten auf Verdacht für den Markt produzieren und keine vollständige Information von den Plänen der anderen haben. Die Auswirkungen dieser Sorte der Krise – als solche – sind meistens begrenzt. gesamtgesellschaftlich wird weitergemacht wie vorher.
  2. Die konjunkturelle branchenübergreifende Krise. Auch die kennen wir alle aus eigenem Erleben. Alle paar Jahre gehen die Arbeitslosenzahlen rauf, das Wachstum runter. Der Mechanismus ist ähnlich wie beim einfachen Schweinezyklus aber durch die Verzahnung der Branchen erfasst er die gesammte Wirtschaft. Hier gibt es dann schon meist gesellschaftliche Auswirkungen. Neue Gesetze werden beschlossen, Regierungen abgewählt, Kriege angefangen um von Problemen abzulenken. Dennoch sind die Auswirkungen begrenzt: Oft auf einzelne Länder oder Gruppen von Ländern. Auch die grundsätzliche Produktionsweise bleibt unangetastet.
  3. Die lange-Wellen-Krise. Es deutet sehr viel darauf hin, dass der Kapitalismus ca. alle 50 Jahre in große Umbrüche verwickelt wird. Es handelt sich um eine weltweite Krise einer ganzen Produktionsweise. Zu letzt erlebten die Älteren von uns das in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts als der Fordismus an sein Ende kam. Diese Krisen gehen mit großen Verschiebungen in der Produktionsweise einher. Auch die Regulation des Weltsystems ändert sich. Die Finanzmärkte werden neu organisiert. Enorme politische Umbrüche und große Kriege zwischen Weltmächten finden statt. Neue infrastrukturelle Basisinnovationen und -Investitionen strukturieren Wirtschaft und Gesellschaft um (Eisenbahn, Automobil, Internet) und legen so die Basis für einen neuen Zyklus.
  4. Die hegemoniale Krise. Alle 100-200 Jahre hat sich der Kapitalismus auf noch gravierendere Weise verändert. Zentrum und Peripherie gruppieren sich neu. Es gibt eine neue Hegemonialmacht, die politische, militärische, wirtschaftliche, finanzielle und kulturelle Macht vereint. Seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts ist das die USA, vorher war es England. Die Phasen eindeutiger Hegemonie sind im historischen Vergleich meistens eher kurz, dazwischen liegen lange Phasen in denen verschiedene Mächte um die Vorherrschaft kämpfen. Oft kann ein Hegemon die Vorherrschaft in einzelnen Bereichen noch halten, wärend sie in anderen schon verschwinden. Gerade Finanzmacht tendiert dazu die anderen Bereiche zu überleben. Das war im Fall von England so und auch schon bei den Niederländern im 17. Jahrhundert. Die Veränderungen gehen so weit wie sie nur irgendwie gehen können ohne dass der Kapitalismus als Ganzes in Frage gestellt wird. Neue Leitbilder für Gesellschaften entstehen, ganze gesellschaftliche Gruppen definieren sich neu, die Lebensweise wird komplett umgekrempelt. Militärische Strategie verändert sich grundlegend. Neue Waffensysteme entstehen. Weltsichten verändern sich.
  5. Die Systemkrise. Die letzte dieser Art gab es zwischen ca. 1450 und 1650 als der Kapitalismus entstand. Für eine solche Krise müssen sehr viele Ursachen zusammenkommen. Neben politischen, militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen auch klimatische und epidemologische. Die Veränderungen gehen sehr tief bis ins gesellschaftliche Unbewußte. Was ein Mensch ist, wird grundsätzlich neu definiert.
  6. Die Menschheitskrise. Ob es eine solche je gab ist wohl nicht wirklich nachzuweisen. In der Matriarchatsforschung wird davon ausgegangen, dass die Entstehung des Patriarchats vor einigen tausend Jahren Folge einer solchen Krise war. Mal abgesehen von der Krise, die die Menschheit überhaupt erst hervorgebracht hat.

Krisen auf einer Stufe verstärken Krisentendenzen auf der nächsten Stufe. Es gibt da aber keinen Automatismus oder eine feste Anzahl von Zyklen in Stufe N innerhalb eines Zyklus der Stufe N+1 oder ähnlich deterministisches. Der konkrete Verlauf ist immer kontingent. Deswegen ist er ja aber nicht beliebig. Ohne Krisen auf Stufe N wird es keine auf Stufe N+1 geben und umgekehrt ändert sich der Character von Krisen auf Stufe N durch den Status des Zyklus auf Stufe N+1.

Wie ist nun die aktuelle Krise einzuordnen? Die direkte Ursache war tatsächlich eine ganz normale Krise auf Stufe 1, die Branchenkrise des amerikanischen Immobilienmarkts. Der amerikanische Immobilienmarkt ist allerdings eine sehr bedeutende Branche, so dass schon als direkte Folge dieser Krise eine konjunturelle Krise in Amerika entstand (Stufe 2). Eine Krise in Amerika als Sitz der hegemonialen Macht ist ausserdem sofort weltweit wirksam. Zusätzlich wurde seit dem Ende des Fordismus der Finanzsektor enorm ausgedehnt. Da die Immobilienkrise über undurchsichtigen Derivatehandel auch direkt auf die Wallstreet Auswirkungen hatte, wurde zudem aus der Immobilienkrise eine Finazkrise. Durch den beginnenden weltweiten Abschwung wird diese gerade noch verstärkt. Es spricht also sehr viel für das Ende eins langen Zyklus (Stufe 3). Das interessante daran ist, dass diese lange Welle dann insgesamt extrem kurz war, es wäre die kürzeste in der Geschichte des Kapitalismus.

