Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

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Geldfreie Produktion (1): Subsistenz, Zentralplanung, Commons

Demonetize-Logo mit Fragezeichen(Voriger Artikel: Verteilung ohne Geld?)

[Dieser Text entstand im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts Die Gesellschaft nach dem Geld.]

Produktion verstehe ich in einer umfassenden Weise, die in Anlehnung an Dalton (1971: 25) den Versorgungsprozess mit notwendigen und gewünschten Tätigkeiten und Gütern umfasst. Zuhause essen kochen oder die Kinder ins Bett bringen ist in diesem Sinne ebenso Produktion wie das Installieren einer Software auf einem Computer oder die Herstellung des Computer.

Bei der Frage, wie produziert wird, ist zunächst zwischen Produktion für den erweiterten Eigenbedarf und Produktion für allgemeine andere zu unterscheiden. Mit „erweitertem Eigenbedarf“ ist dabei die Produktion für sich selber ebenso wie für Verwandte und Bekannte gemeint – für Personen, zu denen eine persönliche Beziehung besteht. Wenn ich für mich oder meine Familie Essen koche oder einem Freund das Fahrrad repariere, ist das erweiterter Eigenbedarf; baue ich ein Bett oder einen Computer zusammen, ohne zu wissen, wer diese später nutzen wird, ist das Produktion für allgemeine andere. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Theorie

28. Juli 2017, 07:02 Uhr   2 Kommentare

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150 Jahre „Das Kapital“ in der SZ

Die Süddeutsche Zeitung hat ein Dossier zum 150. Jahrestag des Erscheinens von Karl Marx‘ Kapital gemacht. Da durften die Volontär*innen der SZ ran. Sie hat „Experten befragt“, tatsächlich Frauen und Männer. Alle Antworten sind online nur hinter einer Paywall zugänglich. Die mir gestellte Frage lautete:

Was hätte Marx dazu gesagt, wenn Roboter die Arbeit von Menschen übernehmen?

Ich habe die Antwort von unterwegs geschrieben, und es ging hin und her. Die letzte Version ist nicht von mir. Ich habe sie erst in der Zeitung gelesen. So sieht sie aus (abgetippt):

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Kategorien: Commons, Medientipp

25. Juli 2017, 18:30 Uhr   Kommentieren

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Gebrauchswert

Streifzuege 70[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

Karl Marx hat in genialer Weise die kategoriale Struktur des Kapitalismus analysiert. Dennoch gibt es auch in seinem Werk deutliche Widersprüche, und einer ist die Verwendung des Begriffs Gebrauchswert. Einerseits definierte Marx Gebrauchswert als überhistorisch gültige Kategorie: „Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei“, schrieb er gleich zu Beginn im Kapital.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

11. Juli 2017, 09:53 Uhr   16 Kommentare

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Verteilung ohne Geld?

Demonetize-Logo mit Fragezeichen(Voriger Artikel: Das Geld, eine historische Anomalie?)

[Dieser Text entstand im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts Die Gesellschaft nach dem Geld.]

Oft liegt Kritiken des geldbasierten Wirtschaftens die Vorstellung zugrunde, dass das, was früher möglich war, auch in Zukunft wieder funktionieren könnte. So erklärt Thomas Herzig (2011): „Zunächst einmal ist die geldlose Gesellschaft gar keine Utopie. Sie hat seit dem Erscheinen des Homo Sapiens vor ca. 160.000 Jahren die meiste Zeit nachhaltig funktioniert.“

Die Schwierigkeit einer solchen Vorstellung liegt darin, dass sie zum einen ungenau ist (wie wir gesehen haben, spielten Geld und Märkte in vielen früheren Gesellschaften zumindest eine gewisse Rolle), zum anderen von Voraussetzungen ausgeht, die sich von der heutigen Situation stark unterscheiden. Die Bevölkerungsdichte war früher sehr viel geringer. Zwar ist der Kapitalismus heute nicht in der Lage, sieben Milliarden Menschen „nachhaltig“ zu versorgen – vielen fehlt es am Nötigsten, während zugleich die Erde systematisch übernutzt wird. Jedoch brauchten frühere Gesellschaften, insbesondere die tatsächlich geldfreien Jäger-und-Sammler-Kulturen, ein Vielfaches der heute zur Verfügung stehenden Flächen pro Person. Da die sieben Milliarden nicht einfach verschwinden werden, ist ein direktes Zurück zu vorkapitalistischen Produktionsweisen schon deshalb undenkbar.

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Kategorien: Reichtum & Knappheit, Theorie

27. Juni 2017, 07:14 Uhr   59 Kommentare

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Das Geld, eine historische Anomalie?

Über 2500 Jahre alte Münze[Dieser Text entstand im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts Die Gesellschaft nach dem Geld.]

Die Vorstellung einer „Gesellschaft nach dem Geld“ impliziert, dass Geld ein historisches Phänomen von begrenzter Dauer ist. Alle von Menschen verwenden Werkzeuge (in einem weiten Sinne) sind irgendwann entstanden. Grundsätzlich macht es Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, unter welchem Umständen sie künftig wieder verschwinden können und ob dann etwas anderes an ihre Stelle treten oder aber ihre Funktion komplett überflüssig werden würde. Spekulieren ließe sich etwa über eine „Gesellschaft nach dem Auto“, in der die heute unter anderem von Automobilen erfüllte Funktion (der Transport von Personen und Dingen) vollständig von anderen Arten von Fahrzeugen übernommen wird (z.B. Bahnen, Fahrrädern und Drohnen). Dabei muss man allerdings auch begründen, warum man es für plausibel hält, dass eine solche Entwicklung eintreten wird.

