Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Buch »Freie Netze. Freies Wissen.«

Neben Vilnius trägt Linz im Jahr 2009 den Titel Kulturhauptstadt Europas. Linz, Stätte des Prix Ars Electronica, ist prädestiniert, sich mit den Freien Bewegungen auseinanderzusetzen. Und das ist bereits geschehen, das Ergebnis liegt nun als Buch vor — selbstverständlich unter einer Creative Commons Lizenz. Zwei Zitate auf der Buchrückseite stehen prägnant für den Inhalt:

»Die Bewegung für Freie Software ist eine Bewegung für Menschenrechte und für soziale Veränderung.« (Richard Stallman)

»Es gibt keine Kunst, die nicht wiederverwendet.« (Lawrence Lessig)

Der Aufbau

Das Buch ist sehr übersichtlich und interessant aufgebaut. Jedes Kapitel wird durch einen redaktionellen Beitrag eingeleitet, die zum Teil gut illustriert sind. Danach folgen ein oder zwei Interviews zum Thema. Abgeschlossen wird jedes Kapitel — und das ist wirklich klasse! — durch Projektbeschreibungen zur praktischen Umsetzung des im Kapitel behandelten Themas vor Ort für Linz.

Der Inhalt

… wird übersichtlich durch das Inhaltsverzeichnis dokumentiert. Ich ergänze das Verzeichnis jeweils um die Unterüberschriften, die o.g. Interviews und die Titel der geplanten Projekte. Dadurch bekommt man einen guten Eindruck von der Reichhaltigkeit des Buches.

  • Kapitel 1: Freiheit liegt in der Luft: Freie Funknetze und ihr Beitrag zur Bekämpfung der „Digitalen Spaltung“
    • Interview mit Aaron Kaplan (funkfeuer.at): »Warum sollten schwingende elektromagnetische Wellen etwas kosten außer Strom?«
    • Projekt: Freies Netz für alle Linzer/innen
    • Projekt: Laptops für Linz
    • Projekt: Open Courseware für Universitäten
  • Kapitel 2: Kreativität in Fesseln: Wie Urheberrecht Kreativität behindert und doch mit seinen eigenen Waffen geschlagen werden kann
    • Interview mit Lawrence Lessig (Stanford/Creative Commons): »Vorbildwirkung auf der lokalen Ebene«
    • Interview mit Hubert Hummer (Wissensturm): »Jeder Freie Zugang zu Wissen und Kultur belebt das kreative Potential«
    • Projekt: Interaktive Webothek in Linz einrichten
    • Projekt: Printout-Service in Bibliotheken
    • Projekt: Linzer Open-Content-Grid für neue Werke
  • Kapitel 3: Offene Lehre ist freie Lehre ist gute Lehre: Viele Universitäten publizieren Lehrunterlagen als „Open Courseware“. Schulen und Bildungseinrichtungen könnten folgen.
    • Interview mit Anne Margulies (MIT Open Courseware): »Offene Systeme sind die Zukunft«
    • Interview mit Thomas Pfeiffer (Uni Klagenfurt): »Die Veröffentlichung von Lehrmaterialien muss selbstverständlich werden!«
    • Projekt: Open Courseware (OCW) an Linzer Grundschulen
    • Projekt: OCW für Erwachsenenbildung
    • Projekt: OCW für Universitäten
  • Kapitel 4: Freie Software für freie Bürger/innen: Kommunale Chancen und Aufgaben bei der Verwendung Freier und Open Source Software
    • Interview mit Richard Stallman (Free Software Foundation): »Die Bewegung für Freie Software ist eine Bewegung für Menschenrechte und für soziale Veränderung.«
    • Interview mit Anne Östergaard (GNOME-Projekt): »Das Kooperationsmodell von Freier Software ist in den meisten Gesellschaftsbereichen anwendbar.«
    • Projekt: Freie Software für alle (Linzer/innen)
    • Projekt: Freie Software für Linz (Verwaltung der Kommune)
    • Projekt: Freie Software für Linzer Schulen
  • Kapitel 5: Zurück in die Zukunft des Internet: Blogs und Wikis bringen das Internet näher an seinen Ursprung
    • Interview mit Christoph Schultheis (bildblog.de): »Kein Vertrieb, kein Verkaufspreis, keine Abhängigkeiten.«
    • Interview mit Kurt Jansson (Wikimedia Deutschland): »Da hat es klick gemacht und ich dachte: Geil.«
    • Projekt: Linz Public Space Server
    • Projekt: Virtual Space Invaders (Blogossphäre im realen Raum sichtbar machen)
    • Projekt: Wiki-Grafitty „Semapedia“
  • Kapitel 6: Ars Electronica Activa – Die Kunst des digitalen Lebens: Potentiale des erweiterten Ars Electronica Centers für die „Digital Community“
    • Interview mit Gerfried Stocker (Ars Electronica Center): »Mischung aus Best-of und Labor«
    • Interview mit Herbert W. Franke (Autor): »Nicht nur ein weiteres Museum«
    • Projekt: Gulliver im World Wide Web
    • Projekt: Community-Fabber im Ars Electronica Center
    • Projekt: Raum für die Community
  • Kapitel 7: Freiheit der Kunst durch freie Werke? Kunst und Kultur im Zeittalter digitaler Remixes
    • Interview mit Johannes Grenzfurthner (Monochrom): »Das ist wie beim Hamburger: am wenigsten hat davon die Kuh.«
    • Interview mit Udo Raaf (tonspion.de): »Ich glaube nicht an die eierlegende Wollmilchsau.«
    • Projekt: Linz 2009 Commons
    • Projekt: Förderung der Linzer Creative Commons Kultur
    • Projekt: Linz Public Culture Server
  • Kapitel 8: Digitale Freiheit für Forschung und Forscher/innen: Open Access macht wissenschaftliche Publikationen frei verfügbar. Und Wissenschaft besser.
    • Interview mit Gerhard Fröhlich (Universität Linz): »Die Journalbranche hat Gewinnraten wie der Waffen- und Drogenhandel«
    • Interview mit Melissa Hagemann (Open Society Institute): »Politiker müssen sich zu Open Acces bekennen«
    • Projekt: Open Science Institut an der Universität Linz
    • Projekt: Linzer Open Access Award
  • Kapitel 9: Die Voraussetzungen der Freiheit: Die Bewegung für freies Wissen und ihre Bedeutung für die Stadt
    • Interview mit Volker Grassmuck (Humboldt Universität Berlin): »Die Abrechnung mit dem 20. Jahrhundert«
    • Projekt: Studium der Webwissenschaften an der Uni Linz
  • Statt eines Glossars: Digitale Freiheit von A bis Z