Wie sieht es nun auf Stufe 4 (Hegenomie) aus? In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die amerikanische Hegemonie auf ihrem Höhepunkt. Man sprach von der „einzigen Weltmacht“. Seit dem 11. September ist klar, dass es militärische Herausforderungen für diese Weltmacht gibt auf die sie bisher keine Antwort gefunden hat. Auch kulturell sind die Einflüße aus Asien inzwischen wohl fast so stark wie die aus Amerika. Wirtschaftlich wird in Amerika hauptsächlich konsumiert, finanziert durch die Weltwährung Dollar. Ein gigantisches Handelsbillanz- und Haushaltsdefizit ist in den letzten Jahren aufgelaufen. Selbst unser Finanzminister sprach schon von einem bröckeln amerikanischer Hegemonie (sicher nicht ohne eigene Hoffnungen). Kurz darauf merkte er allerdings dass die eigenen Banken genauso in der Scheiße saßen wie die amerikanischen. Ob die amerikanische Hegemonie also am Ende ist, ist offen. Zunächst einmal sind ja die weltweiten Auswirkungen der Finanzkrise Ausruck dieser Hegemonie. Eine Finanzkrise in Japan hatten wir ja schon vor ein paar Jahren ohne dass es sofort zu weltweiten Auswirkungen kam. Es gibt aktuell sogar Tendenzen, die die amerikanische Hegemonie zu stärken scheinen, weil die Anleger ihr Geld welteit abziehen und in den vermeintlich sichereren Dollar zurücktransferieren.

Noch offener sind die Auswirkungen auf Stufe 5. Die Argumentation der Krisianer steht auf sehr wackligen theoretischen Beinen. Das muß nicht heißen, dass sie falsch ist, nur das es zunächst mal nur eine unbewiesene These ist, dass diese Krise eine Auswirkung einer Krise der Kapitalakkumulation ist, die bereits mit dem Ende des Fordismus begann. Das Gegenteil – dass also der Kapitalismus so oder so weitermacht wie bisher – ist aber genauso unbewiesen. Auf rein ökonomischer Ebene lässt sich diese Frage nicht beantworten, weil eben viele Aspekte in eine solch umfassende Krise einfließen müssten, nicht nur ökonomische. Insbesondere die unterschiedlichen Behauptungen darüber was im Sinne des Kapitals „produktive Arbeit“ ist, sind zunächst mal nur Behauptungen. Dazu gehört auch die hier vor allem von Stefan vertetene Universalgüterthese, die ja auch behauptet, dass bestimmte Arbeit – obwohl bezahlt – nicht für das Kapital produktiv sei, weil sie keinen Wert erzeuge.

Was heißt das alles für Keimformen? Zunächst einmal sind für Keimformen die sechs Stufen der Krise sechs Stufen der Chancen. Gleichzeitig bedeutet jede Krisenverschärfung aber auch eine Verschärfung der Rahmenbedingungen für Keimformen. Auf welcher Stufe auch immer die aktuelle Krise dann schließlich halten wird, ist es aber so oder so sehr wichtig die menschlichen Beziehungen zu stärken um den Unbillen der Zeit gewappnet zu sein. Dazu versuche ich mit meiner Idee der saturday-house-peer-production-resillient-community einen Beitrag zu leisten.

(Billizenz, Bildquelle)

Kategorien: Feindbeobachtung, Theorie

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , ,

23. Oktober 2008, 10:53 Uhr   42 Kommentare

1 Hannelore (23.10.2008, 16:58 Uhr)

Das ist eine interessante Einteilung, Benni. Als ich zu Ende gelesen hatte, war mir sooft das Wort Krise begegnet, dass ich mal seine Herkunft nachgeschlagen habe:
„die entscheidung in einem zustande, in dem altes und neues, krankheit und gesundheit u. ä. mit einander streiten“ – kriseln bedeutet auch „wimmeln“ (schweiz.) und „knirschen“. (bei Grimm)

Goethe schrieb: Alle Übergange sind Krisen, und ist ein Krise nicht Krankheit?“

Ich denke, das bringt es auf den Punkt, es ist eine Chance, wie du schon sagst, eine Gelegenheit und Keimform an sich. Und mir fällt dabei ein, wie Wilhelm Reich „Leben“ (biol.), in einer Formel beschreibt: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung. Dabei wechseln sich Angst und Lust ab.

Übrigens: ich schreibe ja auf meinem Blog über Wandel, vom Patriarchat zu Web 2.0. Das würde Nr. 5 – Systemkrise entsprechen, oder?

Gute Gedanken, thanx!

