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100$-Laptop als Basis einer P2P Infrastruktur ?

Technology Review berichtet unter dem Titel „Die Philantropie-Maschine“ über die Initiative 100$-Laptop, die ich schon seit einiger Zeit gespannt beobachte. Die Idee damit zur Bildung armer Kinder beizutragen finde ich nicht spannend. Das Gerät könnte aber als Basis einer P2P-Infrastruktur für Alternativökonomie dienen. Sollte es wirklich in Produktion gehen, hätte es folgende Vorzüge:

  • relativ Preisgünstig
  • große Verbreitung, dadurch Standardisierung
  • läuft relativ unabhängig von käuflicher Energieversorgung (geringer Energieverbauch und von Menschen betriebener Generator)
  • kann sich mit anderen Einheiten vernetzen (WLan)

Damit könnten autonome Kommunikationsnetzwerke aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang interessieren mich Projekte, die an asynchroner Kommunikationsinfrastruktur arbeiten. Kennt jemand irgendwas in dieser Richtung ?

Kategorien: Freie Software, Soziale Netzwerke

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28. Dezember 2006, 21:11 Uhr   8 Kommentare

1 Florian Konnertz (29.12.2006, 02:14 Uhr)

mußte jetzt an freifunk.net denken, autonom von käuflicher internetzugängen werden/bleiben. Gute Sache. ein einfaches stamdard laptop zu bauen und autonome Stromerzeugung. Sollte man auch für andere Geräte nutzen können. – Daß mehr Menschen / Kinder ins Netz können ist ne gute Sache, mehr Technik bringt aber nicht gleichzeitig mehr Bildung 🙂

2 benni (29.12.2006, 13:10 Uhr)

Soweit ich das Projekt verstanden habe, wäre der Laptop nicht auf dem freien Markt erhältlich sondern würde von Regierungen bestellt und verteilt. Damit taugt das IMHO zunächst nicht für Deine Fantasien.

Ausserdem: Den von menschen betriebenen Generator (Handkurbel) haben sie im aktuellen Entwurf gestrichen (zu große Probleme mit der Stabilität).

3 Christian (29.12.2006, 16:00 Uhr)

Im FAQ heißt es dazu:

The laptops will be sold to governments and issued to children by schools on a basis of one laptop per child. Initial discussions have been held with China, India, Brazil, Argentina, Egypt, Nigeria, and Thailand. An additional, modest allocation of machines will be used to seed developer communities in a number of other countries. A commercial version of the machine will be explored in parallel.

Der letzte Satz deutet also an, dass die Laptops doch auch auf den freien Markt kommen könnten. Ich sehe auch nichts, was degegen spräche, außer dass die Hardwarehersteller sauer sein dürften, wenn man ihnen so das Geschäft vermasselt.

Außerdem frage ich mich, warum die Dinger ohne Festplatte kommen:

What can a $1000 laptop do that the $100 version can’t?
Not much. The plan is for the $100 Laptop to do almost everything. What it will not do is store a massive amount of data.

Weiß jemand, was das soll? Plattenplatz ist heute doch wirklich lächerlich billig… Angst, dass die Laptops zum Speichern von Raubkopien genutzt werden?

4 Thomas Kalka (29.12.2006, 21:46 Uhr)

@benni:
Zur „freien Verkäuflichkeit“: Ich kann mir nicht vorstellen, dass in noch mehr „gemeinschaftlich“ organisierten Kulturen, ein „im Besitz“ des Kindes befindliches Laptop nicht auch von der Gemeinschaft (Eltern) benutzt wird.
Sollten wirklich Millionen von diesen Dingern in einem Land verfügbar sein, würde schon ein kleiner Anteil für Infrastruktur zur Verfügung stehen.

zum Generator: Die Idee den Generator zum Bestandteil des Laptops zu machen wurde verworfen. Soweit ich informiert bin, gibt es diesen nun als Zubehör.

@christian: Ich denke, dass die Dinger dafür konzipiert sind, eine Weile lang zu laufen. Bewegliche mechanische Teile wie Festplatten gehen viel schneller kaputt als Flash-Speicher. Falls das Ding USB-Anschlüsse hat, ist es ja auch leicht erweiterbar.
Ich denke aber auch, dass eine „künstliche Knappheit“ an Speichervolumen ein Motiv sein könnte.
Für die Daten einer Koordination von Kooperation geht, sollten einige zig Megabyte ausreichen.

5 Florian Konnertz (30.12.2006, 00:16 Uhr)

Gibt alles gut Sinn was ihr sagt.
Ein Schelm wer mutmaßen würde, es wäre so ähnlich gedacht wie mal diese Surf-Boxen die beim Einschalten erstmal ihr M$-„Betriebssystem“ runterladen. So würde dann alle kleinen Erdenbürgerlein weiterhin eine Familie bleiben (wieder eine werden, wow!) und der Pate könnte sie behüten.

6 StefanMz (04.01.2007, 14:17 Uhr)
7 ibu (05.01.2007, 13:26 Uhr)

Thomas, meinst du mit „asynchron“ store&forward? Also so ähnlich wie emails, nur dass die Daten an jedem gateway/hop node auch ausgewertet und mit dem lokalen Datenbestand synchronisiert werden? – Klingt spannend, kenne da allerdings leider auch nichts.

8 Iromeister (22.02.2007, 20:43 Uhr)

Kennt ihr das CL-Netz? Mir ist das über den Bielefelder FoeBuD () ein Begriff. Zumindest früher war das ein Mailbox-Netz, das auf store&forward-Basis funktionierte. Heutzutage benutzen sie wohl NNTP.

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