Das Linzer Buchteam hat mit »Freie Netze. Freies Wissen.« ein reichhaltiges Kompendium vorgelegt: Für Einsteiger/innen bestens geeignet, für Kenner/innen findet sich immer wieder neue Details. Herausragend sind die praktischen Vorhaben, die Projekte, die bis zum oder im Kulturhauptstadtjahr umgesetzt werden sollen. Bitte nachmachen und remixen — auch ohne Kulturhauptstadttitel!

Kategorien: Freie Inhalte, Freie Software, Medientipp

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4. März 2007, 15:14 Uhr   7 Kommentare

1 Morglin (05.03.2007, 22:45 Uhr)

Werd’s auf jeden Fall mal lesen. Danke für den Artikel!

2 keimform.de » Elsevier akzeptiert Open Access (08.03.2007, 23:20 Uhr)

[…] Elsevier hat mit seiner aggressiven Preispolitik — »Die Journalbranche hat Gewinnraten wie der Waffen- und Drogenhandel« (Gerhard Fröhlich, Universität Linz, vgl. Freie Netze – Freies Wissen) — nicht nur die Zeitschriftenkrise im Bibliothekswesen mit verursacht, sondern sich selbst auch das erste kleine Sargnägelchen zurechtgehämmert: Der Weg zu Open Access Global ist vorgezeichnet — auch wenn er noch weit ist. […]

3 Achmed Khammas (17.03.2008, 02:43 Uhr)

Freie Inhalte zum Thema Erneuerbare Energie habe auch ich ins Netz gestellt: Seit fast einem Jahr gibt es das Buch der Synergie… kostenlos und online (quasi als eBook).

33 Jahre gesammeltes Material plus 2 Jahre Übersetzungen, Eingabe, Digitalisierung…

http://www.buch-der-synergie.de

Viel Spaß beim durchforsten der rund 2.000 Seiten (Stand Anfang 2008)

4 benni (17.03.2008, 09:16 Uhr)

@Achmet: Also ich habs nur überflogen, aber mir sieht das sehr nach dem Vorschlag aus, ein Perpetuum Mobile zu bauen…

5 Franz Nahrada (24.07.2010, 16:01 Uhr)

@ benni: ich seh Achmets Buch eher als eine unglaublich gut recherchierte und einzigartige Sammlung verschiedenster Wege und Techniken, mit dem Geschenk der solaren Energie richtig umzugehen. Unbedingt lesenswert!

6 Freiheit vor Ort: Handbuch kommunale Netzpolitik — keimform.de (12.04.2011, 07:47 Uhr)

[…] Jahr nach Erscheinen von »Freie Netze. Freies Wissen« erscheint mit “Freiheit vor Ort: Handbuch kommunale Netzpolitik” (2011, Open Source […]

7 Kommunale Netzpolitik | Gemeingüter (12.04.2011, 10:57 Uhr)

[…] Jahr nach dem Buch »Freie Netze. Freies Wissen« erscheint mit “Freiheit vor Ort: Handbuch kommunale Netzpolitik” (2011, Open Source Press) eine […]

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