2 mmh (23.10.2008, 17:11 Uhr)

Sehr interessanter Beitrag.
Als Ergänzung fällt mir da aber noch Andreas Exner ein (http://www.social-innovation.org). Peak Oil und evtl. bald Peak Everything… Wären das nicht Phänomene auf Ebene 6.
Die Dialektik von Lohnarbeit/Mehrwertakkumulation und Absatzmärkten, ist wirklich eine sehr spannende Angelegenheit. Es bleibt die Frage, womit sich die „reale Akkumulation“ deckt, wenn die Abätzmärkte, auf denen kaufkräftige Nachfrage von Lohnarbeitern auftritt, kontinuierlich schrumpfen.

3 benni (23.10.2008, 18:33 Uhr)

@Hannelore: Im Grunde sind wir seit der Entwicklung der Atombombe ständig auf Stufe 6.

@mmh: Peak Oil bedroht ja nicht die Menschheit an sich, sondern den Kapitalismus. Natürlich müssen trotzdem Milliarden drunter leiden.

4 e.r. (23.10.2008, 19:26 Uhr)

randnotiz:

„Das interessante daran ist, dass diese lange Welle dann insgesamt extrem kurz war, es wäre die kürzeste in der Geschichte des Kapitalismus.“

ich habe irgendwann um 2003 mal geschrieben, wir leben eher am Ende des 4. Kondratjew, anstatt am Beginn des 6., da die Mikroelektronik die Produktionsweise bisher nur modernisiert (effizienter gemacht) hat – es gibt auch Studien, die nachgewiesen haben, das die Einführung neuer Technologien erst mal zu Effizienzverlust geführt haben, aber nicht grundlegend erneuert (perfektionierter Fordismus?). Kann man drüber streiten, ich halte immernoch daran fest… Das freiberuflich tätige Prekariat ist ja ein recht junger Trend, der die Zukunft der Lohnarbeit und der Kapitalakkumulation ändert.

5 mmh (23.10.2008, 20:36 Uhr)

@benni: stimmt, da habe ich mich mit der Ebene vertan.
Peak Everything bzw. die Unbrauchbarmachung von grundsätzlichen Lebensbedingungen der Gattung,
wie Trinkwasser, Atembarer Luft, stabilem Klima, fruchtbarem Land, Ausrottung von gemeinfreien Nutzpflanzen (Ersetzt durch Variaten mit „genetischem Kopierschutz“) usw.,
sind m.E. kapitalistische Projekte bzw. Auswirkungen des K., die auf Stufe 6 anzusideln wären.

6 benni (24.10.2008, 09:01 Uhr)

@e.r: hast du einen link zu dem text? gerne auch per e-mail.

Bin aber skeptisch. Zum einen sprechen die Daten eine andere Sprache. Die Stagflation der 70er und der Aufschwung seit den 80ern passt da nicht rein. Zum anderen: Selbst wenn es so wäre, wäre es nicht die kürzeste lange Welle aller Zeiten sondern die längste. Also so oder so eine Anomalie.

7 Symboljournalismus « Bedeutungswirbel (24.10.2008, 09:41 Uhr)

[…] Die sechs Stufen der Krise“Einmal Linux” — “Bitte sehr, macht 10,8 Milliarden Dollar”Elevate the commonsLeuchtendes […]

8 e.r. (24.10.2008, 20:45 Uhr)

@benni:

kann ich gern mal heraussuchen (ist aber keine sehr wissenschaftliche Arbeit). wo finde ich denn deine e-mail-adresse? bin jetzt das wochenende aber erst mal weg.

9 Peter (25.10.2008, 23:32 Uhr)

Danke für den interessanten Artikel, ich finde ihn sehr plausibel und anregend. Mal sehen, wann sich herausschält, auf welcher Stufe wir uns derzeit befinden, ob 3, 4 oder 5…

10 StefanMz (26.10.2008, 01:16 Uhr)

Ohne Krisen auf Stufe N wird es keine auf Stufe N+1 geben

Wieso nicht?

11 benni (26.10.2008, 09:02 Uhr)

@Stefan: Weil eine Krise auf Stufe N+1 sich notwendig ausdrückt in Krisen auf Stufe N. Der logische Zusammenhang ist also umgekehrt zum beobachteten. Die Krisen auf niedrigerer Stufe sind ja leichter erkennbar.

12 Anstatt eines Kommentars « Bedeutungswirbel (26.10.2008, 14:49 Uhr)

[…] Einige Thesen zur P2P-GesellschaftOpen-Source-Bagger in AktionDie sechs Stufen der Krise“Einmal Linux” — “Bitte sehr, macht 10,8 Milliarden Dollar”Elevate the commonsLeuchtendes […]

13 Kommt der ganz große Crash? « Bedeutungswirbel (13.11.2008, 10:20 Uhr)

[…] Crash hatten wir ja schon. Kommt vielleicht noch der ganz große? Also Krise nicht mehr nur auf Stufe 3, sondern Stufe 4 oder gar 5? Also nicht nur eine Krise des Akkumulationsmodells, sondern eine der Hegemonie oder gar des […]

14 Readers Edition » Über den Gartenzaun … (20.12.2008, 03:12 Uhr)

[…] Die sechs Stufen der Krise: Chancen für Keimformen. [mehr] […]

