Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Freie Software in Venezuela

Vielleicht mal als Gegenpol zu dem zuletzt von Thomas geposteten skeptischen Bericht aus Brasilien hier mal ein euphorischer Artikel von Telepolis über die Freie Software Szene in Venezuela:

Doch Samán ist kein Sozialdemokrat, er geht aufs Ganze: Freie Software ist für ihn keineswegs automatisch der Inbegriff für eine bessere Welt, SuSE und Novell (zwinkert er uns zu) sind doch ganz normale kapitalistische Firmen, die nur Microsofts Monopol brechen wollen. Was ihre Entwicklung angeht, müsse „Freie Software auch frei von Ausbeutung sein“. Er spricht von „sozialistischer Software“ und schlägt vor, diesen Gedanken als eine weitere einzufordernde Freiheit zu betrachten. Man darf wohl weiterhin gespannt auf Venezuela blicken – und beobachten, wie die Produktionsbedingungen für Open Source-Software dort demnächst aussehen.

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Freie Software

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5. Februar 2007, 11:35 Uhr   1 Kommentar

1 Christian (06.02.2007, 16:55 Uhr)

Hm, Venezuela, naja. Dass Chávez immer von „Sozialismus“ spricht, ist ja schon deswegen etwas merkwürdig, weil Venezuela eindeutig ein kapitalistisches Land ist und bleibt (wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann 😉 ). Zu seiner „Sozialismus“-Vorstellung hab ich kürzlich im Blog der P2P Foundation was erhellendes gelesen:

Q. What would be the decisive step that the President would have to take to arrive at socialism of the 21s century in Venezuela?

A. They are two: 1. to gradually replace the regulating principle of market economy, price, by the regulating principle of socialist economy, value, understood as time inputs (insumos de tiempo) necessary for the creation of a product; and 2. to advance the economic participation of citizens and workers at three levels: 1. at the macroeconomic level (e.g., national budget); 2. at the mesoeconomic level (municipality); and, 3. at the microeconomic level (enterprise). […]

Injustice exists when a product “A” is exchanged for a product “B,” and their values — the labor time necessary to produce each one of them — are not equal, that is to say, when equivalents are not exchanged. […]

Socialism today is essentially a problem of informatic complexity. Hence, the transcendental step consists in establishing socialist accounting (value) next to capitalist accounting (price), in the State, PdVSA-CVG, and cooperatives, in order to construct an economic circuit of production and circulation parallel to that of the capitalist market economy. […] Since the scales of valuation by prices, values, and also volumes are commensurable, there are no ruptures in economic exchanges that could cause a political problem to the government.

Seufz. Als ob ein Kapitalismus, in dem nach Arbeitszeiten statt nach Marktpreisen abgerechnet würde, irgendwie besser oder gar „sozialistischer“ funktionieren würde! Wenn in Bezug auf Venezuela von „Sozialismus“ die Rede ist (wie im Text), sollte man also wohl besser „naiver Gutmenschen-Kapitalismus“ denken, um zu verstehen, was gemeint ist.

(Wenn man sich dann noch Chávez Wahl seiner Verbündeten anschaut, ist es mit dem „Gutmenschen“-Tum nicht mehr weit her, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

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