Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Vergesst die Kopierbarkeit!

Sabine Nuss betont in ihrem Blog nochmal, warum ihr die in und um die Freie-Software-Szene üblichen Analysen zu kurz greifen:

Üblicherweise heißt es auf Seiten der Verfechter von Freier Software (wenn sie nicht eh schon kapitalismus-kritisch sind), dass diese spezielle Eigentumsform nur möglich ist, weil es sich um ein immaterielles und damit nicht-knappes Gut handelt. Das heißt ja im Umkehrschluss: In der materiellen Welt ist Privateigentum notwendig, weil hier die Güter knapp sind. Deshalb war es mir ja so wichtig, das herrschende Eigentumsverständnis zu untersuchen. Das ergab, dass sowohl die Kritiker des Geistigen Eigentums als auch die Befürworter auf Basis der gleichen theoretischen Vorannahmen argumentieren.

Aber wenn es so wäre – wenn es bei Freier Software tatsächlich primär auf die Immaterialität und dadurch gegebene freie Kopierbarkeit (a la „Universalgut„) ankäme, wäre sie als Keimform irrelevant, denn diese ist bei materiellen Gütern nunmal nicht gegeben. Doch zum Glück ist die freie Kopierbarkeit ja nicht alles und nicht das wichtigste. Es ist vielmehr ihre Produktionsweise der freien, nicht marktvermittelten Kooperation für ein gemeinsames Ziel, die Freie Software interessant macht.

Im von Sabine verlinkten Interview wird auch deutlich, dass sie diese Praxis der Freien Software sehr wohl für bedeutsam hält:

Was die Produktionsweise von Freier Software lediglich sehr anschaulich zeigt, ist, dass gesellschaftliche Produktion und Distribution möglich ist, ohne über Markt und Geld vermittelt zu werden. Das stellt ja so einiges auf den Kopf, was wir sonst in der Schule, an der Universität, in den Medien, von Ökonomen und so weiter erzählt bekommen: dass nur Privateigentum effizient sei, dass nur der Markt Produktion und Distribution lösen könne, dass sich „der Mensch“ nur gegen Entlohnung einsetzen würde, usw. Ich finde es zentral, dass solche Annahmen in Frage gestellt werden und dass untersucht wird, woher solche Dogmen überhaupt kommen – das ist es, was ich in meinem Buch mache.

Ein schönes Ziel 🙂

Kategorien: Eigentumsfragen, Freie Software, Theorie

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11. Februar 2007, 22:39 Uhr   1 Kommentar

1 benni (12.02.2007, 14:16 Uhr)

Ergänzend könnte man noch hinzufügen, dass das seit 68 traditionell so hehre Ziel der „Politisierung“ auch nur einen zweifelhaften Glanz (einmal weiter klicken ganz unten rechts) abstrahlt.

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