15 StefanMz (05.02.2009, 17:30 Uhr)

Juli hat dazu einen Artikel geschrieben: Fundamentaler Krisenprozess

16 benni (05.02.2009, 19:05 Uhr)

Ah, danke Juli, dass Du das Thema aufgreifst. Leider kann man bei Krisis nicht kommentieren. Warum eigentlich nicht? (Das war eine rhetorische Frage, ich kanns mir leider denken) Na, dann halt hier. Vielleicht hab ich ja Glück und Juli liest hier mit. Du schreibst zur Hegemoniekrise:

„So richtig diese Beobachtung sein mag, so oberflächlich bleibt sie auch. Denn es ist ja keineswegs ausgemacht, das dieser relative Hegemonieverlust die Ursache der zu beobachtenden Prozesse ist – und nicht vielleicht ihre Folge.“

Das hiesse ja aber noch lange nicht, dass es nicht eine neue hegemoniale Ordnung geben könnte. Das muss auch kein Nationalstaat als Hegemon sein. Es reicht ja wenn es irgendeine Institution gibt, die die Verwertung ermöglicht. Mir fehlt das Argument in Deinem Text, dass eine solche nicht möglich sei. Das mit der Rationalisierung kann da nicht das Argument sein. Die Rationalisierung entspringt ja selbst erst den letzten beiden hegemonialen Phasen. Prinzipiell spricht zumindestens aus dieser Perspektive nichts gegen einen postindustriellen Kapitalismus. Der würde sich dann natürlich sehr stark vom industriellen Kapitalismus unterscheiden. Mindestens so sehr wie dieser vom vorindustriellen Kapitalismus. Es ist ein Grundfehler der allermeisten Kapitalismuskritik (auch der von Marx), dass sie zu sehr auf die industrielle Spielart des Kapitalismus fixiert ist.

Ganz generell führt glaube ich auch die Suche nach _der_ Ursache der Krise ein Stück weit in die Irre. Die Ursachen addieren sich eben in allen Krisenstufen. Jede Stufe alleine ist wenig aussagekräftig.

17 StefanMz (05.02.2009, 23:49 Uhr)

Ah, in Julis eigenem Blog ist der Artikel auch: Fundamentaler Krisenprozess. Da kann man kommentieren 😉

18 e.r. (06.02.2009, 21:01 Uhr)

als wallersteinist möchte ich zum thema auf diesen beitrag hinweisen…

19 benni (07.02.2009, 11:14 Uhr)

@e.r.: Interessant das Wallerstein den Diskurs verschärft auch wenn es nichts substantiell neues ist. Aber der hats ja auch gut, den wird in 30 Jahren niemand mehr zur Rechenschaft ziehen können, wenn er nicht recht behält 😉

20 e.r. (08.02.2009, 13:26 Uhr)

@benni: das problem ist nur, das wallerstein mit seiner negativen prognose recht behalten wird – schaut man sich mal die aktuellen tendenzen etwas genauer an….

21 benni (08.02.2009, 13:57 Uhr)

@er: Ja die Jahre vor uns werden wohl ziemlich hart. Aber dass sich in der Krise die autoritären Tendenzen verschärfen muss nicht bedeuten, dass sie nach der Krise nicht doch verlieren. Zumindestens so lange wir nicht aufgeben.

22 Thomas Berker (08.02.2009, 14:25 Uhr)

Eben, ich dachte immer Ende des Kapitalismus ist was Gutes. Davon abgesehen sind wahrscheinlich nur eingefleischte Kapitalisten und ihre eingefleischten Gegner davon ueberrascht und schockiert, dass Geschichte sich bewegt und das Morgen nicht wie das Gestern sein wird.

23 Martin (08.02.2009, 16:04 Uhr)

Das Morgen wird nicht wie das Gestern sein, und der Kapitalismus wird irgendwann enden. Aber ich glaube nicht, dass diese Krise der Anlass dafür sein wird. In einigen Jahren ist sie vorbei, und dann werden die bürgerlichen Medien, die jetzt „Hilfe, die Welt geht unter!“ schreien, große Artikel über die „Wiederauferstehung des Kapitalismus“ schreiben und behaupten, er habe seine Stärke und Widerstandsfähigkeit bewiesen, sich den Zeiten angepasst usw. Beides – die jetzt übertriebene Einschätzung der Krise wie der „Rebound“ im Selbstbewusstsein der Herrschenden, der nach ihrem Ende kommt – resultiert daraus, dass die Krisenhaftigkeit des Kap. nicht ausreichend berücksichtigt wird. Es ist kein Zufall, dass Marx in der bürgerlichen Ökonomie ignoriert wird, obwohl er auch nach ihren Standards und Interessen (rein systeminterne Analyse) einer der wichtigsten Ökonomen war. Stattdessen hat man Modelle aufgestellt, die die Krisen nicht anerkennen (die „Gleichgewichtstheorie“ und die auf ihr basierende Neoklassik).

