Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Apomediation: Das Verschwinden der Vermittler

Nicht immer ist das Neue im Alten etwas zusätzliches, dass zum Alt-Bekannten hinzutritt, manchmal ist das Neue auch darin, dass etwas abtritt. Ein prägnantes Beispiel sind die Vermittler (oha, kein sinnvoller Wikipedia-Eintrag!) oder Gatekeeper (soziologisch oder medientheoretisch) oder Intermediaries. Beispiele sind Journalist_innen, Musikindustrie, Hausarztsystem, Microsoft, Reisebüro, Bibliothekar_innen, Apotheken u.a.m. Nun ist das Verschwinden der Vermittler, die Disintermediation (völlig unzureichend erfasst in Wikipdia-DE) kein neues Phänomen.

Während der DotCom-Blase wurde die Disintermediation verkündet, sie trat aber dann nicht ein. Die Vermittler hatten sich rechtzeitig darauf eingestellt und die eine Gegenstrategie entwickelt mit dem netten Namen »bricks and clicks«. Das ist, kurz gesagt, die Verbindung von offline (»bricks«) und online (»clicks«) Präsenz des jeweiligen Geschäfts. Aber die Erholung währte nicht lange, nun sind sie dran. Schritt für Schritt werden die Vermittler auskooperiert.

Eine neue noch im Entstehen begriffene Form ist Apomediation. Dabei werden die Vermittler nicht einfach abgeschafft, sondern durch neue Formen der »kollektiven Begleitung« ersetzt. Gunther Eysenback schreibt in Medicine 2.0 dazu:

Der Unterschied zwischen einem Intermediary und einem Apomediary ist, dass ein Intermediary »zwischen« (lateinisch: inter- bedeutet »zwischen«) dem Konsumenten und der Information / Dienstleistung steht, was bedeutet, dass er ein notwendiger Vermittlungsagent ist, um die Information überhaupt zu bekommen. (…) Im Unterschied dazu bedeutet Apomediation, dass es Agenten gibt (Menschen, Werkzeuge), die »stand by« sind (lateinisch: apo- bedeutet separat, losgelöst, getrennt von), um den Konsumenten zu qualitativ hochwertigen Informationen und Dienstleistungen zu leiten… (eigene Übersetzung)

Apomediation basiert auf sozialen Netzwerken, Teilhabe, Zusammenarbeit und Offenheit. Ein vergleichbarer Prozess sei generell in den Wissenschaften zu beobachten. Gemeinsam genutzte Bookmarks oder der Übergang von Experten-Peer-Review Journalen zu netzbasierten Peer Review Modellen seien Beispielen. Allerdings gäbe es auch noch eine Reihe offener Forschungsfragen, etwa wie sich Apomediation-Modelle vor Betrügern schützen können.

Vom 4. bis 5 September widmet sich eine internationale Medicine-2.0-Konferenz in Toronto (Kanada) diesen Fragen: Web 2.0 in Health and Medicine.

Kategorien: Praxis-Reflexionen, Soziale Netzwerke, Theorie

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27. August 2008, 17:39 Uhr   1 Kommentar

1 benni (28.08.2008, 09:38 Uhr)

Ich hab mal irgendwo von einer Studie gelesen, die meinte belegen zu können, dass Leute, die sich im Internet über ihre Krankheit informieren schlechter gesund werden, als solche, die einfach ihrem Arzt vertrauen.

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