Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Metastudie »Open-Source-Software«

Alles mal zusammenzufassen, was es an Aufsätzen zu Open-Source-Software gibt — das ist der Anspruch der »Metastudie Open-Source-Software und ihre Bedeutung für Innovatives Handeln«. Die vom Forschungsministerium finanzierte Studie wurde von FH Brandenburg und Uni Potsdam erstellt und hat das „Innovationsverhalten“ von Software-Unternehmen im Fokus. Da „Innovation“ nur ist, was Geld bringt, lautet die Sichtweise der Studie — in freier Rede: »Wo und wie kann man mit Freier Software möglichst viel Geld rausschlagen?«

Dieser geldförmige Tunnelblick treibt dann solche Blüten:

»Es ist festzustellen, dass die Entwickler in Open-Source-Projekten wohl effizienter arbeiten als in der konventionellen Software-Entwicklung. Dies liegt hauptsächlich in der freiwilligen Arbeit und dem persönlichen Interesse an der jeweiligen Problemstellung begründet. Dass die Arbeit hier nicht einmal über Geldzahlungen entlohnt wird, ist dabei kein Widerspruch. … (Es) kann gefolgert werden, dass die Arbeit … eben auf andere Weise gut „entlohnt“ wird.«

Der Mensch als homo oeconomicus, und alles was er tut, macht er nur gegen „Entlohnung“ (und seien es „Ersatzentlohnungen“). Kaum zu glauben, aber es ist so primitiv.

»was ist der mensch?
ein haufen fleisch, in geld eingewickelt?« (Ernst-Wilhelm Händler)

Vielleicht muss man einfach ganz nüchtern den Kontext sehen. So wie Europa mit »FLOSS gegen die Yankies«, so auch Deutschland mit »FLOSS gegen Rest-Europa«? Ja, nüchtern betrachtet ist so die (Standort-)Logik: Alle gegen alle. Dass FLOSS — potenziell — für etwas anderes steht, fällt den Studienschreibern wohl nicht im Traum ein.

Kategorien: Freie Software, Medientipp

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2. Februar 2007, 15:44 Uhr   6 Kommentare

1 Christian (02.02.2007, 17:52 Uhr)

Der Link auf die Studie ist kaputt – ich hab sie hier gefunden (Vorsicht, fettes PDF).

Das „(Es) kann gefolgert werden“ ist ja tatsächlich erhellend! Schön, wenn die Leute ihre (Kurz-)Schlüsse immerhin so offen legen 🙂

2 StefanMz (02.02.2007, 18:18 Uhr)

Oh, danke für den Hinweis — ein Bug in WordPress. Der Link lautet eigentlich: http://innodes.fh-brandenburg.de/?lang=de&content=index#berichte — aber der Editor lässt nur den Anker übrig.

3 Ingo schaefer (16.03.2007, 10:05 Uhr)

Hallo,

Wie du bereits im Titel geschrieben hast, ist es eine Metastudie.

Das bedeutet auch, dass diese Feststellungen das sind, was wir in der Mehrzahl der gelesenen Werke an Aussagen gefunden haben. Du zitierst aus dem Fazit und hast vermutlich nicht einmal den Rest der Studie gelesen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektuere von Punkt 4.3.1 – da findest Du auch die entsprechenden Literaturverweise zum Nachlesen.

freundliche Gruesse,
Ingo

4 StefanMz (16.03.2007, 11:37 Uhr)

Hallo Ingo, ich habe das schon gelesen, und auch die meisten Quellen kenne ich. Was mich nur ungemein stört, ist das, was ich „geldförmiger Tunnelblick“ genannt habe und der die ganze Studie durchzieht. Ich zitiere jetzt mal aus dem von dir genannten Kapitel 4.3.1:

Es bleibt in jedem Fall festzustellen, dass der monetäre Aspekt für die Teilnahme an und die Motivation für ein Projekt nicht der Wesentliche ist. Natürlich muss überlegt werden, inwieweit die in Open-Source-Projekten vorhandene positive Einstellung und Motivation auch für kommerzielle Entwicklungen nutzbar gemacht werden kann.

Was bitte ist daran „natürlich“?

Und im übrigen hat ihr (natürlich?) die kritischen Positionen, die behaupten, dass Freie Software gerade deswegen erfolgreich ist, weil ihre Praxis gerade nicht der Verwertungslogik unterworfen ist, nicht referiert. So kommt denn auch die Stichworte „Entfremdung“ (negativ bei proprietärer Software) oder „Selbstentfaltung“ (positiv bei Freier Software) im ganzen Text nicht vor.

Warum ihr das so und nicht anders geschrieben habt, verstehe ich durchaus, wenn ich berücksichtige für wen und mit welchem vorgegebenen Ziel ihr die Studie erstellt habt. Solch harte Kritik (wie die meine) müsst ihr euch vermutlich eher selten anhören.

5 Shimbun (22.03.2007, 01:16 Uhr)

Ich habe mich zwar nicht durch die komplette Studie durchgeackert, aber das was ich gelesen habe fand ich recht interessant. Wobei ich deine Kritik durchaus nachvollziehen kann. Schade das Ingo dazu nicht nochmal Stellung genommen hat.

6 Ingo Schaefer (30.03.2007, 00:27 Uhr)

Hallo,

sorry dass ich mich nicht gemeldet habe, ich bin davon ausgegangen dass ich eine Mail bekomme, wenn jemand auf den Kommentar antwortet.

Nun inhaltlich: Der Auftrag lautete herauszufinden, was derzeit ueber Open-Source-Software geschrieben wird und welche Schlussfolgerungen fuer die deutsche Software-Industrie daraus zu ziehen sind.

Diesem Auftrag muss man als Auftragnehmer gerecht werden und wir glauben das getan zu haben.

Die kritischen Positionen, wie Du sie nennst, waeren ja kritische Positionen gegenueber der traditionellen Software-Entwicklung. Werke, die nur selbige kritisieren, standen nicht im Fokus der Studie. Es gibt aber durchaus einige Papiere, die ueber Selbstentfaltung geschrieben haben und das sollte in dem Kapitel ueber Motivation auch deutlich geworden sein. Ob nun genau dieses Wort verwendet wurde, weiss ich jetzt nicht – habe diesen Teil aber auch nicht derart aktiv mitgeschrieben.

Eine zu 100% umfassende Studie ohne konkrete Fragestellung ist unmoeglich zu erstellen und waere zudem nutzlos. Es steht dir aber frei, mit Hilfe unserer Literaturdatenbank und den entsprechend gepflegten Thesaurus-Eintraegen den Literaturbestand nach eigenen Kriterien zu erschliessen und eine Studie anzufertigen.

Wenn Du noch weitere Literatur zum Thema hast, kannst Du sie auch nach unserem Thesaurus bearbeiten, einen Abstract dazu schreiben und uns die Daten zur Verfuegung stellen. Dann pflegen wir das gern ein.

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