Ich halte es da eher mit Marx und denke, dass die jetzige Krise im Wesentlichen eine der normalen, ca. alle 10 Jahren auftretenden des Kap. ist. Dazu könnten derzeit noch einige verstärkende Faktoren kommen, aber es ist auch nichts Ungewöhnliches, das Krise dazu dienen, die nötigen Systemanpassungen durchzuführen. So läutete die „Depression“ 1929-33 nach einer allzu wirtschaftsliberalen Zeit die Wende zum staatlich kontrollierten, beauftragten und subventionierten Kapitalismus ein, Unternehmer und Staat rückten enger zusammen, in den USA wurden Gewerkschafter von den Unternehmen ermordet (und der Staat drückte zwei Augen zu), gleichzeitig wurden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft durchgeführt (New Deal). Meine Befürchtung ist, dass es auch diesmal eine Wende zu mehr Staatsautorität geben wird.

Aber das ist IMO kein Grund, etwas anderes als eine der periodischen Krisen zu sehen, denn diese waren immer die Gelegenheit, nötige Anpassungen durchzuführen. Wir erleben vielleicht grade das Ende des Neoliberalismus und einige Veränderungen im Bankensektor wird’s auch geben. Der Anfang vom Ende des Kap. ist das aber leider noch nicht.

Allerdings ist es möglich, dass jetzt manche Menschen beginnen, am Kap. als funktionsfähigem System zu zweifeln und sich über Alternativen Gedanken zu machen. Die Leute, die sich nach dem Ende der Krise von dem oben beschriebenen „Rebound“ – der Kap. hat eben doch recht! – nicht überzeugen lassen, könnten vielleicht zu einem Potential für die Systemalternativen (wie die Peer-Ökonomie) werden.

24 StefanMz (08.02.2009, 17:17 Uhr)

@Martin: Was mir nicht einleuchtet, warum Leute, die es mit Marx halten, par tout die jetzige Krise zu etwas ganz Normalem erklären müssen. Es gibt aus meiner Sicht sehr wohl eine Menge Gründe, in der jetzigen Krise »etwas anderes als eine der periodischen Krisen zu sehen«. Die beiden wichtigsten sind das Zurückgehen der Verwertungsbasis und die herangerückten Ressourcen-Krisen. Es reicht nicht aus, bloß »periodische Krisen« anzuerkennen, sondern der fundamentale Charakter der jetzigen Krise ist zu verstehen.

Nun wissen wir alle nicht, ob es nach dieser Krise unter Umständen eine relative »Wiederauferstehung« geben wird und wenn ja, werden sicher dabei auch einige Umkonfigurationen vorgenommen. Zu meinen, das sei aber das wiederkehrende immer Gleiche (eine Art »Zurück auf Null«), halte ich für gefährlich. Stattdessen kommt es darauf, die sich neu ausbildende Spezifik zu verstehen, und die wird definitiv nicht »die gleiche« sein wie eh und je.

Wenn man davon ausgeht, dass der letzte Aufschwung »blasengespeist« war (und damit meine ich nicht die normale Kreditfinanzierung), dann heisst das (a), dass ohne fiktives Kapital keine Realverwertung mehr geht und (b), dass eine neue Blase her muss, um einen neuen »fiktiven Zyklus« anzufeuern. Es scheint mir völlig klar auf der Hand zu liegen, dass das nix mit Periode zu tun hat und dass damit irgendwann Schluss ist. Dieser Aspekt fehlt mir im übrigen auch in den sechs Stufen von Benni. Eine analoge Argumentation gilt aus meiner Sicht für die Seite der stofflichen Ressourcen: irgendwann ist Schicht.

25 benni (08.02.2009, 18:24 Uhr)

@stefan: Wieso fehlt das in den Stufen? Das was Du beschreibst wäre eine Systemkrise (Stufe 5).

Für sicher halte ich, dass wir uns in einer Stufe4-Krise (Hegemonie) befinden. Noch am Ende jeder hegemonialen Phase gab es bisher eine Finanzblase mit der die Hegemonie sich noch eine Weile über die Zeit rettete. Ebenso gab es bisher noch in jeder Hegemoniekrise eine Ressourcenkrise (das fehlt tatsächlich oben). England wurde u.a. Hegemon, weil sie die europäische Holzkrise durch die Kohle gelöst haben. Hinterher ging es dann auf gänzlich anderer Grundlage sowohl was Ort des Zentrums als auch was die grundsätzlichen Parameter der Akkumulationsdynamik anging wieder los. Bisher war allerdings schon immer ein neuer örtlicher Hegemon in den Startlöschern wenn es zur Krise kam. Dieser Rivale hat diesmal schon ein paar Jahrzehnte vorher das zeitliche gesegnet. Deshalb glaub ich, dass diese Hegemoniekrise tatsächlich etwas neues beinhaltet: An ihrem Ende wird kein neuer klassischer Hegemon stehen sondern eine integrierte globale Regulierung irgendeiner Form. Ob diese kapitalistisch, faschistisch oder commonsorientiert sein wird, halte ich für offen und unserem Handeln zugänglich.