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Kategorien: Reichtum & Knappheit, Theorie

25. Mai 2017, 07:05 Uhr   35 Kommentare

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Zivilisationskritisches Sommercamp

Ab Juni wird das zivilisationkritische Sommercamp in der Traumschule vorbereitet und aufgebaut. Es ist selbstorganisiert und Open Space. Veranstaltungsort und Experimentierfeld ist der Freiraum Traumschule Riebau, eine ehemalige Grenzkaserne, Aktionsplattform und selbstorganisierter Lernort im Grünen mit vier Hektar Platz drumherum. Das Camp bietet auch viel Platz und Zeit für Erholung, Ausspannen, Wanderungen in der Natur, interessante Diskussionen und entspannte Gespräche.

Wann: 1. Juni bis September, open end. Im Juli starten Veranstaltungen und praktische Workshops zu Themen wie Postwachstum, Autarkie, Photovoltaik, solidarische Vernetzung, Leben ohne Geld und viele mehr. Eine immer aktuelle Liste findet ihr hier: ts.blogsport.de/sommercamp/

Kategorien: Commons, Termine

16. Mai 2017, 12:37 Uhr   3 Kommentare

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MOVE: Neue Energie für Utopie

„Utopisch“ ist das neue „Realistisch“, schreibt Christiane Kliemann auf dem Degrowth-Blog in einem Artikel zu MOVE UTOPIA. Das, was bisher im umgangssprachlichen Sinne Realität und Normalität ausmachte, ist dabei sich aufzulösen. Sie fährt fort:

In Abwesenheit der alten Realität rückt nun jegliche Utopie oder leider auch Dystopie, die sich überhaupt nur denken lässt, in den Bereich des Möglichen. Daher liegt es an uns allen, die wir heute auf dieser Erde leben, zu entscheiden, welche der möglichen Utopien wir in die Welt bringen und zu unserer konkreten Realität machen wollen. Das einzige, was in diesen Zeiten noch unrealistisch erscheint, ist das Aufrechterhalten der alten Realität.

Bringen wir nicht Utopisches nach vorne, so setzt sich Dystopisches durch. Regressive, exklusionsradikale, menschenfeindliche Bewegungen setzen auf schlichte Schließungsreflexe im Angesicht drohender Abstiege.

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Kategorien: Commons, Termine

16. April 2017, 16:16 Uhr   Kommentieren

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Tarantel: Das Neue im Alten

Die LINKE hat eine Ökologische Plattform, und die Tarantel ist ihre Zeitschrift. Im neuen Heft ist ein Interview mit mir. Zu Kapitalismus, Krisen und Commons:

Gespräch mit Stefan Meretz

Wie siehst Du die Zukunft?

Global gesehen, sehr kritisch, aus verschiedenen Gründen. Der Kapitalismus hat die Produktivkräfte so weit entwickelt, dass sie zu Destruktivkräften geworden sind. Er ist dabei, sich „tot zu siegen“. Nachdem er den Realsozialismus besiegt hat, arbeitet er jetzt daran, sich als Zivilisationsmodell aus der Geschichte zu verabschieden. Seine Weise der Produktion von Gütern und Leistungen zerstört systematisch die Natur-Grundlagen eben dieser Produktion. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Feindbeobachtung, Theorie

11. April 2017, 16:31 Uhr   5 Kommentare

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Suhl: Das Potenzial von Commons

Silke Helfrich hält am 29.3.2017 in Thüringischen Suhl einen Vortrag mit dem Titel: »Das demokratische Potential von Commons als alternative Wirtschaftsform«:

  • Wo? — Kulturbaustelle, Friedrich-König-Straße 35, 98527 Suhl
  • Wann? — 29.03.2017, 18:30 – 20:30 Uhr

Weitere Infos

Kategorien: Commons, Termine

28. März 2017, 13:54 Uhr   Kommentieren

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Text „Care-Revolution und Industrie 4.0“

[Text zu meinem Vortrag auf der Leipziger Tagung „Digitalisierung und soziale Verhältnisse im 21. Jahrhundert“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen im Juni 2016, erschienen in: Dieter Janke, Jürgen Leibiger (Hrsg.), Digitale Revolution und soziale Verhältnisse im 21. Jahrhundert, Hamburg: VSA, S. 27-38]

Care-Revolution und Industrie 4.0

Die Dialektik von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen vom Kopf auf die Füße stellen

Was haben das Wickeln von Babys und das Konfigurieren von Robotern miteinander zu tun? Nein, es geht hier nicht um techno-utopistische Fantasien, nach denen letztere, die Roboter, bald ersteres übernehmen sollen. Und auch nicht darum zu behaupten, beide Tätigkeiten seien algorithmisch doch prinzipiell das Gleiche. Sondern es geht mir darum zu zeigen, dass Entwicklungen in zwei getrennten gesellschaftlichen Sphären, dem sogenannten Care-Bereich und dem sogenannten Produktionsbereich, überraschend ähnliche Tendenzen zeigen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Freie Hardware, Freie Inhalte, Freie Software, Gender, Theorie

23. März 2017, 07:04 Uhr   2 Kommentare