26 Martin (08.02.2009, 19:54 Uhr)

@Stefan: Natürlich muss man eine differenzierte Einschätzung vornehmen, ob es sich um mehr als eine periodische Krise handelt. Aber IMO spricht da manches dagegen. Z.B. wird immer wieder behauptet, dem Kap. gehe die Arbeit aus, so auch von Juli in dem oben verlinkten Text. Stimmt aber nicht: Die Erwerbsquote ist in den letzten 30 Jahren beharrlich gestiegen. So verrückt es klingt: Heute haben z.B. in Deutschland MEHR Leute Arbeit als jemals zuvor. (Dass es trotz Arbeitslosigkeit immer mehr werden, kommt v.a. daher, dass mehr Frauen arbeiten.)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2187/umfrage/entwicklung-der-erwerbsquote-in-deutschland/

Wenn man dann noch dazurechnet, dass länger gearbeitet wird – so war ja vor 30 Jahren eine 40-Stunde-Woche noch realistisch und das Ausmaß, in dem heute meist unbezahlte Überstunden geleistet werden und sich Menschen für geringes Geld selbstausbeuten, unvorstellbar. Schön ist das alles nicht, aber es bleibt die Tatsache: Von einem „Ende der Arbeit“, selbst der bezahlten, kann nicht die Rede sein. (Übrigens ist selbst die Arbeitslosigkeit – die die wachsende Erwerbsquote nicht widergespiegelt hat, da eben mehr Arbeit suchen – der derzeit bei gut 3 Mio., vor 10 Jahren war sie noch bei 5 Mio.)

Wieso meinst du, dass der Aufschwung „blasengespeist“ ist und es jetzt nur noch fiktive Zyklen gibt? Welche Indizien gibt es denn dafür? Dass die Rohstoffe endlich sind, ist klar, aber es ist doch längst eine Umstellung auf andere Bereiche – Dienstleistungen, nicht-materielle Produktion, erneuerbare Energien – im Gange.

27 Martin (08.02.2009, 19:59 Uhr)

@benni: „Hegemonie-Krise“: Da stimme ich dir zu, in dem Sinn, dass die USA an Bedeutung verlieren und Asien gewinnt, haben wir derzeit ganz sicher. Aber das scheint mir auch nur eine Verlagerung von wirtschaftlichem Schwerpunkt zu sein, die natürlich mit allerlei Reibungen und krisenhaften Erscheinungen einhergeht, aber durchaus keine ernsthafte Gefährdung des Kap. Eigentlich ein ganz normaler Prozess – man denke an die Hegemonie-Verlagerung weg von England ca. um den 2. Weltkrieg herum. (Übrigens hat sich England dann wieder erholt und ca. seit den 80er Jahren spielen sie wieder vorne mit. Das traue ich den USA potentiell auch zu – kann aber auch sein, dass es nicht klappt. Aber dann schlägt eben das Herz des globalen Kapitalismus in Zukunft woanders.)

28 benni (08.02.2009, 20:37 Uhr)

@Martin: Hegemonie ist mehr als blos Verlagerung der Produktion. Es geht um neue Produktionsweisen (allerdings innerhalb des Kapitalismus). „ganz normal“ ist das alleine schon deswegen nicht, weil es nur alle 100-200 Jahre auftritt und jedes Mal war der Kapitalismus tatsächlich in einer Existenzkrise. Das „er“ da automatisch rauskommt ist alles andere als gesichert.

Deine Rechnung mit der Arbeitsmenge stimmt so übrigens nicht. Zum einen ist die Arbeitslosenstatistik gefälscht und zum anderen _sinkt_ die Arbeitszeit im Mittel, weil Teilzeitarbeit zunimmt. Aber wirklich sinnvolle Statistiken gibt es da nur für die Metropolen und selbst die haben ihre Tücken.

29 StefanMz (09.02.2009, 19:30 Uhr)

@Martin#26: Du bist ja lustig! Weil mehr Leute arbeiten, nimmt die Arbeit zu — also so etwas erzählt noch nicht mal die Arbeitsagentur. Die wissen sehr wohl um die Teilzeitarbeit. Eigentlich müsstest du auf China oder Indien zeigen und sagen, dass dort die Arbeit zunehme, denn sinnvoll kann man das nur global betrachten. Ist aber auch eine Milchjungen-Rechnung, denn die Produktivität ist dort drastisch niedriger.

Ich rede nicht von der Arbeitszeit, sondern von der Wertproduktion. Das Kapital findet keine erweiterbaren Möglichkeiten der Verwertung, also wandert es in die Finanzsphäre, wo dann die Blasen entstehen. Das »normale« Kreditgeschäft ist inzwischen völlig in den Hintergrund getreten. Die Wetten auf die Zukunft versprechen eben mehr Gewinne. Allein der Wert der CDS (Credit Default Swaps, das sind Kreditversicherungen) beträgt 40 Billionen Euro. Das entspricht dem Doppelten des Weltjahressozialprodukts. CDS werden nun ihrerseits als Derivate gehandelt, und bestimmt gibt’s Pakete, in denen CDS enthalten sind, die wiederum gehandelt werden. Derivate von Derivaten von Derivaten usw. Mit »Gewinnen« daraus oder Beleihungen werden nun reale Projekte finanziert usw. — das nenne ich einen »blasengespeisten Aufschwung«. Vgl. auch die Immobilienkrise in den USA (Beleihungen der fikitiven Wertzuwächse).

Ob es _nur_ noch fiktive Zyklen gibt, weiss ich nicht. Die Rolle des fiktiven Kapitals wächst jedoch dramatisch an. Und wieso der Aufschwung blasengespeist ist? Weil er ohne Zugriff auf zukünftige Verwertung heute nicht mehr stattfinden kann. Klar gibt es noch einen »normalen periodischen« Anteil, aber für mich grenzt es an Gesundbeterei des Kapitalismus, die fundamentale Krisenpotenz der Finanzblasen zu ignorieren oder klein zu reden. Das können wir doch nun wirklich der »herrschenden Politik« überlassen. Wir müssen ja nicht ins Gegenteil verfallen und den Untergang für morgen verkünden.

Und von wegen Umstellung: Du glaubst ernsthaft, der Kapitalismus wird aus eigener Logik von seiner fossilen Basis loskommen? Siehst du dafür substanzielle Anhaltspunkte? Wie hoch schätzt du den Anteil der Solarbasis an der Weltenergieversorgung?

Aber, Martin, eigentlich ist es mir auch wurscht, ob die Krise die »Normalität« oder den »Anfang vom Ende« anzeigt. Über die Notwendigkeit, eine Alternative zum Kapitalismus zu entwickeln, sind wir uns mutmaßlich einig. Sieh’s also als meine persönliche Marotte an, dass ich ziemlich schwarz sehe für die nahe Zukunft des »normalen Kapitalismus«.

30 StefanMz (09.02.2009, 19:33 Uhr)

@Benni#25: Ahso. Habe ich so nicht zuordnen können, weil mir die »wirtschaftlichen Ursachen« neben vielen anderen als zu unterbewertet erschienen.

31 benni (09.02.2009, 23:10 Uhr)

@stefan: naja, das ist eben der Erkenntnis geschuldet, dass eine solche Systemkrise historisch immer vielfältige Ursachen hatte. Denkbar, dass es diesmal anders ist, aber ich wüsste nicht so recht, warum. Du?

32 benni (10.02.2009, 09:55 Uhr)

Auch ganz interessant, aber etwas arg grobrasterig mit der Einteilung in „kleine“ und „große“ Krise: http://www.stuetzle.in-berlin.de/?p=147

33 StefanMz (10.02.2009, 11:19 Uhr)

@Benni: Ich meiner Sicht gibt es wohl in der Tat eine Hierarchie bei den Gründen. Für mich die Art und Weise der gesellschaftlichen Vermittlungsform bei der Herstellung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Kern und Fokus, sozusagen der Attraktor, auf den alle gesellschaftlichen Prozesse (Politik, Kultur, Wissenschaft, Militär etc.) zulaufen. Ich glaube also nicht, dass beispielsweise es in der Wissenschaft eine Krise geben kann, die alle anderen Sektoren runter reißt. Sondern umgekehrt, bedeutet eine Krise im Kernbereich der Produktion des gesellschaftlichen Lebens immer auch eine Krise in nahezu allen anderen Sektoren. Diese Krise im Zentrum würde ich durchaus als »Formkrise« bezeichnen, etwas ähnliches, was du vielleicht mit »Systemkrise« meinst (nur bei mir eben mit einem Attraktor).

Deswegen finde ich die Frage, die Stützle mit Bezug auf Altvater stellt: »Ist der Kapitalismus in einer Formkrise?« richtig. Nur war ich dann enttäuscht, was Stützle und Altvater sich als »gesellschaftliche Form« vorstellen: Eben nicht die Waren- und Wertform als Attraktor der gesellschaftlichen Vermittlung, sondern lauter abgeleitete Formen: Verhandlungsform, Repräsentationsform, Sozialstaat, politische Form etc. Mir ist schleierhaft, wie man sagen kann »Die Form selbst steht zur Disposition« (das denke ich auch), ohne dann über den Wesenskern der Form zu reden. Immerhin heißt das Ding doch »Kapitalismus«, da steckt doch schon im Wort »Kapital« die Wertform drin.

34 benni (10.02.2009, 12:20 Uhr)

@stefan: Es mag eine Hierarchie der Gründe geben. Aber wenn die klimatischen Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen oder eine richtig fiese Epidemie ausbricht oder neue militärische Entwicklungen aufkommen kann das eine so große Herausforderung für das was Du den „Kernbereich“ nennst sein, dass das durchschlägt. Historisch war es nun wohl immer so, dass solche Herausforderungen _nötig_ waren um ein ökonomisch-gesellschaftliches System zu beenden. Es mag Gründe geben, dass das diesmal nicht so ist, ich hab aber noch keine gehört. Was das Klima angeht könnte man zB. sagen, dass es ja gerade der Kapitalismus ist, der die kommende Klimakrise erst erzeugt. In anderen Bereichen ist das schon nicht mehr so eindeutig.
Auch mit der Wissenschaft wäre ich vorsichtig. Ohne funktionsfähigen Wissenschaftsbetrieb würde das Ganze wohl ziemlich schnell gegen die Wand fahren, oder?

35 StefanMz (12.02.2009, 23:01 Uhr)

@Benni: Eben, es ist der Kapitalismus, der die Klimakrise erzeugt. Es ist der gleiche Attraktor. Deswegen halte ich es für historisch einmalig, dass mit dem Kapitalismus eine globale Produktionsweise entstanden ist, die sich selbst und damit potenziell die Menschheit zugrunde richten kann — auch ohne Atomkrieg. Einfach durch »kaputt produzieren« aus Eigenlogik. Das gab’s noch nie.

36 Karl Mocnik (Motschnik) (21.05.2009, 01:17 Uhr)

In D zirkulieren monatlich ca. 200 Mrd. Euro. – Monatlich erhalten die 40 Mio deutschen Wertschöpfenden 200 Mrd. Euro ausbezahlt und dieses Geld geben sie monatlich wieder aus, verdienen die geldauszahlenden Stellen wieder zurück, bekommt der Markt als Kaufgeld wieder und kann im nächsten Monat wieder 200 Mrd. Euro für Löhne, Gehälter und Steuern und Investitionen zahlen. 200 Mrd. Euro monatlich, nicht mehr und nicht weniger, sind für das klaglose Funktionieren der deutschen Wirtschaft nötig! Diese 200 Mrd. Euro zirkulieren somit im Kreise, es ist dies also eine echte Geldzirkulation, die die Wertschöpfung ermöglicht.

Katastrophal ist aber, daß die Geldsparer und Anleger mindestens das 10-fache dieses Bertrages als aufgeschriebene Kontostände fordern. Schlimm ist das deshalb, weil sie nicht wissen, was sie damit bewirken.
Die Banken erfüllen natürlich deren Wünsche. Sie fragen nicht: Wollt ihr wirklich diese 10-Fache Summe abheben? Seid ihr nicht wahnsinnig? – Nein, das fragen die Banken nicht! Sie erfüllen vielmehr die Forderungen der Sparer und Anleger: Sie sagen, Na da habt Ihr Euer Erspartes, aber jammert nicht über die Krise!

Die Sparer wollen tatsächlich das Zehnfache des real existierenden Geldes abheben und sie jammern dann über die Krise, die sie damit verursachen, indem sie den Markt FLUTEN mit dem 10-fachen des normalen Geldes, das ja ohnehin zirkuliert.

So ungeheuer wahnsinnig ist eine solche Krise: Sie bringt die Menschen dazu, etwas zu tun, was sie sonst nicht täten, nämlich, den Markt mit unsinnig viel Geld, mit dem 10-fachen Geldvolumen von normalen Zeiten zu FLUTEN!
Es ist zwecklos, bei dieser Sachlage ausgerechnet Marx zu konsultieren, der konnte das ja beim besten Willen nicht erkennen, wie dumm die Leute 150 Jahre später wirklich sein würden!
Die Marxsche Theorie, von einigen hier angeführt, klingt nasal und stereotyp, man kann HEUTE damit garnichts anfangen!

37 Gemeingüter – Bindeglied einer starken sozialen Bewegung « CommonsBlog (16.08.2009, 23:39 Uhr)

[…] Commons sind bedroht wie lange nicht mehr. Das liegt meiner Meinung nach an der hegemonialen Krise des Kapitalismus. Er kann sich nicht mehr angemessen verwerten und ist deswegen auf verstärkte […]

38 benni (08.10.2009, 14:44 Uhr)

@Stefan: Doch gab es. Zb bei den Mayas oder auf der Osterinsel oder … ich lese gerade „Kollaps“ von Diamond. Da sind sehr viele faktenreich recherchierte Beispiele solcher selbst verschuldeten ökologischen Krisen drin. Das „globale“ daran ist allerdings wirklich neu und das ist tatsächlich eine Herausforderung vor der die Menschheit vielleicht erst 1-2 mal in prähistorischer Zeit oder vielleicht auch noch nie stand.

@Motschnik: Die Leute waren auch zu Marx Zeiten schon so dumm, weil das eben keine bloße Dummheit ist, sondern Eigeninteresse. Es gab auch damals schon Finanzkrisen und seine Theorie des Kapitalismus ist in Grundzügen immer noch gültig, weil der Kapitalismus inzwischen zwar zwei hegemoniale Krisen hinter sich hat, aber immer noch nach den selben Grundregeln funktioniert.

39 Basarökonomie oder Überproduktion – wo kommt die Krise her? — keimform.de (19.10.2009, 18:40 Uhr)

[…] zu beurteilen, muss man den Anteil andrer Krisenstufen an der jetzigen Krise abwägen und auch die verschiedenen Krisenstufen beachten. Überproduktion und Nachfrageschwäche sind aber sicherlich Aspekte der gegenwärtigen […]

40 The commons as a strategic perspective for social movements — keimform.de (30.11.2009, 17:22 Uhr)

[…] commons are more threatened than ever. In my opinion this is because of the hegemonic crisis (german) of capitalism. It cannot realize enough value any longer and is therefore thrown back to […]

41 Die Commons in den Zeiten der Cholera — keimform.de (10.01.2010, 10:36 Uhr)

[…] befindet sich der Kapitalismus in einer hegemonialen Krise. Das alte industrielle Akkumulationsregime funktioniert nicht mehr. Die derzeitige […]

42 10 Prinzipien des Übergangs — keimform.de (29.10.2015, 19:29 Uhr)

[…] Aufkommen einer neuen Produktionsweise wird nicht reibungslos abgehen, vor allem wenn die Krise des Kapitalismus sich immer weiter verschärft. Es wird dann versucht werden, die Peer-Ökonomie […]

Schreibe einen Kommentar